Bernadette Chirac

französische Politikerin und Präsidentengattin From Wikipedia, the free encyclopedia

Bernadette Chirac (* 18. Mai 1933 in Paris als Bernadette Chodron de Courcel; † 5. Juni 2026) war eine französische Politikerin, die insbesondere auf kommunaler und departementaler Ebene tätig war, und die Ehefrau des 22. französischen Staatspräsidenten Jacques Chirac. Sie war somit vom 17. Mai 1995 bis zum 16. Mai 2007 Première dame Frankreichs.

Bernadette Chirac (2009)

Leben und Wirken

Bernadette Chirac wurde als Tochter von Jean-Louis Chodron de Courcel (1907–1985), dem Verkaufsdirektor einer Fabrik für Porzellanknöpfe, und Marguerite de Brondeau d’Urtières (1910–2000) geboren. Ihr Vater entstammte einer ursprünglich lothringischen Familie der Bourgeoisie, die Notabeln, Diplomaten, Militärs und Unternehmer hervorgebracht hat und von Napoleon III. 1852 das Adelsprädikat de Courcel verliehen bekam. Die Familie der Mutter gehörte zur Noblesse de robe (Amtsadel), einer ihrer Vorfahren war Samuel Bernard.[1] Sie war das älteste von drei Kindern; ihre Schwester Catherine wurde 1946, ihr Bruder Jérôme 1948 geboren.

Nach dem Abschluss ihres Studiums am Institut d’études politiques de Paris heiratete sie am 16. März 1956 Jacques Chirac, den sie dort als Kommilitonen kennengelernt hatte. Sie bekamen 1958 und 1962 zwei Kinder; die Vietnamesin Anh Đào Traxel nahmen sie 1979 auf.

Ihre Ehe mit Jacques Chirac beschrieb sie später als „keine Ehe aus Liebe, sondern eine aus Ambition“.[2]

Château de Bity

Im März 1969 erwarb das Ehepaar Chirac als Landsitz ein kleines Renaissanceschloss im Département Corrèze, das Château de Bity bei Sarran. Der Kauf eines Schlosses, nach monatelanger Suche, war die Wahl von Bernadette Chirac und ihrem Vater Jean-Louis Chodron de Courcel – trotz Jacques Chiracs mangelnder Begeisterung für eine solche Immobilie.[3] Jacques Chirac war damals Staatssekretär im Wirtschafts- und Finanzministerium des Kabinetts Couve de Murville. Der Staatspräsident Georges Pompidou ließ aus diesem Anlass gegenüber Chirac die Bemerkung fallen: „Wenn man für sich in Anspruch nimmt, Politik zu machen, schafft man es, kein Schloss zu besitzen, es sei denn, es befindet sich seit mindestens Ludwig XV. im Familienbesitz“.[4] − Allerdings war der Bauherr von Chiracs Schloss im Jahr 1579 ebenfalls ein ehrgeiziger bürgerlicher Politiker gewesen, Pierre Dupuy, Rat am Präsidialgerichtshof in Tulle. Chirac selbst empfing als Staatspräsident im Oktober 1999 den chinesischen Staatspräsidenten Jiang Zemin zu einem Privatbesuch auf dem Schloss.

Nachdem Bernadette Chirac 1971 in den Gemeinderat von Sarran gewählt worden war,[5] engagierte sie sich wenige Jahre später auch auf Départementebene politisch: 1979 wurde sie in den Generalrat des Départements Corrèze gewählt, dem sie während sechs Wahlperioden bis 2015 ununterbrochen angehörte. Wie ihr Ehemann gehörte sie dem gaullistischen Rassemblement pour la République (RPR) bzw. ab 2002 der daraus hervorgegangenen Mitte-rechts-Sammlungspartei Union pour un mouvement populaire (UMP).

Das Zentrum ihrer politischen Tätigkeit war jedoch stets die Unterstützung der politischen Ambitionen ihres Ehemanns. 1994, ein Jahr vor der Präsidentschaftswahl, bei der Jacques Chirac kandidierte, übernahm sie den Vorsitz der Fondation Hôpitaux de Paris, einer karitativen Organisation, und setzte sich fortan mehrere Jahre lang intensiv für eine von dieser unterstützten Spendenaktion namens „Pièces jaunes“ (deutsch in etwa „Kleingeld“) zugunsten kranker Kinder ein. Ihr Einsatz trug dazu bei, das Image des in Meinungsumfragen schwächelnden Jacques Chirac aufzubessern, der schließlich die Wahl gewann. Sie zog daraufhin als Präsidentengattin in den Elysée-Palast ein. Nachdem Chiracs politisches Lager 1997 die Parlamentswahlen verloren hatte und es zu einer Cohabitation mit dem sozialistischen Politiker Lionel Jospin als Premierminister gekommen war, kam Bernadette Chiracs fortgesetztes karitatives Engagement an der Seite des populären Sportlers David Douillet auch ihrem politisch geschwächten Ehemann zugute. Einige Monate vor den Präsidentschaftswahlen 2002 veröffentlichte sie ein Buch mit dem Titel Conversations, von dem über 300 000 Exemplare verkauft wurden.[2]

Während des zweiten Mandats von Jacques Chirac als Staatspräsident (2002 bis 2007) näherte sie sich politisch Nicolas Sarkozy an. Sarkozy war der Hoffnungsträger der gaullistischen Partei (RPR, später UMP), der Chirac und er angehörten, strebte eine Kandidatur bei der Präsidentschaftswahl 2007 an und gewann diese schließlich auch. Sein Verhältnis zu Jacques Chirac galt jedoch seit Mitte der 90er Jahre als zerrüttet. Durch ihre Annäherung an Sarkozy gelang es Bernadette Chirac, seine Unterstützung zu gewinnen, als Jacques Chirac nach dem Ende seiner Präsidentschaft (während der er juristisch immun war) wegen Unregelmäßigkeiten während seiner Amtszeit als Pariser Bürgermeister straf- und zivilrechtlich verfolgt wurde. Insbesondere übernahm die UMP einen Großteil der an die Stadt Paris zu entrichtenden Entschädigungszahlungen.[2] In den folgenden Jahren unterstützte sie weiterhin Sarkozy, insbesondere bei der Präsidentschaftswahl 2012 – für die von ihrem Ehemann kolportiert wurde, er würde den sozialistischen Kandidaten François Hollande wählen, was Bernadette Chirac am Wahltag dementierte[6] – und im Vorwahlkampf zur Präsidentschaftswahl 2017, bei der Jacques Chirac Alain Juppé unterstützte.[7]

Im Jahr 2016 nahm sich Laurence, die ältere Tochter des Ehepaars Chirac, das Leben. Bernadette Chirac trat zum letzten Mal 2017 in der Öffentlichkeit auf, als sie am Begräbnis von Simone Veil teilnahm. Als 2019 ihr Ehemann starb, blieb sie der offiziellen Trauerfeier in der Kirche Saint-Sulpice fern. Stattdessen wohnte sie mit ihrem Enkel einer Zeremonie im kleineren Kreis in der Kirche Saint-Louis des Invalides bei.[2][5]

2023 erschien der französische Spielfilm Bernadette, in dessen Mittelpunkt Chiracs Leben als Première Dame steht. Bernadette Chirac wird in dem Film von Catherine Deneuve verkörpert.[8]

Bernadette Chirac, die zuletzt auf einen Rollstuhl angewiesen war und von ihrer Tochter Claude gepflegt wurde, starb am 5. Juni 2026 im Alter von 93 Jahren.[2]

Politische Ämter

  • 1971: Wahl in den Gemeinderat von Sarran (Département Corrèze in Zentralfrankreich)
  • 1977: Stellvertretende Bürgermeisterin von Sarran
  • 1979: Wahl in den Conseil général des Départements Corrèze, wiedergewählt 1985, 1992, 1998, 2004 und 2011
  • 1990: Gründerin und Vorsitzende der Association le Pont Neuf, einer Gesellschaft zur Förderung des Austausches zwischen Europäern und Asiaten
  • 1994: Vorsitzende der Fondation Hôpitaux de Paris-Hôpitaux de France, einer Wohlfahrtsorganisation

Auszeichnungen

Bernadette Chirac erhielt 2007 die internationale Auszeichnung als Ritter des Ordens des Lächelns. Im Februar 2008 wurde ihr die Puschkin-Medaille, eine staatliche Auszeichnung Russlands, verliehen.[9]

Commons: Bernadette Chirac – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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