Bernhard von der Schulenburg (Politiker)
deutscher Offizier und Politiker
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Familie
Der aus einer bekannten altmärkisch-brandenburgisch-preußischen Adelsfamilie stammende Bernhard Graf von der Schulenburg war der Sohn des gleichnamigen Bernhard Gustav Alexander Graf von der Schulenburg (1815–1860) und dessen Ehefrau Metta Sophia Auguste Freiin von Eckhardstein-Prötzel (1827–1885), Tochter der Sophie von Bredow und des Freiherrn Arnold von Eckardstein-Prötzel. Der Vater war Ehrenritter des Johanniterordens, kgl. preuß. Hauptmann, 1. Ehrensenior des Familienverbandes derer von der Schulenburg und Ehrenbürger von Heidelberg. Die Mutter war Gutsbesitzerin in Triebusch sowie Sabowitz (Kreis Guhrau) und heiratete als Witwe in Berlin 1862 in zweiter Ehe den Major Gustav von der Schulenburg, ihren Schwager. Die Familie bildete genealogisch Haus Trampe, vormals Blumberg.[1]
Bernhard von der Schulenburg selbst heiratete 1878 in Berlin Sophie Pauline Hedwig (Helene) Freiin von Eckhardstein (1861–1934), eine Cousine mütterlicherseits, Tochter der Hedwig Schütz-Grünthal und des Freiherrn August von Eckardstein-Haselberg.[2] Hedwig und Bernhard hatten folgende Kinder:
- Hedwig Metta Sophie (1880–1974), Bes. von Gut Kruge, verh. m. Hans von Trotha–Hecklingen (1865–1914), kgl. preuß. Oberförster, Hauptmann d. R.
- Sophie Hedwig Metta (1881–1974), Bes. Gut Grünthal, verh. m. Siegfried von Saldern (1870–1925), Fideikommissherr Gut und Burg Plattenburg, Major a. D.
- Bernhard August Gustav (1882–1940), verh. m. Hedwig Freiin von Thüngen, (Scheidung 1928); Sohn Bernhard (1921–1976), Bes. Gut Altendorf-Babeck
- August Gustav Bernhard (1886–1956), Bes. Gut Trampe, Rittmeister d. R., Rechtsritter d. Johanniterordens, verh. m. Editha von Ammon (1896–1970)
Leben
Er studierte nach dem Besuch der Ritterakademie Liegnitz an den Universitäten Heidelberg und Berlin 4 Semester Rechtswissenschaften. 1873 schloss er sich dem Corps Saxo-Borussia Heidelberg an.[3] Anschließend diente er 20 Jahre als aktiver Offizier im 2. Garde-Dragoner-Regiment „Kaiserin Alexandra von Rußland“, wo er 1893 als Rittmeister und Eskadronchef seinen Abschied nahm.


1894 erwarb von der Schulenburg das Gut Grünthal in der Mark Brandenburg, auf dem er bis zu seinem Tode lebte. 1900 trat er die Nachfolge im Fideikommiss Altendorf in der preußischen Provinz Hannover und 1908 im Fideikommiss Trampe im Kreis Oberbarnim an. Zeitgleich gilt es als erwiesen, dass er im Geist der damaligen Zeit im Familienverband und darüber hinaus wider des homosexuell-geltenden Grafen Schulenburg-Oefte agierte, zwecks Ausschluss desselben zum 50. Familientag, was anhand des Familien-Statuts gar nicht möglich war.[5]
Bereits 1899 beteiligte er sich an der Gründung der Spiritus-Zentrale. Noch im hohen Alter, mit über 75 Jahren, war er stellvertretender Vorsitzender des Verwertungsverbandes deutscher Spiritusfabrikanten und Vorsitzender verschiedener Abteilung desselben. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts gehörte von der Schulenburg zu den Initiatoren des Zusammenschlusses der nach Berlin liefernden Milchproduzenten. Auch hier war er noch lange Vorsitzender des Aufsichtsrates der Interessengemeinschaft märkischer Milchproduzenten. Ebenso war er bis etwa 1930 Vorsitzender des Aufsichtsrates der Brandenburgischen Frühgemüse-Zucht- und Verwertungsgesellschaft und stellvertretender Vorsitzender der Viehzentrale. Über 30 Jahre gehörte er dem Börsenvorstand von Berlin an. Weiterhin blieb er Mitglied des Zentralausschusses der Reichsbank. Wohnsitz waren zeitweise Gut Trampe und Gut Altendorf.
Bernhard von der Schulenburg wurde Präsident der Landwirtschaftskammer für die Provinz Brandenburg, der er von 1915 bis 1921 angehörte. In dieser Zeit war er auch Mitglied des Landesökonomiekollegiums und des deutschen Landwirtschaftsrates.
Seit 1904 gehörte von der Schulenburg als Mitglied und Vorstand der konservativen Fraktion dem Preußischen Herrenhaus an. Bis 1915 war er Provinzialvorsitzender des Bundes der Landwirte. In seinem Heimatkreis war er Kreisdeputierter, Kreisausschussmitglied und Kreistagsmitglied. Als Verkehrspolitiker gehörte er dem Verwaltungsrat der Deutschen Reichspost und dem Reichseisenbahnrat an. Er war Vorsitzender des Verkehrsausschusses des Deutschen Landwirtschaftsrates und stellvertretender Vorsitzender des Ausschusses der Verkehrsinteressenten bei der ständigen Tarifkommission der deutschen Eisenbahnverwaltungen.
Im Ersten Weltkrieg war Bernhard von der Schulenburg Mitglied des Kriegsernährungsamtes,[6] der Kriegsgetreidestelle, des Reichsfleischamtes, der Reichsfettstelle und Vorsitzender der Futtermittelverteilungsstelle.
Um 1914 stand das allode Gut Grüntal unter der Leitung eines Administrators, was dafür spricht, dass der Gutsbetrieb hier kreditbelastet war. Im Fideikommiss Trampe mit Kruge wurde eine Brennerei und eine Kartoffelschnitzelfabrik betrieben.[7] Ende der 1920er Jahre wiederum wurden seine Güter, für Gut Grüntal - 1000 ha - mit Rittergut Trampe - 1310 - Heinrich Graumann, für Rittergut Kruge - 906 ha - Herr Krüger, durch Verwalter geführt.[8]
Ein Grabstein für Schulenburg befindet sich auf dem Hügel der Burgruine Breydin bei Trampe. Zum Schluss war Bernhard von der Schulenburg Erbküchenmeister der Kurmark Brandenburg, kurzzeitig mit Hans-Henning von Quast-Vichel, Ehrenkommendator des Johanniterordens, in dem er 1884 Aufnahme fand,[9] und seit 1900 als Rechtsritter angehörte.[10] Und Graf Schulenburg war verwaltender Kurator der (C. O. F.) Gräfl. v. Voß-Familienstiftung, deren Sitz[11] in Berlin war.
Literatur
- Dietrich Werner Graf von der Schulenburg, Hans Wätjen: Geschichte des Geschlechts von der Schulenburg 1237–1983. Niedersachsen-Druck und Verlag Günter Hempel, Wolfsburg 1984, ISBN 3-87327-000-5, S. 437 ff. Mit Tafel 43.
- Hans Friedrich von Ehrenkrook, Else von Bethmann, Friedrich Wilhelm Euler, Jürgen Thiedicke von Flotow, Hans-Jürgen von Witzendorff: Genealogisches Handbuch der Gräflichen Häuser. A (Uradel). 1952. Band I, Band 2 der Gesamtreihe GHdA, Hrsg. Deutsches Adelsarchiv, C. A. Starke, Glücksburg (Ostsee) 1952, ISSN 0435-2408, S. 378 ff.
- Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Gräflichen Häuser. Zugleich Adelsmatrikel der D.A.G. Teil A (Uradel). 1942. Jahrgang 115, Justus Perthes, Gotha 1941, S. 488 f.
- Robert Volz: Reichshandbuch der deutschen Gesellschaft. Das Handbuch der Persönlichkeiten in Wort und Bild. Band 2: L–Z. Deutscher Wirtschaftsverlag, Berlin 1931, DNB 453960294, S. 1717.
- Herrmann A. L. Degener (Hrsg.): Wer ist’s? Who’s Who in Germany. V. Ausgabe, G. E. Stechert & Co. - New York, Selbstverlag, Leipzig 1911, S. 1320.
- E. David: Handbuch für das Preußische Herrenhaus. Carl Heymanns Verlag, Berlin 1911, S. 360.
Quellen
- Schulenburg, Bernhard von der, In: Bundesarchiv (BArch) / Akten der Reichskanzlei
- Schulenburg, Bernhard von der, In: Deutsche Biographie (Index / mit Hinweis Kalliope-Verbund)