Andreas Parcham
deutsch-niederländischer Komponist
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Andreas Parcham (getauft 29. November 1643 in Danzig; begraben 11. November 1712 in Amsterdam) war ein deutsch-niederländischer Komponist.
Leben und Werk
Parcham wurde 1643 in Danzig geboren. Ab 1654 besuchte er dort das Städtische Gymnasium, wo er vermutlich eine profunde musikalische Ausbildung erhielt.[1.1] Kurz vor dem 17. November 1663 muss er nach Amsterdam gereist sein. An diesem Tag erschien er bei einem Notar, um von Amsterdam aus seinem Stiefvater Nicolaes Cruijts (Kreuz?) in Danzig Vollmacht zur Regelung von Vermögensangelegenheiten zu erteilen. Dies gibt Anlass zur Vermutung, dass Parcham seine Heimatstadt in Eile, womöglich auf der Flucht verlassen hat.[1.2] Er verbrachte den Rest seines Lebens in Amsterdam, wo er bis zu seinem Tod 1712 ein geschätztes Mitglied des dortigen musikalischen Lebens war.[2] 1669 heiratete er Agnes geb. Neibeln (1642–1682) aus Heinsberg, mit der er bis ihrem Tod vier Kinder hatte.[1.3] 1690 heiratete er Agnes’ jüngere Schwester Ida (um 1657–?), die, da ihre Eltern verstorben waren, schon seit längerem in Parchams Haushalt lebte, und mit der er sieben weitere Kinder hatte.[1.4] Bemerkenswerterweise behielten die Eheleute im calvinistisch geprägten Amsterdam ihre Konfession bei: Andreas Parcham blieb Lutheraner, ohne sich jedoch der lutheranischen Kongregation Amsterdams anzuschließen, und seine beiden Ehefrauen blieben katholisch; auch die Kinder wurden sämtlich katholisch getauft.[1.5]
1701 ließ er in Amsterdam bei Estienne Roger eine Sammlung von 12 Sonaten für Blockflöte und Basso continuo als sein Opus 1 drucken.[3][4] Es ist jedoch nur eine seiner Sonaten überliefert, die in einer von George Bingham herausgegebenen Sammlung von Airs Anglois erschien, was lange Zeit zu der Fehlannahme führte, Parcham sei Engländer gewesen.
Seine wenigen überlieferten Werke sind bemerkenswert wegen ihrer ungewöhnlichen harmonischen Gestaltung und ihres teilweise rhapsodischen Stils.[5]
Werke
- 12 Sonaten für Blockflöte und b. c., op. 1 (verschollen)
- 2 Capricen für Flöte und Bass
Literatur
- Johann Gottfried Walther: Musicalisches Lexicon oder Musicalische Bibliothek. Leipzig 1732, S. 462; Digitalisat in der Google-Buchsuche.
- Parcham (Andreas). In: Johann Heinrich Zedler: Grosses vollständiges Universal-Lexicon Aller Wissenschafften und Künste. Band 26, Leipzig 1740, Sp. 825.
- Ernst Ludwig Gerber: Neues historisch-biographisches Lexikon der Tonkünstler, welches Nachrichten von dem Leben und den Werken musikalischer Schriftsteller, berühmter Komponisten, Sänger, Meister auf Instrumenten, kunstvoller Dilettanten, Musikverleger, auch Orgel- und Instrumentenmacher, älterer und neuerer Zeit, aus allen Nationen enthält. 3. Teil: K–R. Kühnel, Leipzig 1813, Sp. 654; Textarchiv – Internet Archive.
- John S. Sainsbury: A Dictionary of Musicians: From the Earliest Ages to the Present Time Comprising the Most Important Biographical Contents of the Works of Gerber, Choron, and Fayolle, Count Orloff, Dr. Burney, Memoirs of the Most Eminent Living Musicians and a Summary of the History of Music. Band 2. Sainsbury and Company, London 1824, S. 262; Digitalisat in der Google-Buchsuche.
- Robert Eitner: Biographisch-Bibliographisches Quellen-Lexikon der Musiker und Musikgelehrten der christlichen Zeitrechnung bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts. Band 7. Breitkopf & Härtel, Leipzig 1902, S. 317; Textarchiv – Internet Archive.
- Thiemo Wind: Andreas Parcham and His Recorder Sonata(s) (= Instant Harmony essay series. 7). Instant Harmony, São Paulo 2023, ISBN 979-8-8722-4885-9, OCLC 1482796701.[2]
Weblinks
- Werke von und über Andreas Parcham im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Noten und Audiodateien von Andreas Parcham im International Music Score Library Project
- Andreas Parcham bei MusicBrainz (englisch)
- Andreas Parcham bei AllMusic (englisch)
- Andreas Parcham bei Discogs