Alois Reinitzer

österreich-ungarischer Bildhauer und Ziseleur From Wikipedia, the free encyclopedia

Alois Reinitzer, in Frankreich häufig Aloïs Reinitzer geschrieben, (* 20. Februar 1865 in Prag; † 1917 in Graz) war ein österreich-ungarischer Bildhauer und Ziseleur.[1][2]

Er kann verwechselt werden mit dem Prager Verleger Alois Reinitzer (Verlage: Schönfelder & Reinitzer, ab 1863 A. Reinitzer, ab 1869 Reinitzer & Popitz, ab 1870 Reinitzer & Co.).[3]

Leben

Er war Bruder des Chemikers Benjamin Reinitzer (1855–1928) und des Biologen und Chemikers Friedrich Reinitzer (1857–1927).[4]

Reinitzer besuchte eine deutschsprachige Oberrealschule in Prag.[5] Danach zog er 1883 nach Wien, um dort Kurse an der Akademie der bildenden Künste bei Edmund von Hellmer zu belegen.[2] Zwei Jahre später zog er zurück nach Prag, um dort an der neu gegründeten Kunstgewerbeschule zu lernen.[2] Von 1885 bis 1888 absolvierte er das dreijährige Grundstudium mit Schwerpunkt Figur- und Ornament-Modellierung.[2][6] Danach folgte von 1888 bis 1890 das fachspezifische Studium über Plastiken mit Schwerpunkt figürliche Darstellung bei Josef Václav Myslbek.[2][6] Von 1889 bis 1890 war er parallel dazu einjähriger Hospitant im Spezialstudium zum Thema künstlerisch-industrielle Metallverarbeitung.[6] In den Jahren 1890 und 1891 arbeitete er in München.[2] Von 1891 bis 1895 arbeitete er in Berlin im gleichen Haus wie Heinrich Günther-Gera und erschuf dekorative Elemente für den Reichstag.[2][7] Danach zog er nach Paris und lernte an der Académie Julian in Paris unter Denys Puech.[2] Bis 1915 blieb er der Stadt treu.

Seinen Durchbruch in Paris schaffte Reinitzer 1896 mit einer filigranen Statue auf dem Salon des Champs-Élysées, veranstaltet von der Société des Artistes Français, später zur besseren Unterscheidung Salon des Artistes Français genannt.[2] Im Jahr 1899 beantragte er eine eigene Erzeugerpunze für Schmuck aus Edelmetall, denn er stellte Silberschmuck im Kundenauftrag her.[8] Er bekam eine Punze mit dem Kürzel ER für den Namen Eloi Reinitzer, die unbenutzt zurückgegeben wurde.[8][9]

Der Kunstverein für Böhmen sah die Statue Egyptischer Harfenspieler als kunstgewerbliche Arbeit und ihn als Deutschböhmen an.[10]

Reinitzer nahm an der Pariser Exposition universelle de 1900 als Künstler für Österreich teil.[2] In seiner Kategorie Sculpture et Gravure en Médailles et sur Pierres fines, auf Deutsch: Skulpturen und Gravuren auf Medaillen und auf flachen Steinen, bekam er zusammen mit 150 anderen Künstlern aus aller Welt eine Médaille de Bronze verliehen, die höchste Auszeichnung in der Kategorie.[11]

Er schuf Statuen für die Wohnungsausstattung und künstlerische Objekte für Repräsentation und den täglichen Gebrauch.[2][12] Beispielsweise Schreibtischutensilien im Jugendstil.[13][14] Daneben fertigte er fein ziselierte Porträts auf zeitgenössischen Schmuckstücken und Schmuck.[15] Reinitzer arbeitete seit 1909 für La Maison Arnould in Paris, das unter der Linie Arnould Editeur aufwendige Accessoires und Objekte von Hutnadeln bis Blumentopf im Jugendstil vertrieb.[9][16]

Im Dezember 1915 wurde sein Eigentum in Paris unter treuhändische Verwaltung genommen, wie auch das Eigentum anderer Betriebsleiter und Firmenbesitzer deutscher, österreichischer oder ungarischer Nationalität, die Frankreich verließen.[17]

Werke (Auswahl)

Ausstellungen (Auswahl)

  • 1891: München, Objekt: Lanceur de Pierres[2]
  • 1892: Dresden, Objekt: St. Oswald, König der Angelsachsen[2]
  • 1895: Wien, Objekt: St. Oswald, König der Angelsachsen (Gipsstatue)[2][18]
  • 1896: Salon des Champs-Élysées/Salon des Artistes Français. Objekt: Joueur de harpe (deutsch: Harfenspieler; Gipsstatue)[2]
  • 1897: Salon des Artistes Français. Objekte: Portrait de M. Schurmann (Bronzebüste), Harpiste Égyptien (Gipsstatue)[2]
  • 1898: Salon des Artistes Français. Objekt: Saint Oswald, roi des Anglo-Saxons (deutsch: Heiliger Oswald, König des angelsächsischen Königreiches Northumbria; Gipsstatue)[2]
  • 1899: Salon des Artistes Français. Objekte: Plat en Faience à reflets métalliques, Encrier en grès flambé[2]
  • 1899: Grosse Berliner Kunstausstellung 1899, Objekt: Egyptischer Harfenspieler (Bronze)[19][12]
  • 1899: 60. Jahres-Ausstellung des Kunstvereins für Böhmen (im Rudolfinum, Prag), Objekte: Schmucksachen in Silber[15][20]
  • 1900: Exposition Universelle de 1900 – L'exposition décennale des Beaux-Arts, Objekte: Jouer de harpe égyptien, Objets d'art (Eine Anzahl étains in nachgeahmten französischen Stil – kleine nackte Figuren an oder auf zahlreichen kleinen Objekten für den Hausgebrauch[21])[22]
  • 1900: Exposition Universelle de 1900, Objekte: Mlle H. P[ ... ] (Porträt), Mlle M. T[ ... ] (Porträt)[2]
  • 1901: Salon des Artistes Français.[23]

Einzelnachweise

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