Bajrakitiyabha

thailändische Adelige und Diplomatin (1978–2026) From Wikipedia, the free encyclopedia

Prinzessin Bajrakitiyabha, Fürstin Rajasarinisiribajra, (thailändisch สมเด็จพระเจ้าลูกเธอ เจ้าฟ้าพัชรกิติยาภา นเรนทิราเทพยวดี กรมหลวงราชสาริณีสิริพัชร มหาวัชรราชธิดา, RTGS Somdet Phra Chao Luk Thoe Chao Fa Phatcharakittiyapha Narenthira Thepphayawadi Krommaluang Ratchasarinisiriphat Maha Watchararatchathida, Aussprache: [pʰátt͡ɕʰáʔráʔ kìttìʔyaːpʰaː]; * 7. Dezember 1978 in Bangkok; † 11. Juni 2026 ebenda) war eine thailändische Prinzessin, Juristin, Staatsanwältin und Diplomatin.[1] Sie war das älteste der sieben Kinder des thailändischen Königs Maha Vajiralongkorn (Rama X.) und das einzige Kind aus dessen erster Ehe mit Prinzessin Soamsavali Kitiyakara.[2] Von 2012 bis 2014 vertrat sie Thailand als Botschafterin in Österreich und war zugleich in der Slowakei und Slowenien akkreditiert.[3] Einen Schwerpunkt ihres öffentlichen Wirkens bildeten die Reform des Strafvollzugs und die Rechte weiblicher Gefangener.[1]

Prinzessin Bajrakitiyabha im österreichischen Außenministerium (2013)

Leben

Bajrakitiyabha wurde als erstes Enkelkind des damaligen Königs Bhumibol Adulyadej (Rama IX.) geboren.[4] Sie besuchte zunächst die Heathfield School, eine Mädchenschule in Ascot in England.[3] Anschließend studierte sie Rechtswissenschaft an der Thammasat-Universität und internationale Beziehungen an der Offenen Universität Sukhothai Thammathirat.[4] An der Cornell Law School in den Vereinigten Staaten erwarb sie 2002 den akademischen Grad Master of Laws (LL.M.) und wurde 2005 zum Doctor of the Science of Law (J.S.D.) promoviert.[5][4]

Nach ihrem Studium arbeitete Bajrakitiyabha zunächst bei der thailändischen Ständigen Vertretung bei den Vereinten Nationen in New York.[3] Nach ihrer Rückkehr nach Thailand begann sie 2006 als Staatsanwältin zu arbeiten und war unter anderem bei der Generalstaatsanwaltschaft in Bangkok sowie in verschiedenen Landesteilen eingesetzt.[6][1]

Im Dezember 2011 übernahm sie den Vorsitz der Kommission der Vereinten Nationen für Verbrechensverhütung und Strafrechtspflege in Wien. Am 4. September 2012 ernannte die thailändische Regierung sie zur Botschafterin in Österreich sowie zur ständigen Vertreterin bei den Vereinten Nationen und den internationalen Organisationen in Wien; das Amt trat sie Anfang 2013 an.[4] Ab dem 12. April 2013 war sie zusätzlich in Slowenien[7] und ab Oktober 2013 in der Slowakei akkreditiert.[8] Ihre Botschaftertätigkeit endete 2014.[3]

Im Oktober 2014 kehrte sie nach Thailand zurück und nahm ihre Tätigkeit bei der Generalstaatsanwaltschaft wieder auf, wobei sie unter anderem für die Provinz Nong Bua Lam Phu zuständig war.[1][9] Infolge der Krönung ihres Vaters im Mai 2019 wurde ihr der höchste Prinzessinnenrang Chao Fa verliehen. Am 28. Juli 2019 verlieh ihr der König zusätzlich den Titel Fürstin Rajasarinisiribajra (กรมหลวงราชสาริณีสิริพัชร Krommaluang Rajasarinisiribajra). Sie und zwei ihrer Halbgeschwister erhielten 2019 neue königliche Titel, die als Hinweis auf ihre hervorgehobene Stellung innerhalb der Königsfamilie gewertet wurden.[3]

Im Jahr 2021 ernannte ihr Vater sie zur Stabschefin seiner persönlichen Leibgarde; zugleich erhielt sie den militärischen Rang eines Generals.[1] Bajrakitiyabha galt als sportlich und nahm regelmäßig an Langstreckenläufen und öffentlichen Radsportveranstaltungen teil.[1]

Am 14. Dezember 2022 verlor sie in der nordöstlichen Provinz Nakhon Ratchasima während des Trainings mit ihren Hunden das Bewusstsein.[10] Nach der Erstversorgung in einem nahe gelegenen Krankenhaus wurde sie mit einem Hubschrauber nach Bangkok gebracht und im Chulalongkorn-Krankenhaus behandelt.[10] Als Ursache des Zusammenbruchs wurde eine schwere Herzrhythmusstörung infolge einer durch Mykoplasmen verursachten Entzündung des Herzens angegeben.[1] Sie erlangte das Bewusstsein nicht wieder und war in den folgenden dreieinhalb Jahren auf lebenserhaltende medizinische Maßnahmen angewiesen.[3]

Zwischen dem 8. und 15. Januar 2023 traten 7813 Personen in Thailand vorübergehend in den buddhistischen Mönchsstand ein, um für ihre Genesung zu beten.[11] Am 15. August 2025 teilte das Büro des Königlichen Haushalts mit, dass sie an einer schweren Infektion des Blutkreislaufs erkrankt sei; es handelte sich um die erste ausführlichere Mitteilung zu ihrem Zustand seit mehr als zwei Jahren.[12]

Im April 2026 wurde bei ihr eine Mageninfektion festgestellt, die zu einer Darmentzündung, einem Abfall des Blutdrucks und erneuten Herzrhythmusstörungen führte.[2] Ihre Nierenfunktion und Atmung mussten daraufhin apparativ unterstützt werden.[2] Anfang Mai gab der Palast bekannt, dass mehrere Organe von Infektionen betroffen seien und sich die Herzrhythmusstörungen nicht stabilisieren ließen.[2] Bajrakitiyabha starb am 11. Juni 2026 um 19:48 Uhr Ortszeit im Chulalongkorn-Krankenhaus in Bangkok.[1] Das Königshaus kündigte an, ihren Leichnam im Großen Palast aufzubahren und die Bestattung mit den höchsten königlichen Ehren auszurichten.[10]

Wirken

Bajrakitiyabha setzte sich insbesondere für eine Reform des Strafvollzugs und für die Rechte von Frauen ein, die in einem überwiegend an männlichen Gefangenen ausgerichteten Strafvollzugssystem inhaftiert waren.[3] Sie unterstützte die thailändische Initiative für die 2010 von der Generalversammlung der Vereinten Nationen verabschiedeten „Bangkok Rules“, die Mindestgrundsätze für die Behandlung weiblicher Gefangener sowie nicht freiheitsentziehende Maßnahmen für Straftäterinnen festlegen.[3] Dabei wirkte sie sowohl an der politischen Vorbereitung der Resolution als auch an ihrer internationalen Verbreitung mit.[3]

In Thailand initiierte und unterstützte sie Projekte, die inhaftierten Müttern Beratung und Kinderbetreuung anbieten und ihre gesellschaftliche Wiedereingliederung nach der Haft erleichtern sollten.[3] Darüber hinaus warb sie auch in anderen südostasiatischen Staaten für eine menschenwürdige Behandlung weiblicher Gefangener.[3] Sie wurde zur ehrenamtlichen Goodwill-Botschafterin der Vereinten Nationen für Frauenfragen und für das Büro der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC) ernannt.[10]

Nach ihrer Rückkehr aus Österreich war sie UNODC-Botschafterin für Rechtsstaatlichkeit in Südostasien.[1] In dieser Funktion setzte sie ihre Arbeit an einer Reform des thailändischen Strafjustizsystems fort und wandte sich unter anderem gegen unverhältnismäßig hohe Strafen bei geringfügigen Drogendelikten.[1] Ihre juristische, diplomatische und internationale Tätigkeit machte sie zu einem der öffentlich sichtbarsten und fachlich profiliertesten Mitglieder der thailändischen Königsfamilie.[1]

Stellung in der Thronfolge

König Maha Vajiralongkorn hatte bis zum Tod seiner Tochter keinen offiziellen Thronfolger bestimmt.[1] Bajrakitiyabha wurde deshalb von Beobachtern und Teilen der monarchistischen Öffentlichkeit als mögliche Nachfolgerin ihres Vaters oder als künftige Regentin für ihren Halbbruder Prinz Dipangkorn Rasmijoti betrachtet, ohne dass das Königshaus eine solche Rolle jemals bestätigt hätte.[2][1] Die thailändische Verfassung ermöglicht es dem Kronrat, dem Parlament eine Prinzessin als Thronfolgerin vorzuschlagen, falls der König keinen Nachfolger ernannt hat.[3] Eine regierende Königin hat es in Thailand bislang jedoch nicht gegeben.[2] Die öffentliche Diskussion über die Thronfolge ist wegen der strengen thailändischen Gesetze gegen Majestätsbeleidigung stark eingeschränkt.[2]

Auszeichnungen

Einzelnachweise

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