Bainbridge-Ropers-Syndrom
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Das Bainbridge-Ropers-Syndrom ist eine sehr seltene angeborene Erkrankung, die die psychomotorische Entwicklung und intellektuelle Fähigkeiten beeinträchtigt sowie Wachstumsverzögerung und Verformungen des Skeletts hervorruft. Typische Merkmale sind Mikrozephalie, Muskelhypotonie und Gesichtsdysmorphie.[1][2]
| Klassifikation nach ICD-10 | |
|---|---|
| Q87.0 | Angeborene Fehlbildungssyndrome mit vorwiegender Beteiligung des Gesichtes |
| ICD-10 online (WHO-Version 2019) | |
Synonyme sind: Schwere Fütterprobleme mit Gedeihstörungen und Mikrozephalie durch ASXL3-Mangel; BRPS; ASXL3; englisch ASXL3-Related Disorder
Das Syndrom wurde erstmals 2013 von einer internationalen Arbeitsgruppe von Humangenetikern unter Federführung von Matthew N. Bainbridge und Richard A. Ropers beschrieben.[3]
Verbreitung
Die Häufigkeit wird mit unter 1 zu 1.000.000 angegeben, bislang wurde über weniger als 100 Betroffene berichtet. Die Vererbung erfolgt autosomal-dominant.[1] Meist handelt es sich um Neumutationen.[2]
Ursache
Der Erkrankung liegen Loss-of-Function-Mutationen im ASXL3-Gen auf Chromosom 18 Genort q12.1 zugrunde.[4][5]
Das Gen besteht aus 12 Exon.[6] Die Mutationen befinden sich in Exon 11.[7]
Das von dem Gen codierte Protein ist eine Komponente eines Enzym-Komplexes, der Ubiquitin von Histon H2A entfernt.[8] Als Modellorganismus für weitere Forschungen dient der Krallenfrosch.
Klinische Erscheinungen
Klinische Kriterien sind:[1][2]
- Manifestation im Kleinkindalter oder zur Neugeborenenzeit
- mitunter bereits Wachstumsverzögerung im Mutterleib
- Verzögerte Sprachentwicklung
- Geistige Behinderung
- Gesichtsdysmorphie mit prominenter Stirn, gebogene und/oder zusammengewachsene Augenbrauen, weiter Augenabstand, schräge Lidspalten, lange spitze Nase mit betontem Nasenrücken, breiter Mund mit ausgestülptem Unterlippenrot, unregelmäßige Zahnstellungen
- Muskelhypotonie (bei 86 %)
- Verhaltensauffälligkeiten (bei 78 %)
- Gedeihstörung und Trinkschwierigkeiten (bei 78 %), auch Gastroösophagealer Reflux (GÖR) und Obstipation
- Skelettveränderungen (bei 74 %) mit marfanoidem Körperbau, Kielbrust, Skoliose, Arachnodaktylie und Gelenkkontrakturen, Pes planus
- Strabismus (bei etwa 50 %)
- Krampfanfälle (bei 38 %)
Diagnostik
Die Diagnose ergibt sich aus den klinischen Befunden und kann durch humangenetische Untersuchung mit Nachweis einer heterozygoten pathogenen Variante im ASXL3-Gen bestätigt werden. Vorgeburtlich kann die Intrauterine Wachstumsretardierung durch Feinultraschall entdeckt werden.[1][2]
Differentialdiagnose
Abzugrenzen sind andere Syndrome mit geistiger Behinderung und verzögerter Sprachentwicklung, beispielsweise das Cornelia-de-Lange-Syndrom oder das Bohring-Opitz-Syndrom.[9][1]
Behandlung
Entsprechend der verschiedenen betroffenen Systeme sollte die Behandlung multidisziplinär erfolgen einschließlich neurologischer, entwicklungsphysiologischer und augenärztlicher Untersuchungen, Physiotherapie, eventuell Maßnahmen gegen den GÖR.[1][2]
Aussichten
Literatur
- J. C. Ikekwere, F. C. Osuagwu, D. LePlatte, M. Ghaziuddin: Comorbid Psychiatric Aspects of Bainbridge-Ropers Syndrome. In: The primary care companion for CNS disorders. Band 23, Nummer 3, Juni 2021, doi:10.4088/PCC.20m02783, PMID 34086428.
- K. P. Yu, H. M. Luk, J. L. Fung, B. H. Chung, I. F. Lo: Further expanding the clinical phenotype in Bainbridge-Ropers syndrome and dissecting genotype-phenotype correlation in the ASXL3 mutational cluster regions. In: European journal of medical genetics. Band 64, Nummer 1, Januar 2021, S. 104107, doi:10.1016/j.ejmg.2020.104107, PMID 33242595.
- A. Srivastava, K. C. Ritesh, Y. C. Tsan, R. Liao, F. Su, X. Cao, M. C. Hannibal, C. E. Keegan, A. M. Chinnaiyan, D. M. Martin, S. L. Bielas: De novo dominant ASXL3 mutations alter H2A deubiquitination and transcription in Bainbridge-Ropers syndrome. In: Human Molecular Genetics. Band 25, Nummer 3, Februar 2016, S. 597–608, doi:10.1093/hmg/ddv499, PMID 26647312, PMC 4731023 (freier Volltext).