American Liberty League
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Die American Liberty League (ALL) war eine US-amerikanische politische Organisation, die 1934 während der anhaltenden Weltwirtschaftskrise gegründet wurde. Ihre Mitglieder setzten sich hauptsächlich aus wohlhabenden Wirtschaftseliten und prominenten Politikern zusammen, die größtenteils Konservative beider großen amerikanischen Parteien der alten Rechten waren und sich gegen den New Deal von Präsident Franklin D. Roosevelt aussprachen. Die Gruppe legte besonderen Wert auf Privateigentum und individuelle Freiheiten. Sie sprach sich gegen die Ausweitung des Sozialstaats aus und war gewerkschaftsfeindlich. Nachdem die ALL in ihren ersten zwei Jahren relativ einflussreich war, erlebte sie danach einen kontinuierlichen Niedergang. Nach der erdrutschartigen Wiederwahl Roosevelts im Jahr 1936 reduzierte sie ihre Aktivitäten drastisch und löste sich 1940 vollständig auf.
Geschichte
Die Gründung der American Liberty League wurde am 22. August 1934 in Washington, D.C., von einer Gruppe von Demokraten und einer kleineren Anzahl von Republikanern bekannt gegeben. Jouett Shouse, der in der Politik der Demokraten und in der Bewegung gegen die Prohibition eine herausragende Rolle gespielt hatte, wurde der erste Vorsitzende der Gruppe. Die Zusammensetzung des Exekutivkomitees der Liga sollte ihren überparteilichen Charakter unterstreichen. Dazu gehörten: John W. Davis und Al Smith, ehemalige Präsidentschaftskandidaten der Demokraten; der wohlhabende Geschäftsmann Irénée du Pont, der 1928 die Republikaner verließ, um Al Smith zu unterstützen, und 1932 Roosevelt; sowie zwei Republikaner aus New York, Nathan L. Miller, der ehemalige Gouverneur des Bundesstaates, und der Abgeordnete James W. Wadsworth.[1] Die treibende Kraft hinter der Gründung der Organisation war John Jacob Raskob, ehemaliger Vorsitzender des Democratic National Committee und führender Gegner der Prohibition, ehemaliger Direktor von General Motors und Vorstandsmitglied von DuPont.[2]
Die Liga ernannte daraufhin einen nationalen Exekutivausschuss mit 25 Mitgliedern und einen nationalen Beirat mit etwa 200 Mitgliedern. Die Ernannten bildeten eine geografisch vielfältige Gruppe, die fast ausschließlich aus den oberen Rängen der amerikanischen Industrie stammte. Zu den bemerkenswerten Ausnahmen gehörten der Hollywood-Filmproduzent Hal Roach und der Marineheld Richmond Pearson Hobson. Typischer waren Alfred P. Sloan Jr. von General Motors und J. Howard Pew von der Sun Oil Company. Finanziert wurden die Aktivitäten der Gruppe von reichen Geschäftsleuten, darunter Sloan und Angehörigen der Familie DuPont.[3]
Obwohl die Organisation sich als überparteiisch ausgab, fungierte sie de facto als Lobbygruppe für die Interessen der Großindustrie und der Anti-New-Deal-Kräfte beider Parteien. 1935 unterstütze sie Al Smith als Präsidentschaftskandidaten der Demokraten bei den Vorwahlen, der sich allerdings weigerte, diese Unterstützung anzunehmen, da er sie für eine Belastung hielt. Danach unterstütze die ALL den republikanischen Kandidaten Alf Landon gegen Roosevelt, der sich mit allzu antagonistischen Attacken gegen Roosevelt während der katastrophalen Wirtschaftskrise im Land unbeliebt machte. Nach dessen klarer Niederlage bei den US-Präsidentschaftswahl 1936 machten viele Republikaner die ALL für das Desaster am Wahlabend verantwortlich, was die Organisation diskreditierte.[3]
Nach den Wahlen von 1936, bei denen FDR einen Erdrutschsieg errang und seine Partei ihre Mehrheit in beiden Kammern des Kongresses ausbaute, stellte die Liga ihre öffentlichen Aktivitäten ein und beschränkte sich darauf, Gesetzentwürfe zu prüfen und ihre Bewertungen an die Kongressabgeordneten zu senden. Ein kleiner nationaler Stab blieb bestehen, aber alle staatlichen und lokalen Büros wurden geschlossen. Nur die drei Brüder du Pont, Irénée, Lammot und Pierre, finanzierten die Organisation, bis die du Ponts beschlossen, so viel wie möglich ihrer finanziellen Mittel für die Kampagne des Republikaners Wendell Willkie im Jahr 1940 einzusetzen.[4] Die Liga schloss ihr Büro in Washington im September 1940.[5]
Mit ihrer Betonung von Individualismus hatte die ALL letztlich das Gespür für den Zeitgeist vermissen lassen.[3] Im Jahr 1940 blickte der mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnete Washingtoner Reporter und Kolumnist Thomas L. Stokes auf die American Liberty League zurück und bezeichnete sie als „verwundbaren Strohmann“ für die New-Deal-Demokraten. Das Bündnis der ALL aus konservativen Demokraten, „in die die Basis längst das Vertrauen verloren hatte“, wie Al Smith, mit „konservativen Republikanern, darunter Anwälte großer Unternehmen“, half den Unterstützern von Präsident Roosevelt, ihn als einen unabhängigen Mann des Volkes zu präsentieren.[6]
Aktivitäten und Ausrichtung
Laut dem Vorsitz Shouse war das Ziel der Gruppe:
die Verfassung der Vereinigten Staaten zu verteidigen und zu wahren ... die Notwendigkeit der Achtung der Rechte von Personen und Eigentum als Grundlage jeder erfolgreichen Regierungsform zu lehren ... die Pflicht der Regierung zu lehren, individuelle und kollektive Initiativen und Unternehmungen zu fördern und zu schützen, das Recht auf Arbeit, Verdienst, Sparen und Erwerb von Eigentum zu fördern und das Eigentumsrecht sowie die rechtmäßige Nutzung von Eigentum zu wahren.[3]
Die ALL zählte zu den konservativsten Gruppen im Land und appellierte an Kongressmitglieder, New-Deal-Maßnahmen zu blockieren, die sie für verfassungswidrig erachtete und von ihren Anwälten auch rechtlich angefochten wurden. Zur Verfolgung ihrer Ziele produzierte die Liberty League zahlreiche Pamphlete und betrieb Lobbying in Presse und Radio. Die League bezeichnete Roosevelts Agricultural Adjustment Administration als „einen Trend zur faschistischen Kontrolle der Landwirtschaft“ und unterstützte den Farmers Independence Council of America.[7] Social Security wurde von ihr als „das Ende der Demokratie“ bezeichnet. Die Anwälte der Liberty League fochten auch die Gültigkeit des Wagner Act (National Labor Relations Act) an, doch 1937 bestätigte der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten die Verfassungsmäßigkeit des Gesetzes. Die American Federation of Labor warf der League vor, Detektive angeheuert zu haben, um Gewerkschaften zu infiltrieren und zu Streiks und Gewalt anzustacheln.[8] Die Gesellschaft unterstützte auch eine rassistische Gruppe, die in den Südstaaten Bilder verbreitete, auf denen die als Bürgerrechtlerin bekannte First Lady Eleanor Roosevelt zusammen mit Afroamerikanern abgebildet war.[9] Gegenüber der National Recovery Administration nahm die Gruppe eine ambivalente Haltung ein.
Von ihren Gegnern wurde die ALL scharf angegriffen und ihre angebliche Überparteilichkeit bezweifelt. Roosevelts Wahlkampfleiter James Farley beschuldigte die Liberty League, ein „Verbündeter des Republikanischen Nationalkomitees“ zu sein, der „den Arbeiter in seinem Alter ausbeuten und ihn wie eine Orangenschale in den Mülleimer werfen würde“. Ein demokratischer Abgeordneter aus Mississippi bezeichnete sie als „Apostel der Gier“.[10] Während des Wahlkampfs 1936 verspottete Farley sie als „du Pont Liberty League“ und brachte sie mit oligarchischen Interessen in Verbindung.[11] Präsident Roosevelt selbst erklärte auf einer Pressekonferenz, dass die Liga offenbar gegründet worden sei, um „zwei der Zehn Gebote zu wahren“, wobei sie sich auf den Schutz des Eigentums beschränke und nicht vom Gebot „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ inspiriert sei.[12]
Mitglieder
Aufgrund der Finanzierung durch die Geschäftsleute konnte die ALL es sich leisten, keine Mitgliederbeiträge von Mitgliedern zu fordern, was ein schnellen Wachstum ermöglichte. Im Juli 1935 überschritt die Mitgliederzahl 36.000, von denen nur 27 % Beitragszahler waren. Bis Januar 1936 verdoppelte sich diese Zahl, erreichte Mitte 1936 mit 125.000 ihren Höchststand und ging nach den Wahlen von 1936 rapide zurück.[13] Die ALL richtete sich mit ihrer Mitgliedschaft an College-Studenten und war insbesondere an staatlichen Universitäten erfolgreich. Bis April 1936 gab es 345 Ortsgruppen mit mehr als 10.000 Mitgliedern. Wissenschaftler spielten dabei verschiedene Rollen. So hielt beispielsweise der Ökonom Walter Spahr von der New York University Reden, die die Liga in Form von Broschüren veröffentlichte, obwohl der Versuch, ein Komitee aus Wirtschaftswissenschaftlern zu gründen, scheiterte.[14]
Rolle im Business Plot
Der pensionierte Generalmajor des Marine Corps, Smedley D. Butler, behauptete im November 1934, ein Wertpapierhändler namens Gerald C. MacGuire habe ihm erzählt, dass Führer der ALL Butler dazu bewegen wollten, 500.000 Veteranen in einem Putsch anzuführen, um Präsident Franklin Roosevelt zu stürzen und eine faschistische Diktatur in den Vereinigten Staaten zu errichten.[15] Der Kongressabgeordnete John W. McCormick, der 1934 Vorsitzender des Sonderausschusses für unamerikanische Umtriebe war, bekannt als McCormack-Dickstein-Ausschuss, der vor dem Zweiten Weltkrieg kommunistische und nationalsozialistische Propaganda und Rekrutierungsbemühungen in den Vereinigten Staaten untersuchte, erklärte: „Es besteht kein Zweifel, dass General Butler die Wahrheit gesagt hat.“[16] Während Historiker bezweifeln, dass ein Staatsstreich tatsächlich kurz vor der Umsetzung stand, sind sich die meisten einig, dass eine Art subversiver Plan in Betracht gezogen und diskutiert wurde.[17][18]