Amanda Schnitzler-Selb

belgische Sängerin und Pianistin From Wikipedia, the free encyclopedia

Amanda Schnitzler-Selb (* 1848 in Antwerpen; † 1921 ebenda) war eine belgische Sängerin und Pianistin.[1]

Leben

Amanda Schnitzler-Selb war die Tochter des Antwerper Kaufmanns und Stadtrates Hippolyte Selb.[1] Sie erhielt im Rahmen einer Höheren-Töchter-Erziehung eine musikalische Ausbildung. Obwohl sie selbst zeitlebens als Amateurin bezeichnet wurde, war sie so talentiert, dass sie später für Auftritte mit professionellem Charakter engagiert wurde.

1868 heiratete sie den deutschstämmigen Kaufmann Maximilian (Max) Schnitzler (* 7. Oktober 1836 in Zell am Harmersbach im Großherzogtum Baden; † 7. Oktober 1912 in Antwerpen), der Ritter des belgischen Leopoldsorden und Vorsitzender des Aufsichtsrats der Bank Banque de Credit Comerscial war.[2]

Im August 1876 trat sie im Rahmen des Antwerpener Musikfest als Solistin in einer Konzertouvertüre für Klavier und Orchester auf.[3] 1879 organisierte sie zusammen mit Peter Benoit ein international beachtetes Gounod-Festival in Antwerpen,[4] wo sie als Pianistin, Sängerin und Organisatorin wirkte. Dieses Festival bestand auch aus einem Auftritt eines Massenchores mit 176 Sopranistinnen, 114 Altistinnen, 63 Tenören und 105 Bassisten. Dazu kamen 85 Streicher, wobei die Gesamtzahl aller mitwirkenden Musiker von zeitgenössischen Zeitungen auf 600 Musiker angegeben wurde.[1] Charles Gounod verehrte ihr daraufhin einen Abguss von Beethovens Totenmaske, die heute im Letterenhuis in Antwerpen ausgestellt wird.[5]

Ab 1880 trat sie regelmäßig mit der Pianistin Anna Mehlig im Antwerpener Musikleben auf,[6] wobei sie sowohl als Sängerin als auch als Pianistin zu hören war.[7] Zu ihrem gemeinsamen Repertoire zählten Camille Saint-Saëns’ Variationen über ein Thema von Beethoven.[1][8][9] Ferner gehörte die Sängerin Maria Soetens-Flament zum Kreis von Musikern, mit denen sie in Antwerpen und Brüssel auftrat.[10]

Ihr exzellenter Ruf als Interpretin von Gounods Musik brachte Schnitzler-Selb 1885 ein Engagement bei einer Brüsseler Aufführung seines Oratoriums Mors et Vita ein, das er selbst dirigierte.[11][12] 1896 sang sie die Uraufführung einer Kantate von Edgar Tinel, die dieser zum 25-jährigen Jubiläum des Krankenhauses Louise-Marie komponiert hatte.[13]

Sie gründete zusammen mit Constance Teichmann einen Frauenchor, der später unter der Leitung von Lodewijk de Vocht in den gemischten Chor Chorale Cäcilia überging.[14]

1906 war sie Jurymitglied bei den jährlich stattfindenden Prüfungen des königlich flämischen Konservatoriums für Musik zusammen mit unter anderem Jan Blockx, Anna Mehlig und Arthur de Greef.[15]

1914 übergab sie der Stadt Brüssel ein Autograph von Peter Benoit, wobei es sich um seine Klaviersonate mit dem Titel Een Afscheid aus dem Jahr 1872 handelte. Diese Schenkung sollte dem Peter Benoit-Fonds zugutekommen, der sich dem Erbe des Komponisten verschrieben hatte.[16][17]

Das Letterenhuis Antwerpen verwahrt ihre Briefe an den Dirigenten Lodewijk Mortelmans (1868–1952).[18]

Auszeichnungen

Widmungen

Lodewijk Mortelmans widmete Amanda Schnitzler-Selb seine Homerische Symphonie (1896–1898), erschienen beim Musikverlag Breitkopf & Härtel.[21] Des Weiteren ist sie Widmungsträgerin einer Cäcilien-Kantate des flämischer Komponisten und Dirigenten Lodewijk de Vocht.

Einzelnachweise

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