Bahnstrecke Weiden–Oberkotzau
Bahnstrecke in Bayern
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Die Bahnstrecke Weiden–Oberkotzau ist eine zweigleisige, nicht elektrifizierte Hauptbahn in Bayern. Sie schließt in Weiden in der Oberpfalz an die Bahnstrecke Regensburg–Weiden an und führt über Marktredwitz nach Oberkotzau, wo sie in die Bahnstrecke Bamberg–Hof einmündet. Die Strecke ist Bestandteil des TEN-V-Korridor Skandinavien – Mittelmeer im Teilabschnitt Leipzig – Hof – Regensburg – München und somit Teil der überregionalen Fernverbindungen in Süd-Nord-Richtung von München über Hof nach Leipzig („Ostkorridor Süd“) und in West-Ost-Richtung von Nürnberg über Marktredwitz nach Dresden („Franken-Sachsen-Magistrale“).[3] Mit dem Ausbau der beiden Magistralen soll die Strecke durch den Neubau eines dritten Streckengleises parallel zur Bahnstrecke Bamberg–Hof über ihren bisherigen Endpunkt Oberkotzau hinaus bis Hof Hbf verlängert und auf der gesamten Streckenlänge durchgehend elektrifiziert werden.
Geschichte
Die Strecke wurde in mehreren Teilabschnitten von 1864 bis 1882 eröffnet.
Der Abschnitt zwischen Weiden und Wiesau wurde am 15. August 1864 als Teil der Strecke Weiden–Mitterteich (Abschnitt Wiesau–Mitterteich später Teil der heute stillgelegten Bahnstrecke Wiesau–Cheb), gebaut und, bis zur Verstaatlichung 1876, betrieben von der AG der Bayerischen Ostbahnen, dem Verkehr übergeben.[4]
Als Teil der Fichtelgebirgsbahn errichteten die Königlich Bayerischen Staats-Eisenbahnen den Abschnitt Marktredwitz–Oberkotzau als Verbindung der Bahnstrecke Nürnberg–Cheb mit der Bahnstrecke Bamberg–Hof. Die Strecke Oberkotzau–Holenbrunn wurde am 15. August 1877,[5] der Abschnitt Marktredwitz–Holenbrunn der Strecke Schnabelwaid–Holenbrunn am 15. Mai 1878[6] in Betrieb genommen. Am 1. Juni 1882 wurde als letzter Abschnitt zwischen Weiden und Oberkotzau die direkte Verbindung zwischen Wiesau und Marktredwitz eröffnet.[7]



Bis um 1900 war die Strecke eingleisig. Der Ausbau auf zwei Gleise bereitete im – auf dem Gebiet der Ortschaft Pechbrunn gelegenen – Bahnhof Groschlattengrün Probleme. Er lag unmittelbar am örtlichen Basaltwerk, das nicht versetzt werden konnte. Am 30. und 31. Oktober 1900 wurde daher das Empfangsgebäude von seinem Fundament abgetrennt, um vier Zentimeter angehoben und um zehn Meter verschoben. Während dieser Aktion ging der Betrieb, auch im Gebäude, ohne nennenswerte Unterbrechungen weiter.[8]
Am 9. Juli 1939 kam es zu einem schweren Eisenbahnunfall in der südlichen Bahnhofseinfahrt von Marktredwitz.[9] Der D 25 von München Hbf nach Berlin Anhalter Bf fuhr bei der Drei-Bögen-Brücke auf stehende Güterwagen auf, die von einem vorausfahrenden Güterzug abgetrennt worden waren. Die beiden Lokomotiven des Schnellzugs, die preußischen P 8 38 2145 und 38 2401, sowie die ersten Wagen des Zugs entgleisten und stürzten von der Brücke.[10]
Ausbau und Elektrifizierung
Im Rahmen des Bahnausbau Nordbayern soll die gesamte Strecke sukzessive erneuert, hinsichtlich der Anforderungen des Deutschlandtakts ausgebaut und durchgehend elektrifiziert werden. Der Ostkorridor Süd zwischen Hof und Regensburg/Obertraubling ist nach Angaben der Deutschen Bahn mit über 180 Kilometern Bayerns längste Ausbaustrecke. Die Elektrifizierung soll eine der größten Dieselinseln Deutschlands beseitigen. Sie geht einher mit dem barrierefreien Ausbau von neun Bahnhöfen. Nach Angaben der Deutschen Bahn schaffe dies die Voraussetzung für die Wiedereinführung einer Fernverkehrsverbindung München – Regensburg – Hof – Chemnitz – Dresden mit nordostbayerischen Halten in Schwandorf, Weiden, Wiesau, Marktredwitz und Hof. Mittels Streckenverkürzungen soll die Fahrzeit zwischen Regensburg und Hof um 20 Minuten reduziert werden.[11]
Bereits vorab zum Streckenausbau werden fortlaufend Signale und Stellwerke sowie Gleise und Weichen erneuert, unter anderem im Abschnitt Neustadt/Waldnaab – Wiesau, im Bahnhof Marktredwitz und in Hof Hbf.[12][13][14][15] In Marktredwitz besteht seit 1993 ein ESTW-Z (Elektronisches Stellwerk), an welches seit 2003 die ESTW-A Wunsiedel-Holenbrunn, Marktleuthen und Martinlamitz angebunden sind. Zunächst erfolgte die Bedienung mit Grafiktablett und Bedienstift, seit der Hochrüstung am 17. Juli 2013 durch einen Standardbedienplatz mit Mausbedienung.[16] Im Stellwerk Weiden wurde 2008 ebenfalls ein neues ESTW-Z eingerichtet, um die Signaltechnik des Bahnhofs Neustadt/Waldnaab anzubinden.[17] Im ESTW-Z Marktredwitz wurden 2024 die Fahrdienstleiter-Arbeitsplätze modernisiert, das Bedienleitsystem hochgerüstet und die Software gewechselt, um die neuen ESTW-A Pechbrunn und Schirnding inkl. der Ausrüstung mit European Train Control System anbinden zu können. Im Bahnhof Pechbrunn wurden 2024 die Gleise, Weichen sowie die gesamte Ausrüstungstechnik erneuert. Dabei wurde das ehemalige Spurplanstellwerk aus dem Jahr 1956 durch ein modernes ESTW-A ersetzt. In Marktredwitz wurde ein Zugdeckungssignal in Betrieb genommen und im Streckenabschnitt Pechbrunn – Marktredwitz wurde Gleiswechselbetrieb mit einer Blockverdichtung eingerichtet.[18][19][20][21][22]
Der Ausbau und die Elektrifizierung der Bahnstrecke sind Teil des aktuellen Bundesverkehrswegeplan aus dem Jahr 2016 unter den Kurzbezeichnungen „Franken-Sachsen-Magistrale“ und „Ostkorridor Süd“, die Realisierung soll zunächst von Norden her erfolgen. Dies knüpft an die Elektrifizierung von Reichenbach nach Hof an, welche 2013 fertiggestellt wurde.[23] Die daran anschließenden Bauabschnitte 21 und 22 des Bahnausbau Nordbayern in der Stadt Hof sowie in Döhlau, Oberkotzau und Schwarzenbach an der Saale im Landkreis Hof sind Teil von 3 Ausbauvorhaben aus dem Bundesschienenwegeausbaugesetz, der vom Bund beauftragen ABS München – Landshut – Obertraubling – Regensburg – Marktredwitz – Hof (Projektbündel 9 der Neuen Vorhaben, Vordringlicher Bedarf) und der ABS Nürnberg – Marktredwitz – Hof/Grenze D/CZ (Projekt Nr. 17 der Neuen Vorhaben, Vordringlicher Bedarf) sowie der vom Freistaat Bayern beauftragten „Oberfrankenachse“ ABS Hochstadt-Marktzeuln – Hof (Projekt Nr. 5 der Neuen Vorhaben, Potentieller Bedarf).[24][25][26] Die Bauabschnitte 21 und 22 umfassen den Ausbau und die Elektrifizierung von 26 Streckenkilometern auf 5 Bahnstrecken mit drei Bahnhöfen und stellen damit die erste Etappe der Elektrifizierung in Richtung Regensburg, Nürnberg und Bayreuth / Bamberg dar.[27][28] Dabei ist geplant, die Strecke mit Oberleitungsanlagen auszurüsten, in Oberkotzau einen Schaltposten zu errichten, die Fahrgeschwindigkeit zu erhöhen, mehrere Brücken neu zu errichten, den Haltepunkt Martinlamitz durch Einbau von 4 Weichen betrieblich zum Bahnhof umzuwandeln, den Bahnübergang zwischen Martinlamitz und Oberkotzau aufzulassen, Gleise und Weichen im Bahnhof Oberkotzau und Hof Hbf umfassend umzubauen, ein drittes Streckengleis zwischen Oberkotzau und Hof zu errichten um die Bahnstrecke Weiden – Oberkotzau bis Hof zu verlängern, Überholgleise zu verlängern, die Bahnsteige in Hof Hbf zu erneuern und zu verlängern, neue elektronische Stellwerke ESTW-Z Hof, ESTW-A Oberkotzau und ESTW-A Martinlamitz zu errichten, die Strecke mit ETCS auszurüsten und Lärmschutzmaßnahmen umzusetzen.[29][30] Das Planfeststellungsverfahren hierfür wurde im Mai 2024 durch die DB InfraGO AG beantragt und im März 2026 abgeschlossen, die Baumaßnahmen sollen von 2031 bis 2033 stattfinden. Die Finanzierung für die Bauausführung liegt noch nicht vor.[31][32][33]
An die Bauabschnitte 21 und 22 des Bahnausbau Nordbayern schließt in Oberkotzau die vom Freistaat Bayern im Januar 2026 beauftragte Elektrifizierung der „Oberfrankenachse“, d. h. des Streckenabschnitts Oberkotzau – Rehau der Bahnstrecke Cheb–Oberkotzau und des Streckenabschnitts Oberkotzau – Münchberg der Bahnstrecke Bamberg–Hof an. Für die Baukosten strebt der Freistaat eine Bundesförderung gemäß Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz (GVFG) an. Die Elektrifizierung soll bis Ende 2040 abgeschlossen sein, so dass sukzessive bis Ende 2040 alle Linien des Netzes Regionalverkehr Oberfranken und des Neigetechnik-Netzes Expressverkehr Nordostbayern auf Akku-Züge umgestellt werden können.[34][35][36]
Die Baumaßnahmen im Landkreis Wunsiedel im Fichtelgebirge werden in den Bauabschnitten 23 und 24 zusammengefasst. Die Entwurfs- und Genehmigungsplanung für diese Bauabschnitte soll nach Angaben der Deutschen Bahn 2026 abgeschlossen werden. Über das Planfeststellungsverfahren hatten die DB oder das Eisenbahn-Bundesamt im März 2026 noch keine Informationen veröffentlicht. Mit den Bauabschnitten soll die Bahnstrecke elektrifiziert und mit Lärmschutzwänden ausgestattet werden. Ein Bahnübergang soll aufgelassen werden und mehrere Brücken müssen neugebaut oder angepasst werden.[37] Nach Veröffentlichung der Stadt Marktredwitz sind auch erhebliche Veränderungen im Stadtgebiet von Marktredwitz vorgesehen. Dabei handelt es sich um 2 bis 5 Meter hohe Lärmschutzwände parallel zu den Gleisen sowie Anpassungen bzw. der Neubau von Brücken. Das mit Abstand größte Projekt im Stadtgebiet wird aber die Umgestaltung des Bahnhofsgeländes werden. Neben den komplett neu gestalteten, barrierefreien Bahnsteigen und der Fußgängerunterführung, wird die Gleisstruktur völlig überarbeitet, sodass nach Fertigstellung bis zu drei Überholgleise mit einer Länge von jeweils 740 m ihren Platz bekommen.[38] Der Freistaat Bayern rechnet mit einer Umsetzung bis 2036. Die Finanzierung für die Bauausführung liegt noch nicht vor.[39]
Südlich von Marktredwitz schließen sich weitere Planungsabschnitte des „Ostkorridor Süd“ an, westlich und östlich von Marktredwitz befinden sich weitere Planungsabschnitte der „Franken-Sachsen-Magistrale“. Für die Planungsabschnitte der „Franken-Sachsen-Magistrale“ wurden 2021 die Vorplanungen abgeschlossen. Daraufhin hat das Bundesministerium für Verkehr (BMV) das Ausbauvorhaben im Hinblick auf das Nutzen-Kosten-Verhältnis (NKV) bewertet. Die Bewertung des BMV zeigte ein NKV von 0,6. Ein Planungsübergang in die nächste Planungsphase war somit aufgrund der fehlenden Wirtschaftlichkeit nicht möglich.[40] Für die Planungsabschnitte des Ostkorridor Süd wurde 2018–2021 die Grundlagenermittlung und 2021–2025 die Vorplanung durchgeführt. Nach übereinstimmender Veröffentlichung der DB und der Stadt Marktredwitz warten die Planungsabschnitte aktuell auf eine Entscheidung des Bundes für die Phase 3 Entwurfs- und Genehmigungsplanung.[41][42]
Streckenbeschreibung
Von Weiden führt die Strecke an Wald- und Fichtelnaab entlang über Neustadt an der Waldnaab, Windischeschenbach, Reuth bei Erbendorf nach Wiesau, umfährt den Steinwald auf seiner Ostseite und mündet zusammen mit der Bahnstrecke von Nürnberg von Westen her im Bahnhof von Marktredwitz. Zwischen Weiden und Marktredwitz zweigten von der Strecke vier Nebenbahnen ab: im Keilbahnhof von Neustadt die Strecke nach Eslarn, in Reuth die Strecke nach Erbendorf und in Wiesau die Strecken von Bärnau und nach Eger über Waldsassen. In Reuth begann zudem eine Feldbahnstrecke mit einer Spurweite von 600 mm, die zum ca. sechs Kilometer entfernten Ort Friedenfels führte (siehe Bahnstrecke Reuth–Friedenfels).[43]
Von Marktredwitz aus zweigt die Strecke von jener nach Schirnding und Eger ab und führt über die Orte Holenbrunn, Röslau sowie Marktleuthen gen Norden und durchquert auf dem weiteren Weg nach Hof den östlichen Ausläufer des Fichtelgebirges. Ab Fattigau verläuft die Strecke parallel zur Saale und zur Bahnstrecke von Bamberg und mündet im Bahnhof Oberkotzau in diese ein.
Verkehr und Fahrzeugeinsatz
Bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges war die Strecke Teil der bedeutendsten Fernverbindung im Süden Deutschlands zwischen München, Dresden und Breslau. Im Sommerfahrplan 1939 verkehrten insgesamt elf Schnellzüge über die Strecke. Neben Schnellzügen in der Relation von München nach Dresden, Breslau und weiter ins oberschlesische Beuthen verkehrten auch Fernzüge in den Relationen Wien–Leipzig–Hamburg, Berchtesgaden–Berlin/Dresden und Rom–München–Leipzig–Berlin.[44]
Die Regionalbahn-Leistungen auf der Gesamtstrecke wurden von der Oberpfalzbahn der Vogtlandbahn mit Dieseltriebwagen vom Typ Desiro erbracht. Die Regionalbahn-Leistungen auf dem Streckenabschnitt Marktredwitz–Hof wurden als Teil des von der Bayerischen Eisenbahngesellschaft am 8. Februar 2008 ausgeschriebenen „Dieselnetz Oberfranken“ neu vergeben.
Im Dezember 2012 übernahm die agilis den Regionalverkehr. Es sollte ein verbessertes Betriebsangebot, u. a. eine durchgehende RB-Linie Hof–Marktredwitz geben.[45]
Literatur
- Manfred Bräunlein: Die Ostbahnen. Lorenz Spindler, Nürnberg 2000, ISBN 3-88929-078-7.
