Bahnstrecke Herborn–Montabaur

Bahnstrecke in Rheinland-Pfalz From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Bahnstrecke Herborn–Montabaur, auch Westerwaldquerbahn genannt, ist eine Nebenbahn in Hessen und Rheinland-Pfalz. Die von 1906 bis 1910 eröffnete Bahnstrecke führte ursprünglich von Herborn über Driedorf, Fehl-Ritzhausen und Westerburg nach Montabaur. Ab 1959 wurde der Verkehr schrittweise eingestellt. Heute ist nur noch der Abschnitt zwischen Wallmerod und Montabaur für den Güterverkehr in Betrieb.

Weitere Informationen Herborn (Dillkr)–Montabaur ...
Herborn (Dillkr)–Montabaur
Streckennummer (DB):3722 (Herborn–Erdbach)
3747 (Erdbach–Montabaur)
Kursbuchstrecke (DB):425 (1981)
Streckenlänge:74,3 km
Spurweite:1435 mm (Normalspur)
Streckenklasse:D4
Maximale Neigung: 20 
Streckengeschwindigkeit:50 km/h
Zugbeeinflussung:
Legende
Strecke
von Gießen
Bahnhof
0,000 Herborn (Dillkr) 207 m
Abzweig ehemals geradeaus und nach links
nach Niederwalgern und nach Siegen
Kreuzung geradeaus oben (Strecke geradeaus außer Betrieb)
Niederwalgern–Herborn / Siegen–Gießen
Brücke über Wasserlauf (Strecke außer Betrieb)
Dill
Haltepunkt / Haltestelle (Strecke außer Betrieb)
1,530 Burg (Dillkr) West
Strecke (außer Betrieb)
Bundesautobahn 45
Bahnhof (Strecke außer Betrieb)
4,290 Uckersdorf
Brücke über Wasserlauf (Strecke außer Betrieb)
Amdorfbach
Bahnhof (Strecke außer Betrieb)
5,590 Amdorf
Kopfbahnhof Streckenanfang und quer (Strecke außer Betrieb)Abzweig nach rechts und von rechts (Strecke außer Betrieb)
8,260 Erdbach (Dillkr)
Tunnel (Strecke außer Betrieb)
Erdbacher Tunnel (110 m)
Bahnhof (Strecke außer Betrieb)
11,620 Schönbach (Dillkr)
Brücke über Wasserlauf (Strecke außer Betrieb)
Amdorfbach, Gusternhainer Straße
Tunnel (Strecke außer Betrieb)
Schönbacher Tunnel (97 m)
Bahnhof (Strecke außer Betrieb)
14,300 Steinringsberg
Bahnhof (Strecke außer Betrieb)
17,020 Roth (Dillkr)
Brücke (Strecke außer Betrieb)
Rehbachtalbrücke
Bahnhof (Strecke außer Betrieb)
20,330 Driedorf (Dillkr)
Bahnhof (Strecke außer Betrieb)
23,030 Mademühlen
Strecke von links (außer Betrieb)Abzweig geradeaus und nach rechts (Strecke außer Betrieb)
Neutrassierung wegen Krombachtalsperre
Brücke (Strecke außer Betrieb)Brücke (Strecke außer Betrieb)
Rehbach
Grenze (Strecke außer Betrieb)Grenze (Strecke außer Betrieb)
24,530 Landesgrenze Hessen / Rheinland-Pfalz
Strecke nach links (außer Betrieb)Abzweig geradeaus und von rechts (Strecke außer Betrieb)
Brücke (Strecke außer Betrieb)
Rehbach
Bahnhof (Strecke außer Betrieb)
26,790 Rehe 563 m
28,600 Scheitelpunkt 565 m
Brücke (Strecke außer Betrieb)
Bundesstraße 54
Bahnhof (Strecke außer Betrieb)
31,420 Rennerod (Westerw) 516 m
Bahnhof (Strecke außer Betrieb)
34,670 Niederroßbach-Neustadt
Bahnhof (Strecke außer Betrieb)
37,280 Fehl-Ritzhausen 474 m
Abzweig geradeaus und nach rechts (Strecke außer Betrieb)
nach Erbach
Brücke über Wasserlauf (Strecke außer Betrieb)
38,000 Nister
Haltepunkt / Haltestelle (Strecke außer Betrieb)
39,200 Grube Alexandria
Bahnhof (Strecke außer Betrieb)
40,160 Höhn (Westerw) 487 m
Haltepunkt / Haltestelle (Strecke außer Betrieb)
43,700 Halbs (Westerw)
Bahnhof (Strecke außer Betrieb)
45,590 Hergenroth (Westerw) 406 m
Haltepunkt / Haltestelle (Strecke außer Betrieb)
46,260 Liebfrauenkirche [1]
Brücke (Strecke außer Betrieb)
Hülsbachtalbrücke (225 m)
Abzweig ehemals geradeaus und von rechts
von Altenkirchen (Westerw)
Bahnhof
48,300 Westerburg (Inselbahnhof) 367 m
Abzweig ehemals geradeaus und nach rechts
nach Limburg (Lahn)
Kreuzung geradeaus oben (Strecke geradeaus außer Betrieb)
Altenkirchen (Westerw)–Limburg (Lahn) (ÜW)
Bahnhof (Strecke außer Betrieb)
50,450 Sainscheid 375 m
Bahnhof (Strecke außer Betrieb)
53,130 Kölbingen 375 m
Bahnhof (Strecke außer Betrieb)
55,760 Elbingen (Oberwesterw)
Bahnhof (Strecke außer Betrieb)
58,380 Herschbach (Oberwesterw) 341 m
Betriebs-/Güterbahnhof Strecke bis hier außer Betrieb
60,130 Wallmerod (Westerw) 328 m
Abzweig geradeaus und von links
61,649 Anst Villeroy & Boch II
Dienststation / Betriebs- oder Güterbahnhof
64,262 Meudt (Westerw) 327 m
Abzweig geradeaus und von links
66,000 Anst Fuchs
Brücke
Bundesstraße 255 (seit 2016)
Blockstelle
67,100 Niederahr 295 m
Abzweig geradeaus und von rechts
Anst
Dienststation / Betriebs- oder Güterbahnhof
68,815 Moschheim 283 m
Abzweig geradeaus und von links
Anst
Blockstelle
70,875 Bannberscheid-Staudt 264 m
Abzweig geradeaus und ehemals von links
Anst
ehemalige Blockstelle
72,300 Montabaur Selbach
Abzweig geradeaus und von links
von Staffel
Strecke
Bundesautobahn 3
Kilometer-Wechsel
73,477 StrUeb 3731 3747 4646
Strecke von linksAbzweig ehemals geradeaus und nach rechts
(Neutrassierung 2000)
Abzweig geradeaus und von linksKreuzung (Strecke geradeaus außer Betrieb)
Schnellfahrstrecke von Frankfurt
BahnhofStrecke (außer Betrieb)
Montabaur (Regio) (seit 10. Juli 2000)
StreckeBahnhof (Strecke außer Betrieb)
74,270 Montabaur (bis 6. Juli 2000) 229 m
Abzweig geradeaus und nach linksKreuzung (Strecke geradeaus außer Betrieb)
Schnellfahrstrecke nach Köln
Strecke nach linksAbzweig ehemals geradeaus und von rechts
Strecke
nach Siershahn

Quellen: [2][3][4]
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Geschichte

Langwierige Vorgeschichte

Bereits das Herzogtum Nassau wünschte sich in den 1850er Jahren eine Bahnverbindung von Herborn über Rennerod nach Hadamar, die dort an weitere geplante überregionale Bahnstrecken anschließen sollte. Dieser Plan als auch weitere aus den 1870er Jahren kamen unter anderem wegen fehlender finanzieller Mittel oder fehlender Unterstützung der beteiligten Staaten nicht zustande. Erneute Pläne für die Westerwaldquerbahn kamen Ende der 1880er Jahre nach der Fertigstellung der Bahnstrecke Limburg–Altenkirchen auf.[5.1] Es folgten langwierige Auseinandersetzungen über den genauen Streckenverlauf sowie zahlreiche Vorschläge für verschiedene Streckenverläufe. Mehrere konkurrierende Eisenbahnkomitees versuchten, einen jeweils den Interessen der beteiligten Ortschaften entsprechend nützlichen Trassenverlauf zu erreichen. Motivation war, wie für alle Bahnprojekte im Westerwald, die bessere Erschließung der Rohstoffquellen (Ton, Basalt, Eisenerz und Braunkohle). Die Anbindung der an diesen Abbaustellen entstandene Weiterverarbeitungsbetriebe, eine bessere Beförderung der zahlreichen Wanderarbeiter der Region zu den industriellen Zentren und allgemein die wirtschaftliche Aufwertung der ärmlichen Region. Zudem wünschte sich der Ort Marienberg als Verwaltungssitz des Oberwesterwaldkreises ebenfalls einen Bahnanschluss. Auch die Eisenbahndirektionen Cöln und Frankfurt stritten sich über die richtige Wahl der Anschlussbahnhöfe. Im Februar 1896 einigte man sich zumindest so weit, dass die geplante Trassenführung von Herborn über Erbach oder Westerburg Richtung Siershahn oder Montabaur führen sollte. Die neue Strecke sollte nun als staatliche Nebenbahn gebaut werden, die ebenfalls angedachten Ausführungen als Schmalspur- oder Privatbahn standen nicht mehr zur Debatte. Die geplanten Baukosten sollten circa 10 Millionen Mark betragen.[5.1]

Am 20. Mai 1898 genehmigte der preußische Landtag den Bau von Herborn bis zu einem noch zu bestimmenden Einmündungspunkt in die Bahnstrecke Limburg–Altenkirchen und weiter westlich bis nach Montabaur oder Siershahn an der Bahnstrecke Staffel–Siershahn. Zusätzlich sollte Marienberg durch eine kurze Stichstrecke erschlossen werden. Die Baukosten bis Westerburg waren diesmal mit nur noch rund sieben Millionen Mark veranschlagt, an denen sich die Gemeinden an der Strecke mit etwa 0,5 Millionen Mark beteiligen sollten. Trotz erster Vorarbeiten konnte man sich immer noch nicht auf einen alle Beteiligten zufrieden stellenden Trassenverlauf einigen. Zunächst war noch von drei Querbahnen zwischen den Bahnstrecke Limburg–Altenkirchen und Bahnstrecke Engers–Au bzw. Bahnstrecke Staffel–Siershahn die Rede. Nachdem 1901 die Kleinbahn Selters–Hachenburg eröffnet wurde, dann nur noch zwei. Immerhin war der Trassenverlauf Herborn–Rennerod mittlerweile unumstritten, hier begannen 1903 die ersten Bauarbeiten.[5.2][6.1]

Bahnbau und Eröffnung in mehreren Etappen

Bahnhof Erdbach (vor 1914)
Bahnhof Rennerod (um 1910)

Geplant war ursprünglich eine Fertigstellung der Bahnstrecke innerhalb von 26 Monaten, obwohl zwei Tunnel sowie mehrere große Brücken zu errichten waren. Im September 1903 begannen die eigentlichen Bauarbeiten, nachdem es zuvor unter anderem Probleme beim Ankauf der nötigen Grundstücke für den Bahnbau gegeben hatte. Schlechtwetter, Probleme beim Untergrund und Hangrutschungen verursachten weitere Verzögerungen. Im Mai 1905 waren die Erdarbeiten, die hauptsächlich von Italienern durchgeführt wurden, weitestgehend abgeschlossen. Durch den Bergarbeiterstreik von 1905 im Ruhrgebiet fehlte es allerdings nun an Baumaterialien. Am 30. April 1906 fand die Eröffnungsfeier für das fertiggestellte Teilstück Herborn–Driedorf statt, einen Tag später wurde der planmäßige Betrieb aufgenommen. Die Fortsetzung Driedorf–Rennerod wurde nach dem Abschluss der fehlenden Arbeiten am Bahnhof Rennerod am 1. Oktober 1906 eröffnet.[5.3]

Für den Anschlussbahnhof Westerburg anstelle von Erbach entschied man sich endgültig 1904/1905. Zugleich mit der Strecke Richtung Westerburg begann man mit den Bauarbeiten für die Stichbach von Fehl-Ritzhausen nach Marienberg. Hier waren ebenfalls wieder aufwendige Brückenbauwerke zu errichten. Am 16. Juli 1907 konnte der neue Streckenabschnitt Rennerod–Westerburg feierlich eröffnet werden. Die ursprünglich geplanten Baukosten wurden aber um fast eine Million Mark überschritten. Ursachen waren neben den Verzögerungen auch eine leicht geänderte Streckenführung auf dem Teilstück Rennerod–Westerburg.[5.4]

Die Weiterführung von Westerburg nach Montabaur wurde 1905 genehmigt und man begann gleich mit den nötigen Projektierungsarbeiten. Diese waren 1908 abgeschlossen und man begann mit den Bauarbeiten für das letzte Streckenstück. Aufgrund der Geländeverhältnisse gestaltete sich die Trassierung hier wesentlich einfacher und man konnte auf aufwendige Kunstbauten verzichten. Einzig das Überwerfungsbauwerk zur Bahnstrecke Limburg–Altenkirchen sowie mehrere Straßenbrücken waren zu errichten. Das letzte Teilstück wurde am 1. Juni 1910 eröffnet.[5.5] Ein Wallmeroder Bürger, Karl Hutter, stiftete dieser Bahn einen größeren Geldbetrag, so dass die schon anders geplante Strecke in weitem Bogen nach Südosten in Richtung seines Heimatdorfes umgeleitet wurde.[7] Auch für das letzte Streckenstück wurden die zunächst veranschlagten Baukosten in Höhe von etwa 3,5 Millionen Mark um circa 0,5 Millionen Mark überschritten. Hier waren die Kommunen und Kreise mit 315.000 Mark am Bahnbau beteiligt worden.[5.6]

Ein Weiterbau der Strecke Richtung Rhein oder Lahn scheiterte aus finanziellen Gründen, obwohl sich verschiedene Komitees dafür einsetzten. Trotzdem waren vor 1914 schon einige Vorarbeiten durchgeführt worden, aber nach dem Beginn des Ersten Weltkriegs konnten alle derartigen Vorhaben nicht weitergeführt werden.[5.7]

Betrieb bis 1945

Der durch den Bahnbau gewünschte wirtschaftliche Aufschwung trat ein. Es entstanden zahlreiche neue Betriebe und der wirtschaftliche Abstieg des Hohen Westerwalds wurde unterbunden. Auf dem nordöstlichen Teil bis Westerburg wurden größere Transportleistungen als auf dem Abschnitt von Westerburg nach Montabaur erbracht. Hier beschränkte sich das Verkehrsaufkommen im Güterverkehr vor allem auf den Versand von Stein und Ton. Im Jahr 1913 – das Jahr mit dem größten Verkehrsaufkommen – wurden auf der gesamten Strecke etwa 125.000 Tonnen Waren empfangen sowie circa 375.000 t versendet.[5.8] Im selben Zeitraum verkehrten sechs Personenzugpaare täglich, allerdings gab es keine durchlaufenden Züge, sondern die Reisenden mussten in Westerburg umsteigen. Dazu kamen noch weitere, nur kurze Teilstrecken befahrende Zugpaare.[8]

Durch die Schließung von sieben von acht Braunkohlegruben in den 1920er Jahren sank das Transportaufkommen aber spürbar. Einzig die Grube Alexandria blieb in Betrieb. Nun dominierte vor allem der südliche Streckenabschnitt mit den Tongruben den Güterverkehr, da im nordöstlichen Bereich weitere Steinbrüche den Abbau einstellten. Die grundsätzliche Fahrplangestaltung blieb in den 1930er Jahren ähnlich, auch wenn vier durchgehende Züge auf dem Abschnitt Herborn–Westerburg sowie fünf auf dem Abschnitt Westerburg–Montabaur verkehrten.[5.9] Vereinzelt verkehrten einige Züge davon über Montabaur hinaus bis zum Bahnhof Siershahn.[5.10] Im Gegensatz zu vielen anderen Strecken blieb das Fahrplanangebot während des Zweiten Weltkriegs weitgehend unverändert.[9][10]

Im Westerwald entstanden während des Zweiten Weltkriegs Abschussrampen für die V2-Raketen. Gegen Kriegsende 1944/1945 wurden die Bahnanlagen der Strecke daher mehrfach bombardiert, Schäden entstanden dabei aber nur im Bahnhof Westerburg, der großflächig zerstört wurde.[5.11][5.12] Zahlreiche Wohngebäude entlang der Bahnstrecke wurden aber durch die Angriffe zerstört.

Nach dem Zweiten Weltkrieg

Die Französische Besatzungsmacht ordnete nach dem Zweiten Weltkrieg alle Bahnstrecken im nördlichen Teil ihrer Besatzungszone der Eisenbahndirektion Mainz zu, so auch im Oktober 1945 die Bahnstrecke Herborn–Montabaur zwischen Montabaur und Rehe.[5.13] Auch wurde nach Kriegsende der Fahrplan massiv ausgedünnt.[5.14]

Im Zuge des Baus der Krombachtalsperre von 1946 bis 1949 wurde die Strecke im Bereich der Talsperre nach Norden verlegt.[5.8]

Ab den 1950er Jahren kam es zu Transportrückgängen sowohl im Personen- als auch im Güterverkehr. Zumindest im Personenverkehr wurde durch den Einsatz von Schienenbussen der Baureihe VT 95 und der Einrichtung von neuen Haltepunkten der Niedergang kurzfristig aufgehalten.[5.15] Die Strecke wurde nun in einer Fahrplantabelle unter der Kursbuchnummer 251 f dargestellt, es bestanden aber weiterhin kaum durchgehende Zugverbindungen, man musste immer noch in Westerburg umsteigen. Der Abschnitt Montabaur–Westerburg wurde zum 2. November 1954 auf vereinfachten Nebenbahnbetrieb umgestellt[11], der Abschnitt Westerburg–Fehl-Ritzhausen folgte zum 22. Mai 1955[12], was zum 1. Juni 1969 bis Rennerod ausgedehnt wurde.[13] Zudem wurde der Bahnhof Hergenroth 1959 zum Haltepunkt herabgestuft[14], der Bahnhof Kölbingen 1967.[15]

Niedergang ab 1959

Weitere Informationen Von, Nach ...
Von Nach Einstellung
PV
Einstellung
GV
Stilllegung
HerbornSchönbach31. Mai 198027. September 1985
SchönbachSteinringsberg22. Mai 19661. Juni 1984
SteinringsbergDriedorf31. Mai 1959
DriedorfMademühlen1. April 1974
MademühlenRennerod[16]1. Januar 1967
RennerodWesterburg30. Mai 198118. April 1995 25. April 1998[17]
WesterburgWallmerod30. Mai 1985
WallmerodMontabaurin Betrieb
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Am 31. Mai 1959 wurde der Personenverkehr zwischen Steinringsberg und Rennerod eingestellt. Die letzte Braunkohlegrube musste 1961 die Förderung aufgeben, danach fiel der Güterverkehr im Abschnitt zwischen der Bundeslandgrenze und Westerburg auf ein Minimum. Im Bahnhof Rehe betrug das Verkehrsaufkommen im gesamten Jahr 1957 beispielsweise knapp 300 t, dazu kamen 260 verkaufte Fahrkarten. Einzig ein Schotterwerk bei Hergenroth und die Einrichtung der Alsberg-Kaserne 1957 in Rennerod verschaffte der Bahn in diesem Bereich noch nennenswertes Transportaufkommen. Der Personenverkehr auf dem Abschnitt Schönbach–Steinringsberg wurde am 22. Mai 1966 eingestellt. Eine zusätzliche Abwanderung der Fahrgäste zum Busverkehr erfolgte durch im Fahrplan abgedruckte direkte Busverbindungen zwischen Rennerod und Herborn. Der faktisch nicht mehr vorhandene Güterverkehr auf dem Abschnitt Mademühlen–Rennerod wegen schlechtem Oberbauzustand am 1. Januar 1967, nachdem hier bereits jahrelang die Gleisunterhaltung auf das absolute Minimum reduziert worden war. Seitdem war die Strecke zweigeteilt.[5.16]

Mit der schrittweisen Auflösung der Bundesbahndirektion Mainz in den Jahren 1971/72 fiel die Zuständigkeit für den Abschnitt zwischen Rennerod bis kurz vor Montabaur zum 1. Januar 1971 an die Bundesbahndirektion Frankfurt/M.[18][5.17]

Am 13. August 1973 kam es im Bahnhof Erdbach zu einem spektakulären Unfall. Durch den Eingriff Betriebsfremder im Streckenabschnitt Rehe–Mademühlen wurden die Handbremse von 16 auf der Strecke abgestellten Güterwagen gelöst, wodurch diese im Gefälle bergabwärts zu rollen begannen. Nach 15 Kilometern und Querung von 20 Bahnübergängen trafen sie auf den Prellbock des Spitzkehren-Bahnhofs Erdbach, überfuhren ihn und schlugen 50 Meter weiter in ein Wohnhaus ein, in dem eine Frau ums Leben kam.[19] Bereits am 13. Dezember 1910 hatte hier ein unzureichend gebremster Güterzug den Prellbock überfahren.[5.18]

Güterzug im Bahnhof Schönbach (1980)

Der Güterverkehr auf dem kurzen Streckenstück von Driedorf nach Mademühlen wurde am 1. April 1974 eingestellt, im Anschluss daran wurde die Strecke auf dem Abschnitt Driedorf–Rennerod abgebaut. Der Personenverkehr Herborn–Schönbach wurde am 31. Mai 1980 beendet. Güterverkehr von Herborn bis Driedorf fand noch bis zum 1. Juni 1984 statt, danach wurde von Herborn aus nur noch Schönborn bis zum 27. September 1985 bedient. Die Gleise wurden 1985 und 1989/1990 abgebaut.[5.16]

Auf dem südlichen Streckenabschnitt Rennerod–Westerburg–Montabaur wurde am 30. Mai 1981 der Personenverkehr eingestellt. Der Güterverkehr von Westerburg bis Wallmerod wurde noch bis zum 25. September 1983 durchgeführt. Zwischen Westerburg und Wallmerod wurde 1989 ein Bahntrassenradweg eröffnet,[20] die Gleisanlagen waren hier 1987/1988 entfernt worden. Obwohl eine Spedition nordöstlich des Bahnhofs Rennerod etwa 2,5 Mio. DM für einen neuen Gleisanschluss investieren wollte, wurde dieses Vorhaben von der Deutschen Bahn 1994 blockiert. Die Hülsbachtalbrücke bei Westerburg wurde am 18. April 1995 wegen Baufälligkeit eines Pfeilers für den Verkehr gesperrt, damit war der sporadische Güterverkehr auf dem Abschnitt Rennerod–Westerburg ebenfalls zum Erliegen gekommen. Vom Niedergang ausgenommen blieb einzig das Streckenstück Wallmerod–Montabaur, von wo aus Anfang der 1990er Jahre jährlich etwa 650.000 t Ton vorrangig nach Italien versendet wurden.[5.15] Die Gleise in dem Abschnitt wurden im Frühjahr 1993 erneuert.[21.1] Im Sommer 2000 wurde die Streckenführung im Stadtbereich von Montabaur geändert, als der dortige Bahnhof an den neugebauten Bahnhof an der Schnellfahrstrecke Köln–Rhein/Main verlegt wurde.

Aktueller Betrieb

Ladestelle Moschheim (2016)

Nur noch zwischen Wallmerod und Montabaur dient die Strecke als Teil der Infrastruktur von DB InfraGO bis heute dem Güterverkehr. DB Cargo befördert dort in Ganzzügen Ton aus den Tongruben rund um Wallmerod (u. a. Villeroy & Boch). Die Strecke wird im Zugleitbetrieb betrieben. Zugleiter ist der Fahrdienstleiter Montabaur.[3]

Die 2002 gegründete Interessengemeinschaft Westerwald-Querbahn e. V. (IWQ) hat den Abschnitt Westerburg–Rennerod gepachtet und strebt eine abschnittweise Instandsetzung als Touristikbahn an. Seit April 2014 finden auf dem sechs Kilometer langen und von der IWQ betreuten Teilstück zwischen Fehl-Ritzhausen und Rennerod Fahrten mit Handhebeldraisinen statt.[22] Eine Weiterführung ist für die kommenden Jahre geplant, bis 2026 konnten große Teile der Strecke bis Westerburg freigeschnitten und bereits entfernte Bahnübergänge wiederhergestellt werden.

Infrastruktur

Mit der Spitzkehre in Erdbach, den beiden Tunneln bei Erdbach und Schönbach sowie den beiden unter Denkmalschutz stehenden Stahlträgerviadukten der Hülsbachtalbrücke in Westerburg und der Fischbauchträgerbrücke bei Fehl-Ritzhausen wies sie einige bauliche Besonderheiten auf.

Fahrzeugeinsatz

Zuständig für den Lokomotiveinsatz waren die Bahnbetriebswerke Altenkirchen, Dillenburg und Gießen. Lokomotiveinsatzstellen für den Fahrzeugeinsatz auf der Strecke bestanden in Herborn, Rennerod und Westerburg, zudem verkehrten auch Loks der Einsatzstellen Marienberg und Siershahn planmäßig auf der Strecke.

Zunächst wurden Loks der Baureihen T 9.1 (Baureihe 90.0–2), T 9.2 und T 9.3 (Baureihe 91.3–18) eingesetzt,[5.19] Güterzüge wurden auch mit Lokomotiven der Baureihe G 7.2 bespannt.[5.20] Anfangs kamen auch Loks der Baureihe T 3 zum Einsatz, diese erwiesen sich aber als zu leistungsschwach für die neigungsreiche Strecke.[5.21]

Ab 1923 wurden Lokomotiven der Baureihe 93.5–12 vor Ort stationiert, ab 1926 waren dann auch die Baureihen 55.25–56 und 94.5–17 im Einsatz. Güterzüge wurden seit den 1930er Jahren auch mit der Baureihe 58.10–21 bespannt. Anfang der 1950er Jahre kamen zusätzlich die Baureihen 50 und 93.0–4 auf der Strecke zum Einsatz. Ab 1954 wurden die meisten Personenzüge mit Triebwagen der Baureihe VT 95 gebildet.[5.22]

Kurzzeitig waren in den 1960er und 1970er Jahren auf dem südlichen Streckenteil auch Züge mit Dampflokomotiven der Baureihe 82 bespannt.[5.23][23] Der Dampflokeinsatz auf beiden Streckenteilen wurde 1975 beendet, der zuletzt ausschließlich mit der Baureihe 50 durchgeführt wurde.[6.2] Im Güterverkehr kamen seit den 1970er Jahren vorrangig Loks der Baureihen 211, 212, 213, 215, 216 und 290 zum Einsatz. Im letzten Fahrplanjahr auf dem Abschnitt Rennerod–Montabaur wurden die Schienenbusse durch Akkutriebwagen der Baureihe 515 ersetzt.[5.24]

Stand 2026 kommt im verbliebenen Güterverkehr vor allem die Baureihe 261 zum Einsatz,[24] während in den 1990er Jahren die Baureihen 213 und 290[21.2] sowie in den 2000er Jahren vorrangig die Baureihe 294 verwendet wurde.[6.2]

Literatur

  • Willi Merzhäuser / Hans-Jürgen Wenzel: Eisenbahnen im Westerwald – Zwischen Sieg und Lahn. EK-Verlag, Freiburg 1996, ISBN 3-88255-579-3.
  • Udo Kandler: Eisenbahnen im Westerwald. Eisenbahn-Journal Sonderausgabe I/92, Hermann Merker Verlag, Fürstenfeldbruck 1992, ISSN 0720-051X.
  • Udo Kandler: Hoch über den Westerwald. Streckenjubiläum 100 Jahre Westerwaldquerbahn. In: Eisenbahn-Journal. Band 5, 2006, S. 26–33.
  • Ulrich Schoth, Michael Reeh, Manuel Zimmermann: 100 Jahre Eisenbahnstrecke Westerburg–Rennerod 1907–2007. Hellenhahn 2007.
  • Konrad Fuchs: Die Erschließung des Westerwaldes durch die Eisenbahn, in: Nassauische Annalen 72. Band, 1961. S. 143–159

Film

Einzelnachweise

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