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Pié Masumbuko

arzt, Burundi From Wikipedia, the free encyclopedia

Pié Masumbuko (* 29. September 1931 in Rukiga, Kiganda, Provinz Muramvya; † 26. Juli 2026 in Abidjan, Elfenbeinküste[1]) war ein burundischer Arzt und Politiker der Union für den nationalen Fortschritt (UPRONA), der unter anderem vom 15. bis 26. Januar 1965 kommissarischer Premierminister von Burundi war. Er war zudem der erste einheimische Arzt aus Belgisch-Kongo beziehungsweise Ruanda-Urundi.

Leben

Pié Masumbuko, Angehöriger der Volksgruppe der Tutsi, absolvierte seine Grundschulbildung von 1939 bis 1943 in Bukeye und Kiganda. Er besuchte daraufhin von 1944 bis 1949 die Sekundarschule und anschließend bis 1952 eine Ausbildung zum Medizinischen Assistenten an der Groupe Scolaire Officiel in Astrida. 1955 wurde er Mitglied des Generalrats von Ruanda-Urundi und erhielt 1956 ein Stipendium des Hohen Rates des Landes für ein Studium in Frankreich. 1958 schloss er in Paris das Baccalauréat mit Auszeichnung ab. Ein darauf folgendes Studium der Medizin an der Universität von Paris schloss er 1961 mit einem Doktor der Medizin ab und wurde dadurch der erste einheimische Arzt aus Belgisch-Kongo beziehungsweise Ruanda-Urundi.

Nach seiner Rückkehr engagierte sich Masumbuko in der am 7. Januar 1961 von Prinz Louis Rwagasore,[2] André Muhirwa,[3] Paul Mirerekano, Léon Ndenzako, André Nugu sowie André Rufuruguta zu den Gründungsmitgliedern der Union für den nationalen Fortschritt UPRONA (Union pour le Progrès national) und wurde 1963 als Chefberater der Regierung mit zwei anderen prominenten Politikern, Ignace Ndimanya und Thaddée Siryuyumunsi, festgenommen und beschuldigt, an einer Verschwörung zur Gefährdung der Staatssicherheit beteiligt gewesen zu sein.[4][5] Danach bekleidete er in den Kabinetten der Premierminister Pierre Ngendandumwe (18. Juni 1963 bis 6. April 1964, 7. bis 15. Januar 1965)[6] und Albin Nyamoya (6. April 1964 bis 7. Januar 1965)[7] die Ämter als stellvertretender Premierminister und Gesundheitsminister. Er vertrat Burundi bei der Unterzeichnung des Vertrags über das Verbot von Kernwaffenversuchen in der Atmosphäre, im Weltraum und unter Wasser am 4. Oktober 1963.[8]

Nach der Ermordung von Pierre Ngendandumwe fungierte Masumbuko kurzzeitig vom 15. bis zum 26. Januar 1965 als kommissarischer Premierminister von Burundi, woraufhin der UPRONA-Präsident Joseph Bamina[9] ihn ablöste.[10] Tatsächlich handelte es sich bei den Attentätern um eine Gruppe ruandischer Tutsi-Flüchtlinge. Eine Woche nach dem Attentat gab die Polizei bekannt, dass ein Ruander, der als Buchhalter an der US-Botschaft arbeitete, den Mord gestanden habe. Der amtierende Premierminister Pié Masumbuko betonte, dass Washington, D.C. nicht darin verwickelt gewesen sei. Im Februar 1965 wurde ein weiterer Ruander namens Butera, der ebenfalls für die US-Botschaft arbeitete, festgenommen; ein Ballistikexperte berichtete zudem, dass das Projektil, das den Premierminister getötet hatte, aus einem Revolver stammte, der in Buteras Besitz gefunden worden war. Butera war der Sohn des bekannten ruandischen Guerillakämpfers Rukeba. Schließlich sprach der Oberste Gerichtshof Burundis im Dezember 1967 alle anderen, die der Beteiligung an dem Attentat beschuldigt worden waren, aus Mangel an Beweisen frei. Zu ihnen gehörten der Buchhalter Gonzalve Muyenzi und der ehemalige Vorsitzende der „Jeunesse Nationaliste Rwagasore“, Prime Nyongabo. Der Tod Ngendandumwes, eines gemäßigten Hutu, löste eine weitere Krise in der burundischen Politik aus.[11][12]

Bei den Wahlen zur Nationalversammlung am 10. Mai 1965 erhielt die UPRONA 64 Prozent der Sitze. Allerdings war es überraschend, dass bestimmte prominente Persönlichkeiten des Landes, sowohl Hutu als auch Tutsi, nicht wiedergewählt wurden. Dies war neben Masumbuko der Fall bei Joseph Bamina, Zénon Nicayenzi, Thaddée Siryuyumunsi, Appollinaire Siniremera, Pierre Mpozenzi, Rémy Nsengiyumva, Pierre Ngunzu und anderen. J. Nimubona sprach von einer „Ablehnung der politischen Eliten der Hauptstadt“ und fügte hinzu, dass in diesem Spiel der ethnischen Polarisierung die Hutu die Wahlen gewonnen hätten, weil sie als Opfer des Gerichts und der Regierungen des von Muhirwa geführten „Casablanca“-Flügels der Hutu auftraten. Aus diesem Grund können diese Parlamentswahlen von 1965 als „ethnische Sanktion der politischen Ethnizität“ betrachtet werden.[13] Nachdem der seit dem 24. März 1966 mit großen Machtbefugnissen ausgestattete Prinz Ntare Ndizeye[14] am Juli 1966 seinen Vater, König („Mwami“) Mwambutsa IV. Bangiriceng,[15] abgesetzt hatte, wurde Pié Masumbuko zum Außenminister ernannt. Dieses Amt bekleidete er bis zum Staatsstreich unter der Führung von Hauptmann Michel Micombero[16] am 28. November 1966.[17][18]

Im Anschluss absolvierte Pié Masumbuko, der sich auch für die Sozial- und Geisteswissenschaften interessierte, Studiengänge am Pariser Institut für Politikwissenschaften (Institut d’études politiques de Paris) und erwarb dort Zertifikate in Anthropologie und Ethnologie. Im Anschluss arbeitete er von 1973 bis 1992 für die Weltgesundheitsorganisation (WHO), wurde nach einem Jahr in Frankreich in westafrikanische Länder entsandt und fungierte unter anderem zwischen 1974 und 1976 als Vertreter im Tschad und von 1985 bis 1992 in der Elfenbeinküste.

Literatur

  • René Lemarchand: Rwanda and Burundi, Praeger Publishers, New York 1970 (Onlineversion)
  • Ellen K. Eggers: Historical Dictionary of Burundi, 3. Auflage, Scarecrow Press, Lanham 2006, ISBN 978-0-8108-5302-7 (Onlineversion)
  • Der Große Ploetz. Die Enzyklopädie der Weltgeschichte, Verlag Vandenhoeck & Ruprecht, 35. Auflage, 2008, ISBN 978-3-525-32008-2
  • Denis Banshimiyubusa: Les enjeux et défis de la démocratisation au Burundi. Essai d’analyse et d’interprétation à partir des partis politiques, 2018 (Onlineversion)

Einzelnachweise

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