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Arno Tausch

österreichischer Politikwissenschaftler From Wikipedia, the free encyclopedia

Arno Tausch (* 11. Februar 1951 in Salzburg, Österreich) ist ein österreichischer Politologe und einer der Gründer der quantitativen Weltsystems- und Entwicklungsforschung in Europa. Sein Forschungsprogramm ist auf die Weltsystemtheorie, die Dependenztheorie, sowie die Globalisierungskritik ausgerichtet. Er ist Universitätsdozent für Politikwissenschaft an der Universität Innsbruck und war Gastprofessor der Wirtschaftswissenschaften an der Corvinus-Universität in Budapest und war regelmäßiger Lehrbeauftragter am „Institut für Internationale Entwicklung“ an der Universität Wien. Seit Mai 2022 ist er Gastprofessor für Politikwissenschaft und Governance an der University of the Free State in Bloemfontein, Südafrika.[1]

Leben

Tausch promovierte in Politikwissenschaft an der Universität Salzburg im Jahr 1976 und erhielt seine Habilitation von der Universität Innsbruck.[2][3] Seine Habilitations-Kommission wurde von Anton Pelinka geleitet, externe Gutachter waren u. a. Ulrich Albrecht und Wilfried Röhrich. Externe Stellungnahmen wurden u. a. auch von Karl Wolfgang Deutsch von der Harvard University vorgelegt.[4]

Nach seinem Studium an der Universität Salzburg erhielt er im Herbst 1977 eine Stelle als Assistenz-Professor für Politikwissenschaft an der Universität Innsbruck. Er war von 1992 bis 1999 österreichischer Diplomat im Ausland und hatte den Rang eines Arbeits- und Wanderungsattachés, später wurde er Botschaftsrat für Arbeit und Migration. Ebenfalls war er Visiting Associate Professor am Department of Political Science, University of Hawaii at Manoa und Gastwissenschaftler am International Institute for Comparative Social Research, Science Center, West-Berlin (heute: WZB – Wissenschaftszentrum Berlin).

Von 1999 bis zu seiner Pensionierung 2016 war er Ministerialrat im Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz in Wien.[2][3]

Seit seiner Pensionierung mit Erreichung des Regelpensionsalters widmet er sich vor allem Forschungen zum Thema des Antisemitismus, Bibliometrie, Globale Politische Ökonomie, Politischer Islam, und Politik im Nahen Osten.[5]

Arno Tausch ist verheiratet und hat drei Töchter.

Wissenschaftliche Arbeit

Tausch befasst sich in seinen Untersuchungen mit empirischen Analysen über Globalisierung, Dependenztheorie und der Weltsystemtheorie, der sozialen Entwicklung in Europa, vor allem in Osteuropa und in der muslimischen Welt.

Der österreichische Ökonom Kunibert Raffer bezeichnete Tausch unter Verweis auf einen Aufsatz in der Zeitschrift „Lateinamerika-Aspekte“ (Österreichisches Lateinamerika-Institut) als den Pionier der Dependenztheorie in Österreich.[6]

Seine Forschung begann mit einem Umdenken in der Dependenztheorie durch quantitative Daten und statistische Analysen und Arbeiten über die Armut in den führenden Industrieländern. Die empirische Analyse der Abhängigkeit, Einkommensungleichheit und sozialen Entwicklung in vielen Ländern der Erde war das Thema seiner Dissertation Die Grenzen der Wachstums-Theorie an der Universität Salzburg, die faktorenanalytische Tests von zentralen Aussagen der Dependenztheorie, insbesondere von Fernando Henrique Cardoso beinhaltete.[7]

Seine Habilitationsschrift an der Universität Innsbruck basiert auf multiplen Regressions-Modellen der globalen Entwicklung.[8] Diesen Ansatz vervollständigte Tausch später in Towards a Socio-Liberal Theory of World Development (1993).[9]

Mit Stand August 2025 publizierte er 33 Bücher in englischer Sprache, 2 Bücher in französischer Sprache, 9 Bücher in deutscher Sprache und 123 Artikel in von Experten begutachteten Zeitschriften, 32 Artikel in Sammelbänden und zahlreiche Presseartikel in den Medien mehrerer Länder. Er schreibt zahlreiche Beiträge u. a. für das Jerusalem Center for Security and Foreign Affairs (JCFA) (vormals Jerusalem Center for Public Affairs) und das Telos-Paul Piccone Institute in New York.[10]

Er ist Redaktionsmitglied mehrerer internationaler sozialwissenschaftlicher Fachzeitschriften, u. a. von „Innovation. The European Journal of Social Science Research“.[11]

1991 beendete Tausch seine Arbeit über Russland und die globalen Kondratieff-Zyklen.[12] Tausch analysierte danach die Auswirkungen des Waffenhandels auf die soziale Entwicklung, insbesondere für die Länder Osteuropas und der UdSSR.[13]

Tauschs Arbeiten zu Kondratieff-Zyklen und zum Euro-Islam fanden internationale Beachtung.[14]

Zu internationalen Debatten führten auch Arbeiten zur Befreiungstheologie.[15] In den 1990er Jahren analysierte er weiterhin Migrationsprozesse und die Transformation in den postkommunistischen Ländern.[16] Seit Tauschs Rückkehr nach Österreich im Jahr 1999 betrafen seine Analysen u. a. Anti-Amerikanismus,[17] Kinderarmut in den Industriestaaten,[18] sowie die politische Ökonomie muslimischer Werte in der Weltgesellschaft.[19] Im Schrifttum erwähnt werden auch Arbeiten zur Rentenreform[20] und zur Sozialpolitik in der EU.[21] In der deutschen und internationalen Tagespresse fand eine Studie über die Effizienz und Effektivität der Sozialausgaben ein größeres Echo.[22] Seine mit Gernot Kohler verfasste Studie zum „Globalen Keynesianismus“ gelte heute als eines der wichtigsten Werke zum „Ungleicher Tausch“.[23] Jüngstens hat Tausch auch zu Themen des Public Health Research beigetragen.[24]

Politische Positionen und Öffentlichkeitswirksamkeit

Tausch versteht sich eindeutig als Vertreter eines sozial engagierten Christentums,[25] und er widmete seine Autobiographie seinem ersten Lehrer der Lateinamerika-Forschung, dem brasilianischen Jesuiten Geraldo Cursino de Freitas SJ (1927–2001),[26] der Rektor der katholischen Universität Recife und einer der engsten Mitarbeiter von Erzbischof Hélder Câmara (1909–1999) in Recife war. Er engagierte sich gegen Antisemitismus[27] und für den interreligiösen Dialog.[28] Zu den Publikationen in wissenschaftlichen Fachverlagen zählen u. a. Artikel für Oxford University Press, Palgrave Macmillan, Routledge, Springer Nature, Wiley-Blackwell und United Nations University sowie seine Bücher für Palgrave Macmillan und Springer Nature.[29]

Seinem Verständnis von Theorie und Praxis folgend, versuchte er mit seinen Beiträgen neben der wissenschaftlichen Fachwelt auch ein größeres Publikum zu erreichen, u. a. in Österreichische Militärische Zeitschrift, Soziale Sicherheit und Wirtschaft und Gesellschaft.

Zwei seiner Werke wurden von der Kammer für Arbeiter und Angestellte herausgebracht.[30] Tausch verfasste auch zahlreiche Artikel in deutschsprachigen Tageszeitungen und politischen Zeitschriften[31] (u. a. 24 Artikel für die Wiener Zeitung, 16 Artikel für das Diskussionsorgan der SPÖ Die Zukunft, 11 Artikel für Der Standard, sowie 4 Artikel jeweils für Die Furche und Die Presse, und auch für den Kurier). Darüber hinaus schrieb Tausch u. a. für die in Buenos Aires erschienene Tageszeitung Tiempo Argentino[32] und das in New York erscheinende elektronische Medium Teloscope des Paul Piccone Instituts.[33]

Seit seinen ersten Publikationen, die kritisch dem Thema der kapitalistischen Weltökonomie und der Apartheid in Südafrika und der Kritik des Antizionismus gewidmet waren,[34] hat Tausch versucht, kritische politische Ökonomie mit Solidarität mit Israel zu verbinden. Zuletzt verfasste er mit Oberst a. D. Jacques Neriah von den Israelischen Streitkräften[35] ein Buch über die destabilisierenden Kräfte und die Resilienz in der gegenwärtigen Weltkrise.[36]

Ehrungen und Auszeichnungen

1998 wurde seine Veröffentlichung Towards a Socio-Liberal Theory of World Development (1993) von der US-Vereinigung der Hochschul- und Forschungs-Bibliotheken (ACRL) als eines der Outstanding Academic Books in der Periode 1993–1998 ausgezeichnet.[37]

Publikationen (Auswahl)

  • Political Islam and Religiously Motivated Political Extremism. SpringerBriefs in Political Science. Springer, Cham. https://doi.org/10.1007/978-3-031-24854-2_2, 16. Februar 2023, ISBN 978-3-031-24853-5 (online).
  • Armut und Radikalität? Soziologische Perspektiven zur Integration der Muslime in Europa. Europäischer Hochschulverlag 2013. ISBN 3-941482-76-9
  • Dar Al Islam, The Mediterranean, the World System and the Wider Europe. Nova Science Publishers. 2005.
  • Jenseits der Weltgesellschaftstheorien. 2. bearb. Aufl. 1991. ISBN 3-926777-26-5
  • What 1.3 Billion Muslims Really Think. Nova Science Publishers 2009.
  • Russlands Tretmühle. Kapitalistisches Weltsystem, lange Zyklen und die neue Instabilität im Osten. Kindle Lese-App. ISBN 3-926777-29-X
  • Produktivkraft soziale Gerechtigkeit?. Europa und die Lektionen des "pazifischen Modells". Kindle Lese-App. ISBN 3-926777-30-3
  • Jenseits der Weltgesellschaftstheorien : Sozialtransformationen u.d. Paradigmenwechsel in d. Entwicklungsforschung (= Beiträge zur Soziologie und Sozialkunde Lateinamerikas, Band 40) [Sozialwiss. Inst., Univ. Erlangen-Nürnberg], Fink, München 1987, ISBN 3-7705-2423-3.

Literatur

  • Glen Segell: Development, Globalization, Global Values, and Security: Essays in Honor of Arno Tausch. Hrsg.: Glen Segell. Springer, 2023, ISBN 978-3-031-24513-8.

Belege

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