Battenbergturm

Burg in Nordrhein-Westfalen, Deutschland From Wikipedia, the free encyclopedia

Der Battenbergturm ist ein spätmittelalterlicher Wohnturm in Haldern, einem Ortsteil von Rees im nordrhein-westfälischen Kreis Kleve. Er liegt 750 Meter nordöstlich vom Ortskern Haldern, unmittelbar neben einem Bauernhof, und ist ein seltenes Beispiel für einen leicht geschützten Wohnturm im Rheinland.

Battenbergturm in Haldern
Inschrift auf der Südseite

Geschichte

Der Buschkampshof, neben dem der Battenbergturm steht, wurde erstmals 1377 genannt. 1494 belehnte Herzog Johann II. von Kleve den Harnischknecht Amelongh von Escharden mit dem Hof. Amelongh machte Karriere, er wurde 1494 Gerichtsbote und 1498 Richter in Rees und Aspel. Er ist vermutlich der Erbauer des Turms, der Anfang des 16. Jahrhunderts errichtet wurde. Dem Amt des Erbauers verdankt der Turm vermutlich seinen Namen: Batenberg ist der Turm (altdeutsch Berg) des Boten. In der Südseite des Turmes ist mit glasierten Backsteinen die Inschrift: V D M I AE – D H W B I E (Sinnspruch: Verbum Domini Manet In Aeternum (Latein) – Des Herren Wort bleibt in Ewigkeit (Deutsch)) eingefügt. Dies deutet auf eine Erbauung des Turmes während bzw. nach der Reformationszeit hin.[1] Ursprünglich sollte die Anlage mindestens noch ein weiteres Gebäude umfassen, wie der in Resten noch erkennbare Graben und Spuren für den Anschluss hoher Mauern an der Nord- und Westseite vermuten lassen. Diese Gebäude wurden jedoch nie errichtet.

Im Jahr 1639 wurde das Anwesen noch als Rittersitz bezeichnet, jedoch 1674 nicht mehr. 1676 und endgültig 1681 gelangte der Buschkampshof in den Besitz der Familie von Wittenhorst-Sonsfeld, die von ihrer zu Schloss Sonsfeld gehörenden Parkanlage auch eine auf den Battenbergturm ausgerichtete Allee anlegten. Nachdem der Turm in späteren Jahrhunderten als Speicher und Stall genutzt wurde, war der Turm verfallen, als er 1984 vom Heimatverein Haldern auf 50 Jahre gepachtet und bis 1993 saniert wurde. Seitdem ist der Turm Sitz des Heimatvereins Haldern und kann im Sommer jeweils am ersten Sonntag im Monat besichtigt werden.

Anlage

Der Turm hat einen Grundriss von 7,24 Meter mal 7,07 Meter. Es gibt ein niedriges Kellerschoss und darüber zwei Geschosse. Insgesamt ist der Turm etwa 15 Meter hoch. Erbaut ist er aus Backsteinen, mit einer Mauerstärke von 86 Zentimetern. In die östliche Außenmauer ist eine Figur aus glasierten Ziegeln eingelassen, die vermutlich den Erbauer darstellt.

Die beiden Wohngeschosse waren jeweils mit Kaminen heizbar, im Erdgeschoss ist ein Aborterker angebaut, der direkt in den ehemaligen Graben führt. Im Kellergeschoss befinden sich Schießscharten. Die niedrige Mauerstärke und die großzügigen Kreuzstockfenster zeigen jedoch, dass der Turm nur bedingt als Wehrturm dienen sollte.

Auf der Nordseite ist der Eingang. Mauerstreifen an der Nord- und Westseite zeigen, dass man ein Gebäude anbauen wollte, das wohl zur Verteidigung gedient hätte.

Im Abstand von 25 bis 30 Metern gibt es eine rechteckige Grabenanlage um den Turm. Eine Turmallee führte vom ehemaligen Park Sonsfeld zum Battenbergturm. Diese Allee ist noch teilweise erhalten.

Bewertung

Ausstellung im Turm

Von dem Erbauer gibt es nach 1504 keine Urkunden. Warum die Anlage nicht weitergebaut wurde, ist nicht bekannt. Die Benutzungsspuren am Kamin und am Abort zeigen, dass der Turm nur kurze Zeit bewohnt war. Durch die spätere landwirtschaftliche Nutzung unterblieben wesentliche Umbauten, so dass sich der Turm heute in originärem Zustand befindet.

Der Battenbergturm als steinerne Version des niederrheinischen Berfes steht im Rheinland ohne Vorbilder dar. Er ist ein Versuch, im Spätmittelalter Wohnwert und Wehrhaftigkeit zu verbinden, ohne jedoch diese Aufgaben befriedigend erfüllen zu können. Der Heimatverein Haldern e.V. nutzt den Turm: Im Erdgeschoss befindet sich eine Dauerausstellung über die Geschichte des Ortes. Im Obergeschoss finden kulturelle Veranstaltungen statt, und im Dachgeschoss sind Archiv- und Arbeitsräume.

Siehe auch

Literatur

  • Hans Fenger, Rudolf Geerts: Battenbergturm in Haldern. Ein mittelalterliches Juwel. Heimatverein Haldern e.V., 1996.
  • Stefan Frankewitz: Burgen, Schlösser und Herrenhäuser in Rees. Geldern 2006, ISBN 978-3-933969-57-6.
  • Jens Wroblewski, André Wemmers: Theiss-Burgenführer Niederrhein. Konrad Theiss, Stuttgart 2001, ISBN 3-8062-1612-6, S. 24–25.

Einzelnachweise

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