Assistenzfriedhof (Odense)
Friedhof in Odense auf der dänischen Insel Fünen
From Wikipedia, the free encyclopedia
Der Assistenzfriedhof Odense (dänisch Assistens kirkegård) ist ein Friedhof in Odense auf der dänischen Insel Fünen. Viele Bürger von stadtgeschichtlicher Bedeutung wurden hier beigesetzt.


Geschichte
Der Friedhof wurde 1811 an einer südlichen Ausfallstraße angelegt. Kirchengemeinden der Altstädte deckten mit sogenannten Assistenzfriedhöfen (nach dem franz. assistance Hilfe, Aushilfe) die gestiegene Nachfrage infolge von Industrialisierung und Urbanisierung.[1] In Dänemark existiert gut ein Dutzend Anlagen unter diesem Namen. Die bekannteste ist sicherlich der Assistenzfriedhof in Kopenhagen.
Zuvor diente das Areal jahrhundertelang als Richtplatz und Schindanger, den die Abdecker zur Entsorgung von Aas und Unrat nutzten. Gartenbauinspektor Hans von Müller (1743–1816), Gärtner am Schloss von Odense, entwarf den Assistenzfriedhof als Barockgarten mit Elementen des englischen Landschaftsgartens. Die anfangs 6 ha große Fläche wurde insgesamt elfmal ausgeweitet; heute misst sie 32 ha. Ihr Parkcharakter blieb jedoch bewahrt.
1852 schuf Herman Wilhelm Bissen (1798–1868) ein Denkmal für 119 Soldaten aus dem Schleswig-Holsteinischen Krieg 1848–51, die in den Lazaretten von Odense ihren Verletzungen erlegen waren.[2]
Im März 1945 wurden Gräber für deutsche Soldaten angelegt, weil die Wehrmacht für die Rückführung ihrer Gefallenen keine Kapazitäten mehr aufbringen konnte. Kurz darauf wurden auch erste Flüchtlinge aus den Ostgebieten hier beigesetzt.[3]
Gräber bekannter Persönlichkeiten
- Emil Aarestrup (1800–1856), dänischer Arzt und Dichter
- Carl Bagger (1807–1846), dänischer Journalist und Schriftsteller
- Paul Olaf Bodding (1865–1938), norwegischer Missionar und Sprachwissenschaftler
- Jan Boye (1962–2011), dänischer Politiker und Handballschiedsrichter
- Tagea Brandt (1847–1882), dänische Frauenrechtlerin
- J.C.A. Carlsen-Skiødt, Gärtner, Politiker, Autor
- Morten Stig Christensen (1958–2024), dänischer Handballspieler
- Christian Dæhnfeldt, Finanzier des Stadtparks „Munke Mose“ im Jahr 1912
- Jens Peter Dahl-Jensen (1874–1960), dänischer Bildhauer
- Annegine Federspiel (1954–2009), dänische Schauspielerin
- Birgitte Federspiel (1925–2005), dänische Schauspielerin
- Lars Høgh (1959–2021), dänischer Fußballspieler
- Fanny Jensen (1890–1969), dänische sozialdemokratische Politikerin
- Jakob Emanuel Lange (1864–1941), dänischer Mykologe, Sozialökonom und Politiker
- Gustav Lotze, Apotheker (Grabmal von Bildhauer Aksel Hansen nimmt Formen des Jugendstils vorweg)
- Hans von Müller, Gestalter des Assistenzfriedhofs 1811
- Richard Møller Nielsen (1937–2014), dänischer Fußballspieler und -trainer
- Jens Østerholm (1928–2006), dänischer Schauspieler
- Vilhelm Petersen (1851–1931), dänischer Architekt und königlicher Gebäudeinspektor
- Sepp Piontek (1940–2026), deutscher Fußballspieler und -trainer
- Gustav Rasmussen (1895–1953), dänischer Diplomat und Politiker
- Helge Rungwald (1906–1960), dänischer Regisseur und Schauspieler
- Theodor Schiøtz, Gründer der Albani-Brauerei in Odense (heute Royal Unibrew)
- Povl Wøldike (1899–1975), dänischer Schauspieler
Ausblick
Heute erfolgen rund 90 Prozent der Beisetzungen in Form von Urnenbegräbnissen. Daher ist das Areal inzwischen deutlich zu groß. Ein Teil soll deswegen in einen Park verwandelt werden, ohne den friedvollen Charakter eines Friedhofes zu beeinträchtigen. Genutzte Grabstellen werden nicht vorzeitig aufgelöst, so dass die Umgestaltung über viele Jahre bis 2050 erfolgen wird.[4]