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Belagerung von Witebsk

Teil des Russisch-Polnischen Krieges 1654–1667 From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Belagerung von Witebsk fand zwischen 24. August und 2. Dezember 1654 während des Russisch-Polnischen Krieges 1654–1667 statt.

Datum24. August 1654 bis 2. Dezember 1654
OrtWitebsk, Woiwodschaft Witebsk, heute Belarus
AusgangEinnahme der Stadt
Schnelle Fakten Datum, Ort ...
Belagerung von Witebsk
Teil von: Russisch-Polnischer Krieg 1654–1667
Datum 24. August 1654 bis 2. Dezember 1654
Ort Witebsk, Woiwodschaft Witebsk, heute Belarus
Ausgang Einnahme der Stadt
Konfliktparteien

Polen-Litauen Polen-Litauen

Zarentum Russland
zarentreue Kosaken

Befehlshaber

Wassili Borissowitsch Scheremetew
Iwan Solotarenko

Truppenstärke

100 Berufssoldaten sowie einige hundert Angehörige des Adels und der Bürgerschaft

4000 Russen, 1000 Kosaken

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Vorbereitung

Nach dem Sieg in der Schlacht bei Schepelewitschi und der Einnahme von Smolensk im September 1654 brach das russisch-kosakische Heer die Offensive ab und begnügte sich mit der Eroberung von Städten und Festungen in Ostbelarus. Die litauische Armee verlor nicht nur für mehrere Wochen die Fähigkeit zu jeglichen Operationen, sondern auch den Glauben daran, dem Gegner Widerstand leisten zu können. Radziwiłł zog sich nach Minsk zurück, wo sich die versprengten Truppen sammeln sollten.

Im Dezember 1654 gelang es trotz innerer Streitigkeiten (z. B. der Ernennung von Wincenty Aleksander Gosiewski zum Feldhetman von Litauen) und großer finanzieller Schwierigkeiten, ein neues polnisch-litauisches Heer anzuwerben, das für eine Offensive gegen Russland eingesetzt werden konnte. Die bei Minsk versammelten Einheiten stellten jedoch keinen großen Kampfwert dar, da sie durch viermonatige Untätigkeit demoralisiert waren. Noch Ende September und im Oktober erwartete man, dass die Armee zur Gegenoffensive aufbrechen würde. Die Erwartungen der Soldaten auf finanzielle Entlohnung, Streitigkeiten zwischen den Hetmanen sowie die Abneigung Radziwiłłs, militärische Operationen in der Herbst- und Winterzeit durchzuführen, führten jedoch dazu, dass das Heer seine Zeit in den Lagern bei Raków und Śmiłowicze vergeudete.

Es wurden lediglich Operationen lokalen Ausmaßes unternommen, wobei die Kosaken am 8. Oktober bei Kliczau besiegt wurden, am 13. Oktober Bobrujsk und am 15. Oktober Bjalynitschy besetzt wurden, das nur 40 km westlich von Mahiljou lag. Bis Ende Dezember wurden jedoch keine weiteren neuen Schritte unternommen. Für die Untätigkeit des Heeres machte man vor allem Radziwiłł verantwortlich. Außerdem kam es zu Streitigkeiten zwischen Offizieren der litauischen Armee, die einer Offensive abgeneigt waren, und Offizieren der unterstützenden Krontruppen, die in Litauen stationiert waren und kämpfen wollten.[1]

Die Belagerung

In der Zwischenzeit dauerte seit dem 24. August die Belagerung von Witebsk an, dessen Verteidiger vergeblich auf Entsatz hofften (aus den oben genannten Gründen). Obwohl sich die Befestigungen von Witebsk in einem äußerst schlechten Zustand befanden, lehnten die Einwohner ein Kapitulationsangebot ab und nahmen den Kampf auf. In Witebsk waren sowohl die obere als auch die untere Burg mehrfach Bränden zum Opfer gefallen (1614, 1626), die die steinernen Mauern stark beschädigt hatten. Die Befestigungen der unteren Burg wurden aus Holz wiederaufgebaut, was ihre Widerstandsfähigkeit gegen Artilleriebeschuss zusätzlich verringerte. Bereits im Februar 1654 hatte der Adel auf einer Sejmsitzung zur Instandsetzung der Befestigungen in Witebsk aufgerufen, doch ein entsprechender Beschluss wurde erst im Juli 1654 gefasst. Diese Maßnahmen kamen zu spät und waren unzureichend; es gelang lediglich, alle Bürger und den umliegenden Adel zum Dienst auf den Mauern von Witebsk zu verpflichten. Die Besatzung der Festung wurde nur durch 100 Berufssoldaten verstärkt.

Die Verteidiger der Stadt schlugen mehrere Angriffe erfolgreich zurück und fügten dem Feind schwere Verluste zu. Angesichts der sich erschöpfenden Vorräte an Lebensmitteln und Munition war die Kapitulation jedoch nur eine Frage der Zeit. Ein Entsatz traf weiterhin nicht ein. Im Oktober, als die Konzentration der litauischen Truppen mit unterstützenden polnischen Einheiten abgeschlossen war, standen die oben beschriebenen Streitigkeiten im Wege. Als Janusz Radziwiłł schließlich beschloss, Entsatz zu schicken, befand sich die Stadt bereits unmittelbar vor der Kapitulation.

Zum Fall von Witebsk trug in erheblichem Maße der Verrat eines Teils der Besatzung und der Bürgerschaft bei, die aus der belagerten Stadt flohen. Durch den verlassenen Abschnitt der Befestigungen drang die russische Armee ein. Viele Litauer wurden niedergemacht, die übrigen suchten Zuflucht in der unteren und oberen Burg. Fünf Tage später, am 2. Dezember 1654, kapitulierte Witebsk.[2]

Die Folge

Denjenigen Bürgern, die zum orthodoxen Glauben übertraten und die Untertanenschaft des Zaren annahmen, wurden zunächst ihre Privilegien und ihr Besitz belassen. Denjenigen, die in die Rzeczpospolita ausreisen wollten, sollte dies nach zwei Wochen ermöglicht werden. Letztlich befahl der Zar jedoch, den Bewohnern von Witebsk ihren Besitz zu entziehen, anschließend wurden sie verhaftet und nach Kasan verbannt.

Erst am 9. Dezember, eine Woche nach der Kapitulation, erschien vor den Mauern der Stadt ein Entsatzheer von 3000 Mann unter dem Kommando von Samuel Komorowski. Komorowskis Korps war am 27. November von Minsk aufgebrochen und konnte daher nicht rechtzeitig eintreffen, stellte jedoch für die russischen Truppen eine große Überraschung dar, da diese grundlegende Sicherheitsmaßnahmen missachtet hatten. Die Soldaten Komorowskis zerschlugen zunächst die schlafenden Wachposten und griffen anschließend Witebsk selbst an. Ein Teil der zarischen Truppen floh, viele ertranken in der Düna, doch die Burgen von Witebsk konnten nicht zurückerobert werden. Nach diesen Kämpfen entsandte Komorowski Streifzüge ins Innere des Moskauer Staates und begab sich selbst nach Polozk. Dort hatte er jedoch keinen Erfolg und kehrte Ende Dezember nach Minsk zurück.

Die Einnahme von Witebsk war der letzte bedeutende Erfolg der Moskauer Truppen im Jahr 1654.[3]

Literatur

  • Urszula Augustyniak: Historia Polski 1572–1795, 2008
  • Henryk Wisner: Janusz Radziwiłł 1612–1655, Wydawnictwo Mada Warszawa 2000
  • Konrad Bobiatyński: Od Smoleńska do Wilna. Wojna Rzeczypospolitej z Moskwą 1654–1655, Zabrze 2004

Einzelnachweise

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