Alter Bahnhof Bergedorf
zweitältestes erhaltenes Bahnhofsgebäude in Deutschland
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Der Alte Bahnhof in Hamburg-Bergedorf der Hamburg-Bergedorfer Eisenbahn (HBE) ist eines der ältesten erhaltenen Bahnhofsgebäude in Deutschland. Es entstand im März und April 1842 nach einem Entwurf von Alexis de Chateauneuf als Kassengebäude des Endbahnhofes der Strecke. Das Gebäude ist ein einstöckiger, mit Holzplanken verkleideter und mit Schieferplatten gedeckter Fachwerkbau auf L-förmigen Grundriss mit einem zweistöckigen Glockenturm, der für eine Glocke gebraucht wurde, die die Abfahrt der Züge ankündigte. Es beherbergte eine Fahrkarten-Verkaufsstelle, die Gepäckaufgabe und einen Wohntrakt im nördlichen Flügel mit zwei Wohnräumen und einer Küche für den Bahnhofsaufseher. Ein zweiter Bau, der ursprünglich für die Gepäckaufnahme vorgesehen war und ebenfalls einen Turm erhalten sollte, wurde aus Kostengründen nie realisiert. Der zweite Turm sollte eine Uhr tragen, die stattdessen im zur Straße gerichteten Fenster des Kassengebäudes installiert wurde.[1.1] Fahrgäste hatten keinen Wartesaal zur Verfügung, sondern konnten in einem wenige Schritte entfernten Restaurationsgebäude, dem Frascati, das ebenfalls von der Bahngesellschaft errichtet und verpachtet worden war, auf ihre Fahrt warten.[1.2]
Unfeierliche Eröffnung

Die feierliche Eröffnung der Station sollte am 7. Mai 1842 stattfinden. Da am 5. Mai aber der Brand von Hamburg ausbrach, der erst am 8. Mai gelöscht war und ein Drittel der Stadt zerstörte, wurde die Feier zugunsten von Unterstützungsfahrten abgesagt. Vom Alten Bahnhof aus wurden stattdessen ab dem 7. Mai Feuerwehren und Handwerker nach Hamburg gesandt und Flüchtlinge und deren gerettete Habe nach Bergedorf gebracht. Um das Städtchen und den Bahnhof entstanden ein großes Zeltlager und Holzbaracken zur Aufnahme der Flüchtlinge, die sich aber in den folgenden Wochen wieder weitgehend leerten. Der reguläre Verkehr auf der Strecke wurde am 17. Mai 1842 aufgenommen, in Anbetracht der Katastrophe wiederum ohne Feier.[1.3]
Stilllegung und Nachnutzung

Mit der Verlegung des Endabschnitts der Strecke durch die am 15. Dezember 1846 eröffnete Verlängerung der Bergedorfer Bahn nach Berlin wurde eine nordwestlich am Bergedorfer Stadtzentrum vorbeiführende Trasse gewählt und dort ein neuer Bahnhof errichtet. Der nun funktionslose erste Bahnhof wurde am Tag zuvor stillgelegt. Da Überlegungen bestanden, die alte Streckenführung in Richtung Lüneburg oder Hannover durch die Vierlande und über die Elbe weiterzuführen, blieben die Bauwerke des früheren Endbahnhofs vorerst bestehen. Ab Oktober 1848 wurden aber die nicht mehr benötigten Gleise und der Lokschuppen, der östlich des Neuen Curslacker Wegs (heute: Neuer Weg) stand, abgetragen. Schon im Dezember 1846 war das Frascati zerlegt und nach Friedrichsruh verkauft worden, wo es 1847/48 neben der Bahnstation wieder errichtet wurde. In der Nacht zum 17. November 1857 wurde es dort durch ein Feuer vollständig zerstört. Das Kassengebäude blieb dagegen von Änderungen verschont, da es als Wohngebäude weitergenutzt wurde: Der Bahnhofsaufseher Grünwald, der seit 1842 in der Wohnung im Nordflügel lebte, blieb als Mieter dort wohnen, so dass ein Abriss unnötig erschien. Das Gebäude wurde bis zum Tod des letzten Mieters 1904 weiter als Wohnhaus genutzt.[1.2]

Nach 1904 wurde das Gelände zum Bauhof der 4. Ingenieur-Abteilung der I. Sektion der Hamburger Baudeputation. Das ehemalige Kassengebäude verfiel langsam. Erste Stimmen, die den Abriss des Baus forderten, wurden 1937 laut, als das neue Bahnhofsgebäude an der hochgelegten Strecke nach Berlin eingeweiht wurde. Stattdessen wurde das Gelände 1939 an die Technische Nothilfe, einen Vorläufer des THW, gegen eine Monatsmiete von 10 Reichsmark und mit der Auflage, das Gebäude zu erhalten und zu pflegen, vermietet. Aus dieser Zeit stammen auch die beiden Gebäude, die seither in der direkten Nachbarschaft des Hauses stehen: eine einstöckige Remise, die ab 1937 als Schuppen für Bauholz und Unterstellmöglichkeit für einen Lichtwagen diente, und eine Kraftwagenhalle, die 1941 hinzugefügt wurde; sie ist später zu einer Bürgerbühne umgebaut worden.[1.4] Im selben Jahr wurde ein Luftschutzbunker auf der ehemaligen Bahnsteigseite des Gebäudes errichtet.[2] Der Lüftungsschacht ragt seither südlich neben dem Gebäude empor.
Am 16. Februar 1942 wurde das Kassengebäude in die Hamburger Denkmalliste eingetragen; seither steht es unter Denkmalschutz.[3] Trotzdem kam der Gedanke, den Bau abzureißen, Anfang der 1950er Jahre erneut auf, als es einer Straßenplanung im Wege stand. Die Verlegung der geplanten Trasse um 200 Meter nach Norden, die heutige Bundesstraße 5, rettete das Gebäude. Zur 150-Jahr-Feier im Jahr 1992 wurde das Gebäude ab 1990 renoviert und bekam dabei seinen heutigen blauen Anstrich. Seither wird es als Stadtteil-Büro von Haus und Grund genutzt. Der Bereich des Bahnsteiges ist heute eine Rasenfläche.[1.4]
Literatur
- Kultur- und Geschichtskontor (Hrsg.): Hamburg-Bergedorfer Eisenbahn von 1842. 1. Auflage. Ergebnisse-Verlag, Hamburg 1992, ISBN 3-87916-019-8.
- MIBA Nr. 3, Band VIII, 1956: Bahnhof Bergedorf 1842