Fiat Cityway
Von Fiat entwickelter niederfluriger Straßenbahnfahrzeugtyp
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Der Cityway ist eine von 1997 bis 2003 in zwei Generationen hergestellte Straßenbahn-Fahrzeug-Plattform des Herstellers Fiat Ferroviaria bzw. später Alstom. Die niederflurigen Gelenktriebwagen wurden für die Straßenbahn Rom, die Straßenbahn Turin und die Straßenbahn Messina gebaut.
| Cityway I | |
|---|---|
| Nummerierung: | 9101–9128 |
| Anzahl: | 28 |
| Baujahr(e): | 1997–1999 |
| Achsfolge: | Bo’2’2’Bo’ |
| Spurweite: | 1445 mm |
| Länge: | 30,7 m |
| Breite: | 2400 mm |
| Drehgestellachsstand: | 1750 mm |
| Raddurchmesser: | 680 mm |
| Leermasse: | 40 t |
| Höchstgeschwindigkeit: | 70 km/h |
| Dauerleistung: | 4 × 178 kW |
| Stromsystem: | 600 V = |
| Stromübertragung: | Oberleitung, 1 Einholmstromabnehmer |
| Antrieb: | Drehstrom-Asynchronmaschinen |
| Sitzplätze: | 54 |
| Stehplätze: | 136 (4/m²) |
| Fußbodenhöhe: | 880 mm 350 mm |
| Niederfluranteil: | 65 % |
| Betriebsart: | Zweirichtungswagen |
| [1] | |
Cityway I
Fahrzeuge des Typs Cityway I wurden nur für die Straßenbahn Rom gebaut. Der Typ basiert auf dem ab 1989 von Fiat, Stanga und Ansaldo für die Straßenbahn Turin gebauten Typ TPR, ist jedoch deutlich weiterentwickelt, fünf- statt dreiteilig und ein Zweirichtungswagen. Wie beim Typ TPR laufen die Endwagenteile auf je einem Triebdrehgestell, über welchem der Fahrgastraum hochflurig ist. Zwischen Drehgestell und Gelenk ist jedoch nur eine statt zwei Doppeltüren pro Türseite angeordnet. Die Endwagenteile sind auf zwei sehr kurze Mittelteile aufgesattelt, die dem Mittelteil des Typs TPR entsprechen und auf je einem Lauffahrwerk mit Losradsätzen laufen. Zwischen diesen ist ein fahrwerksloses Mittelteil mit zwei Doppeltüren auf beiden Seiten angeordnet. Die Mittelteile folgen somit dem Konzept der Multigelenkwagen. Die Fahrzeuge sind mit Klimaanlagen ausgestattet.[2]
Die Wagenkästen sind Aluminium-Konstruktionen.[1] Ein weiterer wesentlicher Unterschied zum Typ TPR ist die Motorisierung mit zwei Drehstrom-Asynchronmaschinen statt einer Gleichstrommaschine je Triebdrehgestell. Aufgrund des Höhenprofils der römischen Strecken wurde dabei eine deutlich größere Leistung gewählt[3] (4 × 178 kW statt 2 × 150 kW)[1]. Der Antrieb ist vollständig abgefedert (Hohlwellenantrieb). Der Sekundärfederung zwischen Rahmen und Wiege dienen sowohl bei den Triebdrehgestellen als auch bei den Lauffahrwerken Luftfedern. Der Achsstand beträgt jeweils 1750 mm.[1] Die Lauffahrwerke sind mit Gelenkrahmen ausgeführt, damit sie sich besser der teils sehr schlechten Gleislage anpassen können.[1][3] Sie haben jedoch, auch unter Berücksichtigung der gummigefederten Räder, eine relativ schlechte Primärfederung.[1]
In den Hochflurbereichen mit einer Fußbodenhöhe von 880 mm,[1] die über drei Stufen zu erreichen sind,[4] gibt es wie beim Turiner TPR Quersitze in 2+1-Anordnung.[3][4] Im Niederflurbereich mit einer Fußbodenhöhe von 350 mm[1] gibt es Längssitze über den Lauffahrwerken, ansonsten jedoch Quersitze in 1+1-Anordnung.[3][4] Auf die Quersitze auch im Niederflurbereich legte ATAC Wert, weil die ausschließliche Längsbestuhlung bei den ersten römischen Niederflurwagen (Serie 9000) stark kritisiert worden war.[3] Insgesamt gibt es 54 Sitz- und 136 Stehplätze (bei vier Stehplätzen pro Quadratmeter).[1]
Den Auftrag über 28 Fahrzeuge mit einer Option auf 32 weitere erhielt Fiat im August 1996. Die Auslieferung erfolgte von Oktober 1997 bis Ende 1999, der Beginn des Einsatzes im Linienverkehr im Herbst 1998 auf den Linien 8 und 19. Die Option wurde nicht eingelöst.[2] Die Fahrzeuge erhielten ein Farbschema mit verschiedenen Grüntönen und schwarzem Fensterband, das eine nationale Einheitslackierung aus den 1930ern aufgreift.[4]
Cityway II
| Cityway II | |||||
|---|---|---|---|---|---|
| Rom | Turin | Messina | |||
| Nummerierung: | 9201–9252 | 9217–9218 | 6000–6005 | 6006–6054 | 01T–15T |
| Anzahl: | 52 | 0/2 | 6 | 49 | 15 |
| Baujahr(e): | 1999–2001 | 2000 | 2001 | 2001–2003 | 2001 |
| Achsfolge: | 2’Bo’Bo’2’ | 2’Bo’Bo’Bo’2’ | (1A)Bo’Bo’(A1) | (1A)Bo’(A1) | |
| Spurweite: | 1445 mm | 1435 mm | |||
| Länge: | 33 m | 41,45 m | 34 m | 22,5 m | |
| Höhe: | 3300 mm | ||||
| Breite: | 2400 mm | ||||
| Fahrwerksachsstand: | 1750 mm | ||||
| Raddurchmesser: | 680 mm | ||||
| Leermasse: | 41,4 t | 52,2 t | 41 t | 42 t | 28,8 t |
| Höchstgeschwindigkeit: | 70 km/h | ||||
| Dauerleistung: | 4 × 150 kW | 6 × 150 kW | 12 × 41 kW | 8 × 41 kW | |
| Stromsystem: | 600 V = | 750 V = | |||
| Stromübertragung: | Einholmstromabnehmer | ||||
| Antrieb: | Drehstrom-Asynchronmaschinen | ||||
| Maximales Gefälle: | 8 % | ||||
| Kleinster Radius: | 15 m | ||||
| Betriebsart: | Zweirichtungswagen (ZR) | Einrichtungs-wagen | ZR | ZR | |
| Sitzplätze: | 54 | 64 | 38 | 34 | 30 |
| Stehplätze (4/m²): | 124 | 170 | 157 | 161 | 100 |
| Fußbodenhöhe: | 350 mm | 290–320 mm | 320 mm | ||
| Niederfluranteil: | 100 % | ||||
| [5] | |||||
Aufbau
Die Fahrzeuge des Typs Cityway II sind im Gegensatz zur ersten Generation vollständig als Multigelenkwagen ausgeführt. Ein weiterer konzeptioneller Unterschied ist, dass in der Mitte grundsätzlich Triebfahrwerke angeordnet sind, während in den äußeren Fahrwerken maximal das zum Gelenk hin angeordnete Radpaar angetrieben ist. Die Fahrwerksmittelteile sind mit einer Länge von 2,00 m (zwischen den Drehpunkten) weiterhin sehr kurz.[2] Die Aufbauten sind aus Aluminium-Strangpressprofilen geschweißt.[5]
Rom
Für die Straßenbahn Rom wurden sieben- und versuchsweise auch neunteilige Cityway II gebaut. Die fahrwerkslosen Mittelteile dieser Zweirichtungswagen sind 6,45 m lang (zwischen den Drehpunkten). In den äußeren beiden ist nur jeweils eine Doppeltür pro Türseite angeordnet, in dem oder den beiden mittigen dagegen zwei.[2] Die Fahrwerke basieren auf den Lauffahrwerken des Cityway I. Die Gelenkigkeit des Rahmens ist jedoch über dessen Verformung statt durch klassische L-Rahmenteile umgesetzt.[6] Je Triebfahrwerk gibt es zwei Drehstrom-Asynchronmaschinen, die längs über den Rädern angeordnet sind und über Kardanwellen jeweils die beiden hintereinanderliegenden Losräder antreiben.[7] Die Antriebe sind auf die Fahrwerksrahmen abgestützt, die ihrerseits weiterhin nur eine minimale Primärfederung erhielten.[6] Durch die Höhe der Antriebskonstruktion konnten über den Triebfahrwerken keine Sitzplätze angeordnet werden.[7]
Im Frühling 1998 hatte ATAC 18 Fahrzeuge mit einer Option auf 32 weitere bestellt, motiviert auch durch das erwartete hohe Fahrgastaufkommen im Rahmen der Millenniumsfeierlichkeiten.[2] Mit dem ersten Fahrzeug wurden technische Erprobungsfahrten in Turin durchgeführt.[6] Bereits im Sommer 1999, also noch vor Abschluss der Auslieferung der ersten Generation, begann die Inbetriebnahme der 16 siebenteiligen Fahrzeuge. Bei den Probefahrten der beiden neunteiligen Wagen zeigten sich jedoch technische Probleme und Mängel, so dass sie zunächst bei der Hauptwerkstatt des Verkehrsbetriebs abgestellt wurden. Nach Ausübung der Option wurden 2000 und 2001 schließlich 34 weitere siebenteilige Wagen ausgeliefert. 2013/2014 gelangten auch die beiden anfangs neunteiligen Fahrzeuge in den Fahrgasteinsatz, nachdem sie auf sieben Wagenteile verkürzt worden waren.[2]
Turin
Für die Straßenbahn Turin wurden siebenteilige Cityway II als Ein- und Zweirichtungswagen gebaut. Die fahrwerkslosen Mittelteile sind mit 6,58 m (zwischen den Drehpunkten) etwas länger als diejenigen in Rom. Während die Türanordnung in den Mittelteilen derjenigen in Rom entspricht, gibt es zusätzlich Einzeltüren jeweils zwischen Wagenende und erstem Fahrwerk. Zudem weichen die Formgebung der Front und die Antriebskonfiguration ab.[2]

Die äußersten Gelenke sind mit zusätzlichen Stoßdämpfern konstruiert, um trotz des größeren Überhangs der Endteile die Nickbewegungen unter Kontrolle zu halten. Die Fahrwerke haben gegenüber den römischen Fahrzeugen eine deutlich bessere Primärfederung. Auch die am Fahrwerksrahmen aufgehängten Einzelradantriebe sind damit vollständig abgefedert. Die mittigen Triebfahrwerke haben eine Masse von 3,9 Tonnen, die Endfahrwerke mit halbem Antrieb 3,4 Tonnen. Die deutlichen Einschränkungen des Fahrgastraums im Fahrwerksbereich gibt es bei dieser Antriebskonfiguration ebenfalls. Im Gegensatz zu Rom wurden jedoch zumindest einseitig Längssitzbänke angeordnet. Die Gangbreite beträgt 720 mm.[5]
Messina
Für die Straßenbahn Messina wurden fünfteilige Cityway II als Zweirichtungswagen gebaut. Die fahrwerkslosen Mittelteile mit jeweils einer Doppeltür auf beiden Seiten sind mit 5,14 m (zwischen den Drehpunkten) kürzer ausgeführt und weisen neben der Tür jeweils nur ein Fenster auf. Die Fahrwerksmodule entsprechen weitgehend denjenigen in Turin.[2]
Die Ausschreibung zur Lieferung der 15 Fahrzeuge als Erstausstattung des neuen Straßenbahnsystems hatte Fiat im Jahr 2000 gewonnen. Nach der Auslieferung 2001 stand vor Ort jedoch keine ausreichende Infrastruktur zur Instandhaltung zur Verfügung, so dass 2018 bereits viele Wagen in schlechtem Zustand abgestellt waren. Von Januar 2022 bis Mai 2024 wurden sechs Fahrzeuge instand gesetzt, wofür allerdings Ersatzteile aus den anderen Wagen entnommen wurden. Verbunden mit der Instandsetzung ist auch eine Veränderung des Farbschemas von metallgrau/hellbraun zu dunkelgrau/rot.[2]
Weblinks
Literatur
- Andrew Thompson: Der Cityway. In: Straßenbahn Magazin. Nr. 418 (10/2024). GeraMond Verlag, München 2024, S. 48–52.
