August Rebentisch
deutscher Architekt
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August Christian Heinrich Rebentisch (* 15. April 1846 in Hannover; † 29. Januar 1890 in Göttingen) war ein in Kassel wirkender Architekt und Vertreter der Neogotik. Er war ein Vertreter der Hannoverschen Architekturschule. Bedingt durch seinen frühen Tod und die städtebaulichen Veränderungen der Stadt Kassel haben nur wenige der von ihm entworfenen Bauwerke bis in die Gegenwart überdauert.
Leben

August Rebentisch wurde in Hannover geboren und absolvierte in seiner Geburtsstadt ein Studium an der Polytechnischen Schule, wo er Schüler von Conrad Wilhelm Hase und dessen Schüler Wilhelm Lüer war. Besonders zu Lüer entwickelte er ein enges Verhältnis, trat in dessen Atelier ein und gehörte bald zu dem kleinen Kreis junger Architekten, die sich als begeisterte Anhänger um den Meister sammelten. Lüer war zu dieser Zeit ein gefragter Architekt mit Aufträgen in zahlreichen deutschen Städten. Für eines dieser Projekte, die in Kassel allgemein als Villa Glitzerburg bekannte Villa Wedekind, wurde der junge Rebentisch 1867 als Bauführer eingesetzt. Dort lernte er den Maurermeister August Seyfarth kennen, mit dem er später beruflich eng verbunden sein sollte. Nachdem Lüer 1870 unerwartet verstorben war, kehrte Rebentisch zunächst nach Hannover zurück und nahm am Deutsch-Französischen Krieg teil, zu dem er sich als Freiwilliger im Artillerieregiment Nr. 11 gemeldet hatte. Dort wurde er bei dem Gefecht bei Artenay schwer am Unterschenkel verwundet und setzte anschließend seine Studien vorübergehend in Berlin fort. Bald darauf kehrte er nach Kassel zurück und arbeitete eng mit Seyfarth zusammen.[1] In den frühen 1870er Jahren war dort unter Rebentisch der spätere Architekt und Kunsthistoriker Cornelius Gurlitt beschäftigt, den Rebentisch später als einen „der begabtesten Schüler der hannoverschen Richtung“ bezeichnete.[2] Auch der spätere Architekt Heinrich Johann Mänz war vor seinem Studium bei Rebentisch im Atelier beschäftigt.[3] Stilistisch blieb Rebentisch der hannoverschen Schule treu, geprägt durch Hases Grundsätze und Lüers Weiterentwicklungen. Er bevorzugte den Backsteinbau und mittelalterliche Stilformen, die er mit großem architektonischen Bewusstsein einsetzte. Damit führte er in Kassel eine Bauhaltung fort, die in der Tradition der älteren Kasseler Schule um Georg Gottlob Ungewitter stand und dort bereits Aufnahme gefunden hatte. Rebentischs Wirken trug entscheidend dazu bei, dass die hannoversche Richtung mit ihrer Neugotik und ihrem materialgerechten Backsteinbau in Kassel nachhaltig Fuß fasste. Im Jahr 1882 pachtete er die Sandstein-Steinbrüche im heutigen Marburger Stadtteil Wehrda. Aufgrund seiner Kriegsverletzung musste er mehrfach operiert werden und starb in Folge einer Sepsis mit 43 Jahren im Januar 1890 in der chirurgischen Klinik in Göttingen.[4] Der ledige Rebentisch hinterließ seiner Heimatstadt eine Stiftung mit einem Kapital von 5.000 Mark (was heute ungefähr 42.000 € entspricht)[5] zur Verbesserung der Wohnungsverhältnisse.[6]
Werk

Durch seinen frühen Tod betrug seine aktive Schaffensphase nur etwa ein Jahrzehnt. Zahlreiche in Kassel errichtete Gebäude wurden entweder stark überformt oder abgebrochen, andere sind im Zweiten Weltkrieg zerstört worden. Im Jahr 1880 entwarf er eine noch heute bestehende Villa in der Marienstraße 8. Der Reste des von ihm entworfenen Fischbrunnens dienen heute als Basis des Entenliesels. Eine von drei um 1885 in der Südstadt errichteten Stadtvillen hat sich in der Heckerstraße 32 erhalten. Als großvolumiger Industriebau entstand bis 1887 die Vogt’sche Kunstmühle in der Kasseler Innenstadt, deren neogotische Fassade nach einem Brand 1926 nicht rekonstruiert wurde, deren Kubatur jedoch bis heute neben dem Karlshospital weiterhin als Mühle genutzt wird. Die Villa Scheldt im Akazienweg 7 war 1889 bereits fertiggestellt. Als Wohnhaus eines Baustoffhändlers ist ihr Formen- und Materialrepertoire herausstechend. Das vollständig erhaltene Gebäude wird heute vom Engelsburg-Gymnasium genutzt. Der 1888 nach seinen Entwürfen begonnene Aussichtsturm auf dem Hohen Gras wurde wenige Monate nach seinem Tod 1890 eingeweiht und besteht bis heute.
Kur- und Wasserheilanstalt

Die zwischen 1881 und 1883 errichtete Kur- und Wasserheilanstalt „Bad Wilhelmshöhe“ in der Kassel-Wilhelmshöher Wiegandstraße 1 wurde ursprünglich von einem Consortium erbaut und kurz darauf vom Arzt Engelbert Greveler übernommen. Das auf einem parkartig gestalteten, nach Osten abfallenden Grundstück gelegene Hauptgebäude war T-förmig angelegt und nach Osten orientiert, sodass die Mehrzahl der rund fünfzig Logierzimmer einen weiten Blick über Kassel und die umliegenden Mittelgebirge bot. Loggien, Balkons und eine vorgelagerte Terrasse betonten die Aussichtslage. Der Bau war ein Rohziegelbau aus gelben und roten Backsteinen mit Natursteingliederungen und zeigte deutliche Bezüge zur hannoverschen Neogotik. Das Innere war, einschließlich des Mobiliars, ebenfalls dem Geist der Hannoverschen Schule verpflichtet. Neben Aufenthalts- und Gesellschaftsräumen und der Wohnung des Arztes umfasste die Anlage mehrere Bäder unterschiedlicher Art, darunter Dampfbäder. Der große Speisesaal besaß eine farbig gefasste Holzdecke und bemalte Wandbespannungen, während das Frigidarium der Badeanstalt Glasmalereien nach Entwürfen von Carl Gottlob Merkel aus Kassel aufwies. Korridore und Zimmer waren mit Mettlacher Platten, Teppichen und dekorativen Deckenmalereien ausgestattet. Der Bau vereinte technische Moderne mit einer auf die landschaftliche Umgebung abgestimmten architektonischen Gestaltung und galt als eines der bedeutendsten Werke Rebentischs in Kassel. Der dreigeschossige Klinkerbau ist heute noch erhalten, jedoch nicht vom Straßenraum sichtbar, da er von den Neubauten der modernen Ayurveda-Klinik umgeben ist.[7][8]
Schwesternhaus am Weinberg

Das zwischen 1886 und 1888 nach Entwürfen des Architekten errichtete Schwesternhaus der Vinzentinerinnen am Weinberg 7 in Kassel entstand als Wohn- und Pflegeeinrichtung für die Ordensschwestern und ältere, hilfsbedürftige Frauen. Hieraus entwickelte sich später das noch heute bestehende Elisabeth-Krankenhaus. Der Baukörper erhebt sich auf einer etwa sieben Meter über Straßenniveau liegenden Parzelle am Südhang des Weinbergs gegenüber der von Dehn-Rotfelser errichteten Gemäldegalerie. Der dreigeschossige, in gelbem und braun glasiertem Backstein von August Seyfarth ausgeführte Bau zeigt eine funktionale Gliederung. Im Kellergeschoss befanden sich Küchen, Vorratsräume und ein Refektorium für bedürftige Kinder. Das Erdgeschoss nahm Aufenthalts-, Arbeits- und Speiseräume der Schwestern sowie die Wohnung der Oberin auf, an deren Südseite sich eine aus drei Kreuzgewölben bestehende Loggia anschloss. In den oberen Geschossen lagen die Wohnräume der Pfleglinge, teils mit Balkons, während die Schwestern im ausgebauten Dachgeschoss untergebracht waren. Bestandteil der Anlage war eine nach Osten orientierte Kapelle mit vier Jochen, halbrundem Chorabschluss und gemauerten Kreuzgewölben mit Backsteinrippen. Die Fenster enthielten Glasmalereien der Brüder Heinrich und Ludwig Ely in Wehlheiden mit Darstellungen der sieben Werke der Barmherzigkeit, der Altar wurde von Knackfuß gestaltet. Die Kapelle sowie die unteren beiden Etagen des Gebäudes sind nach Kriegsbeschädigungen heute noch erhalten.[9]
Literatur
- Thomas Wiegand: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Stadt Kassel II. Hrsg.: Landesamt für Denkmalpflege Hessen. Theiss Verlag, Stuttgart 2005, ISBN 3-8062-1989-3, S. 64f..