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Bahnhof Hamburg-Bergedorf

Bahnhof in Deutschland From Wikipedia, the free encyclopedia

Der Bahnhof Hamburg-Bergedorf im Bezirk Bergedorf liegt zwischen den Hamburger Stadtteilen Bergedorf und Lohbrügge in unmittelbarer Nähe der Bergedorfer Innenstadt und des Einkaufszentrums City Center Bergedorf (CCB).

Schnelle Fakten Daten, Lage ...
Bahnhof Hamburg-Bergedorf
Empfangsgebäude von 2012,Südfront mit anschließendem Parkhaus
Empfangsgebäude von 2012,
Südfront mit anschließendem Parkhaus
Empfangsgebäude von 2012,
Südfront mit anschließendem Parkhaus
Daten
Bauform Durchgangsbahnhof
Bahnsteiggleise 5
Abkürzung ABG
ABG S (S-Bahn)
IBNR 8002554
Preisklasse 3
Profil auf bahnhof.de Hamburg-Bergedorf
Lage
Ort/Ortsteil Bergedorf
Land Hamburg
Staat Deutschland
Koordinaten 53° 29′ 22″ N, 10° 12′ 23″ O
Eisenbahnstrecken Bahnstrecken bei Bahnhof Hamburg-Bergedorf
Bahnhöfe im Raum Hamburg
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Der Bahnhof befindet sich an Streckenkilometer 270 der Bahnstrecke Berlin–Hamburg und wird von den Hamburger S-Bahn-Linien S2 und S7 und im Regionalverkehr der Linie RE 1 Richtung Schwarzenbek, Büchen, Schwerin, Bad Kleinen und Rostock sowie von einzelnen Fernverkehrszügen von bzw. nach Berlin und Mecklenburg-Vorpommern bedient. Von dem auf der Südseite des Bahndamms angelegten Busbahnhof gibt es Stadt- und Regionalbusverbindungen der VHH und der Autokraft zu den umliegenden Stadtteilen und Orten, u. a. den Vier- und Marschlanden, Glinde, Wentorf, Reinbek sowie Geesthacht und Lauenburg.

Geschichte

Der Bahnhof Hamburg-Bergedorf wurde am 15. Dezember 1846 für die Berlin-Hamburger Bahn in Betrieb genommen. Der vier Jahre ältere, südlich des Bergedorfer Ortszentrums gelegene erste Bergedorfer Bahnhof der Hamburg-Bergedorfer Eisenbahn (HBE) wurde dafür nicht benutzt, da die letztendlich beschlossene und gebaute Eisenbahntrasse nach Berlin knapp 700 Meter nordwestlich davon vorbeiführte. Die Strecke der Bergedorf-Geesthachter Eisenbahn (BGE), die auf Teilen der alten Strecke weiterverkehrte und westlich der Station Bergedorf an die neue Hauptstrecke angebunden worden war, wurde deswegen von der Station Bergedorf Süd über die Bille weitergeführt und mündete dann in einem großen Bogen in den neuen Staatsbahnhof Bergedorf-Nord. Dazu wurden drei Personenzuggleise bis an das damalige Empfangsgebäude geführt, die dort stumpf endeten. Für das Umsetzen der kurzen Dampflokomotiven der BGE gab es keinen Platz, so dass eine Schiebebühne eingebaut werden musste, mit der die Lokomotive auf das Umfahrgleis versetzt werden konnte.[1]

Das bis 2008 auf der Südseite des Bahndamms befindliche Empfangsgebäude

Als ab dem Herbst 1928 die Strecke nach Berlin im Bereich Bergedorf hochgelegt wurde, um die kreuzenden Straßen überbrücken zu können, führte dies 1936/1937 zum Neubau des Empfangsgebäudes. Der Bahnhof trug zunächst die Bezeichnung Bergedorf, bevor er in Folge des Groß-Hamburg-Gesetzes zum 1. April 1938 in Hamburg-Bergedorf umbezeichnet wurde.[2]

In den 1950er Jahren wurde der Personenverkehr auf der Strecke nach Geesthacht eingestellt. Ein Teil des nicht genutzten südlichen Bahngeländes wurde bis Anfang der 1990er als Park-and-ride-Parkplatz genutzt; zu dieser Zeit gab es kein Gleis 1.

Nach dem Zweiten Weltkrieg nahm die Bedeutung der Strecke für den Fernverkehr nach Berlin als Folge der deutschen Teilung stark ab, so dass 1958 die zwei Gleise der Strecke von Hamburg bis Bergedorf mit der seitlichen Stromschiene der S-Bahn Hamburg ausgerüstet wurde. 1969 wurde diese Elektrifizierung über Reinbek und Wohltorf bis Aumühle weitergeführt, die verlängerte S2 ersetzte die vorherige Linie S6 mit Dampf- bzw. Dieseltraktion. Zunächst erfolgte die Bedienung durch die Linie S2, nach der Inbetriebnahme des ersten Abschnitts des City-S-Bahn-Tunnels war Bergedorf in der Hauptverkehrszeit auch Endstation einzelner Züge der Linie S20. Nach der Neuordnung der Liniennummern als Folge der Fertigstellung des Citytunnels bekam die Linie S2 die Bezeichnung S21; die Liniennummer S2 diente fortan bis zum Fahrplanwechsel im Dezember 2023 als Bezeichnung von Verstärkerfahrten, die, gewissermaßen in Nachfolge der früheren S20, den Bahnhof Bergedorf nur werktags zu den Hauptverkehrszeiten bedienten und dort auch endeten. Mit Fahrplanwechsel im Dezember 2023 wurden diese Verstärkerfahrten in die Linie S21 integriert, wodurch umsteigefreie Verbindungen von Bergedorf in den City-Tunnel entfielen; im Zuge dessen erhielt die vormalige Linie S21 wieder die Liniennummer S2 und verkehrt über die Verbindungsbahn nach Altona.

Nach der deutschen Wiedervereinigung 1990 nahm der Fern- und Regionalverkehr auf der Berliner Bahn wieder stark zu, so dass im Rahmen des Verkehrsprojektes Deutsche Einheit Nummer 2 die Strecke getrennte Fern- und S-Bahn-Gleise erhielt, die die unterschiedliche Elektrifizierung (Wechselstrom-Oberleitung für die Fernbahngleise bzw. Gleichstrom-Stromschiene für die S-Bahn-Gleise) erforderte. Gleichzeitig wurde der bisherige Bahnsteig am Gleis 2 abgerissen und ein neuer Mittelbahnsteig für den Fern- und Regionalverkehr gebaut. Am östlichen Bahnhofsende wurde das Fahrdienstleiter-Stellwerk Bfs errichtet, von dem aus der S-Bahn-Betrieb zwischen Rothenburgsort und Aumühle gesteuert wird. Die Fernbahngleise sind mit einer Linienzugbeeinflussung ausgestattet.

Um das Bahnhofsumfeld in Bergedorf neu zu gestalten, wurde das Empfangsgebäude 2008 abgerissen und durch ein neues ersetzt. Es handelt sich um das dritte Empfangsgebäude an diesem Standort.

Im Juni 2020 wurden ETCS und ATO für ab 2021 geplante automatische Kehrfahrten im Bahnhof in Betrieb genommen.[3]

Im Zuge der Generalsanierung der Strecke Berlin–Hamburg (2025/2026) wurde der Bahnsteigbelag am Fernbahnsteig erneuert. Weitere Maßnahmen sind u. a. an Wegeleitung, Wetterschutzhäuschen und der Unterführung durchgeführt worden.[4] Im Rahmen des Projekts wurde im Bahnhof Büchen ein neues Stellwerk in Betrieb genommen, das östlich des Bahnhofs an das Stellwerk Bergedorf anschließt. Während die Blockteilung Richtung Berlin dabei unverändert geblieben ist[5], erfolgte in Richtung Hamburg eine Blockaufweitung um einen Kilometer[6] und die Mindestzugfolgezeit im Bahnhofsbereich Richtung Hamburg somit verlängert.

2027 soll im Bahnhof ein neues Elektronisches Stellwerk vom Typ SIMIS D in Betrieb gehen.[7]

Bauliche Anlage

Örtliche Lage

Die insgesamt drei S-Bahn- und zwei Fernbahn-Gleise des Bahnhofs liegen zwischen der von den Gleisen überbrückten Bergedorfer Straße und der Alten Holstenstraße auf dem an dieser Stelle etwa sechs Meter hohen Bahndamm der Bahnstrecke Hamburg–Berlin.

Der 360 Meter lange Bahnsteig für die Fern- und Regionalbahn erstreckt sich gegenüber den kürzeren S-Bahnsteigen um 100 bzw. 200 Meter weiter nach Osten. Am nordöstlichen Ende des Bahnhofs schließen Abstellgleise für S-Bahn-Züge und daneben die weiterführenden Gleise nach Aumühle sowie nach Berlin an.

Zugang Nordseite, vom bzw. zum Stadtteil Lohbrügge

Erschließung

Unter den fünf Bahnhofsgleisen verläuft durch den Bahndamm eine Tunnelanlage für Fußgänger, die an beiden Enden über Treppen und an der südlichen Längsseite auch über eine Rolltreppe und Aufzugsanlage vom umgebenden Straßenniveau aus zugänglich sind. Innerhalb des Tunnels sind beidseitig Treppen- und Liftzugänge zu den insgesamt drei teilweise überdachten Bahnsteigen und dem auf gleicher Höhe dazu befindlichen breiten Bussteig des neuen Busbahnhofs eingerichtet.

Im südlichen Eingangsbereich befinden sich auf zwei Ebenen insgesamt sechs Imbiss-, Restaurations- und Einzelhandelsfachgeschäfte. Der nördliche, etwa 1,2 Meter hoch gelegene Eingang vom Stadtteil Lohbrügge ist noch die alte Bausubstanz, dort befinden sich eine einfache Treppenanlage, eine im Zickzackkurs angebaute Rollstuhlrampe und zwei Imbissbetriebe.

Anbauten

Stellwerk und östliche Bus-Auffahrrampe mit Linksverkehr südlich des Bahndamms
Parkhaus-Abschluss West mit Busauffahrrampe von der Bergedorfer Straße
Blick auf das an den Bahndamm angesetzte Parkhaus mit dem darauf befindlichen neuen Busbahnhof

Mit dem Umbau von 2012 wurde der Klinkerbau des damaligen Empfangs- und Betriebsgebäudes sowie auch die damals ebenerdige Busbahnhofsanlage auf dem südlichen Bahnhofsvorplatz entfernt und durch einen sich über die ganze südliche Seite erstreckenden, 340 Meter langen und etwa 45 Meter tiefen, mit einer Bohrpfahlwand am Bahndamm abgegrenzten Anbau ersetzt. Dieser enthält neben dem südlichen Bahnhofseingang größtenteils ein Parkhaus mit drei Parkdecks sowie zuoberst eine überdachte Busbahnhofsanlage mit einem großen Mittelbussteig und acht Abfahrtsbereichen. In dieses Gebäude sind auch die Zufahrtsrampen für die Busse von den beiden kreuzenden Straßen integriert.

Am östlichen Ende ist unterhalb der Zufahrtsrampe von bzw. zur Alten Holstenstraße eine Fahrradstation mit Radstellplätzen sowie einem Fahrrad-Fachhandelsgeschäft eingerichtet.

Zwischen der östlichen Bus-Zufahrtsrampe und den Fernbahngleisen ist als einzelnes Gebäude auf dem verbreiterten Bahndamm das Stellwerk für die Weichen und Signalanlagen der östlich anschließenden S-Bahn-Abstellgleise und der Fernbahngleise aufgebaut.

Bahnsteignutzung

Der S-Bahn-Verkehr wird auf den Gleisen 3 und 4 (Mittelbahnsteig) sowie auf Gleis 5 (Seitenbahnsteig) abgewickelt. Die Züge aus Aumühle verkehren meist von Gleis 5, die Züge nach Aumühle regelmäßig von Gleis 3, während die S-Bahn-Züge, die in Bergedorf beginnen oder enden, meist Gleis 4 benutzen.

Die Gleise 1 und 2 (Mittelbahnsteig) dienen heute dem Regionalverkehr nach Büchen, Schwerin und Rostock sowie einzelnen Fernverkehrszügen von bzw. nach Berlin und Mecklenburg-Vorpommern. Bis Anfang der 2000er Jahre war Hamburg-Bergedorf regulärer Halt der Interregio-Züge und, nach Umwandlung des Interregio-Verkehrs in Intercity-Linien, Intercity-Züge.

Fernverkehr

Weitere Informationen Linie, Laufweg ...
LinieLaufwegTakt Betreiber
ICE 26 Stralsund – Velgast – Ribnitz-Damgarten West – Rostock – Bützow – Bad Kleinen – Schwerin – Büchen – Hamburg-Bergedorf – Hamburg ein Zugpaar täglich DB Fernverkehr AG
ICE/EC 27 Hamburg-Altona – Hamburg Dammtor – Hamburg – Hamburg-Bergedorf – Büchen – Ludwigslust – Wittenberge – Berlin-Spandau – Berlin – Berlin Südkreuz – Elsterwerda – Dresden-Neustadt – Dresden – Bad Schandau – Děčín – Ústí nad Labem – Praha-Holešovice – Praha – Kolín – Pardubice – Česká Třebová – Brno – Břeclav – Kúty – Bratislava – Nové Zámky – Štúrovo – Szob – Nagymaros-Visegrád – Vác – Budapest Nyugati ein EC-Zugpaar täglich, zudem ICE Dresden–Hamburg České dráhy
DB Fernverkehr AG
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(Stand 2021)

In den letzten Jahren kam es wiederholt zu Bauarbeiten im Bereich des Hamburger Hauptbahnhofes. Im jeweiligen Bauzeitraum wurden viele Züge der IC-Linien 26 und 30 von/nach Harburg direkt von/nach Bergedorf geleitet. Die betroffenen Züge hatten als Ersatz einen planmäßigen Halt in Bergedorf. Während der Sanierung der Schnellfahrstrecke Hannover–Würzburg hielt 2021 täglich ein ICE von Nürnberg über Fulda und Hannover nach Stralsund.

Während der Sanierung der Fernbahn Hamburg-Berlin zwischen August 2025 und Juni 2026 wurden der Fernbahnsteig und die Personenunterführung in großem Umfang renoviert und die Gleisanlagen der Fernbahn erneuert. Auch die S-Bahnsteige wurden umfangreich erneuert und die Fahrgastinformationen erweitert.

Regionalverkehr

Weitere Informationen Linie, Zuglauf ...
Linie Zuglauf Takt Eisenbahnverkehrsunternehmen Fahrzeugmaterial
RE 1 Hamburg Hauptbahnhof – Hamburg-Bergedorf – Schwarzenbek – Müssen – Büchen – Schwanheide – Boizenburg (Elbe) – Brahstorf – Pritzier – Hagenow Land – Kirch-Jesar – Zachum – Holthusen – Schwerin Süd – Schwerin Mitte – Schwerin Hbf (– Bad Kleinen – Ventschow – Blankenburg (Meckl) – Bützow – Schwaan – Rostock Hbf) stündlich nach Schwerin, alle zwei Stunden weiter nach Rostock, in der Hauptverkehrszeit (HVZ) halbstündlich nach Büchen DB Regio Nordost 146.2 + 5 Doppelstockwagen
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S-Bahn

Weitere Informationen Linie, Laufweg ...
LinieLaufwegTakt
S 2 Diebsteich – (Altona nur Nächte auf Sa, So und vor Feiertagen –) Holstenstraße – Sternschanze – Dammtor – Hauptbahnhof – Berliner Tor – Rothenburgsort – Tiefstack – Billwerder-Moorfleet – Mittlerer Landweg – Allermöhe – Nettelnburg – Bergedorf (– Reinbek – Wohltorf – Aumühle nur Nächte auf Sa, So und vor Feiertagen)10 min, nur in der HVZ und im Wochenend-Nachtverkehr
S 7 Aumühle – Wohltorf – Reinbek – Bergedorf – Nettelnburg – Allermöhe – Mittlerer Landweg – Billwerder-Moorfleet – Tiefstack – Rothenburgsort – Berliner Tor – Hauptbahnhof → (ab hier Einrichtungsbetrieb zurück zum Hauptbahnhof: Jungfernstieg → Stadthausbrücke → Landungsbrücken → Reeperbahn → Königstraße → Altona → Holstenstraße → Sternschanze → Dammtor → Hauptbahnhof ) – Berliner Tor – Rothenburgsort – Tiefstack – Billwerder-Moorfleet – Mittlerer Landweg – Allermöhe – Nettelnburg – Bergedorf – Reinbek –Wohltorf – Aumühle10 min, nach Aumühle außerhalb der HVZ alle 20 min
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Städtebauliche Aspekte

Von April 2008 bis April 2012 wurde der Bahnhof umgebaut. Das bisherige Empfangsgebäude und die Häuser entlang des Bahndammes wurden abgerissen. Durch die Verlagerung des vormals ebenerdig angelegten Busbahnhofs auf das Oberdeck des neuen Parkhauses am Bahndamm wurde Platz geschaffen für Erweiterungen des Einkaufszentrums CCB[8][9], dessen Parkhaus dann abgerissen wurde.

Panoramabild Bahnhof Bergedorf – zu Beginn der Umbauarbeiten noch mit dem alten Busbahnhof auf dem südlichen Bahnhofsvorplatz

Güterverkehrsanlagen

Be der Betriebseröffnung der Station lagen die Gütergleise auf der Nordseite des Bahnhofs, westlich der Bahnsteige, etwa anstelle der heutigen P&R-Anlagen.[10] Sie wurden erst 1931 auf die nördliche Seite verlegt, als die Strecke nach Berlin vom Straßenniveau einige Meter angehoben wurde, um Bahnübergänge auf der stark befahrenen Strecke zu vermeiden. Zu diesem Zeitpunkt wurde auch ein Anschluss für Güterbahnhof und BGE auf Höhe der Überführung Oberer Landweg (heute S-Bahn-Station Nettelnburg), etwa einen Kilometer westlich der Güteranlagen, eingerichtet.

Der Güterbetrieb in Bergedorf wurde zunächst durch vornehmlich landwirtschaftlichen Betrieb geprägt; ab 1864 wurde das Bergedorfer Eisenwerk, das im damaligen Dorf Sande (heute Teil des Stadtteils Lohbrügge, direkt nördlich der Bahnlinie) lag, ein zusätzlicher Kunde.[11] Die Fabrik wurde schnell erfolgreich, so dass sie eigene, östlich der Bahnsteige gelegene Anschlussgleise bekam, die erst bei ihrer Stilllegung 1974 entfernt wurden.

Der Anschluss der Bergedorf-Geesthachter Eisenbahn, die im April 1907 eröffnet wurde, steigerte erneut die Güterfracht erheblich. Dazu trugen nicht nur die zusätzlichen landwirtschaftlichen Produkte der so erschlossenen Vierlande bei, sondern auch eine Munitionsfabrik bei Geesthacht und ein Sprengstoffwerk in Krümmel. Schon im ersten Betriebsjahr der BGE wurden dort 21.500 Tonnen Güter transportiert. Durch die Munitionsproduktion während des Ersten Weltkrieges steigerte sich der Transportumfang noch einmal erheblich. Ab 1918 sank die Transportmenge wieder sehr deutlich, wurde aber zwischen 1935 und 1945 für weitere Kriegsproduktion erheblich gesteigert. Die Demontagezüge, die ab 1947 die abgebauten Munitions- und Sprengstofffabriken nach Hamburg und Berlin transportierten, ließen die Gütermengen in Bergedorf wieder ansteigen. Die Produktionssteigerungen der Nachkriegsjahre erreichten 1950 bereits 468.000 Tonnen, die über den Bergedorfer Güterbahnhof umgeschlagen wurden.

Bis Anfang der 70er Jahre wurden in Bergedorf ähnlich hohe Gütermengen umgeschlagen wie im Hauptgüterbahnhof; werktäglich wurden zwei bis drei Übergabezüge mit bis zu 100 Achsen in den Rangierbahnhof Rothenburgsort abgefertigt, später nur noch ein Güterzug mit 30 bis 50 Achsen pro Werktag. Großkunden waren insbesondere die Bundeswehr-Kaserne in Wentorf, die Hauniwerke und die Eisenwerke, die Ende der 60er Jahre von Alfa Laval übernommen wurden. In den 70er und 80er Jahren waren in Bergedorf etwa 30 Mitarbeiter im Güterbahnhof tätig. Anfang der 70er Jahre errichtete die Dortmunder Union-Brauerei südwestlich des Güterabfertigungsgebäudes eine Flaschenabfüllstation, die bis Ende der 80er Jahre betrieben wurde und per Kesselwagen beliefert wurde. Die zuvor zahlreichen Gütergleise wurden im Laufe des Abschwungs im Bahngüterverkehr zunächst ausgedünnt und mit dem Ausbau der Strecke nach Berlin nach der Wiedervereinigung ab 1990 vollständig abgebaut. Der Güterschuppen wurde um 2010 zugunsten neuer Wohn- und Bürogebäude abgerissen. Es verblieb nur ein Verbindungsgleis für den Anschluss der BGE, die zwischenzeitlich der AKN zugeschlagen worden war.

An der Stelle, wo die von Berlin kommende Fernbahnstrecke westlich des Bahnhofs Bergedorf mit einer Rechtskurve in den Verlauf der ehemaligen Hamburg-Bergedorfer Eisenbahn einschwenkt, liegen südlich der Trasse auf einer Länge von 300 Metern vier Gleise nebeneinander, die ursprünglich (und gelegentlich heute noch) für den Güterverkehr genutzt wurden. Diese Gleise verlaufen über Weichen zu einem Nebengleis auf der Fernbahntrasse zusammen, das nach einem Kilometer über Weichen in die äußeren Fernbahngleise eingefädelt wird.

Dieses Abzweiggleis ist mit funktionsfähigen regulären Signaleinrichtungen ausgestattet (Stand September 2014). Das andere, östliche Ende dieser vormaligen Gütergleise läuft ebenfalls über Weichen zu einem Einzelgleis zusammen, das nach knapp einem Kilometer auf dem vormaligen End-Trassenabschnitt der Hamburg-Bergedorfer Bahn in die Gleisanlagen des noch vorhandenen Bahnhofs Bergedorf Süd der vormaligen Bahnstrecke Hamburg-Bergedorf–Geesthacht hinein führt.

Literatur

  • Benno Wiesmüller: Hamburg-Bergedorf. In: Oliver Strüber [vorm. Erich Preuß] (Hrsg.): Das große Archiv der deutschen Bahnhöfe (= 92. Ergänzungsausgabe). GeraMond Verlag, München 2010, ISSN 0949-2127 (1 Bl., 6 S.).
  • Benno Wiesmüller, Dierk Lawrenz: Die Hamburger Rangier- und Güterbahnhöfe, EK-Verlag Freiburg 2009, ISBN 978-3-88255-303-1, S. 178–182.
Commons: Bahnhof Hamburg-Bergedorf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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