Angolanisch-portugiesische Beziehungen
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Die angolanisch-portugiesischen Beziehungen umfassen die bilateralen Beziehungen zwischen Angola und Portugal. Sie erneuerten 1976 ihre diplomatischen Beziehungen, nach der Unabhängigkeit Angolas von Portugal 1975. Angola war seit der Ankunft der Portugiesen 1483 als erste Europäer dort portugiesische Kolonie. Nach der Unabhängigkeit Brasiliens 1822 wurde es dann zur wirtschaftlich bedeutendsten portugiesischen Kolonie, insbesondere im Laufe des 20. Jahrhunderts. Diese jahrhundertealte gemeinsame Geschichte prägt ihre Beziehung bis heute.
Ihr heutiges Verhältnis gilt als gut, hat historisch aber zahlreiche Tiefpunkte in Folge der langen portugiesischen Kolonialherrschaft erlebt, auch nach der Unabhängigkeit 1975. Im Gegensatz zu anderen ehemaligen portugiesischen Kolonien bildete sich über die Jahrhunderte vor allem in Angolas Städten eine breite Mischlings-Elite abseits der lokalen Ethnien heraus, die sich kulturell stark mit Portugal verbunden fühlt, sich ansonsten aber ebenso stark um Abgrenzung zu Portugal bemüht. Und im Gegensatz zu den anderen afrikanischen Staaten portugiesischer Sprache weist Angola einerseits besonders tiefgreifende Prägungen durch Portugal auf, etwa in der hier besonders umfassend verbreiteten portugiesischen Sprache, die hier keine Kreolsprachen ausbildete. Auch in Gastronomie, Architektur, Sport oder Kultur sind die Parallelen deutlich, und auch die Verwaltungsgliederung Angolas weist enge Parallelen zur Verwaltungsgliederung Portugals in Aufbau und Begrifflichkeiten auf. Andererseits weist keine ehemalige portugiesische Kolonie seit dem grundlegenden Politikwechsel in Portugal 1974 ein vergleichbar wechselhaftes Verhältnis zur ehemaligen Kolonialmacht auf, wie Angola, das sich als einzige ehemalige portugiesische Besitzung auch nach der tiefgreifenden Nelkenrevolution 1974 und der folgenden partnerschaftlichen Ausrichtung der portugiesischen Außenpolitik noch häufig antikolonialer Rhetorik bediente und gelegentlich auch diplomatische Konflikte mit Portugal auslöste.
Seit Antritt des neuen angolanischen Präsidenten João Lourenço 2017 verbesserte sich ihr Verhältnis wieder deutlich. Doch auch zuvor bestanden abseits der gelegentlichen diplomatisch-politischen Differenzen stets enge Beziehungen auf allen Ebenen, politisch, wirtschaftlich, kulturell bis hin zu den weitverbreiteten gegenseitigen familiären und anderen persönlichen Verbindungen. So waren und sind sie gegenseitig bedeutende Handelspartner, sind in zahlreichen internationalen Organisationen Partner, gehören beide zu den Gründungsmitgliedern der Gemeinschaft der Portugiesischsprachigen Länder (CPLP) und zählen traditionell bedeutende gegenseitige Diasporas, in denen eine Vielzahl Vereine und Initiativen bestehen, die beide Länder zivilgesellschaftlich miteinander verbinden. Auch bei Medien, im Fremdenverkehr, in der Bildung und in Sport und Kultur besteht regelmäßiger, teils auch institutionalisierter Austausch. Die angolanische TAAG Angola Airlines und die portugiesische TAP Air Portugal bieten beide direkte Flugverbindungen zwischen beiden Ländern, und reiche angolanische Persönlichkeiten sind häufige und gern gesehene Gäste in den Nobelboutiquen auf der Avenida da Liberdade und in den Luxusressorts überall im Land. Mit der 2023 erfolgten Lockerung der zuvor restriktiven Visa-Regeln unter Präsident João Lourenço, und als Teil der angestrebten breiten Diversifizierung der angolanischen Wirtschaft, soll der Tourismus nun auch in Angola zunehmen, auch aus Portugal.
Geschichte
Bis zum Kolonialkrieg (1961)

Nachdem erstmals mit Diogo Cão 1482 die portugiesischen Entdeckungsreisenden in Angola angekommen waren, wurde Angola zunehmend Teil des portugiesischen Weltreichs. Zunächst bemühten die Portugiesen sich um gute Beziehungen zum Königreich Kongo und konnten erste Handelsstationen in dessen Herrschaftsbereich errichten, zunächst in Soyo. Dann gründeten die Portugiesen weiter südlich, außerhalb des direkten Herrschaftsbereichs Kongos eigene Posten. Am 25. Januar 1576 gründeten sie Luanda, das von nun an Zentrum der portugiesischen Präsenz im heutigen Angola wurde. Es ging den ersten Portugiesen hier ausschließlich um Handel, insbesondere Sklaven handelten sie hier von Händlern aus dem Hinterland zu Weiterverkauf ein. Im Laufe der Zeit kamen sie weiter ins Inland und gerieten in Konflikt mit dem Königreich Ndongo, ein Vasallenreich Kongos, und dem Königreich Matamba, mit denen sie bisher einfachen Handel getrieben hatten. Der Königin Nzinga von Ndongo und Matamba gelang es lange, dank Verhandlungen eine Koexistenz mit den aufstrebenden Portugiesen zu erhalten und ihre Interessen zu verteidigen. Weiter südlich hatte Portugal 1617 mit Benguela eine weitere wichtige Handelsstation gegründet und trieb über die Ovimbundu Handel mit dem Hinterland. Im von Wüste umgebenen, schwach besiedelten Süden sollten sie erst viel später, im 19. Jahrhundert bedeutende Siedlungen gründen (Moçâmedes ab 1841, Tômbua ab 1860).
Insbesondere im erweiterten atlantischen Dreieckshandel wurden, neben etwas Warenaustausch, vor allem Sklaven aus Angola nach Brasilien, aber auch andere Regionen in Amerika für die dortige Plantagenwirtschaft gebracht. Dieser atlantische Sklavenhandel lief nach dem beginnenden Sklavereiverbot Portugals im 18. Jahrhundert in der Realität nur langsam aus.

Im Wettlauf um Afrika Ende des 19. Jahrhunderts sah sich Portugal dann plötzlich genötigt, seinen jahrhundertealten Anspruch auf Angola (und seine übrigen afrikanischen Kolonien) durch eine verstärkte Präsenz zu untermauern. Das zunehmend in die Krise geratene Portugal konnte dies nur bedingt tun, konnte aber durch oft fremdfinanzierte Infrastrukturprojekte (Luandabahn ab 1886, Benguelabahn ab 1899, Namibebahn ab 1905, Häfenausbauten) und verstärktes Unternehmertum eine stärkere wirtschaftliche Entwicklung bewirken. José Norton de Matos, zweimaliger Gouverneur Angolas (1912–1915 und 1921–1923), tat sich dabei besonders hervor. Er modernisierte die Verwaltung, baute Siedlungen aus (auch im schwach besiedelten Süden, etwa in Tômbua), stärkte die Präsenz des Staates und weitete diese deutlich aus. Auch gelang es ihm und dem portugiesischen Militär, deutsche Angriffe im Ersten Weltkrieg abzuwehren, wie zuvor auch schon die portugiesische Diplomatie britische und deutsche Pläne verhindern konnte (Angola-Vertrag 1898).
Nach Konsolidierung des semifaschistischen und kolonialistischen Estado-Novo-Regime unter Diktator Salazar ab 1932 wandte sich dieser auch stärker den Kolonien zu, insbesondere Angola, das sich als wirtschaftlich stärkste und aussichtsreichste Kolonie erwies und wo sich eine portugiesisch-geprägte Mischlings-Elite als Oberschicht herausgebildet hatte. Salazar, der stark auf Unabhängigkeit bedacht war und auch dank der Kolonien wirtschaftlich unabhängig bleiben wollte, gelang es, im Zweiten Weltkrieg neutral zu bleiben, und konnte so seine Kolonien erhalten und weiterentwickeln, wenn auch nur langsam mangels ausreichend Kapitalzuflüssen. In den 1950er Jahren kamen dann jedoch auch in Angola Unabhängigkeitsbewegungen auf, die von Portugals kolonialer Diktatur unterdrückt wurden, bis sie schließlich in die portugiesischen Kolonialkriege mündeten, die 1961 im Norden Angolas ihren Anfang nahmen.
Von 1961 bis zur Unabhängigkeit (1975)


Der internationale Druck auf Portugal, auch in seinen Kolonien eine Entkolonialisierung zuzulassen und den Kolonialkrieg zu beenden, konnte Salazar nicht zu einer Abkehr seiner Politik bewegen. Er verteidigte dies mit einer behaupteten jahrhundertealten zivilisatorischen Mission Portugals und einem „Portugal vom Minho (nördlichster Teil Portugals) bis Timor (entfernteste Besitzung, in Ostasien)“. Er versuchte seine Ideologie mit der Einführung des Status von Überseeprovinzen für Angola und alle seine Besitzungen zu untermauern. Aber auch weitere Änderungen, wie die Schaffung des Assimilado-Status zur Gleichstellung der schwarzen Bewohner der Kolonien mit den Portugiesen des Mutterlandes, und einige Vereinfachungen im Personen- und Warenverkehr zwischen Kolonien und Mutterland konnten die Situation weder für die Bewohner in Angola und den übrigen Kolonien noch vor den Augen der internationalen Gemeinschaft nennenswert verbessern. Wie die übrigen Kolonien hatte auch Angola weiterhin eine andere Währung als das Mutterland (Angolanischer Escudo) und es gab keinen freien Personenverkehr ins Mutterland. Gleichzeitig vermied Salazar aber politisch und wirtschaftlich zu viel Eigenständigkeit, zu sehr fürchtete er ein zweites Brasilien, also die Unabhängigkeit einer eigenständig lebensfähigen und wirtschaftlich erfolgreichen Kolonie wie Angola.
Nach ersten Revolten im Vorjahr nahm 1961 die spätere FNLA von Holden Roberto den bewaffneten Kampf auf, die MPLA folgte noch im gleichen Jahr. Daraufhin sandte Portugal immer mehr Kräfte nach Angola. Nach vielen blutigen Zusammenstößen im Norden Angolas, wo die Aufstände 1961 begonnen hatten, schaltete sich 1966 die UNITA im Osten des Landes ein. Das portugiesische Militär, das seine Präsenz seit 1961 immer weiter auf schließlich 70.000 Soldaten (40.000 Weiße und 30.000 Schwarze) erhöht hatte, konnte die Situation in Angola bis 1974 militärisch dennoch vollkommen unter Kontrolle bringen. Parallel hatte Portugal durch nun enorme Investitionen in Infrastruktur, Bildung und Gesundheit versucht, auch die Bevölkerung davon zu überzeugen, unter portugiesischer Hoheit zu bleiben. Portugals Regime finanzierte das alles im Wesentlichen aus dem enormen Wirtschaftswachstum in Angola selbst (Diamanten, Sisal, Eisenerz, größter Kaffeeexporteur Afrikas 1973 und 1974, ab 1955 erste Erdölförderungen vor Cabinda, durchschnittliches Wirtschaftswachstum 1960–1974 betrug laut Weltbank 7,8 %)[1]. Dennoch blieb der Widerstand der angolanischen Unabhängigkeitsbewegungen trotz ihres ausgebliebenen militärischen Erfolgs im Wesentlichen aufrecht.[2]
Der zunehmend endlos und sinnlos scheinende Kolonialkrieg in Angola und die Erfahrungen seiner immer kritischeren jungen Soldaten führten im Sommer 1973 zur Gründung der geheimen Widerstandsbewegung Movimento dos Capitães, aus der die Gruppe des Movimento das Forças Armadas (MFA) entstand und die am 25. April 1974 schließlich die Nelkenrevolution und den folgenden Sturz der kolonialen Estado-Novo-Diktatur bewirkte. Die neue Führung in Portugal beendete danach die Kolonialkriege und entließ die sogenannten Überseeprovinzen 1975 eine nach der anderen in die Unabhängigkeit. Für Angola legte das Alvor-Übereinkommen vom 15. Januar 1975 die Unabhängigkeit für den 11. November 1975 fest. Als jedoch die MPLA als stärkste Unabhängigkeitsbewegung Angolas am 11. November 1975 einseitig eine Volksrepublik Angola ausrief und sich als alleinige Regierungspartei bestimmte, brach der sich bereits anbahnende Bürgerkrieg in Angola vollends aus, und breitete sich nun auch im Süden des Landes aus, wo bisher kaum bis gar nicht gekämpft wurde. Er weitete sich auch in andere Teile des Landes auch und erreichte dabei eine neue, zerstörerischere Kriegsintensität, insbesondere nach Eingreifen Südafrikas (auf Seiten der UNITA) und in der Folge Kubas (auf Seiten der MPLA). Daraufhin flohen die portugiesischen Siedler und andere, nicht nur portugiesischstämmigen Einwohner Angolas in großer Zahl, gleichwohl ein Teil dort wohnen blieb. Als Retornados verschiedener Hautfarben kamen so hunderttausende Menschen aus Angola nach Portugal.
Seit 1975
Zwar hatte Portugal seine Streitkräfte 1975 aus Angola abgezogen, doch waren einige rechtsgerichtete portugiesische Freischärler-Einheiten dort verblieben und unterstützen anfangs vor allem die FNLA gegen die marxistische MPLA, um eine sich abzeichnende kommunistische Regierung im jungen Staat abzuwenden. Aber auch auf Seiten der MPLA kämpften zahlreiche Portugiesen, die antikolonial, emanzipatorisch oder schlicht kommunistisch orientiert waren, beispielsweise der portugiesische Vater von Luaty Beirão. Einige von ihnen blieben in Angola und bauten den neuen Staat mit auf, etwa Iko Carreira, der erster Verteidigungsminister des Landes wurde (1975 bis 1980 im Amt), oder Lúcio Lara, Mitbegründer der MPLA und langjähriger Politiker, der auch an der Repression von MPLA-Gegnern beteiligt war.
Gelegentliche gegenseitige Staatsbesuche markierten schon seit der Unabhängigkeit Angolas 1975 das diplomatisch-politische Verhältnis, das ab Beginn auch immer wieder unter Unstimmigkeiten zwischen der jeweiligen angolanischen und portugiesischen Regierung litt. Ein Grund waren die in Angola, im Gegensatz zu denen in den meisten anderen portugiesischen Kolonien, schwierigen Unabhängigkeitsverhandlungen der neuen portugiesischen Regierung, die die MPLA durch die Ergreifung der Macht und Ausrufung der Unabhängigkeit am 11. November 1975 durchkreuzte. In der Folge hatte Portugal erst am 22. Februar 1976 die Unabhängigkeit anerkannt und am 9. März 1976 formelle diplomatische Beziehungen zu Angola aufgenommen.[3][4] Danach blieben die Beziehungen eng, aber bedingt durch die unterschiedlichen Ansichten der wechselnden Regierungen in Portugal zu Angola war die Zeitspanne von 1976 bis 1986 von einer uneinheitlichen Linie Portugals und einem folgenden gelegentlichen Rückfall in anti-koloniale Rhetorik auf angolanischer Seite geprägt. So traf sich der portugiesische Staatspräsident Ramalho Eanes 1978 in Bissau mit dem angolanischen Präsidenten Agostinho Neto und kam als einziger westlicher Staatschef zur Beerdigung Netos 1979. Das verbesserte zwar die Beziehungen zu Angola deutlich, jedoch kritisierten konservativere Kräfte in Portugal dies als Annäherung Portugals zu Entwicklungsländern statt westlicher Integration. Andere einflussreiche portugiesische Politiker wie der mitte-links stehende Mário Soares gingen weiter auf Abstand zur MLPA-Regierung, die ihrerseits sich immer wieder durch Abgrenzung zur ehemaligen Kolonialmacht profilieren wollte, gleichwohl die meisten ihrer Kader aus der Mischlings-Elite kamen, die kulturell Portugal näher als ihren einheimischen Ethnien standen (und bis heute stehen). Die fortschreitende Westintegration und Europäische Integration Portugals einerseits und die Nähe der MPLA-Regierung Angolas zum Ostblock andererseits blockierten zusätzlich die unverändert tiefen kulturellen und historischen Verbindungen, trotz der seit den 1980er Jahren zunehmend unablässigen Bemühungen der portugiesischen Diplomatie, die Beziehungen zu Angola zu verbessern. Doch verhinderte das Lagerdenken des Kalten Krieges lange jede Verständigung und torpedierte die Versuche Portugals, immer wieder Ansatzpunkte für eine Vermittlung eines Friedens zu finden. Auch war die Einstellung der wechselnden Regierungen in Portugal gegenüber Angola verschiedenen Strömungen unterworfen, zudem hatte die UNITA in Portugal eine stärkere Lobby als die MPLA.[5]

Die 1987 mit erstmals absoluter Mehrheit wiedergewählte Regierung Cavaco Silva in Portugal, mit Durão Barroso als Staatssekretär für internationale Zusammenarbeit im Außenministerium, nutzte dann die Entwicklung in Angola, mit Drei-Mächte-Abkommen 1988 (Abzug Kubas und Südafrikas aus Angola), der nun offenkundigen militärischen Schwäche der MPLA und internationalen Vermittlungsversuchen (v. a. von Mobutu), um selbst einen Friedensprozess in Angola zu initiieren. Der Wegfall ideologischer Hürden durch den Fall der Mauer 1989, die Annäherung der portugiesischen Regierung sowohl an die MPLA als auch an die oppositionelle Bürgerkriegspartei UNITA, die eine starke Lobby in Portugal hatte (Besuch Savimbis in Lissabon im Januar 1990) und eine geschickte portugiesische Diplomatie ermöglichten 1991 dann das Bicesse-Abkommen, was dabei auch einen vorläufigen Höhepunkt der Beziehungen Portugals zu Angola darstellte. Nach der Wiederaufnahme des Bürgerkriegs durch die UNITA und mit der sich nun wandelnden öffentlichen Meinung in Portugal zur UNITA (nach Bekanntwerden von UNITA-Massakern, auch an portugiesischen Siedlern), verbesserten sich die Beziehungen Portugals zur Regierung Angolas weiter. Auch das Bekanntwerden von MPLA-Massakern und die folgenden Proteste der PS-geführten Opposition im portugiesischen Parlament gegen die Angola-Politik der Regierung änderte nun nicht viel, zu offensichtlich war jetzt die Alternativlosigkeit der MPLA für jede Beziehung zu Angola. Beide Staaten näherten sich nun deutlich an, und Angola profitierte von Portugal, das sich als NATO- und EU-Mitglied für Angola einsetzte (Lusaka-Protokoll 1994, Anerkennung Angolas durch die USA 1993). Der Besuch von Staatspräsident Mário Soares in Luanda 1995 war ein weithin deutliches Zeichen der nunmehr guten Beziehungen Portugals zur MPLA-Regierung Angolas.
Nach dem Ende des Bürgerkriegs 2002 setzte dann ein durch Wiederaufbau und hohe Ölpreise ausgelöster Wirtschaftsboom in Angola ein, den auch zahlreiche portugiesische Unternehmen zu Investitionen und Engagements in Angola nutzten. Dabei sank die Zahl der Angolaner in Portugal, und im Gegenzug wuchs die Zahl der Portugiesen, die nach 2010 nochmal besonders stark zunahm, als viele Portugiesen durch einen Neuanfang im nun boomenden Angola der tiefen Wirtschaftskrise in Portugal (Eurokrise) zu entfliehen suchten. Diese Entwicklung wurde durch die abflauende angolanische und wieder wachsende portugiesische Wirtschaft seit 2015 gebremst und hat sich teilweise umgekehrt. So stieg die angolanische Gemeinde in Portugal 2025 zur drittgrößten ausländischen Bevölkerungsgruppe auf (nach Brasilianern und Indern, siehe Kapitel Migration). Damit blieb die gegenseitige Migration und Verflechtung beider Bevölkerungen ein wichtiger Faktor der Beziehungen beider Länder.

Offensichtlich wurde im Laufe der Zeit aber auch die Einseitigkeit der Bemühungen um ihre Beziehungen. Denn während Portugal sein Verhältnis zu Angola grundsätzlich verbessern möchte, verlegte sich Angola eher auf die Anlockung von portugiesischen Investitionen und die Annäherung an einzelne Personen oder Institutionen in Portugal, ohne allzu großes Interesse an einer umfassenden Nähe zu Portugal zu haben. Durch seinen immensen Ölreichtum kann Angola eine viel selbstbewusstere und breiter angelegte Außenpolitik verfolgen, als es vergleichbare Staaten sonst können, und die Bedeutung Portugals ist oftmals zu gering, um mit Brasilien oder China zu konkurrieren. Mit der zunehmenden Wirtschaftskrise in Angola ist der angolanische Ton unter Präsident João Lourenço (seit 2017) in den Beziehungen zu Portugal jedoch etwas freundlicher und kooperativer geworden. Zudem sind die Beziehungen auf allen weiteren Ebenen (privatwirtschaftlich, kulturell bis hinunter zu persönlichen familiären und freundschaftlichen Verbindungen) stets ungebrochen eng geblieben, so dass sich eine langsam zunehmende Nähe Portugals zu Angola feststellen lässt, wenngleich sie weiterhin zu allen anderen ehemaligen Kolonien ungleich enger und besser ist.[5][6]
Irritante-Krise 2012–2018

Während der Amtszeit von Präsident José Eduardo dos Santos (1979 bis 2017), der aus der MPLA-Unabhängigkeitsbewegung und aus der gebildeten Mischlings-Elite abseits der angolanischen Ethnien stammte, die traditionell die wichtigsten Stellen in Militär und Wirtschaft innehat, kam es gelegentlich zu öffentlichen Differenzen zwischen Angola und Portugal, etwa wenn es Vorwürfe gegen angolanische Akteure in Portugal wegen Geldwäsche, Vorwürfe wegen ungeklärter Geldflüsse, oder Kritik an zu viel angolanischem Einfluss nach Investitionen von dort in portugiesische Schlüsselindustrien oder Medien, etwa durch die Präsidententochter Isabel dos Santos, die in den 2010er Jahren in Banken und Medienunternehmen investierte.
Als tiefste Krise ihrer Beziehungen der letzten drei Jahrzehnte gilt jedoch die Anklage der portugiesischen Justiz gegen den ehemaligen Sonangol-Chef und damaligen angolanischen Vize-Präsidenten Manuel Vicente und zwei weitere hohe Staatsdiener, denen 2012 Korruption, Geldwäsche und Dokumentenfälschung vorgeworfen wurde. Die als „Irritante“ (zu deutsch Irritation) bekannt gewordene Krise spitze sich zunächst zu, als Portugal auf die Unabhängigkeit der Justiz verwies und die Ermittlungen und Vorwürfe nicht unterband. Angolas Präsident dos Santos kündigte die bestehende privilegierte Partnerschaft zu Portugal auf und der für Februar 2014 vorgesehene erste angolanisch-portugiesische Gipfel in Luanda wurde abgesagt.
Nach unverändert anhaltenden Protesten der angolanischen Regierung und den in der Folge auf einem Tiefstand befindlichen diplomatischen Beziehungen lenkte die Regierung Portugals schließlich ein und übergab den Fall im Juni 2018 an die angolanische Justiz, wie von Angola gefordert. Zudem kam der portugiesische Premierminister Costa zum Staatsbesuch, um die Wogen weiter zu glätten. Doch selbst dieser besonders tiefe Konflikt beschränkte sich weitgehend auf die diplomatischen Kreise und politischen Spitzen beider Länder, ohne den vielschichtigen und engen Beziehungen beider Länder auf allen Ebenen darunter nachhaltig Schaden zuzufügen. Auch bekräftigten später beide Seiten, dass ausschließlich die portugiesische Justiz für den Fall zuständig war und die Beziehungen zwischen den Staaten insgesamt nicht bedroht waren. Eine Rolle spielten auch die zwischenzeitlich neu angetretenen Regierungschefs, Lourenço 2017 in Angola und Costa 2015 in Portugal, und ihr Wille, die Differenzen hinter sich zu lassen. Sie hakten den Fall ab, der in Portugal weiter offen blieb, aber die Öffentlichkeit in beiden Ländern kaum noch interessierte und ihre Beziehungen nicht länger belastete.[7][6][3] Portugal bemühte sich unverändert um Verbesserung des Verhältnisses, und Angola sperrte sich nicht länger dagegen. Der portugiesische Botschafter in Angola, Pedro Pessoa e Costa, erklärte 2021, Angola habe Portugal in seiner tiefen Krise ab 2010 mit Kapitalzuflüssen geholfen, nun könne Portugal Angola in seiner durch den Ölpreisverfall ausgelösten Krise helfen, durch Investitionen und Technologietransfer seiner diversifizierten Wirtschaft, die sich international als konkurrenzfähig erwiesen hätte und viel überzeugter und hartnäckiger an Angola glaubten, als andere. Er sehe daher die Beziehungen mit Angola weiter positiv und zunehmend gut auf allen Ebenen.[6]
Diplomatie

Angola unterhält eine eigene Botschaft in der portugiesischen Hauptstadt Lissabon, dazu bestehen zwei angolanische Generalkonsulate in den beiden größten Städten des Landes, in Lissabon und in Porto (nach anderen Quellen auch noch eines in Faro, inzwischen dort aber nur gelegentliche konsularische Dienste des Generalkonsulats in Lissabon[8]), und zwei Honorarkonsulate in Coimbra und in Vila Real.[9]
Portugal unterhält seinerseits eine eigene Botschaft in der angolanischen Hauptstadt Luanda, dazu sind zwei portugiesische Generalkonsulate in Benguela und Luanda und zwei Honorarkonsulate in Cabinda und Lubango eingerichtet.[10]
Städtepartnerschaften
Eine Reihe Kommunen beider Länder sind über Städtefreundschaften und Gemeindepartnerschaften miteinander verbunden, Ausdruck jahrhundertealter Beziehungen.
Nach der 1975 erfolgten Unabhängigkeit der früheren portugiesischen Kolonie Angola gingen Lubango (bis 1975 Sá da Bandeira) und Santarém im Jahr 1988 die erste angolanisch-portugiesische Städtefreundschaft ein. Insgesamt 19 angolanisch-portugiesische Partnerschaften bestehen bereits oder werden angebahnt (Stand 2019).
Migration
Hintergrund und Entwicklung


Seit Angola im 15. Jahrhundert portugiesische Kolonie wurde, haben sich Portugiesen dauerhaft dort niedergelassen. Im Gegenzug kamen immer wieder auch Menschen aus Angola nach Portugal, wenn auch im Vergleich weniger. Vor allem im 20. Jahrhundert nahm die gegenseitige Migration dann zu, als Menschen aus Angola als Studenten, Sportler, Künstler oder Angestellte nach Portugal kamen, vor allem aber Siedler aus dem armen ländlichen Raum in Portugal nach Angola auswanderten, um hier ihre Lage zu verbessern. Einige staatliche Programme unter dem kolonialistischen Diktator Salazar förderten dann zeitweise die Einwanderung aus Portugal, um sowohl den sozialen Druck im verarmenden ländlichen Portugal zu mindern, als auch, der ideologischen Idee einer „jahrhundertealten zivilisatorischen Mission“ des Regimes folgend, den Anteil weißer Bewohner Angolas zu erhöhen, flankiert von einigen Baumaßnahmen (Straßenbau, Energieversorgung, Siedlungsbau). Zu nennen etwa das Modellprojekt in Cela, deren Hauptort Santa Comba (nach Salazars Geburtsstadt Santa Comba Dão, heute Waku-Kungo) zu einer besonders typischen ländlichen portugiesischen Kleinstadt ausgebaut wurde.[11] Waren es bei Ausrufung der portugiesischen Republik 1910 erst 10.000 portugiesische Siedler in Angola, so war die Zahl um 1930 auf etwa 50.000 geklettert und betrug 1955 etwa 100.000 Siedler. Mit der starken wirtschaftlichen Entwicklung Angolas stieg die Einwanderung, so dass die Zahl der portugiesischen Siedler in Angola Ende der 1960er Jahre auf über 300.000 gestiegen war.[12] Am Ende der portugiesischen Herrschaft über Angola betrug die Zahl um die 400.000.[5]
Nach dieser historischen Migration aus der Zeit der portugiesischen Kolonialgeschichte verließ ein großer Teil der portugiesischstämmigen Bevölkerung Angola im Verlauf der Unabhängigkeit 1975, teils überstürzt, insbesondere nach Ausbruch und Ausweitung des Bürgerkriegs in Angola im gleichen Jahr. Sie kamen als Retornados nach Portugal, wo sie sich oftmals nur schwer integrieren konnten, zu groß waren die Unterschiede der gewohnten sozialen, klimatischen oder auch nur gastronomischen Lebensumstände zu ihrer neuen Situation als nun oftmals mittellose Fremde. Mit ihnen kamen auch zahlreiche Schwarze, die sich als Assimilados stark mit Portugal verbunden fühlten oder auch Repressionen im neuen unabhängigen Angola fürchteten, etwa weil sie Mitarbeiter staatlicher Organe gewesen oder auch selbst an der Repression von Unabhängkeitsaktivisten beteiligt waren. Die so deutlich gewachsene angolanische Gemeinde in Portugal wurde durch weitere Geflüchtete, die später aus dem bürgerkriegsverwüsteten Angola nach Portugal kamen, erweitert.
Nach Ende des Bürgerkriegs 2002 setzte in Angola dann eine starke wirtschaftliche Entwicklung ein. Neben der konsolidierten Förderung von Öl, Diamanten und Erzen und den gestiegenen Preisen dafür bewirkte der Wiederaufbau und das damit langsam zunehmende Aufkommen neuer Unternehmen in vielen Bereichen einen Aufschwung mit neuen wirtschaftlichen Möglichkeiten, und die Auswanderung aus Angola nach Portugal nahm ab. Während Brasilien zum wichtigsten Großinvestor wurde, kamen aus Portugal, neben einigen Großinvestitionen, vor allem in großer Zahl kleine und mittlere Unternehmer, in den 2010er Jahren dazu auch deutlich verstärkt Facharbeiter, Einzelhändler und ungelernte Arbeiter, die allein oder mit der ganzen Familie vor der tiefen Wirtschaftskrise Portugals ab 2010 (Eurokrise) nach Angola flüchteten. Dabei kam es vereinzelt auch zu illegalen Einreisen und zu folgenden Abschiebungen von Portugiesen aus Angola.[13] Zwischen 150.000 und 200.000 Portugiesen zogen ab 2010 nach Angola.[14][15]
Im Laufe der Abkühlung der wirtschaftlichen Entwicklung Angolas (vor allem fallende Ölpreise) wanderte ein Teil der Portugiesen aus Angola zurück in das seit der Regierung Costa ab 2015 sich wieder erholende Portugal. Parallel nahm auch die portugiesische Einwanderung nach Angola ab, während die Einwanderung aus Angola nun wieder zunahm. Ein Grund in Portugal war die inzwischen vereinfachte Einwanderung für Bürger der portugiesischsprachigen Länder. Gründe in Angola waren die wirtschaftliche Abkühlung nach dem Wiederaufbauboom, die erst langsam voranschreitende Diversifizierung der angolanischen Wirtschaft, die sich auch im Ganzen weiterhin im Aufbau befindet, und die verbesserte Ausbildungssituation in Angola (Universitäten, Fachschulen), die vielen Angolanern nun eine bessere Ausbildung, danach aber noch nicht genügend qualifizierte Beschäftigungsmöglichkeiten bietet. Generell bewegten die meisten Angolaner Existenzsorgen, die Hoffnung auf eine höhere Lebensqualität und der Wunsch nach besserer Gesundheitsversorgung.[16][17][18]
Zahlen
Die Zahl der konsularisch registrierten Portugiesen in Angola belief sich im Jahr 2008 auf 72.706, überschritt 2011 dann die Marke von 100.000 und stieg bis auf 134.473 im Jahr 2015. Da sich nicht alle konsularisch einschreiben lassen, und es dazu auch Fälle illegaler Einwanderung gab, war die Zahl deutlich höher. Allein die Einwanderung zwischen 2010 und 2015 wird auf 150.000 bis 200.000 geschätzt. Danach war die Einwanderung aus Portugal nach Angola rückläufig. Im Jahr 2024 zählten die portugiesischen Konsulate in Angola 117.134 Einschreibungen.[19][18]
Die Zahl der in Portugal gemeldeten Angolaner betrug 2017 noch 16.854 und stieg dann deutlich an, bis sie 2024 die Zahl von 92.348 erreichte, mit weiter steigender Tendenz. In der Zahl nicht eingeschlossen sind Doppelstaatsbürger und sich illegal in Portugal aufhaltende Angolaner. Damit waren angolanische Staatsbürger zur drittgrößten ausländischen Bevölkerungsgruppe in Portugal aufgestiegen (nach Brasilianern und Indern).[20]
Bekannte Persönlichkeiten

Zahlreiche bekannte Persönlichkeiten beider Länder haben einen Migrationshintergrund im jeweils anderen Land, ein Teil hat auch beide Staatsbürgerschaften und ist in beiden Ländern gleichermaßen populär. Zwei aktuell besonders prominente Beispiele sind der angolanische Sänger Anselmo Ralph und der angolanische Comedian und Moderator Gilmário Vemba.
Anselmo Ralph wurde in Portugal zunächst als Kizomba-Musiker mit Veröffentlichungen und ausverkauften Konzerten sehr populär, bevor er dann Juror in den populären Castingshows The Voice und The Voice Kids in Portugal wurde. Er trat regelmäßig in zahlreichen, so verschiedenen Fernsehshows wie Querida Júlia, dem von Sílvia Alberto moderierten Magazin Sociedade Recreativa oder der Musiksendung A Tua Cara Não Me É Estranha auf, und hatte Gastauftritte in Telenovelas, Serien und Filmen wie Virados do Avesso.
Gilmário Vemba wurde zunächst in Angola, dann aber auch in Portugal als Stand-up-Comedian mit Gastspielen und mit immer häufigeren Fernsehauftritten bekannt, wurde 2022 fester Bestandteil des portugiesischen Ablegers des Taskmasters und übernahm 2023 die populäre Talkshow 5 para a Meia-Noite bei RTP1, dem ersten Kanal des öffentlich-rechtlichen Fernsehsenders Rádio e Televisão de Portugal. Der studierte Politologe gilt heute als einer der beliebtesten Comedians in Portugal und Angola,[21][22][23] schrieb aber auch im Hintergrund Drehbücher und lieferte Konzepte für Fernsehserien und -shows in beiden Ländern.
Unter den vielen weiteren Beispielen sind Musiker wie Paulo Flores oder Aline Frazão, Schriftsteller wie José Eduardo Agualusa oder Luandino Vieira, Fußballspieler wie Estrela oder Lucas João (beides Beispiele für in Angola geborene portugiesische Nationalspieler), oder Models wie Sharam Diniz oder auch Micaela Reis, die erst 2006 in Portugal Miss Angola-Portugal und 2007 dann Miss Angola wurde, als erste Angolanerin der Diaspora.
Wirtschaft


Angola war als portugiesische Kolonie lange vor allem ein Lieferant von Rohstoffen und Sklaven, in kleinem Rahmen auch ein Lieferant von landwirtschaftlichen Erzeugnissen und ein Absatzmarkt für portugiesische Produkte. Nach der Unabhängigkeit Brasiliens 1822 und verstärkt im Laufe des 20. Jahrhunderts wuchs für Portugal die wirtschaftliche Bedeutung Angolas, das seit den 1940er Jahren und insbesondere in den 1960er und 1970er Jahren ein starkes Wirtschaftswachstum und eine zunehmend eigenständige, in Ansätzen bereits diversifizierte Wirtschaft ausbildete. Nach der Unabhängigkeit 1975 bis zum Ende des Bürgerkriegs in Angola 2002 blieben vielseitige Wirtschaftsbeziehungen auf vielen Ebenen bestehen, gewannen aber erst im Zuge der wirtschaftlichen Erholung Angolas nach 2002 erneut große Bedeutung.
Bereits seit 1987 existiert die bilaterale Handelskammer Câmara de Comércio e Indústria Portugal-Angola (CCIPA), die heute einen Sitz in Portugal (Lissabon) und zwei in Angola (Luanda und Lobito) unterhält.[24] Dazu sind die angolanische Außenhandelskammer AIPEX und ihr portugiesisches Pendant AICEP im jeweils anderen Land mit eigener Vertretung präsent, AIPEX mit einem Kontakt an der angolanischen Botschaft in Lissabon, AICEP mit eigener Niederlassung an der portugiesischen Botschaft in Luanda.[25][26]
Der angolanisch-portugiesische Handel unterliegt vergleichsweise starken Veränderungen. Insgesamt erlebte er seit dem Ende des Bürgerkriegs 2002 ein deutliches Wachstum, wenn auch mit wechselnden Phasen. Die Nachfrage aus Angola wurde dabei auch stets vom internationalen Ölpreis beeinflusst, ihr nominelles bilaterales Handelsvolumen wird zudem immer auch vom Wechselkurs des angolanischen Kwanzas zum Euro mitbestimmt.
Im Jahr 2023 belief sich das Handelsvolumen auf 2.593,5 Mio. Euro (2022: 3.167,5 Mio.; 2021: 1.701,1 Mio.; 2020:: 1.909,3 Mio.; 2019: 3.256,3 Mio.; 2018: 3.534,7 Mio.; 2017: 3.392,5 Mio.; 2016: 3.478,2 Mio.; 2015: 4.956,1 Mio.; 2010: 3.461,3 Mio.; 2005: 1.161,0 Mio.; 2000: 636,3 Mio.; 1990: 482,7 Mio.), mit einem traditionellen Handelsbilanzüberschuss zu Gunsten Portugals von 1.837,7 Mio. Euro (2022: 1.700,5 Mio.; 2021: 1.391,0 Mio.; 2020: 966,6 Mio.; 2019: 911,3 Mio.; 2018: 1.509.9 Mio.; 2017: 2.531,2 Mio.; 2016: 1.639,6 Mio.; 2015: 2.325,3 Mio.; 2010: 2.072,7 Mio.; 2005: 958,5 Mio.; 2000: 432,8 Mio.; 1990: 377,1 Mio.).
Im Jahr 2023 führte Angola Waren und Dienstleistungen im Wert von 377,9 Mio. Euro nach Portugal aus, davon 85,8 % Treibstoffe und Schmierstoffe, 8,7 % Lebensmittel und 3,5 % Industrieausstattungen. Damit stand Angola an 9. Stelle der Zielländer portugiesischer Exporte und an 37. Stelle der Herkunftsländer portugiesischer Importe.
Im gleichen Jahr exportierte Portugal Waren und Dienstleistungen im Wert von 2.215,6 Mio. Euro nach Angola, davon 35,1 % Maschinen und Geräte, 26,3 % Industrieausstattungen, 16,7 % Lebensmittel und Getränke, 14,7 % Konsumgüter, und 5,6 % Fahrzeuge und Fahrzeugteile. Damit stand Portugal an 2. Stelle der Lieferanten Angolas, hinter der VR China.[27]
Kultur
Institutionen
Das Instituto Camões, das portugiesische Kulturinstitut, ist in Angola mit einem Kulturzentrum in Luanda, einem Sprachzentrum in Benguela und mit Lektoraten und Kooperationen an mehreren Universitäten in Angola vertreten.[28]

Einige Freundschaftsgesellschaften und angolanische Kulturvereine bestehen in Portugal, darunter die Associação de Angolanos e Amigos de Angola, die Casa de Angola, ein angolanischer Kulturverein mit seinen wichtigsten Niederlassungen in Lissabon, Coimbra und an der Algarve, oder auch die Associação de Estudantes Angolanos em Portugal, eine Vereinigung angolanischer Studenten in Portugal. Dazu bestehen regionale Kultur- und Hilfsvereine. Zuletzt (Stand März 2025) entstand 2024 die Associação Laços Angolanos no Porto (LAP) in Porto. Die Associação de Antigos Combatentes e Veteranos da Pátria Angolanos em Portugal (AACA) ist ein Verein für Veteranen des angolanischen antikolonialen Unabhängigkeitskampfes in Portugal.
Im Gegenzug bestehen auch in Angola portugiesische und angolanisch-portugiesische Vereine, etwa die Casa da Comunidade Portuguesa em Angola (ACCPA), ein Verein der portugiesischen Gemeinde in Angola mit Sitz am GingaShopping Einkaufszentrum in Luanda, oder auch die bereits seit 1980 bestehende angolanisch-portugiesische Freundschaftsgesellschaft Associação 25 de Abril in Luanda.
Literatur
Mit Pepetela, Luandino Vieira und vor allem José Eduardo Agualusa sind drei der wichtigsten angolanischen Autoren portugiesischer Abstammung.
Der Prémio Camões gilt als wichtigster Literaturpreis der portugiesischen Sprache. Es gewannen ihn bisher auch mehrere angolanische und portugiesische Autoren. Ebenfalls hoch dotiert ist der Prémio LeYa, in dessen Jury auch ein Angolaner und drei Portugiesen sitzen und der bereits mehrfach an Portugiesen vergeben wurde, bislang jedoch noch an keinen Angolaner (Stand 2025).
In Portugal sind zahllose Buchveröffentlichungen erschienen, die sich mit Angola beschäftigen, in allen Schattierungen. Darunter sind Bildbände, die die portugiesische Anwesenheit in Angola insbesondere zwischen den 1940er und 1970er Jahren als Zeit des Wohlstands, des Fortschritts und des harmonischen Miteinanders nostalgisch verklären, als auch umfassende kritische Veröffentlichungen zur portugiesischen Repression, dem blutigen Kolonialkrieg und den anhaltenden Folgen für das Land.
Eine Reihe portugiesischer Verlagshäuser führt in Angola eigene Verlage, etwa LeYa (mit LeYa Angola), Porto Editora (mit Plural Editores), Editorial Caminho (mit Editorial Ndzila) und andere.
Film und Fernsehen
Der Film in Angola begann mit portugiesischen Filmschaffenden, die bereits ab 1913 die ersten angolanischen Filme drehten. Bis zur Unabhängigkeit Angolas 1975 entstanden eine Vielzahl Dokumentar- und Spielfilme, teils propagandistische Werke. Auch erste angolanische Produktionsgesellschaften entstanden, und einige internationale Produktionen wurden hier gedreht (René Ginet 1935, Jean Leduc 1967, Ettore Scola 1968, Sarah Maldoror 1968, 1970 u. 1972, Stefano De Stefani 1973). Nach 1975 dauerte es eine Weile, bis sich ein angolanischer Film entwickelte. Angolanische Filmschaffende wie der Regisseur und Tontechniker Zézé Gamboa oder die Regisseurin Pocas Pascoal arbeiten häufig im portugiesischen Kino oder erhielten hier ihre Ausbildung. Vor allem seit dem Ende des Bürgerkriegs 2002 entstanden dann eine Reihe angolanisch-portugiesischer Koproduktionen und es wurden auch wieder portugiesische Produktionen in Angola gedreht. Zu nennen etwa der beachtete Dokumentarfilm O Lendário Tio Liceu e os Ngola Ritmos 2009 über den einflussreichen angolanischen Musiker Tio Liceu (Künstlername des Carlos Aniceto Vieira Dias). Einige portugiesische Filmschaffende sind selbst in Angola geboren, etwa Dulce Fernandes, die mit ihrem prämierten Dokumentarfilm Cartas de Angola 2011 einen Beitrag zur Erinnerung und Betrachtung der Geschehnisse in Angola nach 1975 schuf. De Armas e Bagagens von 2013 war eine weitere angolanisch-portugiesische Produktion zu dem Thema.
Die 140 Folgen lange Telenovela Windeck war 2012 die erste angolanische Telenovela-Produktion und wurde vom portugiesischen Regisseur Sérgio Graciano gedreht, der mit Njinga Rainha de Angola 2013 auch einen beachteten angolanischen Historien-Kinofilm drehte. Windeck war 2013 für den International Emmy Award nominiert und wurde auch in Portugal und anderen Ländern, vor allem Brasilien ausgestrahlt.
Das Festival Internacional de Cinema Luanda war ab 2008 das erste Filmfestival Angolas. Die portugiesische Schauspielerin und Filmfunktionärin Leonor Silveira gehörte zur ersten Jury des Festivals. Das FESTin, das Festival des Films portugiesischer Sprache, zeigt regelmäßig auch Werke aus Angola und machte dort auch schon Halt, insbesondere das FESTin 2022.
RTP África ist der öffentlich-rechtliche portugiesische Fernsehsender für das portugiesischsprachige Afrika und auch in Angola zu empfangen, über Kabel, über Satellit oder über Internet. Die Berichterstattung erstreckt sich auch auf Angola, und zu besonderen Feiertagen oder historischen Gedenken Angolas bringt der Sender auch besondere Sendungen zu Angola.[29] Der Radiosender RDP África ist in Angola jedoch auf Grund der dortigen hohen Auflagen und Restriktionen für ausländische Sender nur über Internet und Satellit zu empfangen.
Musik

Musik beider Länder ist im jeweils anderen Land weit verbreitet und Künstler geben regelmäßig im jeweils anderen Land Gastspiele. Angolanische Musik ist in Portugal dabei besonders präsent, insbesondere die angolanischen Musik- und Tanzstile Kizomba und Kuduro. Kuduro wurde international nicht zuletzt durch die angolanisch-portugiesische Formation Buraka Som Sistema popularisiert, während der Reggae in Portugal vor allem durch die angolanisch-portugiesische Formation Kussondulola tiefe Wurzeln ausbildete. Einige der wichtigsten angolanischen Musiker leben oder lebten auch ganz oder zeitweise in Portugal, darunter Anselmo Ralph, Bonga und Paulo Flores, zuvor bereits Waldemar Bastos. Anselmo Ralph ist besonders häufig auch im portugiesischen Fernsehen zu sehen und war Juror bei der populären Castingshow The Voice dort.
Die angolanische Sängerin Célia Lawson, die zuvor in der in Portugal szenebekannten Hardrock-Band V12 sang, vertrat Portugal beim Eurovision Song Contest 1997 in Dublin. Sie tritt unter dem Namen Ira auch selbst als Rocksängerin auf und nahm 2017 an der fünften Staffel des populären portugiesischen The Voice-Ablegers teil, wo sie bis in die battle round kam.
Bereits zu Kolonialzeiten übersiedelte, neben Gruppen wie Jovens do Hungo und anderen, vor allem das Duo Ouro Negro aus Benguela nach Portugal, das zu einiger Popularität gelangte und dem auch eine internationale Karriere gelang. Eduardo Nascimento, der in Angola ab 1962 Sänger der Beatband Os Rocks war, kam mit seiner Gruppe Mitte der 1960er Jahre nach Portugal. Als Einzelinterpret gewann er das Festival da Canção 1967 und wurde damit der Vertreter Portugals beim Grand Prix de la Chanson 1967, womit er der erste schwarze männliche Interpret beim heutigen Eurovision Song Contest wurde. Auch angolanische Musikgruppen wie N'gola Ritmos gaben vor allem seit den 1960er Jahren regelmäßig Gastspiele in Portugal. So wurden angolanische Musikstile wie Rebita oder Semba bereits zu Kolonialzeiten auch in Portugal bekannt, vor allem aber später durch die Retornados nach 1975 und die danach wachsende angolanische Diaspora vor allem im Großraum Lissabon.[30]
Sport
Fußball

Fußball ist in beiden Ländern der beliebteste Sport. Der Fußball in Angola ist dabei bis heute stark vom portugiesischen Fußball beeinflusst, mit zahlreichen Filialvereinen portugiesischer Klubs in Angola, und angolanische Spieler stehen häufig bei portugiesischen Klubs unter Vertrag, manche von ihnen sind bereits in Portugal geboren und/oder aufgewachsen. Gelegentlich nehmen einige von ihnen die portugiesische Staatsbürgerschaft an und spielen für die Portugiesische Fußballnationalmannschaft, etwa Estrela oder Lucas João, und bereits zu Kolonialzeiten Joaquim Santana oder auch Rui Jordão, Fußballer des Jahres von Portugal 1980. Im Gegenzug wurden auch eine Reihe angolanischer Spieler in Portugal geboren, darunter Nationalspieler wie Batxi, Érico Castro oder Tiquinho.
Die Angolanische Fußballnationalmannschaft hatte mehrfach portugiesische Nationaltrainer, so Carlos Alhinho (2001–2002), Manuel José (2009–2010) und zuletzt Pedro Gonçalves (seit 2019).
Die Angolanische und die Portugiesische Fußballnationalmannschaft der Männer trafen bisher dreimal aufeinander (Stand Januar 2025). Erstmal spielten sie am 29. März 1989 in Lissabon gegeneinander, das Freundschaftsspiel endete 6:0 für Portugal. Es war Angolas erstes Länderspiel gegen eine europäische Mannschaft und blieb bis heute (Stand: Januar 2025) die höchste Niederlage der angolanischen Auswahl. Es folgte am 14. November 2001 ein weiteres Freundschaftsspiel in Lissabon, das diesmal 5:1 für die Gastgeber ausging. Das nächste Mal spielten sie in der Vorrunde der WM 2006 in Deutschland gegeneinander. Das Spiel der Gruppe D am 11. Juni 2006 in Köln ging 1:0 für Portugal aus. Angola schied nach der Vorrunde aus, Portugal kam bis ins Halbfinale und unterlag am Ende im Spiel um Platz drei Gastgeber Deutschland.
Rollhockey

Rollhockey ist in portugiesischsprachigen Ländern deutlich populärer, als etwa in Mitteleuropa, so auch in Angola.
Portugal veranstaltete bisher zehn Rollhockey-Weltmeisterschaften und ist mit 16 Titeln hinter Spanien Vize-Rekordweltmeister (Stand 2025).
Angola richtete die Rollhockey-Weltmeisterschaft 2013 aus und beendete das Turnier als Neunter, Portugal wurde Dritter. Die beiden Teams trafen dabei in der Gruppenphase in der Gruppe C am 24. September 2013 aufeinander, das Spiel endete 5:1 für Portugal.
Die angolanische Rollhockey-Nationalmannschaft wurde mehrfach durch Portugiesen trainiert, zuletzt durch Fernando Falé. Angolanische Nationalspieler laufen häufig für portugiesische Klubs auf.
Andere
Athleten beider Länder begegnen sich regelmäßig in Sportwettkämpfen. An den Jogos da Lusofonia, den Wettkämpfen der portugiesischsprachigen Welt, nahmen beide Länder von Beginn an teil. Die Spiele werden von der Associação dos Comités Olímpicos de Língua Oficial Portuguesa (ACOLOP) organisiert, dem Verband der olympischen Komitees der portugiesischsprachigen Länder, in denen beide Mitglied sind.
Angolanische Sportler vieler Sportarten gehen häufig nach Portugal, etwa die beiden Brüder Paulo Morgado und Sérgio Morgado, die beide portugiesische Handball-Nationaltorwarte wurden, oder die ehemalige angolanische Weitsprungmeisterin Ungudi Quiawacana, die inzwischen für Portugal startet.
Weblinks
- Webseite zu den diplomatischen Beziehungen Angolas zu Portugal beim angolanischen Außenministerium (portugiesisch, englisch, französisch, spanisch, chinesisch)
- Übersicht zu den diplomatischen Beziehungen Portugals zu Angola beim diplomatischen Institut des Außenministerium Portugals (portugiesisch, englisch)

