Amtssitz am Spreebogen
vorübergehender Amtssitz des deutschen Bundespräsidenten in Berlin
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Der Amtssitz am Spreebogen ist ein 2026 fertiggestelltes Bürogebäude für Bundesbehörden im Regierungsviertel am Spreebogen in Berlin. Es ist vorübergehend der Amtssitz des Bundespräsidenten und der Sitz des Bundespräsidialamtes.
| Amtssitz am Spreebogen | |
|---|---|
Amtssitz am Spreebogen mit Standarte am 12. Juli 2026 | |
| Daten | |
| Ort | Berlin-Moabit |
| Anschrift | Elisabeth-Abegg-Straße 2 / Alt-Moabit |
| Architekten | Sauerbruch Hutton |
| Bauherr | Bundesanstalt für Immobilienaufgaben |
| Bauzeit | April 2023–März 2026 |
| Baukosten | 205 Millionen Euro |
| Grundfläche | 18.700 m² |
| Nutzfläche | 9.900 m² |
| Koordinaten | 52° 31′ 19,5″ N, 13° 22′ 2,6″ O |
Geschichte
Schloss Bellevue ist laut Bundespräsidialamt so marode, dass eine Sanierung nicht im laufenden Betrieb funktionieren würde, sodass ein Umzug unumgänglich sei. Von 2018 bis 2020 sei nach Angaben des Bundespräsidialamtes geprüft worden, eine bestehende Immobilie in Berlin zu nutzen, aber es sei auf dem Immobilienmarkt keine gefunden worden, die „den sicherheitsbedingten Notwendigkeiten sowie den verfassungsrechtlich gebotenen Repräsentationsanforderungen entsprochen“ hätte.[1]
Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben ist Eigentümer des Grundstücks und Bauherr. Das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) verantwortete das Management der Baumaßnahme.[2] Die Planung wurde an eine Arbeitsgemeinschaft aus den Büros Sauerbruch Hutton und Drees & Sommer vergeben. Mit diesen Partnern unterzeichnete der Bund im April 2022 den Vertrag. Die Planungsphase dauerte von Frühjahr 2022 bis Mai 2023. 2022 wurde mit bauvorbereitenden Maßnahmen wie der Baufeldfreimachung begonnen. Im April 2023 starteten die Tiefbauarbeiten. Die Rohbauarbeiten begannen mit der Gründung im Oktober 2023. Die Holzmodule wurde von März bis September 2024 in einer Werkhalle des Bau-Auftragnehmers in Berlin-Köpenick seriell produziert und ab September 2024 auf der Baustelle gestapelt. Zum Abschluss der Modulmontage wurde im November 2024 das mit einem Richtfest vergleichbare Stapelfest gefeiert. Im Frühjahr 2025 erfolge die Montage der Fassadenelemente. Der Bau wurde im März 2026 fertiggestellt, die Übergabe erfolgte im Juni 2026.[3] Die Baukosten betrugen 205 Millionen Euro.[1]
Lage

Das Gebäude liegt im Regierungsviertel am nördlichen Ufer der Spree[4] neben der Moltkebrücke und hat die Adresse Elisabeth-Abegg-Straße 2 / Alt-Moabit, 10557 Berlin.[3]
Auf dem Grundstück befand sich während der Zeit des Nationalsozialismus die Vermögensverwertungsstelle des Landesfinanzamtes, die das Vermögen rassisch und politisch Verfolgter registrierte und einzog.[5] Das Grundstück war danach im Eigentum des Bundes.[2]
Name
Das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung nannte das Bauprojekt Bürogebäude für Bundesbehörden.[3] Das Bundespräsidialamt als Nutzer gab dem Ort den offiziellen Titel Amtssitz am Spreebogen.[1]
Architektur
Die Pläne des Bauwerks wurden vom Architekturbüro Sauerbruch Hutton entworfen.[4]
Die Grundstücksfläche beträgt rund 4.000 Quadratmeter, die Brutto-Grundfläche rund 18.700 Quadratmeter und die Nutzungsfläche rund 9.900 Quadratmeter.[3]
Das Gebäude wurde in Hybridbauweise aus Stahlbeton- und Holz-Modulbauweise errichtet: Der Sockel besteht aus massivem Stahlbeton. Die darüberliegenden fünf Regel-Obergeschosse mit Büros bestehen aus 382 einzelnen vorgefertigten und auf der Baustelle zusammengesetzten Vollholz-Modulen. Das Dachgeschoss mit großen, repräsentativen Sälen und Veranstaltungsflächen wurden in einer freien, raumbildenden Holzrahmenbauweise vor Ort erstellt.[3][6]
Die Fassade besteht aus weitgehend vorgefertigten[3] Keramikfliesen.[1]
Die Innenräume sind mit Sichtbeton, sichtbarem Holz und kräftigen Farben gestaltet. Im Gebäude befinden sich drei Aufzugsanlagen.[6]
Nutzung
Im Juli 2026 bezogen der Bundespräsident und das Bundespräsidialamt den Amtssitz am Spreebogen für die für acht Jahre geplante Dauer der Baumaßnahmen an Schloss Bellevue und dem Bundespräsidialamt.[4] Die offizielle Verlegung des Amtssitzes wurde am Vormittag des 10. Juli 2026 mit dem Einholen der Standarte des Bundespräsidenten am Schloss Bellevue und dem späteren Setzen am Amtssitz am Spreebogen vollzogen.[1][7]
Die Miete beträgt zu Beginn jährlich 16 Millionen Euro.[4][1] Diese setzt sich aus der Grundmiete für die Nutzung der Büro- und Veranstaltungsflächen von rund 9 Millionen Euro und in den ersten fünf Jahren zusätzlich einem Aufschlag zur Refinanzierung baulicher Investitionen für Sicherheit und repräsentative Nutzung von rund 7 Millionen Euro zusammen.[2]
Im sechsten Obergeschoss liegen die repräsentativen Räume mit Blick auf Bundeskanzleramt, Reichstagsgebäude oder andere Bürogebäude. Die Wände der Wandelhalle für Empfänge sind in einem kräftigen Dunkelgrün gehalten. Dort sollen die Büsten der bisherigen Bundespräsidenten aufgestellt werden. Der große, für Ernennungen und Entlassungen von Bundeskanzler und Bundesministern sowie für Staatsbankette vorgesehene Saal ist nahezu in Königsblau gestaltet.[1]
Die Küche ist im Erdgeschoss.[1] Es gibt einen Weinkeller mit rund 6000 Flaschen.[1] Außerdem befinden sich im Gebäude die Büros der Mitarbeiter des Bundespräsidialamts.[4]
Nach Abschluss der Sanierung von Schloss Bellevue soll das Gebäude durch andere Bundesbehörden genutzt werden.[1]
Dokumentation
- Bye-Bye Bellevue – Der Bundespräsident zieht um. Reportage Deutschland 2026. Film von Tina Handel und Moritz Rödle für den rbb, Erstsendung am 10. August 2026 im Ersten. Verfügbar in der ARD Mediathek bis 10. August 2028.