Bahnhof Westerburg

Bahnhof in Westerburg im Westerwaldkreis From Wikipedia, the free encyclopedia

Der Bahnhof Westerburg war der Kreuzungsbahnhof zwischen der nach wie vor betriebenen Bahnstrecke Limburg–Altenkirchen (Oberwesterwaldbahn) und der heute stillgelegten Bahnstrecke Herborn–Montabaur (auch Westerwaldquerbahn genannt) in Westerburg im Westerwaldkreis. Die Bedeutung als Eisenbahn-Verkehrsknotenpunkt im Westerwald hat der Bahnhof in den 1990er Jahren eingebüßt. Die hier vorhandene Lokstation wird mittlerweile museal vom Erlebnisbahnhof Westerwald genutzt und im Empfangsgebäude befindet sich das Eisenbahnplakat-Museum.

Schnelle Fakten Westerburg, Daten ...
Westerburg
Empfangsgebäude (2015)
Empfangsgebäude (2015)
Daten
Lage im Netz Zwischenbahnhof, ehem. Kreuzungsbahnhof
Bauform Durchgangsbahnhof
Bahnsteiggleise 2
Abkürzung FWBG
IBNR 8000245
Preisklasse 6
Eröffnung 1. Oktober 1886
Profil auf bahnhof.de Westerburg
Lage
Stadt/Gemeinde Westerburg
Land Rheinland-Pfalz
Staat Deutschland
Koordinaten 50° 33′ 28″ N,  58′ 2″ O
Höhe (SO) 370 m ü. NN
Eisenbahnstrecken Bahnstrecken bei Westerburg
Bahnhöfe in Rheinland-Pfalz
Schließen
i16

Geschichte

Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs

Bereits Anfang der 1870er Jahre gab es durch die Hessische Ludwigsbahn erste Vorarbeiten für den Bau einer Bahnstrecke von Hadamar über Hachenburg bis Troisdorf. Nach ersten Arbeiten scheiterte der Bahnbau nach dem Gründerkrach aber aus finanziellen Gründen. Der rpeußische Staat übernahm 1881/82 das begonnene Bahnprojekt und stellte 1883 drei Millionen Mark zur Verfügung.[1.1]

Der Bahnhof nahm zusammen mit dem Abschnitt Hadamar–Hachenburg am 1. Oktober 1886 den Betrieb auf. Das Empfangsgebäude des Bahnhofs wurde erst 1887 fertiggestellt,[2] es war ebenso wie der Güterschuppen ein standardisierter Typenbau. Schon kurz nach der Eröffnung mussten der Bahnhof wegen des gestiegenen Güterverkehrs erweitert werden.[1.2]

Am 16. Juli 1907 ging der Streckenast der Bahnstrecke Herborn–Montabaur von Rennerod via Fehl-Ritzhausen nach Westerburg in Betrieb. Zunächst war zwar eine Einbindung der Strecke an anderer Stelle geplant, aber mit dem Bau der Westerburger Talbrücke in unmittelbarer Bahnhofsnähe führte die Strecke dann doch über Westerburg. Am 1. Juni 1910 wurde die Verlängerung von Westerburg nach Montaubaur eröffnet. Der Bahnhof war damals ein Inselbahnhof. Es bestanden eine Reihe von Anschlüssen zu örtlichen Industriebetrieben.[3]

Im Westerwald entstanden während des Zweiten Weltkriegs Abschussrampen für die V2-Raketen. Am 16. November 1944 wurde der Bahnhof erstmals aus der Luft angegriffen, am 2. Februar und Anfang März 1945 dann erneut. Beim Luftangriff am 13. März 1945 wurden die Bahnanlagen schwer getroffen, Teile des Lokschuppens, der Güterschuppen und die südliche Bahnhofseinfahrt wurden bei dem Angriff zerstört.[1.3] Die Talbrücke als Angriffsziel blieb allerdings unbeschädigt, zahlreiche Wohngebäude der Stadt wurden aber durch die Angriffe zerstört.[1.4] Zugverkehr war danach kaum noch möglich.

Nach 1945

Nach dem Einmarsch der US-Armee begannen ab April 1945 die Reparaturarbeiten, die Bahnstrecke Herborn–Montabaur war bereits Ende Juli 1945 wieder befahrbar,[1.5] im September 1945 war dann auch Verkehr bis Altenkirchen möglich.[1.6] Der durchgehende Verkehr auf der Strecke Richtung Limburg konnte im April 1946 aufgenommen werden.[1.7] Die Französische Besatzungsmacht ordnete nach dem Zweiten Weltkrieg alle Bahnstrecken im nördlichen Teil ihrer Besatzungszone der Eisenbahndirektion Mainz zu, somit auch den Bahnhof Westerburg. Mit der schrittweisen Auflösung der Bundesbahndirektion Mainz in den Jahren 1971/72 fiel die Zuständigkeit für den Bahnhof zum 1. Januar 1971 an die Bundesbahndirektion Frankfurt/M.[4]

Kreuzung von zwei Schienenbusgarnituren der Strecke Limburg–Altenkirchen (1987)

Zum 31. Mai 1981 wurde der Personenverkehr auf beiden in Westerburg abgehenden Streckenästen der Westerwaldquerbahn eingestellt. Seit dieser Zeit wurde der Service für Reisende am Bahnhof zunehmend reduziert, später auch die Güterabfertigung aufgegeben und die Gleisanlagen östlich des Empfangsgebäudes beseitigt, so dass es in Randlage zu den verbleibenden Gleisanlagen kam und der Bahnhof seine Funktion als Inselbahnhof verlor. Der Güterverkehr Richtung Montabaur wurde am 30. Mai 1985 eingestellt, Richtung Rennerod am 18. April 1995.

Im Zuge der Bahnreform wurde das Empfangsgebäude privatisiert.[2] Eine Park-and-Ride-Anlage wurde 2001 nach jahrelanger Planung für 1,5 Millionen DM auf dem Bahnhofsvorplatz gebaut.[5] Ein Elektronisches Stellwerk wurde 2016 für 3,2 Millionen Euro neben dem bisherigen Wärterstellwerk Westerburg WS errichtet,[6] damit wurden insgesamt zwei 1907 und 1914 errichtete Stellwerke überflüssig.[7][8] Seit dem 4. April 2016 wird der Bahnhof Westerburg nun von Langenhahn ferngesteuert,[9] einzig der Bahnübergang wurde noch einige Jahre vom Wärterwerk aus bedient.[10][11]

Aktueller Zustand

Der Bahnhof hat noch vier Gleise, davon zwei am Bahnsteig. Gleis 2 ist der Hausbahnsteig am Empfangsgebäude, Gleis 3 hat einen Zwischenbahnsteig, der ebenerdig erreicht werden kann. Im Empfangsgebäude befindet sich das Eisenbahnplakat-Museum. Der viergleisige ehemaligen Lokschuppen im Norden des Bahnhofs wird seit 2003 von den Westerwälder Eisenbahnfreunden genutzt.[2]

Lokstation Westerburg

Die Lokstation wurde beim Bau der Bahnstrecke Herborn–Montabaur eingerichtet, so entstand an der nördlichen Bahnhofsausfahrt zwischen beiden Strecken 1906/07 ein zweigleisiger Lokschuppen mit zwei Ständen. Für die Wasserversorgung wurde ein Hochbehälter gebaut, der vier Wasserkräne im Bahnhof speiste. Zunächst gehörte die Lokstation betrieblich zum Bahnbetriebswerk Limburg, spätestens ab den 1930er Jahren unterstand die Dienststelle dem Bahnbetriebswerk Altenkirchen.[1.8]

Da die Unterstellmöglichkeiten nur für zwei Lokomotiven ausreichten, wurde ein Lokschuppenanbau bereits 1910 geplant. Tatsächlich wurde der zweigleisige Anbau an den bestehenden Schuppen erst Mitte der 1920er Jahre errichtet. Während des Zweiten Weltkriegs wurde der Lokschuppen durch Luftangriffe teilweise zerstört, nach Kriegsende wurde des Gebäude wieder aufgebaut.[1.8]

Für den Einsatz von Uerdinger Schienenbussen der Baureihe VT 95 wurden 1953 zwei Lokschuppengleise verlängert sowie ein 30 m³-Dieseltank aufgestellt. Für den Einsatz von Akkutriebwagen der Baureihe 515 wurde 1980 eine Ladestation gebaut.[1.8]

Deutz KS 230 B im bahntechnischen Museum am Bahnhof (2008)

Ab 1970 war erneut das Bahnbetriebswerk Limburg für die Lokeinsatzstelle zuständig, nach dessen Auflösung Ende 1993 war Westerburg noch kurzzeitig Meldestelle des Betriebshofs Gießen.[1.8] Danach stand der Lokschuppen einige Jahre leer und verfiel, bis 2002 die Westerwälder Eisenbahnfreunde vom Bahnhof Siershahn nach Westerburg umzogen.[12][13]

Neben der 44 508[14] vom DB Museum werden verschiedene Rangierlokomotiven (unter anderem Kö I[15] und Kö II[16]) sowie Schienenfahrzeuge der Bundeswehr ausgestellt.[17]

Fahrzeugeinsatz

Anfänglich wurde die Gattung T 9.3 eingesetzt. In den 1930er Jahren wurden die Züge mit Lokomotiven der Baureihen 94.2–4 und 94.5–17 bespannt. Nach Kriegsende 1945 waren nur mehrere einsatzfähige Loks der Baureihe 94.5–17 vorhanden, dazu kamen weitere nicht betriebsfähig abgestellte Lokomotiven, die mit Räumzügen in den letzten Kriegswochen Westerburg erreicht hatten.[1.9]

Im Mai 1952 wurde die Baureihe 94.5–17 durch die Baureihe 93.5–12 aus dem Bahnbetriebswerk Zweibrücken ersetzt. Ab den 1950er Jahren wurden die Schienenbusse der Baureihe VT 95 von fremden Dienststellen von Westerburger Personal gefahren.[1.10] Anfang der 1970er Jahre wurden noch zwei Dampflokomotiven der Baureihe 50 eingesetzt, diese wurden 1973[18] oder 1975[1.11] durch Diesellokomotiven der Baureihe 216 abgelöst.[1.12] Ab 1980 wurden ebenfalls wieder Leistungen mit Akkutriebwagen der Baureihe 515 gefahren, die die Schienenbusse ersetzt hatten. Aber auch diese Fahrzeuge waren nicht in Westerburg stationiert.[1.13]

Verkehr

Vier HLB-Triebwagen im Bahnhof Westerburg

Der Bahnhof wird heute von Zügen der Hessischen Landesbahn GmbH (HLB), Betriebsbereich Dreiländerbahn, in Richtung Limburg (Lahn) und Siegen durch die Linie RB 90 (Westerwald-Sieg-Bahn) bedient. Darüber hinaus verkehren von hier aus Busse in die Region, u. a. Linie 464 (Montabaur Bahnhof/FOM – Westerburg – Rennerod Busbf. /Bad Marienberg), welche teilweise auch entlang der stillgelegten Bahnstrecke Herborn–Montabaur verläuft. Die Verkehrsleistungen erfolgen im Auftrag des Zweckverband Schienenpersonennahverkehr Rheinland-Pfalz Nord (SPNV Nord) und werden nach dem Rheinland-Pfalz-Takt durchgeführt. Auf dem größtenteils in Rheinland-Pfalz verlaufenden Abschnitt zwischen Westerburg und Siegen besteht seit Dezember 2014 von Montag bis Sonntag ein genereller Stundentakt; zu den Hauptverkehrszeiten teilweise noch dichtere Intervalle. Um in den Bahnhöfen Au (Sieg) und Limburg die Anschlüsse in Richtung Köln und Frankfurt gewährleisten zu können, endeten die meisten Züge in Westerburg, es gab nur noch wenige Fahrten zwischen Limburg und Au (Sieg). Im Fahrplan 2021 bestand ein Angebot im versetzten Takt, alle zwei Stunden verkehrte ein durchgehender Zug, dazwischen enden die Züge in Altenkirchen. 2024 gab es wieder stündlich durchgehende Züge Siegen–Limburg.

Seit dem 1. Januar 2017 gilt auch im Westerwaldkreis der Tarif des Verkehrsverbundes Rhein-Mosel (VRM).

Weitere Informationen Linie, Zuglauf ...
Linie Zuglauf Takt
RB 90 Westerwald-Sieg-Bahn:
(Kreuztal Siegen-Geisweid Siegen-Weidenau –)* Siegen Hbf Eiserfeld (Sieg) Niederschelden Nord Niederschelden Mudersbach Brachbach Freusburg Siedlung Kirchen Betzdorf (Sieg) Scheuerfeld (Sieg) Niederhövels Wissen (Sieg) Etzbach Au (Sieg) Geilhausen Hohegrete Breitscheidt (Kr Altenkirchen Ww) Kloster Marienthal (wochentags zweistdl.) Obererbach Altenkirchen (Westerwald) Ingelbach Hattert Hachenburg Unnau-Korb Nistertal-Bad Marienberg (– Büdingen (Westerw) Enspel Rotenhain) (zweistündlich) Langenhahn Westerburg Willmenrod Berzhahn Wilsenroth Frickhofen Niederzeuzheim Hadamar Niederhadamar Elz (Kr Limburg/Lahn) Staffel Diez Ost Limburg (Lahn)
* einzelne Züge an Werktagen
Stand: Fahrplanwechsel Dezember 2025
60 min
30 min (Siegen-Betzdorf)
Schließen

Literatur

  • Andreas Böttger: Vom Sammler zum Museumsdirektor. In: Brexposé 11. September 2015, S. 35–37.
  • Thomé: Führer über die Linien des Bezirks der Reichsbahndirektion Frankfurt (Main). Hrsg.: Reichsbahndirektion Frankfurt am Main. Frankfurt 1926, S. 121.
  • Willi Merzhäuser / Hans-Jürgen Wenzel: Eisenbahnen im Westerwald – Zwischen Sieg und Lahn. EK-Verlag, Freiburg 1996, ISBN 978-3-88255-579-0.

Einzelnachweise

Related Articles

Wikiwand AI