Balen Shah

nepalesischer Politiker, Bauingenieur und Rapper From Wikipedia, the free encyclopedia

Balendra „Balen“ Shah (Nepali बालेन्द्र शाह; * 27. April 1990 in Kathmandu) ist ein nepalesischer Politiker, Bauingenieur und Rapper.[1] Er war von 2022 bis Januar 2026 Bürgermeister von Kathmandu, trat im Januar 2026 zurück und gewann bei der Parlamentswahl vom 5. März 2026 als Kandidat der Rastriya-Swatantra-Partei (RSP) im Wahlkreis Jhapa-5 gegen den ehemaligen Premierminister Khadga Prasad Oli.[2][3] Seit dem deutlichen Wahlsieg der RSP bei der Parlamentswahl 2026 gilt Shah als sicherer Kandidat für das Amt des Premierministers seines Landes.[4]

Balen Shah (2026)

Leben

Shah absolvierte ein Studium des Bauingenieurwesens am Himalayan WhiteHouse Institute of Technology sowie ein anschließendes Masterstudium in Tragwerksplanung in Indien.[5] Er promoviert zudem an der Universität Kathmandu im Bereich Denkmalpflege.[6] Als Bauingenieur arbeitete er an Straßen, Brücken, Industrieanlagen, Stadien und Wissenschaftsparks in 65 Distrikten Nepals.[6] Shah gehört der ethnischen Minderheit der Madheshi an.[4] Teile seiner Ausbildung absolvierte er in Südindien und befasste sich dort mit Erdbebentechnik.[4] Bekannt wurde er ab 2013 als Rapper und erlangte mit politisch-satirischen Songs rasch Popularität.[7] In seinen Texten thematisierte er Arbeitsmigration, soziale Ungleichheit und den Wunsch nach politischer Veränderung.[8] Seine öffentliche Kommunikation stützt sich stark auf soziale Medien, auf denen er Millionen von Anhängern hat und klassische Medienauftritte oft ersetzt.[9]

Wirken

Bei der Kommunalwahl in Kathmandu erhielt Shah 61.767 Stimmen und gewann als parteiloser Kandidat gegen die Bewerber der Nepalesischen Kongresspartei und der Kommunistischen Partei Nepals (Vereinigte Marxisten-Leninisten).[10] Er war damit der erste parteiunabhängige Bürgermeister der Hauptstadt.[6] In seiner Amtszeit blieb er selbst frei von größeren Skandalen, auch wenn ihm eine grundlegende Eindämmung der Korruption nicht gelang.[4] In seiner Amtszeit führte er Direktübertragungen von Stadtratssitzungen ein, regelte die Müllabfuhr neu und ging streng gegen illegale Bauten, informelle Siedlungen und Straßenhändler vor.[8] Darüber hinaus stieß er Reformen an kommunalen Schulen, Stipendienprogramme, eine Neuordnung des Parkraummanagements und Maßnahmen zum Schutz archäologischer Stätten an.[6] Analysen beschrieben seine Bilanz als Mischung aus spektakulären Durchsetzungsaktionen und erheblichen Umsetzungsproblemen in der Verwaltung, einschließlich Konflikten im Rathaus und sozialen Folgekosten für Betroffene.[11] Ein Leistungsbericht der National Natural Resources and Fiscal Commission stufte Kathmandu unter Nepals sechs Metropolen auf den letzten Platz ein, insbesondere wegen Defiziten im Haushaltsvollzug und in der Verwaltungseffizienz.[6] Im Juni 2023 kündigte er ein Verbot aller indischen Filme in Kathmandu an, solange eine von ihm als beleidigend bewertete Zeile im Film Adipurush nicht geändert werde.[12] Nach den Gen-Z-Protesten im September 2025 gegen Korruption und das Verbot sozialer Medien, die landesweit mit Polizeigewalt eskalierten und 77 Tote hinterließen, wurde Shah zu einem landesweit bekannten Gesicht des Generationenwechsels.[9][2] Der Polizeichef hatte damals den Einsatz tödlicher Gewalt gegen tausende unbewaffnete Demonstrierende angeordnet.[2] Obschon er nach dem Sturz der Regierung als möglicher Übergangskandidat gehandelt wurde, lehnte er eine nicht gewählte Machtposition ab und wollte stattdessen den politischen Wettbewerb an der Wahlurne suchen.[9] Stattdessen unterstützte er die frühere Oberste Richterin Sushila Karki für die Führung der Übergangsregierung, was seine Popularität zusätzlich steigerte.[6] Im Januar 2026 trat er als Bürgermeister zurück und kündigte eine Kandidatur im Wahlkreis Jhapa-5 direkt gegen Oli und einen Antritt für das Amt des Premierministers an.[9] Nach seinem Rücktritt trat er der RSP bei und wurde von deren Führung als Leitfigur des Wahlkampfs inszeniert.[3] Im Februar 2026 veröffentlichte die RSP ein Wahlmanifest, das die Schaffung von 1,2 Millionen Arbeitsplätzen, eine Verringerung erzwungener Arbeitsmigration sowie binnen fünf Jahren eine Erhöhung des Pro-Kopf-Einkommens auf 3.000 US-Dollar und ein Bruttoinlandsprodukt von 100 Milliarden US-Dollar in Aussicht stellte.[2] Die Parlamentswahl 2026 wurde in einem System mit 275 Sitzen durchgeführt, von denen 165 direkt gewählt und 110 proportional vergeben werden.[13] Im Wahlkampf verzichtete Shah weitgehend auf große Ausgaben, suchte häufig persönlich den Kontakt in der Provinz und fuhr seinen Wagen dabei selbst.[4] Seine Wahlkampfführung wurde zudem als bewusst minimalistisch beschrieben: Er vermied längere Medienauftritte, hielt nur wenige ausgedehnte Reden und suchte mit kurzen Bemerkungen, oft in lokalen Dialekten, unmittelbare Nähe zu den Wählern.[6] Er nutzt soziale Medien intensiver als traditionelle Medien, gab jedoch nur selten Interviews, während seine knappen Botschaften teils als mehrdeutig wahrgenommen wurden.[4] Nach der Wahl feierte er in Kathmandu den Sieg mit einer Nationalflagge in der Hand auf dem Dach eines Autos, während Anhänger ihn wie einen Popstar bejubelten.[4] Nepals Wahlkommission bestätigte nach Auszählung der Stimmen für Jhapa-5 68.348 Stimmen für Shah und 18.734 Stimmen für Oli.[2] Die RSP gewann 125 der 165 Direktmandate im Parlament.[4] Nach dem amtlichen Endergebnis errang die RSP insgesamt 182 der 275 Sitze und damit die absolute Mehrheit im Repräsentantenhaus.[6] Zu seinen Verbündeten innerhalb der RSP zählen der Aktivist Sasmit Pokharel und der Sozialaktivist und DJ Sudan Gurung.[4] Am Wahltag bedankte sich Shah öffentlich bei der Übergangspremierministerin Sushila Karki und erklärte, die Demokratie habe unter ihrer Führung gesiegt.[4] Kritik und Sorgen richteten sich auf seine teils impulsiven Äußerungen in den sozialen Medien und auf die Kürze seiner öffentlichen Auftritte.[9]

Commons: Balen Shah – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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