American Tour 1972
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Die American Tour 1972 (auch als Stones Touring Party bekannt) war eine Konzerttournee der britischen Rockband The Rolling Stones und war eine der erfolgreichsten, zugleich aber auch umstrittensten Tourneen der Gruppe. Sie diente in erster Linie der Promotion des Albums Exile on Main St der Gruppe, das am 12. Mai 1972, wenige Wochen vor Tourneebeginn, erschienen war. Sie war außerdem Teil eines dreijährigen Tourneezyklus durch Amerika, den die Gruppe von 1969 bis 1981 beibehielt.
(nach Kontinent)51 in Nordamerika
| Präsentationsalbum | Exile on Main St |
|---|---|
| Anfang der Tournee | 3. Juni 1972 |
| Ende der Tournee | 26. Juli 1972 |
| Konzerte insgesamt (nach Kontinent) |
51 in Nordamerika |
| Konzerte insgesamt | 51 |
| UK Tour 1971 (1971) |
American Tour 1972 | Pacific Tour 1973 (1973) |
|---|
Hintergrund
Die American Tour 1972 startete am 3. Juni 1972 in Vancouver und endete am 26. Juli des gleichen Jahres in New York City. Dabei gaben die Stones insgesamt 51 Konzerte in den Vereinigten Staaten und Kanada. Stevie Wonder trat im Vorprogramm dieser Konzerte auf. Nachdem er im März 1972 sein bahnbrechendes Album Music of My Mind veröffentlicht hatte, brachte Wonder noch im selben Jahr mit Talking Book ein weiteres wegweisendes Album heraus.[1] Wonders Vorprogramm, zusammen mit seinem energiegeladenen Hit Superstition (veröffentlicht im Oktober 1972), trug maßgeblich dazu bei, dessen Bekanntheitsgrad beim Rockpublikum zu steigern. Er und die Stones spielten am Ende von deren Konzerten gelegentlich ein gemeinsames Medley aus Wonders Hit Uptight (Everything’s Alright) und dem Stones-Klassiker (I Can’t Get No) Satisfaction als Zugabe.
Truman Capote erhielt den Auftrag, einen Tourneebericht über die American Tour 1972 für das Magazin Rolling Stone zu schreiben. Capote verstand sich nicht gut mit Mick Jagger und Keith Richards; er und sein Team brachen die Tour in New Orleans ab, bevor sie für die letzten Konzerte in New York City wieder auftauchten.[2] Da Capote seit der Veröffentlichung seines Romans Kaltblütig im Jahr 1966 unter einer Schreibblockade litt, konnte er zudem seinen geplanten Artikel nicht fertigstellen. Der Rolling Stone schloss einen Kompromiss, indem Andy Warhol 1973 ein Interview mit Capote über die Tournee führte. In dem Interview behauptete Capote, dass der Tourneearzt Laurence Badgley (ein Absolvent der Yale School of Medicine von 1968, der später von Led Zeppelin für deren Nordamerika-Tournee 1977 engagiert wurde)[3] einen „Super-Lolita-Komplex“ gehabt habe und während eines Fluges nach Washington, D.C. im Businessjet der Band die Vergewaltigung einer Schülerin initiierte.[4]
Die Tournee stand auch in anderer Hinsicht unter keinem guten Stern: gleich bei der ersten Show der Tournee am 3. Juni 1972 in Vancouver wurden 31 Polizisten wegen Verletzungen behandelt, als mehr als 2.000 Fans versuchten, das Pacific Coliseum zu stürmen.
In San Diego kam es am 13. Juni 1972 zu Ausschreitungen mit 60 Festnahmen und 15 Verletzten. In Tucson führte der Versuch von 300 Jugendlichen, am 14. Juni 1972 die Tore zu stürmen, zum Einsatz von Tränengas durch die Polizei.[5] Am 16. Juni 1972, nach den Konzerten in Denver, bedrohten sich Stephen Stills und Keith Richards in einer Hotelsuite während eines Streits mit Messern.[6] Bei den beiden ausverkauften Konzerten in Houston am 25. Juni 1972 wurden 81 Personen festgenommen, hauptsächlich wegen Marihuana-Besitzes und anderer kleinerer Drogendelikte.[7] Am 4. Juli 1972 kam es im Robert F. Kennedy Memorial Stadium in Washington, D.C. Festnahmen in der großen Menschenmenge.[8]
Am 13. Juli 1972 musste die Polizei 2.000 Fans ohne Eintrittskarten daran hindern, in Detroit zum Konzert zu gelangen.[9] Am 17. Juli 1972 explodierte im Forum de Montreal eine Bombe in einem Lastwagen mit dem Bühnenzubehör und Ersatzteile für den Bühnenaufbau mussten eingeflogen werden. Anschließend wurde entdeckt, dass 3.000 gefälschte Tickets verkauft worden waren; es kam zu Ausschreitungen unter den Fans, und das Konzert begann mit erheblicher Verspätung.[10] Am nächsten Tag, dem 18. Juli 1972, geriet die Stones-Entourage in Rhode Island mit dem Fotografen Andy Dickerman aneinander, woraufhin Jagger und Richards im Gefängnis landeten und dadurch den Auftritt der Stones am selben Abend im Boston Garden aufs Spiel setzten. Bostons damaliger Bürgermeister Kevin White, der Ausschreitungen befürchtete, falls das Konzert abgesagt würde, schaltete sich ein und erwirkte die Kaution für die Musiker; das Konzert fand statt, wenn auch mit erneut verspätetem Beginn. Dickerman reichte später eine Klage gegen die Band in Höhe von 22.230 Pfund ein.[11]
Die Tournee endete mit vier Konzerten an drei aufeinanderfolgenden Abenden im Madison Square Garden in New York City. Am ersten Abend kam es zu zehn Festnahmen und zwei verletzten Polizisten, am letzten Abend zu Auseinandersetzungen zwischen der Menge vor dem Madison Square Garden und der Polizei.[12][13] Beim Abschlusskonzert der American Tour 1972 am 26. Juli 1972, gleichzeitig Mick Jaggers 29. Geburtstag, regneten Luftballons und Konfetti von der Decke des Madison Square Garden, außerdem wurden Geburtstagstorten hereingerollt, was zu einer Tortenschlacht zwischen den Rolling Stones und dem Publikum führte.[14]
Im Anschluss an den letzten Auftritt veranstaltete Ahmet Ertegun, Vorsitzender von Atlantic Records, im St. Regis New York eine Party zu Jaggers Geburtstag. Unter den Gästen waren Bob Dylan, Woody Allen, Andy Warhol, Truman Capote und dessen Team, sowie Zsa Zsa Gabor. Für die musikalische Unterhaltung sorgte das Count Basie Orchestra. Dylan bezeichnete die Tournee bei der Veranstaltung als „umfassend“ und als „Beginn des kosmischen Bewusstseins“.[15]
Der Musikkritiker Robert Christgau berichtete, die Stimmung bei den Konzerten sei freundlich gewesen, wobei Jagger „seinen legendären Dämonismus untergrub, indem er den Clown, den Dorftrottel, die Marionette spielte.“[16]
Die Tournee erzielte einen damaligen Rekordumsatz von 4 Millionen US-Dollar (entsprechend 30.787.589 US-Dollar im Jahr 2025.)[17] Obwohl jedes Bandmitglied etwa 250.000 US-Dollar (heute umgerechnet 1,4 Millionen US-Dollar) verdiente, war Mick Jagger verärgert, als er erfuhr, dass der Manager von Led Zeppelin, Peter Grant, für die zeitgleich stattfindende Nordamerika-Tournee seiner Gruppe eine bis dahin beispiellose 90/10-Aufteilung der Bruttoeinnahmen zugunsten der Band ausgehandelt hatte.[18]
Liveaufnahmen
Es wurde damals kein Live-Album von dieser Tournee veröffentlicht, obwohl eines geplant war; Vorder- und Rückseite waren bereits gestaltet und mehrere aufgenommene Titel im Studio nachbearbeitet worden. Letztendlich wurde das Album aufgrund vertraglicher Streitigkeiten der Stones mit Allen Klein nicht realisiert.
Von der Tour wurden zwei Filme produziert. Der Konzertfilm Ladies and Gentlemen: The Rolling Stones! lief 1974 nur in wenigen Kinos an. Abgesehen von einer australischen VHS-Veröffentlichung Anfang der 1980er-Jahre war er erst 2010 offiziell auf DVD erhältlich. Der komplette Soundtrack zum Film wurde 2017 von Eagle Records/Universal als Album veröffentlicht.
Robert Franks Cocksucker Blues ist ein Dokumentarfilm im Stil des Cinéma vérité. Mehrere Kameras standen jedem Mitglied der Entourage zur Verfügung, um Backstage-Partys, Drogenkonsum, sowie die Eskapaden von Roadies und Groupies zu filmen, darunter auch ein Groupie, das sich in einem Hotelzimmer Heroin spritzte.[19][20][21] Der Film wurde gerichtlich untersagt und durfte nur unter strengen Auflagen gezeigt werden. Seitdem ist er in verschiedenen, qualitativ unterschiedlichen Bootleg-Versionen online aufgetaucht.[22][23]
Setlist
Auffällig war das Fehlen jeglicher Songs aus der Zeit vor 1968 im Stones-Katalog, abgesehen von (I Can’t Get No) Satisfaction. Diese Tournee markierte auch das temporäre Verschwinden des Klassikers Sympathy for the Devil, das beim Rockpublikum fälschlicherweise mit dem Mord an Meredith Hunter beim Altamont Free Concert im Jahr 1969 in Verbindung gebracht worden war.
Beispiel-Setlist
- Brown Sugar
- Bitch
- Rocks Off
- Gimme Shelter
- Happy
- Tumbling Dice
- Love in Vain
- Sweet Virginia
- You Can’t Always Get What You Want
- All Down the Line
- Midnight Rambler
- Bye Bye Johnny
- Rip This Joint
- Jumpin’ Jack Flash
- Street Fighting Man
- Honky Tonk Women
- Uptight (Everything’s Alright)/(I Can’t Get No) Satisfaction (mit Stevie Wonder)
Tourdaten
| Nr. | Datum | Stadt | Land | Veranstaltungsort | Anmerkungen |
|---|---|---|---|---|---|
| 1 | 3. Juni 1972 | Vancouver | Pacific Coliseum | ||
| 2 | 4. Juni 1972 | Seattle | Center Coliseum | 2 shows | |
| 3 | |||||
| 4 | 6. Juni 1972 | San Francisco | Winterland Ballroom | 2 shows | |
| 5 | |||||
| 6 | 8. Juni 1972 | 2 shows | |||
| 7 | |||||
| 8 | 9. Juni 1972 | Los Angeles | Hollywood Palladium | ||
| 9 | 10. Juni 1972 | Long Beach | Long Beach Arena | ||
| 10 | 11. Juni 1972 | Inglewood | The Forum | 2 shows | |
| 11 | |||||
| 12 | 13. Juni 1972 | San Diego | Sports Arena | ||
| 13 | 14. Juni 1972 | Tucson | Community Center | ||
| 14 | 15. Juni 1972 | Albuquerque | University Arena | ||
| 15 | 16. Juni 1972 | Denver | Coliseum | 2 shows | |
| 16 | |||||
| 17 | 18. Juni 1972 | Bloomington | Metropolitan Sports Center | ||
| 18 | 19. Juni 1972 | Chicago | International Amphitheatre | ||
| 19 | 20. Juni 1972 | 2 shows | |||
| 20 | |||||
| 21 | 22. Juni 1972 | Kansas City | Municipal Auditorium | ||
| 22 | 24. Juni 1972 | Fort Worth | Tarrant County Convention Center | 2 shows | |
| 23 | |||||
| 24 | 25. Juni 1972 | Houston | Hofheinz Pavilion | 2 shows | |
| 25 | |||||
| 26 | 27. Juni 1972 | Mobile | Municipal Auditorium | ||
| 27 | 28. Juni 1972 | Tuscaloosa | Memorial Coliseum | ||
| 28 | 29. Juni 1972 | Nashville | Municipal Auditorium | ||
| 29 | 4. Juli 1972 | Washington, D.C. | Robert F. Kennedy Memorial Stadium | ||
| 30 | 5. Juli 1972 | Norfolk | Scope Arena | ||
| 31 | 6. Juli 1972 | Charlotte | Coliseum | ||
| 32 | 7. Juli 1972 | Knoxville | Civic Coliseum | ||
| 33 | 9. Juli 1972 | St. Louis | Kiel Auditorium | 2 shows | |
| 34 | |||||
| 35 | 11. Juli 1972 | Akron | Rubber Bowl | ||
| 36 | 12. Juli 1972 | Indianapolis | Indiana Convention Center | ||
| 37 | 13. Juli 1972 | Detroit | Cobo Hall | ||
| 38 | 14. Juli 1972 | ||||
| 39 | 15. Juli 1972 | Toronto | Maple Leaf Gardens | 2 shows | |
| 40 | |||||
| 41 | 17. Juli 1972 | Montréal | Forum | ||
| 42 | 18. Juli 1972 | Boston | Boston Garden | ||
| 43 | 19. Juli 1972 | ||||
| 44 | 20. Juli 1972 | Philadelphia | Spectrum | ||
| 45 | 21. Juli 1972 | 2 shows | |||
| 46 | |||||
| 47 | 22. Juli 1972 | Pittsburgh | Civic Arena | ||
| 48 | 24. Juli 1972 | New York City | Madison Square Garden | ||
| 49 | 25. Juli 1972 | 2 shows | |||
| 50 | |||||
| 51 | 26. Juli 1972 |
Band
- Mick Jagger: Gesang, Mundharmonika
- Keith Richards: Gitarre, Gesang
- Mick Taylor: Gitarre
- Bill Wyman: Bass
- Charlie Watts: Schlagzeug
- Nicky Hopkins: Klavier
- Ian Stewart: Klavier
- Bobby Keys: Saxophon
- Jim Price: Trompete, Posaune