Anonymus vom Kainachtal
Im 19. Jahrhundert in der Westeiermark tätiger Maler
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Als Anonymus vom Kainachtal oder Anonymus von der Veitbauernkapelle wird der zu Beginn des 19. Jahrhunderts tätige Maler bezeichnet, der die Wände mehrerer Bauernhäuser und einer Kapelle in der nördlichen Weststeiermark mit Heiligendarstellungen bemalt hat. Namensgebend für den unbekannten Maler ist seine Tätigkeit im oberen Kainachtal sowie an der Veitbauernkapelle bei Graden.
Leben und Forschung
Der Name sowie Details über das Leben des Malers sind nicht bekannt. Die Tätigkeit des Anonymus lässt sich in die Zeit zwischen 1810 und 1830 verorten. Soweit bekannt schmückte der Maler in diesem Zeitraum zehn Bauernhäuser sowie die Veitbauernkapelle mit Darstellungen von in der Bevölkerung beliebter Heiliger. Die einfachen, naiv gehaltenen Darstellungen reichen dabei von Einzelbildern bis hin zu ganzen Bilderwänden. Für die Ausführung verwendete der Anonymus hauptsächlich Ockergelb und Ziegelrot als Farben, Schwarz und Grau kamen nur sparsam zum Einsatz. Der Maler und Bildhauer Franz Weiss, der einige Farbkopien der Werke des Anonymus anfertigte, äußerte die Vermutung, dass dieser Hinterglasbilder als Vorlage verwendet haben könnte, da die Darstellungen ihn stark an Risse oder Vorlagen dazu erinnerten.[1] Die vom Anonymus bemalten Gebäude hatten häufig schon ältere, aus der Zeit zwischen 1770 und 1790 stammende Dekorationsmalereien.[2]
Die Werke des Künstlers waren im Laufe der Zeit in Vergessenheit geraden und vielfach übermalt worden. Franz Weiss zufolge könnten die Übermalungen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts durch den Einfluss der Malschule der Nazarener erfolgt sein. Die Nazarener bevorzugten warme Farbtöne und eine feierliche, ernste Figurenzeichnung. Dem standen einfachen und im Vergleich armselig dargestellten Heiligenfiguren eines Anonymus aus dem Kainachtal gegenüber, die somit nicht mehr dem Zeitgeist entsprachen.[3] Die Forschung wurde 1982/83 auf den Maler aufmerksam, als bei der Renovierung der Veitbauernkapelle bei Graden die unter sieben Farbschichten verborgenen Wandbilder entdeckt worden waren. In der Folge begab sich der Heimatforscher Ernst Lasnik auf die Suche nach weiteren, bis dahin unbekannten Werken des Künstlers. Dabei konnten insgesamt zehn Bauernhäuser ausfindig gemacht werden, die dem Anonymus zugeschrieben werden.[4]
Zugeschriebene Werke
Insgesamt werden neben der Verzierung der Veitbauerkapelle auch die Wandmalereien an zehn[4] Bauernhäusern der Hand des Anonymus zugeschrieben. Einige dieser Werke gingen allerdings bereits kurz nach ihrer Entdeckung verloren da die Gebäude abgetragen wurden.
- Veitbauernkapelle auf der Wolfleiten bei Graden (Gemeinde Köflach). An der Giebelseite der Kapelle malte der Anonymus wahrscheinlich um 1810 bis 1820 die Heiligen Aloisius, Florian und Leonhard sowie die Muttergottes von Lankowitz. Die Malereien wurden nach ihrer Freilegung 1982/83 von Franz Dampfhofer restauriert.[5]
- Bauernhaus beim vulgo Kliegl in Kemetberg (Gemeinde Maria Lankowitz). Die straßenseite Fassade des alten Bauernhauses hatte eine aus fünf Einzeldarstellungen in Seccotechnik bestehende Bilderwand, die später übermalt worden war. Die einzelnen Darstellungen zeigten die beiden Heiligen Florian und Leonhard (oder einen Bischof), einen Gnadenstuhl, den Erzengel Michael sowie die Madonna von Lankowitz oder Mariazell. Die Madonnendarstellung war mit 1812 datiert. Franz Weiss fertigte im Winter 1984/85 Farbkopien der Wandbilder an.[1] Das Haus und damit auch die Bilder wurde 1990 abgetragen.[5]
- Bauernhaus beim vulgo Schabl in Hochgößnitz (Gemeinde Maria Lankowitz). An der Westmauer befanden sich Darstellungen der Heiligen Florian und Leonhard, der Lankowitzer oder Mariazeller Madonna, eines Gnadenstuhls sowie eines Reiters mit Dudelsack. Bei der Entdeckung der übermalten Bilder im Winter 1997/98 hatte der Besitzer bereits mit Abbrucharbeiten am baufälligen Haus begonnen. Nach Rücksprache mit dem Bundesdenkmalamt konnten die Bilder aber 2001 durch den Restaurator Hubert Schwarz abgenommen, restauriert und zum Weßhof nach Graden übertragen werden.[3]
- Ablasserhube in Hochgößnitz (Gemeinde Maria Lankowitz). An der Ostseite des Gebäudes wurden bei Renovierungsarbeiten 1998 übermalte Wandmalereien entdeckt, wobei es sich um die umfangreichste bekannte Arbeit des Anonynmus handelt. Neben Darstellungen der Heiligen Aloisius, Leonhard und Florian, sieht man auch die Mariazeller Madonna, einen Gnadenstuhl sowie das Fragment einer, durch den nachträglichen Einbau einer größeren Tür zu großen Teilen zerstörten Pietà. Das Werk ist mit der Jahreszahl 1828 datiert und wurde von Hubert Schwarz restauriert.[3]
- Bauernhaus vulgo Hölli in Niedergößnitz (Gemeinde Maria Lankowitz). Beim alten Bauernhaus kann man noch zwei stark beschädigte Heiligenbilder erkennen. Diese sind mit 1836 datiert und einem geübten Kirchenmaler im nachbarocken Stil zugerechnet. Bei der Darstellung des Gnadenstuhls kann man erkennen, dass sie über ein älteres Bild gemalt wurde, welche stilistisch stark den Werken des Anonymus aus dem Kainachtal ähnelt.[1]
- Stöckl beim vulgo Raggam in Oswaldgraben (Gemeinde Kainach bei Voitsberg). Im Kellerbereich befinden sich zwei Einzelbilder die den heiligen Florian sowie einen Gnadenstuhl zeigen und mit der Jahreszahl 1828 datiert sind.[5] Sie wurden von Raymonde Marcher Greinix restauriert.[4]
- Stöckl beim vulgo Rauchegger in Gallmannsegg (Gemeinde Kainach bei Voitsberg). Im Kellerbereich befinden sich drei mit 1811 oder 1821 datierte Bilder, welche die Heiligen Florian und Leonhard sowie die Muttergottes von Lankowitz oder Mariazell darstellen.[5] Auch diese Bilder wurden von Raymonde Marcher Greinix restauriert.[4]
- Das Bauernhaus vulgo Mittlerer Mailly am Hemmerberg (Gemeinde Kainach bei Voitsberg).[4]
- Das Bauernhaus vulgo Weiß in Breitenbach (Gemeinde Kainach bei Voitsberg). An der Giebelseite des nur mehr als Ruine erhaltenen Hauses befindet sich eine nur mehr bruchstückhaft erhaltene Bilderwand die aus drei, möglicherweise auch vier, Darstellungen besteht. Eine der Figuren zeigt möglicherweise den heiligen Florian.[5]
- Bauernhaus vulgo Mattl in Edelschrott (Gemeinde Edelschrott). Eine nur mehr fragmentarische Darstellung des heiligen Florian sowie eine Inschrift mit Segensspruch der vermutlich teilweise in Lautschrift[4] verfasst wurde.[5]
- Bauernhaus vulgo Poschuster am Schrapfberg (Gemeinde Bärnbach). An dem um 1990 abgebrochenen Gebäude befand sich die Darstellung eines Bischofs die möglicherweise vom Anonymus gemalt worden war.[5]
Literatur
- Ernst Lasnik: Kunst in und aus Maria Lankowitz. In: Peter Weißnar (Hrsg.): Maria Lankowitz - Porträt einer Marktgemeinde. Eigenverlag der Marktgemeinde Maria Lankowitz, Maria Lankowitz 2015, S. 172–173.