Anneke Goudsmit
niederländische Politikerin
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Anneke Mary Goudsmit (* 12. Juli 1933 in Amsterdam) ist eine niederländische Juristin und Politikerin der Partei Democraten 66 (D66).[1] Sie gehörte von 1967 bis 1974 der Zweiten Kammer der Generalstaaten an und profilierte sich dort insbesondere in Fragen der Justizpolitik und der Frauenemanzipation.[1]
Leben
Herkunft und Ausbildung
Goudsmit wurde 1933 in Amsterdam als Tochter des Anwalts Frits Willem Goudsmit und von Ella Henriquez Pimentel geboren.[2] Während der deutschen Besatzung gelang es ihrem Vater zunächst, die Familie Goudsmit auf die sogenannte Calmeyer-Liste setzen zu lassen, wenngleich die Mutter aus einer portugiesisch-jüdischen Familie stammte. Der Gedanke war, laut Goudsmit, dass sich portugiesische Juden zur Zeit der Inquisition zwangsweise bekehrt und sich mit der örtlichen Bevölkerung auf der Iberischen Halbinsel vermischt hätten und deshalb nicht mehr als jüdisch gelten mussten. Dies schützte sie zunächst vor der Deportation.[3] Ab Juni 1943 ging die Familie in den Untergrund.[1] Sie studierte Rechtswissenschaften an der (damaligen) Gemeentelijke Universiteit van Amsterdam (heute Universität Amsterdam) und arbeitete anschließend als Rechtsanwältin und Prokuratorin in Amsterdam.[1][2]
Politische Tätigkeit
Abgeordnete der Zweiten Kammer (1967–1974)

Am 23. Februar 1967 zog Goudsmit für D66 in die Zweite Kammer ein und gehörte ihr bis zum 1. Dezember 1974 an. Zeitgenössische und spätere Darstellungen beschreiben sie als juristisch versierte und durchsetzungsstarke Debattenrednerin, die sich u. a. für Frauenemanzipation und staatspolitische Reformen engagierte.[4][1]
Zu ihren parlamentarischen Aktivitäten gehörten unter anderem Initiativen im Bereich des Wahlrechts (u. a. eine Initiative zur Absenkung des Wahlalters von 21 auf 18 Jahre) sowie Beiträge zu Fragen des Straf- und Verfahrensrechts.[1]
Eine Fernsehdokumentation über den „Jahrgang 1967“ in der niederländischen Zweiten Kammer hebt hervor, dass Goudsmit in dieser Zeit auch wegen ihres Auftretens als eine der ersten Frauen im Hosenanzug im Parlament Aufmerksamkeit erregte.[5]
Konflikte um Abtreibungspolitik / Bloemenhove
Konflikte Goudsmits mit dem damaligen Justizminister Dries van Agt prägten die gemeinsame Zeit, unter anderem im Zusammenhang mit dessen restriktiver Haltung zur Abtreibungspolitik.[1][2] 1973 zog sie sich nach Angaben von Parlement.com als Kandidatin für ein Staatssekretärsamt im Justizressort kurz vor der Vereidigung zurück, weil sie eine Zusammenarbeit mit van Agt als problematisch einschätzte.[1]
Ende 1974 gab sie ihr Parlamentsmandat auf; tatsächlich wegen der Differenzen mit van Agt und seinem Vorgehen gegenüber der Abtreibungsklinik Bloemenhove sowie die fehlende Unterstützung durch ihre eigene Fraktion.[1][6] Ihr Engagement für die Abtreibungsklinik Bloemenhove in Heemstede und das Recht auf Abtreibung im Allgemeinen, standen dabei im Vordergrund.[7]
Juristische Laufbahn
Neben und nach ihrer Parlamentszeit arbeitete Goudsmit weiterhin als Rechtsanwältin in Amsterdam; Parlement.com nennt hierfür Tätigkeiten im Zeitraum 1957–1987 sowie später erneut (u. a. in Zusammenarbeit mit W. Kingma) bis 1992. Ab 1992 war sie demnach als raadsheer (Richterin) am Gerechtshof Amsterdam tätig.[1]
Medien
- Die Fotokollektion Anefo des niederländischen Nationaal Archief enthält Bildmaterial, u. a. im Kontext von Bloemenhove (1976).[8]