Antoinette Sterling

US-amerikanische Sängerin From Wikipedia, the free encyclopedia

Jane Antoinette Sterling (* 23. Januar 1841 in Sterlingville, New York; † 10. Januar 1904 in Hampstead, London) war eine amerikanische Opernsängerin, die besonders für ihre Interpretation von Balladen und als Solistin in Oratorien gefeiert wurde.[1]

Antoinette Sterling

Leben

Antoinette Sterling, in der Presse auch Nettie Sterling genannt, wurde am 23. Januar 1841 als Tochter des wohlhabenden Hochofenbesitzers James Sterling in dem nach ihm benannten Ort Sterlingville geboren.[1.1]

Ihre Kindheit war geprägt von den puritanischen Idealen ihrer Familie, die sich als Nachkommen des puritanischen Märtyrers (John Bradford) verstand, der in den Religionskriegen in England für seine Überzeugungen gestorben war.[2]

Ihre musikalische Ausbildung begann im Alter von fünf Jahren mit Klavierunterricht. Ab ihrem siebten Lebensjahr erhielt sie von ihrer ältesten Schwester Mary Gesangsunterricht. Mit 12 Jahren zog sie in das Internat Clinton Seminary, wo man ihre Stimme weiter förderte. Sie lernte sowohl Alt- als auch die Sopran-Partien zu singen, um aushelfen zu können, wo eine Sängerin fehlte.[1.2]

Als sie 16 Jahre alt war, wurden die Zölle auf nach Amerika importierten Stahl aufgehoben, weshalb die Hochofenanlage ihres Vaters bankrottging und auch für Antoinette Sterlings Ausbildung nichts mehr bezahlt werden konnte, so dass sie selbst Geld verdienen musste. Bei einer Plantagenbesitzersfamilie in Mississippi ließ sie sich als Hauslehrerin anstellen. Sie musste feststellen, dass die Situation der Sklaven schlimmer war als sie es erwartet hatte. Monatelang wurde sie nicht entlohnt. Den Reisepass hatte sie mit Dienstantritt abgeben müssen, weshalb sie der Familie nicht entfliehen konnte. Nach zwei Jahren schaffte sie es mit Hilfe von versklavten Schwarzen, auf nächtlichen Fußmärschen nach Norden zu entkommen. Ihre Verzweiflung über das Erlebte drückte sie in einem Brief vom 12. Juli 1862 mit den Worten aus: „Ich fühle mich wie ein führerloses Schiff in einem großen Sturm, mit der Angst, dass alle Hoffnung ertrinkt.“[1.3]

Um ihre Gesangskarriere aufzubauen, suchte sie sich einen italienischen Lehrer, Maestro Bassini, der ihr Talent erkannte und auf der Technik aufbaute, die sie von ihrer früheren Lehrerin Anna Sykes erlernt hatte. Bassini ließ sie ausschließlich Stimmübungen machen, so dass sie in ihrer Ausbildung bei ihm keine einzige Partie und kein einziges Lied einstudierte.[1.3]

Nach dieser Ausbildung wendete sie sich nach New York, wo sie den Ehemann der griechischen Altistin D’Angri, einen Señor Abella, als Lehrer gewinnen konnte. Sie bestritt ihren Lebensunterhalt durch Gesangsauftritte in Gottesdiensten in der New Yorker Presbyterian Church. Durch diese Auftritte wurde ein Gemeindemitglied auf sie aufmerksam und finanzierte ihr ihre weitere Gesangsausbildung in Europa.[3]

In London angekommen schaffte sie es im Jahr 1868, als Schülerin von Manuel Garcia aufgenommen zu werden, der als Vater der Malibran und Pauline Viardot-Garcia einer der prägendsten Gesangslehrer seiner Zeit war.[1.4]

1870 kehrte sie nach New York zurück, wo sie sich schnell als Altistin für die Aufführung von Oratorien etablierte. So sang sie zusammen mit Madame Rudersdorff bei der Bostoner Erstaufführung die Passionsmusiken von Johann Sebastian Bach.[1]

Häufige Gesangspartnerin war dabei die Sopranistin Clara Louise Kellogg.[4] Zur selben Zeit befreundete sie sich auch mit der Pianistin Anna Mehlig, die ebenfalls von 1870 bis 1873 in Amerika konzertierte.[5]

1873 reiste sie wieder nach London, wo sie mit Hilfe der Unterstützung von Sir Julius Benedict bald auf allen wichtigen Konzertbühnen der Stadt auftrat[1.5] wie dem Crystal Palace, der Royal Albert Hall, der St. James’ Hall und im Covent Garden. Ihr Repertoire bestand dabei hauptsächlich aus den Soloparts der großen Oratorien sowie deutschen Kunstliedern. 1874 sang sie beim Three Choirs Festival in Hereford.[6]

An Ostern des Jahres 1875 heiratete sie den schottischstämmigen Amerikaner John Mackinlay in der Savoy Chapel. Gemeinsam bezogen sie ein Haus am Stanhope Place, London.[3]

Über zwei Jahrzehnte war sie eine gefragte Gesangspartnerin verschiedener Musiker der damaligen Zeit. Sie musizierte mit Adelina Patti und Charles Santley unter der Leitung von Luigi Arditi in der Royal Albert Hall,[7] mit Wilma Norman-Neruda, Louis Ries, Ludwig Straus, Alfredo Piatti, Anna Mehlig und Mary Krebs bei den Crystal-Palace-Konzerten[8] sowie unter der Leitung von Julius Benedict, W. H. Cummings, Arthur Sullivan und August Manns.

1893 überzeugte sie der englische Musikmanager T. P. Hudson, eine Australien-Tournee zu unternehmen, die sie nach Adelaide, Melbourne und Sydney führen sollte. Dabei musste sie ihren kranken Mann in Adelaide zurücklassen, während sie nach Neuseeland weiterreiste. John Mackinlay verstarb in Adelaide, während sie in Dunedin gastierte.[9]

Antoinette Sterling starb am 10. Januar 1904 in Hampstead, London. Zu ihrer Beerdigung kamen ihre musikalischen Wegbegleiter Manuel Garcia, W. H. Cummings und der Verleger Arthur Boosey.[3]

Widmungen

Arthur Sullivan widmete ihr The Lost Chord, eine Lied für tiefe Altstimme, Klavier und Harmonium nach Worten von Adelaide Proctor.[10]

Nachkommen

Antoinette Sterling hatte zwei Söhne, von denen der eine, der Musiker und Autor Malcolm Sterling Mackinlay (1876–1952) zwei Jahre nach ihrem Tod eine Biografie über sie veröffentlichte, die im Jahr 1906 erschien.[11] Ihre Enkeltochter Leila (Antoinette Sterling) Mackinlay war Autorin[12] von Romanzen.[13]

Commons: Antoinette Sterling – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Commons: Antoinette Sterling – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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