Belagerung von Schweidnitz (1757)

militärische Konfrontation während des Siebenjährigen Krieges From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Belagerung von Schweidnitz war eine militärische Konfrontation während des Siebenjährigen Krieges. Sie dauerte vom 14. Oktober bis zum 14. November 1757. Die von einer preußischen Garnison verteidigte Festung Schweidnitz (polnisch: Świdnica) in Schlesien wurde dabei von kaiserlich-österreichischen Verbänden eingeschlossen und musste nach einem Bombardement und der Erstürmung mehrerer Außenwerke kapitulieren.

AusgangSieg der Österreicher
Schnelle Fakten Datum, Ort ...
Belagerung von Schweidnitz
Teil von: Siebenjähriger Krieg

Belagerung und Eroberung von Schweidnitz; Kupferstich von Johann Martin Will
Datum 14. Oktober bis 14. November 1757
Ort Schweidnitz (Świdnica)
Ausgang Sieg der Österreicher
Konfliktparteien

Preussen Konigreich Preußen

Romisches Reich Heiliges 1400 Heiliges Römisches Reich

Befehlshaber

Preussen Konigreich Philipp Loth von Seers

Romisches Reich Heiliges 1400 Franz Leopold von Nádasdy

Truppenstärke

ca. 8.000 Mann

ca. 43.000 Mann

Verluste

ca. 8.000 Mann

ca. 3.000 Mann

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Hintergrund

Die preußische Invasion Böhmens hatte am 18. Juni 1757 in der Schlacht bei Kolin geendet. Nach dieser Niederlage musste die preußische Armee die Belagerung von Prag aufgeben und sich über das Erzgebirge in den Raum Zittau zurückziehen. Dort hatte König Friedrich II. das Kommando an August Wilhelm, Herzog von Braunschweig-Bevern übertragen und war selbst mit einem Teil der Armee nach Thüringen aufgebrochen. Die österreichische Hauptarmee war den Preußen zunächst gefolgt. Sie drängte Beverns zahlenmäßig unterlegene Truppen nun von der Neiße ab (→ Gefecht bei Moys), sodass diese in Richtung Liegnitz und später nach Breslau auswichen. Mitte September wurde im österreichischen Hauptquartier in Lauban das weitere Vorgehen geplant: Die Hauptarmee sollte die Preußen bei Liegnitz beschäftigen während ein starkes Korps unter dem Befehl von General Graf Franz Leopold von Nádasdy die Festung Schweidnitz einnehmen sollte. Diese Festung blockierte die direkte Verbindungsroute nach Böhmen und musste in preußischem Besitz immer einen Stachel im Fleisch der österreichischen Armee bei der systematischen Rückeroberung Schlesiens bilden.[1] Am 23. September marschierte Nádasdy mit seinem Korps ab.

Belagerung

Zeitgenössischer (italienischer) Plan der Belagerungsarbeiten; kolorierter Kupferstich (ca. 1758)

Nach dem Ende der Schlesischen Kriege hatte Friedrich II. damit begonnen das Festungssystem in Schlesien neu zu organisieren. Nach seinen Ideen wurde auch die Stadt Schweidnitz, die bisher nur über eine Stadtmauer verfügt hatte, ab 1747 zur Festung ausgebaut. Die Leitung der Arbeiten oblag dem Ingenieur Oberst Philipp Loth von Seers. Die Stadtmauer wurde durch Gräben und einen Erdwall verstärkt und zusätzliche Kaponniere eingebaut, um die Gräben auch beschießen zu können. Um die Stadt herum wurden fünf eigenständige Forts errichtet, zwischen denen vier Redouten installiert wurden. Somit hatte die Stadt faktisch zwei Verteidigungsringe. Zwei Schwächen waren nicht mehr rechtzeitig zu beseitigen gewesen: Zum einen waren die Kehlen der einzelnen Werke nur durch einen Graben mit Zugbrücke gesichert. Zum anderen waren die Dämme zur Aufstauung der Weistritz nicht fertiggestellt, sodass die angedachte Überschwemmung des nördlichen Vorgeländes sich bald verlief. Im Fall einer Belagerung sollten die Vorstädte zwischen der Stadtmauer und den Außenwerken abgerissen und der Schutt als zusätzliche Deckung bei der Verteidigung verwendet werden.[2]

Im Herbst 1757 befanden sich als Besatzung 11 Bataillone Infanterie, 11 Eskadronen Kavallerie und eine Kompanie Artillerie, insgesamt etwa 8.000 Mann in der Festung.[3] Allerdings galten einige Einheiten, insbesondere die im Vorjahr gepressten sächsischen Soldaten, als unzuverlässig. Es mangelte jedoch nicht an Vorräten und Munition, da die Magazine der Festung ursprünglich dazu dienen sollten, die gesamte Armee Beverns für zwei Monate zu versorgen. Zum Kommandanten war der inzwischen zum Generalmajor avancierte Philipp Loth von Seers ausersehen.[4]

Ab dem 26. September näherten sich Nádasdys Truppen und schlossen die Festung am 14. Oktober 1757 systematisch ein. Nachdem am 24. Oktober bayerische und württembergische Hilfstruppen sowie schwere Artillerie und das österreichische Korps Arenberg eingetroffen waren, schritten die Österreicher an die förmliche Belagerung. Ihnen standen dafür 48 Btl., 32 Gren.-Kp. und 32 Esk. (ca. 43.000 Mann inkl. der leichten Truppen) zur Verfügung.[5]

Bis zum 30. Oktober trieben die Angreifer unter starkem Beschuss Laufgräben aus drei Richtungen vor. Ein nächtlicher Ausfall der Besatzung konnte die Belagerungsarbeiten nur kurz verzögern. Bereits am 31. Oktober konnten die Österreicher mehrere Batterien in Stellung bringen und die Festungswerke direkt beschießen. Erste Vorstädte gingen daraufhin in Flammen auf und mussten von den Verteidigern geräumt werden. In den folgenden Tagen trieben die Österreicher den Bau ihrer Parallelen voran und versuchten gleichzeitig Breschen in die Festungsmauern zu schießen. Die Breschen waren am 10. November breit genug für einen Sturmangriff. Nádasdy forderte Seers nun zur Übergabe auf. Letzterer wollte zunächst einen Waffenstillstand vereinbaren und Instruktionen von seinem Vorgesetzten, den Herzog von Bevern in Breslau einholen. Dies lehnte Nádasdy jedoch ab und ließ die Beschießung umgehend wieder aufnehmen. Am 11. November, um 23 Uhr setzen die Österreicher unter der Führung von Oberst Karl von Amadei zum Sturm auf das »Gartenfort«, die »Gartenredeute« und das »Bögenfort« an. Von diesen Außenwerken konnte sich nur das »Gartenfort« halten, während die anderen erobert wurden.

Seers und die Besatzung der Stadt intervenierten dabei nicht, sondern ließen am Morgen die Chamade schlagen. Da dies zunächst nicht zu einer Einstellung des Feuers führte, entsandte Seers einen Stabsoffizier zu Nádasdy, die die Übergabe anbot. Das Anliegen Seers gegen freien Abzug zu kapitulieren wollten die Österreicher nicht gewähren. Die Besatzung durfte zwar unter militärischen Ehren aus der Festung marschieren, müsste sich dann jedoch in Kriegsgefangenschaft geben. Am 13. November erfolgte die formelle Übergabe der Festungswerke und am 14. November die Kapitulation der preußischen Besatzung.[6]

Folgen

Zeitgenössische Darstellung der Beschießung von Schweidnitz (ca. 1760) von Gabriel Nicolaus Raspe

Die Preußen hatten etwa 200 Tote und Verwundete in den Kämpfen verloren, 911 Soldaten waren desertiert und 800 krank. Sie verloren ferner 180 Geschütze und 48 Fahnen. Vier Generäle, 194 Offiziere und 5.971 Soldaten gerieten in Gefangenschaft. Schmerzlich war der Verlust an Proviantvorräten, welche die Armee reichlich in der Festung eingelagert hatte. Die Österreicher gaben an beim Sturm am 11./12. November insgesamt 31 Offiziere und 417 Mann verloren zu haben. Ein anderer Bericht gibt die Gesamtverluste während der Belagerung mit etwa 3.000 Mann, darunter 1.200 Toten an.[7]

Die preußischen Hauptkräfte um Breslau, die der Herzog von Bevern kommandierte, blieben während der ganzen Belagerung untätig, zwar hatte sich Bevern - gedrängt durch Schreiben Friedrichs II. - immer wieder mit dem Gedanken an eine Offensive getragen, um die Österreicher zu treffen, solange sie noch vor Schweidnitz gebunden war. Doch letztendlich zögerte er bis die Nachricht von der Kapitulation einging.[8] Nach dem Fall der Festung wurden die Truppen Nádasdys frei und konnten die österreichischen Hauptkräfte verstärken, die auf Befehl der Kaiserin Maria Theresia gegen Breslau vorgehen sollten. Hier kam es am 22. November 1757 zu einer Schlacht (→ Schlacht bei Breslau), in der die zahlenmäßig unterlegenen preußische Truppen eine Niederlage erlitten und die schlesische Hauptstadt aufgeben musste. Erst das Eintreffen König Friedrichs II. und seiner Hauptarmee konnte das Blatt in der Schlacht bei Leuthen am 5. Dezember 1757 wenden und Breslau zurückerobern. Noch im Januar 1758 schritten die Preußen an die Blockade von Schweidnitz und eroberten die Festung am 18. April 1758 (→ Belagerung von Schweidnitz) schließlich wieder zurück. Dabei spielte Seers Schwiegersohn, der Ingenieur-Oberst Johann Friedrich von Balbi eine entscheidende Rolle.

Im gleichen Jahr wurde Generalmajor von Seers aus der Gefangenschaft ausgetauscht, jedoch gleich verabschiedet. Als sich sein Schwiegersohn Oberst von Balbi für ihn einsetzte, antwortete der König: „Seers ist nicht zu pardonniren, da er seine Instruktionen und Ordres in keinem Punkte befolgt hat.“[4] Auch der Herzog von Bevern wurde vom König für den unterlassenen Entsatzversuch getadelt,[9] aber ebenso 1758 ausgetauscht. Im Gegensatz zu Seers konnte Bevern jedoch als Kommandant der Festung Stettin im aktiven Dienst verbleiben.

Literatur

  • Großer Generalstab / Kriegsgeschichtliche Abteilung (Hrsg.): Der Siebenjährige Krieg 1756–1763, Bd. 4: Groß-Jägersdorf und Breslau, Verlag Ernst Siegfried Mittler & Sohn, Berlin 1902 (= Die Kriege Friedrichs des Großen, Theil 3).

Einzelnachweise

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