Anja Gmeinwieser
deutsche Schriftstellerin
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Anja Gmeinwieser (geboren 1989 in Mainburg[1]) ist eine deutsche Schriftstellerin.

Gmeinwieser studierte Soziale Arbeit sowie Politik-, Theater- und Medienwissenschaften in München und Erlangen. Sie lebt in Fürth, wo sie neben ihrer literarischen Tätigkeit als Sozialarbeiterin wirkt.[2]
Wir Königinnen
Die namenlose Ich-Erzählerin, eine 37-jährige Lehrerin, strandet auf einer Rucksacktour durch die Piemonteser Alpen in einem verlassenen Dorf. Sie wird von der aus Osteuropa stammenden Fernfahrerin Anna mitgenommen, die einen Lkw voller trächtiger Kühe aus Frankreich in die Türkei bringen soll. Sie entschließt sich spontan, mitzufahren. Die Erzählerin befindet sich in einer mentalen Krise, was ihr aber, als sie mehr von Anna und deren prekärem Leben erfährt, bald als ein Luxusproblem erscheint. Die Verständigung gestaltet sich schwierig, nicht nur aufgrund kultureller Unterschiede, sondern auch, weil die Übersetzungs-App des Smartphones immer wieder halluziniert. Als das ungleiche Paar sich der EU-Außengrenze nähert, wird die Situation immer kritischer, die Hitze steigt und den Kühen geht es zunehmend schlecht. In der Transitzone zwischen Bulgarien und der Türkei kommt es zu einem „beklemmend geschilderten Showdown“ und schließlich zu einem Akt der Befreiung.[3][4]
Gmeinwieser erhielt für Wir Königinnen 2026 den mit 10.000 Euro dotierten Literaturpreis der Stadt Fulda. In der Jurybegründung heißt es[5]:
„Anja Gmeinwieser ist mit ihrem Roman Wir Königinnen das Kunststück gelungen, eine coole Roadnovel mit einer ebenso zarten wie wilden Liebesgeschichte zu verbinden, dabei zugleich von Ausbeutung und prekären Arbeitsbedingungen in der brutalen Welt internationalisierter Tiertransporte zu erzählen, ohne je in wohlfeilen Aktivismus zu verfallen: Zwei Frauen – eine Fernfahrerin, die sich und ihr Kind durchbringen muss, und eine junge Lehrerin, die zwar alles hat, aber trotzdem nicht klarkommt in ihrem Leben – versuchen eine Herde Kühe in einem Lkw in die Türkei zu bringen, während die Gluthitze des Sommers das Überleben der Tiere im engen Laderaum zunehmend gefährdet.“
Die Sprache Gmeinwiesers wird als lakonisch und punktgenau beschrieben. In dem immer wieder von groteskem Humor durchzogenen Roman werde der Leser mitgenommen „auf diese spannende, absurde, oft anrührende und manchmal auch todtraurige Reise quer durch Europa. Sie beschönigt nichts und gibt doch am Ende die Hoffnung nicht auf.“[5]
In einer Besprechung in der Süddeutschen Zeitung meint Marie Schmidt, dass man sich zwar manches in dem Roman aus dem Kontext erschließen müsse, was sie aber angesichts Gmeinwiesers „wummernder“ Sätze nicht störe.[6] In einem Beitrag im Deutschlandfunk findet Christoph Schroeder in Wir Königinnen einen lesenswerten, von Moralpredigt befreiten Roman, einen Text über Klassenunterschiede mit äußerst gut geschriebenen Dialogen, der in bemerkenswerter Verdichtung biografische Erfahrungen mit gesellschaftlichen Strukturproblemen kombiniere.[4]
Auszeichnungen
- 2018/2019 Shortlist des Wortmeldungen-Förderpreises[7]
- 2022/2023 Teilnehmerin der Romanwerkstatt des Literaturhauses München[7]
- 2023 2023 Finalistin beim open mike[7]
- 2026 Literaturpreis der Stadt Fulda
- 2026 Teilnehmerin beim Wortspiele-Festival 2026 in München[1]
Bibliografie
- Wir Königinnen. Berlin Verlag, Berlin 2026, ISBN 978-3-8270-1528-0.
Literatur
- Marie Schmidt: Was haben wir einander zu sagen? Süddeutsche Zeitung, 13. März 2026.
- Christoph Schröder: Eine Herde Kühe im Transitbereich. Büchermarkt, Deutschlandfunk, 2. März 2026 (PDF).