Entenliesel

Brunnenanlage in der Kasseler Innenstadt auf dem Entenanger von 1959 From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Kasseler Entenliesel ist ein Brunnen im Stadtteil Mitte, der seit 1959 auf dem Entenanger steht. Die etwa 150 Zentimeter hohe Sandsteinfigur eines Mädchens, das eine Ente und einen Futternapf hält, ist eine Skulptur des Kasseler Bildhauers Karl-Max Steffens. Die Brunnenschale ist ein Rest des 1883 errichteten Fischbrunnens. Der Entenanger ist als Gesamtanlage aus künstlerischen und stadtgeschichtlichen Gründen ein Kulturdenkmal, der Brunnen ist Bestandteil dieser Gesamtanlage.

Der Brunnen auf dem Entenanger von vorne

Beschreibung

Die Brunnenfigur von Steffens

Der Brunnentrog und der Brunnenstock bestehen aus rotem Sandstein. Die Brunnenanlage besteht aus einer vierpassförmigen Schale mit einem mittigen Rundpfeiler, an dem vier schlichte Wasserspeier angebracht sind. Der Brunnenstock trägt eine Skulptur aus rotem Sandstein, die eine stehende weibliche Figur in einfacher, bodenlanger Kleidung zeigt. Sie hält vor der Brust eine flache Schale und eine Ente. Eine weitere Ente sitzt rückseitig zu Füßen der Figur. Die stilisierte, blockhafte Formgebung der Figur betont die Vertikalität des Gesamtaufbaus und kontrastiert mit den weich gerundeten Konturen der historischen Brunnenschale. Die Skulptur ersetzt ein ursprüngliches, nicht erhaltenes Brunnenelement aus dem 19. Jahrhundert und stellt eine künstlerische Ergänzung des historischen Brunnens im Stil der Nachkriegsmoderne dar.

Geschichte

Der 1883 errichtete Fischbrunnen nach einem Entwurf von August Rebentisch

Bis auf die moderne Figur besteht der Brunnen aus den Resten des sogenannten Fischbrunnens. Dieser Brunnen wurde nach einem Entwurf des Architekten August Rebentisch 1883 auf der Oberen Karlsstraße aufgestellt. An dem Brunnenstock befanden sich vier metallene Wasserspeier in Tierkopfform. Auf der Vorderseite des Stocks war die Inschrift angebracht: „Auf Anregung des hessischen Tierschutzvereins erbaut 1883.“ Den oberen Abschluss bildete eine plastische Bekrönung aus vier mit den Köpfen nach unten gerichteten Fischen, die an den Schwänzen durch einen Ring miteinander verbunden waren. Ihre Darstellung zitiert die frühneuzeitliche Ikonografie von Delfinen. Über ihnen befand sich als metallener Aufsatz ein Dreizack. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Anlage beschädigt, ihre Reste 1959 auf dem neu geschaffenen Platz Entenanger in der Kasseler Innenstadt aufgestellt. Der Brunnen am Entenanger steht im städtebaulichen Kontext des Wiederaufbaus der Kasseler Innenstadt nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs. Der Platz wurde zwischen 1954 und 1956 anstelle der im Krieg untergegangenen mittelalterlichen Entengasse neu angelegt. Die von der Hessischen Heimstätte errichtete Bebauung folgt einem einheitlichen, traditionalistisch geprägten Konzept mit Putzfassaden, Erkern, hochrechteckigen Fenstern und Satteldächern. Der Entenanger war als geschlossene Blockrandbebauung mit einer zentralen, begrünten Platzfläche konzipiert, deren leicht abfallendes Gelände gärtnerisch gefasst wurde. Künstlerischer Schmuck in Form von Sgraffiti und Mosaiken betonte den Anspruch, eine ästhetisch durchgearbeitete, zugleich maßstäbliche Wohn- und Geschäftsarchitektur zu schaffen. Der Brunnen fügt sich als plastischer Akzent in die zentrale Grünfläche des Platzes ein und steht exemplarisch für die Verbindung von Kunst und Stadtgestaltung in der Wiederaufbauphase. Er bildet ein Bindeglied zwischen der überlieferten städtischen Struktur und der künstlerischen Erneuerung nach 1945.[1]

Literatur

  • Wolfgang Hermsdorff: Ein Blick zurück aufs alte Kassel. Band 2. Dietrichs & Co, Kassel 1979, S. 100.
  • Magistrat der Stadt Kassel, Kulturamt (Hrsg.): Kunst im öffentliche Raum: Kassel 1950–1991. Marburg 1991, ISBN 3-89445-109-2, S. 314.
Commons: Entenliesel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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