Anna Puzio

deutsche Philosophin römisch-katholische Theologin und Germanistin From Wikipedia, the free encyclopedia

Anna Puzio (* 11. Juni 1994 in Chorzów) ist eine deutsche Philosophin, römisch-katholische Theologin und Germanistin. Ihre Forschungsschwerpunkte sind die Anthropologie, Technikanthropologie und Technikethik. Sie arbeitet zur (interdisziplinären) Technikanthropologie und zu anthropologisch-ethischen Aspekten der Robotik. Zurzeit arbeitet sie an der Universität Bern (Schweiz) und ist seit 2022 als Forscherin im Forschungsprogramm Ethics of Socially Disruptive Technologies (ESDiT) an der University of Twente (Niederlande) tätig.

Leben

Anna Puzio wuchs vor allem in Oldenburg (Oldenburg) auf. Nach einem Studium der Theologie, Germanistik und Philosophie in Münster und München promovierte sie in Philosophie am Lehrstuhl für Medienethik an der Hochschule für Philosophie München zur Anthropologie des Transhumanismus. Die Dissertation wurde unter dem Titel Über-Menschen. Philosophische Auseinandersetzung mit der Anthropologie des Transhumanismus veröffentlicht.[1] Sie promovierte im Rahmen des interdisziplinären, kooperativen Promotionskollegs Ethik, Kultur und Bildung für das 21. Jahrhundert der Hochschule für Philosophie München, der Katholischen Stiftungshochschule und der Katholischen Universität Eichstätt mit einem Stipendium der Hanns-Seidel-Stiftung.[2]

Nach beruflichen und wissenschaftlichen Stationen in Münster, München, Frankfurt am Main, Wien, Oxford, Cambridge und Berkeley (USA) lebt sie zurzeit in Wien und arbeitet an der University of Twente im niederlandeweiten Ethics of Socially Disruptive Technologies Programme (ESDiT) der Universitäten Eindhoven University of Technology, Universiteit Leiden, University of Twente, Universiteit Utrecht, Wageningen University & Research und Technische Universiteit Delft und University Medical Center Utrecht.[3]

Forschung und Werk

In ihren internationalen und interdisziplinären Vortrags- und Publikationstätigkeiten zur Anthropologie und Ethik greift sie gegenwartsbezogene Fragestellungen und aktuelle gesellschaftliche Herausforderungen auf. Mit ihren Medienbeiträgen u. a. im Rundfunk leistet sie öffentlichkeitswirksam Aufklärung zur Technikthemen. Daneben arbeitet sie in verschiedenen wissenschaftlichen Netzwerken und Forschungsprojekten, politischen und ethischen Kommissionen mit.[4] In ihrer Forschung ist sie interdisziplinär und international ausgerichtet und legt Wert auf Diversität.[5]

In ihrem Forschungsschwerpunkt der Technikanthropologie beschäftigt sie sich mit der Frage, wie sich das Menschen- und Körperverständnis im Kontext der Technologisierung verändern. Jenseits tradierter anthropologischer Konzepte sucht sie nach neuen, innovativen Wegen in der Anthropologie und vertritt ein dynamisches, offenes und inklusives Menschen- und Körperverständnis, das offen für Veränderungen des Menschen ist und Diversität berücksichtigt.[6][7] Sie bezieht sich dabei u. a. auf den Kritischen Posthumanismus und Neuen Materialismus.

Mit ihrer Monografie Über-Menschen. Philosophische Auseinandersetzung mit der Anthropologie des Transhumanismus legte sie die erste philosophische Studie zur Anthropologie des Transhumanismus vor. In neueren Werken nimmt sie gegenwärtige Technikideologien und ihre Auswirkungen auf Demokratie in den Blick.[8] Daneben forscht sie zur Körperoptimierung, Enhancement und Medizinethik.[9] In der Medizinethik nimmt sie neue medizinische Technologien in den Blick. Im Ethics of Socially Disruptive Technologies Programme (ESDiT) forscht sie zu Zukunftstechnologien wie Reproduktionstechnologien, Bio- und Gehirn-Technologien, Robotik, Bots und Avataren, Geo- und Climate-Engineering.[10][11]

Ein Forschungsschwerpunkt von Puzio bildet die Roboterethik. Hier untersucht sie anthropologische und ethische Aspekte der Mensch-Roboter-Interaktion und erforscht die Beziehungen von Mensch und Roboter.

Als christliche Theologin widmet sich Puzio den Zusammenhängen von Theologie/Religion und Technik und arbeitet zu religiösen Robotern, Grief Bots und Death Bots.[12] Sie ist Initiatorin und Mitgründerin des interreligiösen, internationalen Netzwerks für Theologie und KI. Außerdem ist sie Gründerin und Herausgeberin der Buchreihe Religion and Artificial Intelligence beim Springer Verlag.[13]

In ihrer Forschung verbindet sie außerdem die Technikethik mit der Umweltethik, argumentiert anthropozentrismuskritisch und untersucht das Verhältnis zu nicht-menschlichen Entitäten wie Tieren und Maschinen.[14]

Veröffentlichungen (Auswahl)

Autor

Aufsätze

  • Puzio, Anna: AI and the Disruption of Personhood, in Philipp Hacker (ed.), Oxford Intersections: AI in Society (Oxford Academic), doi:10.1093/9780198945215.003.0016
  • Puzio, Anna: The entangled human being – a new materialist approach to anthropology of technology. In: AI Ethics (2024). doi:10.1007/s43681-024-00537-z
  • Puzio, Anna: Not Relational Enough? Towards an Eco-Relational Approach in Robot Ethics. In: Philosophy & Technology 37, 45 (2024). doi:10.1007/s13347-024-00730-2
  • Puzio, Anna: The material agency of a Large Language Model. In: Digital Society (2025). doi:10.1007/s44206-025-00225-3
  • Puzio, Anna: Robot, let us pray! Can and should robots have religious functions? An ethical exploration of religious robots. In AI & Society (2023). doi:10.1007/s00146-023-01812-z
  • Puzio, Anna: Zeig mir deine Technik und ich sag dir, wer du bist? – Was Technikanthropologie ist und warum wir sie dringend brauchen. In: Diebel-Fischer, Hermann/Kunkel, Nicole/Zeyher-Quattlender, Julian (Hg.): Mensch und Maschine im Zeitalter ‘Künstlicher Intelligenz’. Münster: LIT-Verlag 2023.

Einzelnachweise

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