Landesanstalt Schienenfahrzeuge Baden-Württemberg

Leasinganstalt für Schienenfahrzeuge für den Schienenpersonennahverkehr in Baden-Württemberg From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Landesanstalt Schienenfahrzeuge Baden-Württemberg (SFBW) ist ein Leasingunternehmen des Landes Baden-Württemberg in der Rechtsform einer Anstalt des öffentlichen Rechts, das Schienenfahrzeuge und Bahnbetriebswerke für den Schienenpersonennahverkehr in Baden-Württemberg finanziert und verpachtet.

Schnelle Fakten Landesanstalt Schienenfahrzeuge Baden-Württemberg — SFBW —, Staatliche Ebene ...
Landesanstalt Schienenfahrzeuge Baden-Württemberg
— SFBW —
Staatliche Ebene Land
Rechtsform Anstalt des öffentlichen Rechts[1.1][2]
Rechtsaufsicht Ministerium für Verkehr[3]
Gründung März 2015[4]
Hauptsitz Stuttgart[2]
Geschäftsführung Thomas Glaß, Peter Rumpf[2]
Vorsitzender des Verwaltungsrats Gerd Hickmann[2]
Bedienstete 5 (2024)[1.2]
Haushaltsvolumen 2928 Mio. Euro (Bilanzsumme 2024)[1.2]
Netzauftritt sfbw.info
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Geschichte

Am 12. März 2015 beschloss der Landtag von Baden-Württemberg das Gesetz über die Landesanstalt Schienenfahrzeuge Baden-Württemberg (SFBWG), nach dem das Land die Landesanstalt Schienenfahrzeuge Baden-Württemberg als rechtsfähige Anstalt des öffentlichen Rechts mit Sitz in Stuttgart errichtete.[5][4]

Aufgaben

Die Landesanstalt Schienenfahrzeuge Baden-Württemberg wurde gesetzlich mit der „Beschaffung und Verpachtung von Fahrzeugen für den öffentlichen Schienenpersonennahverkehr in Baden-Württemberg sowie in grenzüberschreitenden Verkehrsnetzen und -linien im Interesse des Landes“ betraut.[6] Sie wurde gegründet, um für die Eisenbahnverkehrsunternehmen im Schienenpersonennahverkehr in Baden-Württemberg die günstigen Kreditkonditionen des Landes zu erschließen und diese vom Restwertrisiko für neue Fahrzeuge zu befreien, indem die Landesanstalt Eigentümer der Fahrzeuge wird und sie an das jeweilige Eisenbahnverkehrsunternehmen verpachtet.[4]

Zum 1. Januar 2023 wurden die gesetzlichen Aufgaben der SFBW um die Planung, den Erwerb, den Bau und die An- und Verpachtung von „Wartungs- und Instandhaltungseinrichtungen einschließlich Reinigungs- sowie aller erforderlichen Abstell- und Gleisanlagen und sonstigen Zuwegungen“ erweitert.[7]

Fahrzeugfinanzierungsmodelle

Die Fahrzeugfinanzierung erfolgt nach verschiedenen Modellen, die sich bei der Obliegenheit der Fahrzeugsauswahl und der Verantwortlichkeit der Instandhaltung unterscheiden:[8]

  • Baden-Württemberg-Modell (BW-Modell): Das Eisenbahnverkehrsunternehmen, das den Zuschlag für den Verkehrsvertrag erhält, wählt die dafür vorgesehenen Fahrzeuge aus, die dann von der Landesanstalt Schienenfahrzeuge Baden-Württemberg erworben und für die Dauer des Verkehrsvertrages an das Eisenbahnverkehrsunternehmen verpachtet werden. Das Eisenbahnverkehrsunternehmen ist währenddessen für die Instandhaltung zuständig.
  • Lebenszyklusmodell: Die Landesanstalt Schienenfahrzeuge Baden-Württemberg wählt Fahrzeuge in einer Ausschreibung, die über die Lebensdauer der Fahrzeuge auch deren Instandhaltung für eine uneingeschränkte Verfügbarkeit beinhaltet, nach den Lebenszykluskosten aus.
  • Bei einer weiteren in Betracht kommenden Möglichkeit beschafft die Landesanstalt Schienenfahrzeuge Baden-Württemberg die Fahrzeuge unmittelbar im Rahmen einer Ausschreibung, beauftragt aber wie beim Baden-Württemberg-Modell das jeweilige Eisenbahnverkehrsunternehmen zur Instandhaltung.

Organisation

Die Landesanstalt Schienenfahrzeuge Baden-Württemberg untersteht der Rechtsaufsicht des Landes Baden-Württemberg, die vom Verkehrsministerium ausgeübt wird,[3] und unterliegt der vollständigen Prüfung durch den Rechnungshof Baden-Württemberg.[4] Das Land ist Gewährträger der Anstalt und haftet unbeschränkt für Verbindlichkeiten der SFBW.[9]

Die Geschäftstätigkeit der Landesanstalt Schienenfahrzeuge Baden-Württemberg ist nicht auf Gewinnerzielung ausgerichtet, sondern erfolgt kostendeckend. Die Investitionen in die Schienenfahrzeuge werden durch Kredite gedeckt, die nach Zustimmung des Finanzministerium aufgenommen werden dürfen, und zusammen mit den Verwaltungskosten durch die erhobenen Entgelte für die Verpachtung refinanziert, so dass keine Ausgaben für öffentliche Haushalte entstehen.[10] Die Kreditaufnahme der SFBW wurde vom Statistischen Bundesamt als Extrahaushalt des Landes klassifiziert. Da die Landesanstalt den Kapitaldienst über die Pachtzahlungen der Eisenbahnverkehrsunternehmen leistet, die sich über das Bestellerentgelt des Landes refinanzieren, wird aus ökonomischer Sicht der Kapitaldienst mittelbar vom Land übernommen, aber nicht durch direkte Schuldendiensthilfen. Die wichtige Sachaufgabe der Landesanstalt Schienenfahrzeuge Baden-Württemberg spricht gegen eine Umgehung der Schuldenbremse. Auch der Landesrechnungshof und der Stabilitätsrat forderten keine Einbeziehung der Fahrzeugfinanzierung der SFBW in die Schuldenbremse des Landes.[11] Ende des Jahres 2024 beliefen sich die Verbindlichkeiten der Landesanstalt auf 2,922 Milliarden Euro.[1.2]

Fahrzeuge

Mireo der Landesanstalt Schienenfahrzeuge Baden-Württemberg im Netz Rheintal

Fahrzeugbestand

Stand 2025[12] waren 358 Triebzüge, davon 320 Elektro- und 38 Dieseltriebzüge, im Eigentum der Landesanstalt Schienenfahrzeuge Baden-Württemberg:[13][1.3]

Weitere Informationen Typ, Anzahl ...
TypAnzahlTeileEinsatz
Alstom Coradia Continental453, 4Breisgau-Ost-West (Netz 9a)
3, 5Karlsruher Netz (Netz 7b Los 1)
Alstom Coradia LINT 54382Ulmer Stern (Netz 12), Zollern-Alb-Bahn (Netz 54)
Bombardier Talent 2164Gäu-Murr (Netz 3b)
Bombardier Talent 3523, 5Stuttgarter Netz Neckartal (Netz 1a)
123, 4Freiburger Y (Netz 9b)
Siemens Mireo273Rheintal (Netz 4)
57S-Bahn Rhein-Neckar Los 2 (Netz 6b)
7Nordbaden-Express (Netz 7b Los 2)
Siemens Mireo Plus B272Ortenau-Netz/Hermann-Hesse-Bahn (Netz 8)
Siemens Desiro HC154Rheintal (Netz 4)
Stadler Flirt 3553, 4, 5, 6Stuttgarter Netze Rems-Fils und Franken-Enz (Netz 1b und 1c)
Stadler Flirt 3 XL113Murrbahn (Netz 3a)
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Die Fahrzeuge wurden im Landesdesign der Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg[14] ausgeliefert. Abweichend davon erhielten die Mireo für die S-Bahn Rhein-Neckar ein eigenes Design, da in diesem Verkehrsvertrag neben dem Land Baden-Württemberg weitere SPNV-Aufgabenträger beteiligt sind.[13]

Zukünftige Fahrzeuge

Stand 2025 waren 263 Fahrzeuge bestellt.[12]

Nach dem Lebenszyklusmodell bestellte die Landesanstalt Schienenfahrzeuge Baden-Württemberg 130 vierteilige Coradia-Max-Triebzüge inklusive deren Instandhaltung über 30 Jahre mit einer Option auf bis zu 100 weitere Triebzüge[15] für deren Einsatz im Expressnetz und MEX-Netz Stuttgart-Bodensee (Netz 35, Lose 1 und 2).[16] Anfang 2026 rief die SFBW 26 Triebzüge aus der Option ab.[17]

28 dreiteilige Mireo-Fahrzeuge wurden als Ersatzflotte während der Nachrüstung von Bestandsfahrzeugen mit dem European Train Control System im Lebenszyklusmodell bestellt.[18]

Die Landesanstalt Schienenfahrzeuge Baden-Württemberg beteiligte sich als einer der Kooperationspartner am Projekt VDV-Tram-Train und wird nach dem Lebenszyklusmodell Eigentümer der 75 für die Albtal-Verkehrs-Gesellschaft und der 30 für die Regional-Stadtbahn Neckar-Alb im Rahmen des Projekts bestellten Citylink-Tram-Train-Fahrzeuge.[19][20] Zur Abgrenzung von reinen Vollbahn-Fahrzeugen wurde für die Fahrzeuge für die Regional-Stadtbahn Neckar-Alb ein angepasstes Landesdesign mit veränderter Farbaufteilung entworfen.[21][22]

Ende 2023 startete die Landesanstalt Schienenfahrzeuge Baden-Württemberg im Lebenszyklusmodell eine Ausschreibung über 120 elektrische und batterieelektrische Triebzüge mit Option auf bis zu 200 weitere Einheiten.[23][24]

Bis 2035 soll der Fahrzeugbestand auf rund tausend Fahrzeuge erhöht werden.[12]

Betriebswerke

Die Landesanstalt Schienenfahrzeuge Baden-Württemberg erwarb das Bahnbetriebswerk in Pforzheim[25] von der SWEG Bahn Stuttgart und verpachtete es bis zum Ende des Verkehrsvertrages für das Netz Nordbaden-Oberschwaben (Netz 35, Los 3) an diese zurück. Als zweites Werk für den Betrieb dieses Netzes gab die SFBW 2023 an, sich um die Zurverfügungstellung einer Werkstatt oder ersatzweise von Flächen für eine solche im Bereich der Südbahn zu bemühen. Für dieses waren nach früheren Planungen mehrere Werkstattmodule für mindestens 20 Fahrzeuge auf insgesamt zehn bis zwölf Hektar vorgesehen.[26] Die Anstalt begann Verhandlungen um den Erwerb weiterer Werkstätten, insbesondere auch um den Standort Tübingen.[1]

Einzelnachweise

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