Au-Friedhof

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Der historische Au-Friedhof liegt am Rande der Altstadt von Bad Säckingen. Er war von 1815 bis zu seiner Schließung im Jahr 1958 der einzige Friedhof der Kernstadt. Die vorgesehene Einebnung Ende der 80er Jahre stieß auf Widerstand in der Bürgerschaft. Eine Projektgruppe setzte sich für den Erhalt des Friedhofs ein. Seit 1992 steht er unter Denkmalschutz. Urnenbestattungen sind unter Auflage der Pflege verwaister Gräber wieder erlaubt.

Au-Friedhof Bad Säckingen

Friedhofsgelände

Von Mauern eingefriedet und durch Wege vom Schlosspark im Norden, dem tiefer gelegenen Rheinufer im Osten und dem Auplatz im Süden getrennt, erstreckt sich der Friedhof mit seinem alten Baumbestand auf einem Geviert von einem Hektar Grundfläche. Eine zentrale Wegachse führt vom Eingangstor an der Austraße im Westen zur Kapelle an der Rheinufermauer. Ein Tor zum Schlosspark befindet sich in deren Nähe.

Geschichte

Überwucherter Grabstein

Einer Anordnung der vorderösterreichischen Regierung von 1785, den nördlich vom Fridolinsmünster gelegenen Stiftsfriedhof (heutiger Münsterpfarrgarten) aus hygienischen Gründen aus der Innenstadt zu verlegen, kam die Stadt in den Kriegswirren der napoleonischen Zeit nicht nach.[1] Auf erneutes Drängen der Regierung des Großherzogtums Baden, zu dem Säckingen seit 1806 gehörte, kaufte der Magistrat 1815 einen ummauerten Garten in der Au vor den Toren der Stadt. Der Besitzer Joseph Knörzer handelte einen für ihn vorteilhaften Tausch mit dem Terrain des alten Innenstadt-Friedhofs aus. Alte Grabsteine von dort wurden beim Bau von Häusern der nahen Rheinbadstraße verwendet. Der neue Friedhof umfasste die östliche, zum Rhein hin gelegene Hälfte des heutigen Areals. In der Mittel des 19. Jahrhunderts wurde die Fläche verdoppelt. Die Erweiterung ist bis heute an Form- und Materialunterschieden der Umfriedungsmauer erkennbar. Mit der Eröffnung des Waldfriedhofs in der Nordweststadt 1958 wurde der zu klein gewordene Au-Friedhof geschlossen und verwilderte in den kommenden Jahrzehnten zunehmend.

Nach Ende der Ruhezeit plante die Stadt die Entwidmung und anderweitige Verwendung des Terrains. Gegen die Pläne trat 1986 eine Bürgerinitiative an und erarbeitete ein Erhaltungskonzept. Die „Projektgruppe Erhalt Au-Friedhof“ wurde 1989 gegründet. Sie übernahm die Pflege der Anlage und erreichte, dass sie 1992 unter Denkmalschutz gestellt wurde.

Bedeutung

Familiengrab Berberich-Hörnle mit Marmorstatue von Heinrich Ruf (Bildhauer)

Zu einem Teil der 640 erhaltenen Gräber gelang es der Projektgruppe, Familienschicksale aus anderthalb Jahrhunderten Stadtgeschichte zu ermitteln.[2] Sie reichen von der Industrialisierung über Badische Revolution und Gründerzeit bis hin zum Nationalsozialismus und den Weltkriegen. Neben gut erhaltenen Familiengrabstätten, z. B. der Textilfabrikanten Bally und Berberich, finden sich verwitterte Grabsteine wie der des in Säckingen tätigen Malers Joseph Vollmar (1801–1870).

Die Ästhetik des Historismus prägt viele Grabmale.[3] Die weibliche Marmorfigur mit Kreuz und Kränzen[4], Allegorie des Glaubens und der Überwindung des Todes, fertigte der aus München stammende Bildhauer Heinrich Ruf 1874 während seines mehrjährigen Aufenthalts in Basel an.[5] Der große Sandsteinengel eines unbekannten Künstlers aus dem gleichen Zeitraum, der das Grab der Familie Grass[6] ziert, wurde 2001 fachgerecht restauriert.[7]

Gebäude

Zwei Kapellen wurden im Lauf der ersten 25 Jahre auf dem Friedhofsgelände errichtet. Sie dienen bis heute kirchlichen Zwecken und sind außerhalb der Nutzungszeiten geschlossen.

Allerseelenkapelle

Die kleine Kapelle an der südlichen Friedhofsmauer wurde mit dem Steinmaterial der abgerissenen Dornenkron-Kapelle des alten Stiftsfriedhofs errichtet. Sie beherbergt das Grabmal der Äbtissin Agatha Hegenzer, die 1571 starb. Sie ließ nach den Wirren der Reformation das Abteigebäude (gegenüber dem heutigen Rathaus) erbauen.

Alt-katholische Pfarrkirche St. Peter und Paul

Pfarrkirche St. Peter und Paul

Der Bau einer weiteren Friedhofskapelle wurde 1826 in Angriff genommen und zog sich über mehr als ein Jahrzehnt hin.[8] Nach ihrer Einweihung 1839 bürgerte sich der Name „Mariä Krönung“ ein, der auf das Motiv des Deckengemäldes Bezug nimmt, ein Werk des Malers Joseph Vollmar.

Im Jahr 1883 wurde die Kapelle unter Beibehaltung ihres sechseckigen Grundrisses um fünf Meter nach Westen hin erweitert. In ihrer ursprünglichen Form wäre sie zu klein gewesen, um der auf das Jahr 1874 zurückreichenden alt-katholischen Gemeinde als Pfarrkirche zu dienen. Vorausgegangen war ein Streit mit der römisch-katholischen Säckinger Gemeinde, die die 1875 vom badischen Innenministerium angeordnete Mitbenutzung des Münsters durch die Alt-Katholiken nicht hinnahm und in eine Notkirche auswich. Nach acht Jahren wurde ihr staatlicherseits die alleinige Nutzung des Münsters zugestanden, und die alt-katholische Gemeinde bezog die hastig erweiterte Friedhofskapelle. Wenig später beauftragte die Gemeinde den Überlinger Orgelbauer Xaver Mönch mit dem Bau eines Instruments, das heute als Kulturdenkmal eingestuft ist. In den Jahren 2005 und 2008 erlitt die Kapelle zwei Brandanschläge, deren Urheberschaft ungeklärt ist. Die Schäden konnten behoben werden. Seit 2010 steht die alt-katholische Pfarrkirche unter dem Patrozinium „St. Peter und Paul“.

Literatur

Commons: Au-Friedhof (Bad Säckingen) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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