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André Muhirwa

burundischer Politiker, Premierminister From Wikipedia, the free encyclopedia

André Muhirwa (* 1920 in Murete, Ruanda-Urundi; † 28. April 2003[1]) war ein burundischer Politiker der Union für den nationalen Fortschritt (UPRONA), der unter anderem von 1961 bis 1963 Premierminister von Burundi war.

Leben

André Muhirwa war der Sohn eines Stammeshäuptlings aus der fürstlichen Gruppe der Ganwa, die traditionell über Burundi herrschte, sowie eine eigenständige soziale Schicht war, die weder den Volksgruppen Hutu noch den Tutsi angehörte, wenngleich sie mit Letzteren verbunden war. Er war zwischen 1944 und 1951 Häuptling von Buhumuza und wurde zudem 1951 Häuptling von Bweru, im ehemaligen Gebiet seines Vaters. 1952 heiratete er Rosa Paula Iribagiza Mwambutsa (* 1934), die Tochter von König Mwambutsa IV. Bangiriceng,[2] und wurde dadurch Schwager der Prinzen Louis Rwagasore (1932–1961)[3] und Ntare Ndizeye (1947–1972).[4] Am 7. Januar 1961 gehörte er neben Louis Rwagasore, Paul Mirerekano, Léon Ndenzako, André Nugu sowie André Rufuruguta zu den Gründungsmitgliedern der Union für den nationalen Fortschritt UPRONA (Union pour le Progrès national) und wurde neben André Nugu als Vizepräsident der Partei einer der Stellvertreter von Parteipräsident André Rufuruguta. Die UPRONA setzte sich für die sofortige Unabhängigkeit, die Unterstützung der Monarchie, allgemeine Wahlen, Gewaltenteilung, „Burundianisierung“ des Handels, Rationalisierung der Viehzucht und intensive Landwirtschaft ein.[5] Kurz vor den Kommunalwahlen und nach den Ergebnissen des Kolloquiums vom August 1960 in Brüssel, an dem Vertreter von 13 politischen Parteien teilnahmen, hatte die Kolonialverwaltung ein Dekret erlassen, das den Verwandten und Verbündeten des Königs die politische Betätigung untersagte. Durch dieses Dekret verlor die UPRONA wichtige charismatische Führungspersönlichkeiten wie Prinz Louis Rwagasore und zwei Schwiegersöhne des Mwami, Léon Ndenzako und André Muhirwa. Mehr als hundert Personen, hauptsächlich Mitglieder der UPRONA, wurden aus politischen Gründen vom 27. Oktober bis zum 9. Dezember 1960 unter Hausarrest gestellt oder inhaftiert.[6]

Bei den Wahlen am 18. September 1961 gewann die UPRONA mit 91 Prozent der Mandate die Mehrheit in der Nationalversammlung, während die in der Gemeinsamen Front FC (Front Commune) zusammengeschlossenen Parteien[7] nur drei Prozent der Abgeordneten stellten, von denen 47 Prozent den Hutus angehörten.[8] Daraufhin wurde Prinz Louis Rwagasore, der Sohn des Königs und Angehöriger der Volksgruppe der Tutsi, am 28. September 1961 als Nachfolger von Joseph Cimpaye[9] neuer Premierminister und berief Muhirwa als Innenminister ins Kabinett. Bereits zwei Wochen später wurde der Prinz am 13. Oktober 1961 von einem griechischen Attentäter ermordet, der offenbar von Führungskräften der PDC unter belgischer Mitwirkung angeheuert wurde. Nach der Ermordung des Premierministers hätte der stellvertretende Premierminister Pierre Ngendandumwe[10] den Vorsitz des Ministerrates gemäß der verfassungsrechtlichen Regelungen übernehmen müssen. Dies geschah jedoch nicht: Stattdessen wurde der Prinz am 20. Oktober 1961 durch Innenminister Muhirwa ersetzt.[11][12] Kurz zuvor verlor er jedoch am 4. Oktober 1961 seine Funktion als Vizepräsident der UPRONA, während Rufuruguta und Nugu ihre Funktionen als Präsident und Vizepräsident der Partei tauschten.

Während André Muhirwas Amtszeit als Premierminister begannen am 19. Januar 1962 die offenen ethnischen Konflikte zwischen Tutsi und Hutu. Trotz dieser verstärkten innenpolitischen Instabilität erlangte Burundi am 1. Juli 1962 seine Unabhängigkeit von Belgien. Im September 1962 kam es zu einer Spaltung der UPRONA in einen „Monrovia“-Flügel unter Paul Mirerekano und einen „Casablanca“-Flügel unter Muhirwa. Er bekleidete das Amt des Premierministers bis zum 10. Juni 1963 und wurde am 18. Juni 1963 von dem Hutu Pierre Ngendandumwe vom „Monrovia“-Flügel offiziell abgelöst.[13] Unter seiner Führung und mithilfe von Armeetruppen unter Hauptmann Michel Micombero[14] setzte der seit dem 24. März 1966 mit großen Machtbefugnissen ausgestattete Prinz Charles Ndizeye am 8. Juli 1966 König (Mwami) Mwambutsa IV. ab, übernahm alle Vollmachten, suspendierte die Regierung von Premierminister Léopold Biha[15] und hob die Verfassung auf.[16][17] In einem Brief an dessen Vater vom 22. August 1971 rechtfertigte Charles Ndizeye als nunmehriger König Ntare V. Ndizeye die Absetzung des Königs und der Regierung mit folgenden Worten:

„Am 8.7.1966 konnte ich jedoch der Versuchung nicht widerstehen, die von Ihnen eingesetzte Regierung zu stürzen, und zwar aufgrund schlechter Ratschläge von Leuten, die ich für uns nahestehend hielt: Pié Masumbuko, Buryeburye, André Muhirwa, aber insbesondere Léon Ndenzako.“[18]

André Muhirwa zog sich nach 1966 zunächst aus dem politischen Leben zurück. Nach dem Putsch von Hauptmann Michel Micombero im November 1966 wurde er festgenommen, kam später wieder frei und erhielt am 28. November 1967 einen einflusslosen Posten als Mitglied des Verwaltungsrates der Hafenbehörde von Bujumbura, ehe er von 1975 bis 1976 als Botschafter in Tansania fungierte. Nachdem er sich nach seiner Zeit als Botschafter aus dem aktiven Dienst zurückgezogen hatte, blieb er politisch in Burundi engagiert. Er setzte sich insbesondere für die uneingeschränkte Anerkennung der Ganwa als eigenständige ethnische Gruppe – getrennt von den anderen großen Volksgruppen Burundis – ein.[19] Im August 2001 war er neben Léopold Biha, Charles Mbanzamihigo, Henry Kana, Godefroid Kamatari, Ildephonse Rwigemere Mboneko and Guillaume Ruzoviyo Mitbegründer der Parlamentarischen Monarchistischen Partei PMP (Parti Monarchiste Parlementaire).[20]

Aus seiner später geschiedenen Ehe mit Rosa Paula Iribagiza Mwambutsa gingen die beiden Söhne Prinz Rémy Ciza Muhirwa und Prinz Charles Muhirwa sowie die beiden Töchter Prinzessin Louise Muhirwa und Prinzessin Michelle Muhirwa hervor. Sein Schwiegersohn war der Offizier, Diplomat und Politiker Albert Shibura (* 1939),[21] der unter anderem von 1969 bis 1972 Innenminister war, während sein Schwiegerneffe der Diplomat und Politiker Gilles Bimazubute (1934–1993)[22] war, der unter anderem zwischen 1974 und 1975 als Außenminister fungierte.

Literatur

  • Gordon C. McDonald (Hrsg.): Area Handbook for Burundi, Washington, D.C. 1969, US Government Printing Office (Onlineversion)
  • Jean Ghislain: La Féodalité au Burundi, Académie royale des Sciences d’Outre-Mer, Brüssel 1970 (Onlineversion)
  • Warren Weinstein: Historical Dictionary of Burundi, Scarecrow Press, Metuchen 1976, ISBN 978-0-8108-0962-8
  • Der Große Ploetz. Die Enzyklopädie der Weltgeschichte, Verlag Vandenhoeck & Ruprecht, 35. Auflage, 2008, ISBN 978-3-525-32008-2
  • Denis Banshimiyubusa: Les enjeux et défis de la démocratisation au Burundi. Essai d’analyse et d’interprétation à partir des partis politiques, 2018 (Onlineversion)

Einzelnachweise

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