Liopetri
Gemeinde im Bezirk Famagusta auf Zypern
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Liopetri (griechisch Λιοπέτρι) ist eine Gemeinde im Bezirk Famagusta in der Republik Zypern.[3] Bei der Volkszählung im Jahr 2021 hatte sie 4908 Einwohner.[1]
Liopetri Λιοπέτρι Liopetri | ||
|---|---|---|
| Basisdaten | ||
| Staat: | ||
| Bezirk: | Famagusta | |
| Geographische Koordinaten: | 35° 1′ N, 33° 54′ O | |
| Höhe ü. d. M.: | 45 m | |
| Fläche: | 24,1571 km² | |
| Einwohner: | 4908 (2021[1]) | |
| Bevölkerungsdichte: | 203 Einwohner je km² | |
| LAU-1-Code: | CY-04 | |
| Postleitzahl: | 5320[2] | |
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Name
Zur Herkunft des Namens Liopetri existieren mehrere Deutungen.
Nach einer verbreiteten Auffassung ist der Name zusammengesetzt aus den griechischen Wörtern λίγες („wenige“) und πέτρες („Steine“) und bedeutet somit „wenige Steine“. Diese Deutung bezieht sich darauf, dass das Gebiet des heutigen Dorfes weniger felsig war als die umliegenden Regionen. Diese Erklärung wird auch durch die ältere Schreibweise Ligopetri gestützt, unter der der Ort auf alten Karten verzeichnet ist. Im zyprischen Dialekt wird das Wort λίγο (lígo, „wenig“) als λλίον (llíon) ausgesprochen, woraus sich die Formen Λλιοπέτριν (Lliopetrin) und schließlich Λιοπέτριν (Liopetrin) entwickelten.[4]
Eine alternative Hypothese besagt, dass das erste Wortglied vom griechischen ήλιος (ílios, „Sonne“) stammen könnte, also eine Zusammensetzung aus ήλιος und πέτρες („Sonnensteine“ oder „Steine in der Sonne“). Diese Deutung wird mit der offenen, baumarmen Landschaft des Dorfes in Verbindung gebracht.[4]
Der Forscher Jack C. Goodwin schlägt hingegen eine andere Erklärung vor: Demnach könnte der Name von einer lateinischen oder zypriotisch-griechischen Form für „die Felsen“ abgeleitet sein.[5][6]
Geografie

Liopetri liegt in der geografischen Region Kokkinochoria im Südosten der Mittelmeerinsel Zypern nahe der britischen Militärbasis Dekelia auf einer Höhe von etwa 45 Metern,[7] etwa 15 Kilometer südwestlich von Famagusta,[6] 18 Kilometer vom Zentrum von Agia Napa und 5 Kilometer vom Meer entfernt.[8] Das 24,1571 Quadratkilometer[9] große Gemeindegebiet grenzt im Norden an Frenaros, im Osten an Sotira und ein kleiner Teil an das Mittelmeer, im Süden und Westen an Xylofagou und im Westen an Avgorou.[10][11] Das Dorf kann über die Straßen E305, E309, E333 und E334 erreicht werden. Im Süden verläuft die Autobahn A3.[12][13]
Liopetri verzeichnet einen relativ geringen durchschnittlichen Jahresniederschlag von etwa 330 Millimetern.[4]
Geologie und Geomorphologie
Aus geologischer Sicht dominieren innerhalb der Gemeindefläche Ablagerungen des Nikosia-Formationskomplexes, bestehend aus kalkhaltigen Sandsteinen, Geröllen und mergeligen Sandsteinen. Daneben treten Sedimente der Athalassa-Formation mit kalkhaltigen Sandsteinen und Sanden sowie die Koronia-Formation mit riffbildenden Kalksteinen auf. Auf diesen Gesteinen haben sich vor allem Terra-Rossa-Böden und Kafkalles-Böden (kalkhaltige Böden) entwickelt.
Das Gelände ist überwiegend flach bis leicht geneigt und fällt in Richtung Meer ab. Das Landschaftsbild wird vom Liopetri-Fluss geprägt, der das Gebiet durchquert und dabei ein schmales Tal geschaffen hat, das sich bis zur Küste erstreckt.[4]
Landwirtschaft
Auf den fruchtbaren roten Böden der Terra Rossa sowie den Böden, die durch die Verwitterung der kalkhaltigen Kafkalles-Kruste entstehen, wird in Liopetri eine große Vielfalt an landwirtschaftlichen Kulturen angebaut. Dazu zählen vor allem Gemüsesorten wie Früh- und Spätkartoffeln, Karotten, Taro (Kolokas), Wassermelonen, Melonen, Tomaten, Gurken, Zwiebeln, Bohnen und Salat. Darüber hinaus werden Zitrusfrüchte, Granatäpfel, Feigen, Oliven, Getreide (vor allem Gerste) sowie Futterpflanzen wie Wicke und Phalaris kultiviert. Das wichtigste landwirtschaftliche Produkt des Dorfes ist jedoch die Kartoffel. Liopetri spezialisierte sich schon früh auf den Kartoffelanbau und entwickelte sich zu einem der bedeutendsten Kartoffelproduktionszentren Zyperns.[4]
Geschichte
Der Historiker Louis de Mas Latrie berichtet, dass Liopetri während der Frankenherrschaft zu den königlichen Ländereien gehörte, die verwaltungsmäßig dem Bezirk (bailliage) von Sotira zugeordnet waren.
Der Archimandrit Kyprianos vermutete in seiner Historia Chronologica (1788), dass sich in der Gegend von Liopetri oder dem benachbarten Xylofagou die antike Stadt Thronoi befunden habe. Heute wird jedoch angenommen, dass diese Stadt weiter südlich, aber trotzdem nur unweit von Liopetri und Xylofagou entfernt.
Kyprianos berichtet außerdem, dass im Jahr 1764 der Erzbischof Paisios zusammen mit mehreren Bischöfen vom Fluss von Liopetri aus versuchte, mit einem Schiff von Zypern zu fliehen, um in Konstantinopel beim Sultan über die Missstände unter dem Gouverneur Cil Osman zu klagen. Die Geistlichen wurden jedoch am Fluss von Liopetri gefasst und nach Nikosia gebracht, wo sie unter Bewachung gestellt wurden. Daraus lässt sich schließen, dass der Liopetri-Fluss schon in früherer Zeit als Ankerplatz für kleinere Boote genutzt wurde.
Während der osmanischen Herrschaft litt Liopetri stark unter hoher Besteuerung und Repressionen, weshalb sich viele Einwohner gezwungen sahen, als Linobambaki zu leben.
Besondere Bekanntheit erlangte Liopetri während des zypriotischen Unabhängigkeitskrieges (1955–1959) gegen die britische Kolonialherrschaft. Das Dorf spielte eine aktive Rolle im EOKA-Widerstand, und im September 1958 kam es hier zu einer Schlacht, bei der vier Freiheitskämpfer – Andreas Karyos, Fotis Pittas, Christos Samaras und Ilias Papakyriakou – fielen.
Der ursprüngliche Ortskern entstand im Bereich der Kirche Panagia Eleousa, von wo aus sich die Bebauung allmählich auf das heutige Siedlungsgebiet ausdehnte. Das moderne Dorf wächst entlang der bestehenden Verkehrsachsen weiter. Trotz der starken Bautätigkeit und zahlreicher moderner Gebäude sind im Zentrum Liopetris noch traditionelle Lehm- und Kalksteinhäuser erhalten. Heute verfügt der Ort über Bankfilialen, verschiedene Geschäfte, eine Polizeistation sowie weitere städtische Einrichtungen.[4]
Bevölkerungsentwicklung
Laut dem osmanischen Zensus von 1831 war Liopetri ein gemischtes Dorf, in dem jedoch Muslime die Mehrheit (etwa 88 %) stellten. Zu Beginn der britischen Kolonialzeit wurde Liopetri jedoch ausschließlich von griechisch-zyprischen Einwohnern bewohnt. Nach Einschätzung von Historikern waren viele der früheren Bewohner Linobambaki, die sich erst unter britischer Verwaltung wieder offen zum Christentum bekannten. Die Bevölkerung stieg während der britischen Zeit kontinuierlich an.[6]
Nach der türkischen Invasion Zyperns im Jahr 1974 blieb Liopetri selbst von Vertreibungen verschont, diente aber als Aufnahmeort für zahlreiche griechisch-zyprische Flüchtlinge, vor allem aus der Stadt und dem Bezirk Famagusta. In der Folge entstanden im Gemeindegebiet ein staatlicher Flüchtlingssiedlungsbau sowie drei Selbstbau-Siedlungen zur Unterbringung der Vertriebenen.[4]
Heute wird das Dorf hauptsächlich von seinen ursprünglichen Bewohnern und vielen vertriebenen Zyperngriechen aus verschiedenen Gebieten des Bezirks Famagusta bewohnt.[6]
Die folgende Tabelle zeigt die Bevölkerung des Dorfes, wie sie in den in Zypern durchgeführten Volkszählungen erfasst wurde.
Sehenswürdigkeiten

- Das Achyrona-Museum (griechisch Μνημείο Αχυρώνα) befindet sich im Zentrum des Dorfes und ist Schauplatz der Schlacht von Liopetri am 2. September 1958 zwischen EOKA-Kämpfern und britischen Truppen. Vier Freiheitskämpfer aus Liopetri kamen dabei ums Leben. Das Gebäude dient heute als nationales Gedenkmuseum und Denkmal cm vdes Unabhängigkeitskrieges 1955–1959. Es beherbergt Ausstellungen und Erinnerungsstücke und ist zu einem Symbol des zyprischen Widerstands geworden.
- Die Kirche Panagia Eleousa (griechisch Παναγία Ελεούσα) ist als einschiffige Basilika mit Kuppel errichtet und besitzt ein Satteldach mit spitzem Giebel, das vermutlich aus dem 16. Jahrhundert stammt.

- Die Neue Kirche Panagia Eleousa (griechisch Νέα Εκκλησία Παναγίας Ελεούσης) befindet sich weiter südlich der alten Kirche.[27]
- Die Kirche Agios Andronikos (griechisch Άγιος Ανδρόνικος) stammt aus dem 15. Jahrhundert und zeichnet sich durch eine achteckige Kuppel sowie Reste von Fresken in der Apsis aus.
- Die Kirche Agios Epiphanios (griechisch Ἅγιος Ἐπιφάνιος) liegt im Süden des Dorfes.
- Die Kirche Agias Triadas (griechisch Ἐκκλησία Ἁγίας Τριάδας) liegt im Westen von Liopetri.
- Die Kapelle Agios Georgios (griechisch Άγιος Γεώργιος) liegt nahe der Mündung des Flusses Liopetri.[28][29]

- In Liopetri befinden sich mehrere Denkmäler, die an die Gefallenen und Vermissten des Dorfes während des Befreiungskampfes von 1955 bis 1959 sowie der Ereignisse von 1974 erinnern.

