Avgorou
Gemeinde im Bezirk Famagusta auf Zypern
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Avgorou (griechisch Αυγόρου), auch Avgora, Avgoro oder Avgoru, ist eine Gemeinde im Bezirk Famagusta in der Republik Zypern.[3] Bei der Volkszählung im Jahr 2021 hatte sie 4921 Einwohner.[1]
Avgorou Αυγόρου | ||
|---|---|---|
| Basisdaten | ||
| Staat: | ||
| Bezirk: | Famagusta | |
| Geographische Koordinaten: | 35° 2′ N, 33° 50′ O | |
| Höhe ü. d. M.: | 40 m | |
| Fläche: | 33,9364 km² | |
| Einwohner: | 4921 (2021[1]) | |
| Bevölkerungsdichte: | 145 Einwohner je km² | |
| LAU-1-Code: | CY-04 | |
| Postleitzahl: | 5510[2] | |
| Website: | www.avgorou.org.cy | |
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Name
Der Name Avgorou scheint nicht mit dem Wort „Ei“ (griechisch αυγό avgo) in Verbindung zu stehen, wie gelegentlich behauptet wurde. Er hat offenbar eine ältere Herkunft. Nach einer Deutung leitet sich der Name vom altgriechischen Wort εὔορος („Ort in erhöhter Lage“) ab – in der Genitivform εὐόρου –, woraus sich die heutige Form Αυγόρου entwickelt haben soll.
Eine andere Erklärung für die Namensherkunft führt N. G. Kyriazis an. Demnach soll der Name auf eine volkstümliche Redewendung zurückgehen: Als ein Fremder nach dem Weg zu dem Dorf fragte, erhielt er die Antwort «Έβκα (του) όρου και θα το βρῆς» („Steig auf den Hügel hinauf, und du wirst es finden“).[4]
Geografie

Avgorou liegt im Südosten der Mittelmeerinsel Zypern auf einer Höhe von etwa 40 Metern,[5] etwa 20 Kilometer westlich von Agia Napa.[6] Der Ort zählt zu den Kokkinochoria (rote Dörfer, bezogen auf die landwirtschaftlich wertvolle rote Erde).[7] Das 33,9364 Quadratkilometer[8] große Gemeindegebiet grenzt im Norden an Acheritou, im Osten an Frenaros, im Südosten an Liopetri, im Süden an Xylofagou, im Südwesten an Ormidia und im Westen an Achna/Düzce. Ein Teil des Gemeindegebiets liegt in der britischen Militärbasis Dekelia und im besetzten Gebiet.[9][10] Das Dorf kann über die Straßen E308, E311, E334, F304, F305 und F306 erreicht werden.[11][12]
Die durchschnittliche jährliche Niederschlagsmenge beträgt rund 340 Millimeter.[4]
Geologie und Geomorphologie
Das Gebiet von Avgorou liegt auf Ablagerungen der pleistozänen geologischen Periode, die vor allem aus kalkhaltigen Sandsteinen, Sanden, sandigen Mergeln und Tonen bestehen. Die vorherrschenden Bodentypen sind Terra rossa und Kafkalla (kalkhaltige Böden). Die Terra rossa der Region zeichnet sich durch eine tiefrote Farbe ohne deutlich erkennbare Bodenhorizonte aus. Sie weist eine körnige Struktur und eine tonig-lehmige Textur auf, ist im feuchten Zustand plastisch und im trockenen Zustand sehr brüchig. Die Kafkalla hingegen stellt eine harte kalkhaltige Kruste dar, die in der Gegend von Avgorou meist eine ebene Oberfläche bildet. Diese Kruste wird von den Bewohnern gebrochen und an den Feldrändern aufgeschichtet, um das darunterliegende, besser nutzbare Erdreich freizulegen.
Geomorphologisch zeigt sich das Landschaftsbild von Avgorou als flache Ebene. Nur kleine, nach Norden fließende Bäche haben im Norden und Nordosten seichte Täler in das Gelände eingeschnitten. Eines dieser Täler wird von der Straße begleitet, die Avgorou mit der alten Straße Nikosia–Famagusta verbindet. In diesem Tal sinkt die Höhe unter 25 m, wobei beiderseits des Bachbettes relativ steile Hänge erkennbar sind.[4]
Landwirtschaft
Auf den roten Böden der Terra rossa werden hauptsächlich Kartoffeln (Früh- und Winterernte), Getreide (vor allem Gerste), Futterpflanzen, in geringer Menge Karotten, Gemüse, Zitrusfrüchte, sehr wenige Obstbäume, Olivenbäume und Johannisbrotbäume angebaut. Avgorou ist eines der wichtigsten Kartoffelanbau-Dörfer der Region der Kokkinochoria.[4]
Geschichte
Archäologische Untersuchungen, die im Sommer 1990 von einer Mission des Dänischen Palästinensischen Forschungsinstituts durchgeführt wurden, belegten das Vorhandensein antiker Überreste in der weiteren Umgebung von Avgorou.
Während der Lusignanisch-Venezianischen Zeit war Avgorou laut Louis de Mas Latrie ein Feudalbesitz der Familie Giblet. In den Assisen von Jerusalem erscheint der Ortsname in den Varianten Avegorre und Avegore. Auf der Karte von Louis de Mas Latrie wird der Ort ebenfalls als Avegore verzeichnet, während er auf venezianischen Karten unter der Bezeichnung Ongoro erscheint.
Der erste Straßenabschnitt Larnaka–Famagusta, der durch Avgorou führte, wurde 1880 fertiggestellt. Eine Polizeistation wurde im Dorf im Jahr 1905 errichtet. Der ursprüngliche Siedlungskern befand sich um die mittelalterliche Kirche Agios Georgios und war zunächst dicht bebaut. Später dehnte sich die Bebauung auf das restliche Gebiet des heutigen Dorfes aus, wobei sich die Erweiterung entlang der bestehenden Verkehrsachsen fortsetzte. Im Osten wurde die Ausdehnung durch eine flache geomorphologische Senke begrenzt.
Heute ist Avgorou Teil der städtischen Entwicklungszonen der Region der Kokkinochoria. Trotz der regen Bautätigkeit finden sich im Ortszentrum noch traditionelle Häuser aus Lehmziegeln und behauenem Kalkstein, teils von hohen Stein- oder Lehmwänden umgeben.[4]
Bevölkerungsentwicklung
Laut dem osmanischen Zensus von 1831 hatte das Dorf eine gemischte Bevölkerung. Während der gesamten britischen Kolonialzeit war Avgorou jedoch ausschließlich von Zyperngriechen bewohnt. Nach der Türkischen Invasion Zyperns 1974 wurde Avgorou zu einem Aufnahmezentrum für vertriebene griechisch-zyprische Flüchtlinge, hauptsächlich aus dem Bezirk Famagusta. Im Jahr 1977 erwarb die Regierung der Republik Zypern einen Teil des Gemeindegebiets, um dort Wohnsiedlungen für Flüchtlinge zu errichten.
Heute wird Avgorou überwiegend von den ursprünglichen Einwohnern sowie von vertriebenen griechisch-zyprischen Familien aus verschiedenen Dörfern des Bezirks Famagusta bewohnt.[13]
Die folgende Tabelle zeigt die Bevölkerung des Dorfes, wie sie in den in Zypern durchgeführten Volkszählungen erfasst wurde.
Sehenswürdigkeiten
Kirchen

- Die Kirche Agios Georgios Teratsiotis (griechisch Αγίου Γεωργίου Τερατσιώτη) liegt etwa zwei Kilometer westlich des Dorfzentrums von Avgorou. Es handelt sich um ein einschiffiges Bauwerk mit starker gotischer Einflussnahme und einem vielseitigen Kuppelbau. Nach dem Forscher Jeffrey stammt es aus dem 16. Jahrhundert. Gegenüber des Haupteingangs befindet sich ein Wandgemälde des Heiligen Georgios, und im Übergang zwischen Kuppel und Boden ist die Darstellung der Platytera zu sehen.[27]

- Die Kirche Agion Apostolon Petrou kai Pavlou (griechisch Αγίων Αποστόλων Πέτρου και Παύλου) steht nahe dem Dorfzentrum. Es ist ein dreischiffiges Bauwerk mit einer Kuppel über dem mittleren Schiff und drei halbkreisförmigen Apsiden im Osten. Das Gebäude wurde Ende des 19. Jahrhunderts errichtet und ist vollständig mit Fresken ausgemalt sowie mit einer aufwendig geschnitzten Ikonostase ausgestattet.[28]
- Die Kirche Koimiseos Theotokou (griechisch Κοιμήσεως Θεοτόκου) befindet sich im Zentrum des Dorfes, etwa 100 Meter von Agion Apostolon Petrou kai Pavlou entfernt. Es gehört zur Gemeinschaft der Altkalendarier und wurde 1953 auf einem Grundstück errichtet, das Papas Periklis zur Verfügung stellte. Das Bauwerk wurde durch Spenden altkalendarischer Dorfbewohner finanziert.[29]
Denkmäler
- Das Freiheitsdenkmal (griechisch Μνημείο Ελευθερίας) steht im Zentrum des Dorfes, in der Nähe der Kirche Agion Apostolon Petrou kai Pavlou. Es wurde in den 1980er-Jahren errichtet und erinnert an alle Einwohner von Avgorou, die im Unabhängigkeitskampf von 1955–1959 gegen die britische Kolonialherrschaft oder während der türkischen Invasion von 1974 ihr Leben verloren.[30]

- Das Denkmal der EOKA-Helden 1955–1959 (griechisch Μνημείο Ηρώων Ε.Ο.Κ.Α. 1955-59) befindet sich östlich des Dorfes an der Hauptstraße Avgorou–Liopetri. Es wurde 1985 auf Initiative der EOKA-Kämpfer und der Dorfgemeinschaft von Avgorou errichtet. Das Denkmal steht an der Stelle des Todes des ersten gefallenen EOKA-Mitglieds, Modestos Pantelis aus Liopetri, der bei dem Versuch, ein Hochspannungsstromkabel zu durchtrennen, tödlich verunglückte.[31]
- Der Park der Gefallenen und Vermissten von 1974 (griechisch Πάρκο Πεσόντων και Αγνοουμένων 1974) erinnert an die Opfer und Vermissten der Ereignisse von 1974.[32]
Museen
- Das Ethnografische Museum Avgorou – Pierides-Stiftung (griechisch Εθνογραφικό Μουσείο Αυγόρου – Ίδρυμα Πιερίδη) befindet sich an der Hauptstraße des Dorfes und ist in der renovierten traditionellen Koutras-Residenz untergebracht, einem seltenen Beispiel lokaler Volksarchitektur. Es wurde am 25. Oktober 2002 eröffnet und zeigt auf zwei Etagen Räume und Gegenstände des ländlichen Lebens, darunter Stall, Scheune, Küche, Schlafzimmer und eine große Außenanlage mit landwirtschaftlichen Geräten, Brunnen und Windmühle.[33]
Parks
- Der CyHerbia Botanical Park & Labyrinth liegt in Avgorou und umfasst neun thematische Kräutergärten, ein Zypressenwaldgebiet in Form der Insel Zypern sowie den ersten und einzigen Labyrinthgarten Zyperns mit einer Fläche von rund 2000 m². Besucher können dort zahlreiche heimische Kräuterarten kennenlernen und vom Aussichtspunkt einen Überblick über das Gelände gewinnen.[34]
Weblinks
- Offizielle Website (griechisch)

