Bezirk Reutte

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Der Bezirk Reutte ist ein politischer Bezirk des österreichischen Bundeslandes Tirol, er ist mit der Region Außerfern deckungsgleich.

Schnelle Fakten Lage im Bundesland Tirol, Basisdaten ...
Bezirk Reutte
Lage im Bundesland Tirol
Lage des Bezirks Bezirk Reutte im Bundesland Tirol (anklickbare Karte)
Lage des Bezirks Bezirk Reutte im Bundesland Tirol (anklickbare Karte)
Basisdaten
Bundesland Tirol
NUTS-III-Region AT-331
Verwaltungssitz Reutte
Fläche 1.236,66 km²
(1. Jänner 2024)
Einwohner 33.946 (1. Jänner 2025)
Bevölkerungsdichte 27 Einw./km²
Kfz-Kennzeichen RE
Bezirkskennzahl 708
Bezirkshauptmannschaft
Bezirkshauptfrau Katharina Rumpf
Webseite www.tirol.gv.at/reutte
Karte
Lage der Gemeinde Bezirk Reutte   im Bezirk Reutte (anklickbare Karte)BachHöfenSteegTannheimVilsTirol
Lage der Gemeinde Bezirk Reutte im Bezirk Reutte (anklickbare Karte)
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Geografie

Der Bezirk umfasst 1.236,66 km², diese erstrecken sich über das Lechtal, das Tannheimer Tal und das so genannte Zwischentoren zwischen Reutte und dem Fernpass. An Gebirgen hat der Bezirk Anteil an den Lechtaler Alpen, Wettersteingebirge, Allgäuer Alpen (u. a. Tannheimer Berge) und den Ammergauer Alpen. Das Gebiet grenzt im Norden an die bayerischen Landkreise Oberallgäu, Ostallgäu und Garmisch-Partenkirchen, im Süden an die Bezirke Landeck und Imst und im Westen an die Vorarlberger Bezirke Bregenz und Bludenz.

Bedeutende Seen sind Plansee, Heiterwanger See, Haldensee, Urisee und Vilsalpsee.

Geschichte

Zur Wortherkunft „Außerfern“

Vermutlich leitet sich der Name von „Außer dem Fern“ (Fernpass) ab.[1] Außer- und Inner- sind im Tirolerischen häufige beschreibende Zusätze zu einem Tal und unterscheiden zwischen dem Taleingang und den hinteren Talbereichen, oder zwischen dem Talabschnitt vom Hauptort des Tales flussabwärts und den Bereichen bergeinwärts, oder einfach die Richtungen talein- und auswärts. „Außerfern“ bezeichnet also möglicherweise das Tal bis zum historischen Anstieg zum Fernpass. Weit verbreitet ist heute allerdings die Auffassung, dass mit dem Gebiet „außer dem Fern“ der Bereich Tirols gemeint ist, der (betrachtet vom Rest des Landes) außerhalb, also jenseits, des Fernpasses liegt.[2]

Regionsgeschichte

Das Gebiet wurde ab dem 10. Jahrhundert entlang der Via Claudia Augusta von Alamannen besiedelt und kam Ende des 13. Jahrhunderts durch Herzog Meinhard im Zuge der Territorialisierung des Heiligen Römischen Reichs zur Grafschaft Tirol, wobei aber die engen wirtschaftlichen und kulturellen Beziehungen zum Allgäuer Raum bestehen blieben. So war das Außerfern lange Zeit kirchlich dem Bistum Augsburg unterstellt, das hier bereits 1059 durch König Heinrich IV. mit dem Wildbann auch wichtige Hoheitsrechte übertragen bekommen hatte.[3] Zu dieser Orientierung trugen auch die günstigeren Verkehrsverbindungen ins Allgäu und nach Oberbayern bei, während es nur eine wintersichere Verbindung ins Inntal gab, nämlich den Fernpass.

Bevölkerungsentwicklung

Bezirk Reutte: Einwohnerzahlen von 1869 bis 2025
Jahr  Einwohner
1869
 
17.066
1880
 
16.613
1890
 
15.949
1900
 
15.636
1910
 
16.359
1923
 
15.827
1934
 
17.602
1939
 
17.952
1951
 
20.901
1961
 
22.489
1971
 
26.068
1981
 
27.370
1991
 
29.140
2001
 
31.584
2011
 
31.618
2021
 
33.219
2025
 
33.946
Quelle(n): Statistik Austria, Gebietsstand 1.1.2021

Wirtschaft und Infrastruktur

Reutte

Der Tourismus ist eine wichtige Einnahmequelle, denn der eher karge und hochgelegene Boden ist schwer zu bewirtschaften, es besteht aber ein gewisses Maß an Milchwirtschaft. Daneben spielen die Industrie und das Gewerbe vor allem im mittleren Lechtal und im Reuttener Becken eine Rolle.

Der Bezirk bildet einen geschlossenen Arbeitsmarkt und hat einen vergleichsweise geringen Aus- und Einpendleranteil aus anderen Regionen.

Im Bereich der Dienstleistung dominiert der Tourismus, vor allem in den Gebieten Zugspitze, Tannheimer Tal, Plansee, Lechtal und Seitentäler. Größere Industriezentren sind Reutte, Elbigenalp, Höfen und Vils, bedeutende Produktionsbetriebe sind in den Bereichen Metallindustrie und Bauwirtschaft zu finden.

Die Tiroler Zugspitz Arena mit den Skigebieten Ehrwalder Alm in Ehrwald und Grubigstein in Lermoos sowie die Skischaukel Bichlbach/Berwang bieten die Grundlage für den Tourismus im Außerfern. Mit über 800.000 Nächtigungen in der Wintersaison 2017/18[4] ist sie eine der Top-20-Wintertourismusregionen in Tirol. Bedeutenden Tourismus gibt es ebenso im Tannheimer Tal. Der Naturpark Tiroler Lech mit dem Lech als einem der letzten Naturflüsse Europas, verbunden mit der Vielzahl an sportlichen Möglichkeiten, ist ebenso von touristischer Bedeutung.

Verkehr

Hauptverbindung ins übrige Tirol ist der Fernpass. Durch das Außerfern führt die B179 Fernpassstraße vom Fernpass bis zur deutschen Grenze bei Vils. Die B179 gilt als wichtige Transit- und Urlauberstrecke. Gerade an Ferienwochenenden sind kilometerlange Staus keine Seltenheit. Die Tendenz zur Ausweitung dieser Verkehrsproblematik über die Ferienwochenenden hinaus ist in den letzten Jahren stark zu erkennen. Über die Lechtalstraße B198 gelangt man von Reutte durch das Lechtal bis nach Vorarlberg.

Auf der Außerfernbahn ist das Gebiet ab Garmisch-Partenkirchen oder Kempten (Allgäu) auf der Schiene zu erreichen.

Kultur

Sprachliche Eigenheit

In sprachlicher Hinsicht herrscht eine Mischform aus Schwäbisch bzw. Alemannisch und Bairisch vor, wobei sich der gesprochene Dialekt oft von Tal zu Tal und von Ort zu Ort unterscheidet. Die von Oberbayern und vom Inntal her besiedelten Gebiete wie das Ehrwalder Becken und die Nebentäler des Lechtals haben sprachlich Ähnlichkeit mit den Dialekten des Oberinntals, während in der Gegend um Reutte, in Vils und im Tannheimer Tal ein schwäbisch-alemannischer Dialekt dominiert und im oberen Lechtal um Steeg, das von Vorarlberg her über den Arlbergpass von Walsern besiedelt wurde, höchstalemannische Dialekte gesprochen werden.

Sport

Durch die geographischen Gegebenheiten spielte der Wintersport im Außerfern seit jeher eine große Rolle. Der Bezirk ist Heimat einiger Skirennläufer wie Nicole Hosp, Harti Weirather, Josef Pechtl, Walter Schuster, Josef Strobl, sowie Josef Rieder.

Im Bezirkshauptort Reutte ist der SV Reutte mit seinen 17 Zweigvereinen der größte Sportverein des Bezirks. Der Verein ist vor allem für seine Fußballabteilung, die zeitweise in der viertklassigen Tiroler Liga spielte, sowie die erfolgreiche Leichtathletikabteilung bekannt.

Weiters ist der Squash Club Red Bull Reutte in der Stadt Reutte ansässig. Der Club besteht seit 1981 und durfte insgesamt viermal den österreichischen Staatsmeistertitel (1992, 1994, 1995 und 1997) feiern.[5] Dazu kam die viermalige Teilnahme am Europacup mit dem Vize-Europameistertitel 1997 in Portugal.[6]

Raumplanung

NUTS-Gliederung: AT331

In der für die amtliche Statistik der EU geführte NUTS-Gliederung ist Außerfern eine der fünf Gruppen von Bezirken (Ebene NUTS:AT-2) in Tirol, trägt den Code AT331 und umfasst den politischen Bezirk Reutte.

Regionalplanung

Heute ist der Begriff insbesondere als Regionalentwicklung Außerfern genutzt – die Region ist Teil der Europaregionen Tirol-Südtirol-Trentino, EUREGIO Via Salina und Zugspitze-Wetterstein-Karwendel.

Angehörige Gemeinden

Der Bezirk Reutte umfasst 37 Gemeinden, darunter die Städte Vils und Reutte[7][8] und keine Marktgemeinde. Die Einwohnerzahlen stammen vom 1. Jänner 2025.[9]

Gemeinden des Bezirks Reutte
Regionen sind Tiroler Planungsverbände (Stand: Juli 2025)
Weitere Informationen Gemeinde, Lage ...
Gemeinde Lage Ew km² Ew / km² Gerichts­bezirk Region Typ Foto
Bach


658 56,86 12 Reutte Oberes Lechtal Gemeinde

Berwang


630 42,72 15 Reutte Zwischentoren Gemeinde

Biberwier


665 29,42 23 Reutte Zwischentoren Gemeinde

Bichlbach


794 30,64 26 Reutte Zwischentoren Gemeinde

Breitenwang


1.440 19,00 76 Reutte Reuttener Talkessel Gemeinde

Ehenbichl


839 7,28 115 Reutte Reuttener Talkessel Gemeinde

Ehrwald


2.620 49,44 53 Reutte Zwischentoren Gemeinde

Elbigenalp


882 33,09 27 Reutte Oberes Lechtal Gemeinde

Elmen


394 29,63 13 Reutte Oberes Lechtal Gemeinde

Forchach


258 14,26 18 Reutte Oberes Lechtal Gemeinde

Grän


639 20,92 31 Reutte Tannheimer Tal Gemeinde

Gramais


43 32,44 1,3 Reutte Oberes Lechtal Gemeinde

Häselgehr


696 50,62 14 Reutte Oberes Lechtal Gemeinde

Heiterwang


555 35,73 16 Reutte Zwischentoren Gemeinde

Hinterhornbach


89 50,55 1,8 Reutte Oberes Lechtal Gemeinde

Höfen


1.287 8,36 154 Reutte Reuttener Talkessel Gemeinde

Holzgau


386 36,05 11 Reutte Oberes Lechtal Gemeinde

Jungholz


299 7,06 42 Reutte Tannheimer Tal Gemeinde

Kaisers


71 74,50 1 Reutte Oberes Lechtal Gemeinde

Lechaschau


2.074 6,11 339 Reutte Reuttener Talkessel Gemeinde

Lermoos


1.155 56,45 20 Reutte Zwischentoren Gemeinde

Musau


382 20,66 18 Reutte Reuttener Talkessel Gemeinde

Namlos


54 28,76 1,9 Reutte Oberes Lechtal Gemeinde

Nesselwängle


465 23,02 20 Reutte Tannheimer Tal Gemeinde

Pfafflar


93 33,63 2,8 Reutte Oberes Lechtal Gemeinde

Pflach


1.665 13,83 120 Reutte Reuttener Talkessel Gemeinde

Pinswang


424 9,47 45 Reutte Reuttener Talkessel Gemeinde

Reutte


7.308 100,86 72 Reutte Reuttener Talkessel Stadt-
gemeinde

Schattwald


465 16,14 29 Reutte Tannheimer Tal Gemeinde

Stanzach


515 31,85 16 Reutte Oberes Lechtal Gemeinde

Steeg


643 68,00 9,5 Reutte Oberes Lechtal Gemeinde

Tannheim


1.171 51,31 23 Reutte Tannheimer Tal Gemeinde

Vils


1.517 30,75 49 Reutte Reuttener Talkessel Stadt-
gemeinde

Vorderhornbach


279 17,28 16 Reutte Oberes Lechtal Gemeinde

Wängle


999 9,35 107 Reutte Reuttener Talkessel Gemeinde

Weißenbach am Lech


1.253 81,85 15 Reutte Reuttener Talkessel Gemeinde

Zöblen


239 8,77 27 Reutte Tannheimer Tal Gemeinde

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Siehe auch

Literatur

  • Ferdinand Fuchs: Heimat Außerfern – Eine Heimatkunde des Bezirkes Reutte. Außerferner Druck- und Verlagsgesellschaft, Reutte 1984, ISBN 3-9002-8101-7.
  • Hannes Gasser: Erlebnis Außerfern. Leopold Stocker Verlag, Graz/u. a. 1978, ISBN 3-7020-0319-3.
  • Katholischer Tiroler Lehrerverein & Bezirksschulrat Reutte: Der Bezirk Reutte – Das Außerfern. Koch, Höfen 2004, ISBN 3-7081-0005-0.
  • Leo Lechenbauer: Außerfern – Ein Kleinod in Tirol. Theiss, Wolfsberg 1973.
  • Richard Lipp: Außerfern. Der Bezirk Reutte. Tyrolia-Verlag, Innsbruck/Wien 1994, ISBN 3-7022-1927-7.
Naturwissenschaft und Wirtschaft
  • Franz Greif, Wolfgang Schwackhöfer: Die Sozialbrache im Hochgebirge am Beispiel des Außerferns (= Schriftenreihe des Agrarwirtschaftlichen Institutes des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft. Band 31). Österreichischer Agrarverlag, Wien 1979.
  • Herbert Koller: Die Elektrizitätswirtschaft des Außerfern (= Beiträge zur alpenländischen Wirtschafts- und Sozialforschung. Band 57). Wagner, Innsbruck 1969, DNB 365120472.
  • Raimund von Klebelsberg: Außerferner Geologie. In: Schlern-Schriften. Band 111, Innsbruck 1955, S. 9–23.
  • Georg Mutschlechner: Der Erzbergbau in Außerfern. In: Schlern-Schriften. Band 111, Innsbruck 1955, S. 25–52.
  • Robert Schöner, Herbert Scholz, Hans Krumm: Die mittelalterliche Eisengewinnung im Füssener Land (Ostallgäu und Außerfern): Neue Ergebnisse zum Abbau und zur Verhüttung der Eisenerze aus dem Wettersteinkalk. In: Archiv für Lagerstättenforschung der Geologischen Bundesanstalt. Band 24, Wien 2003, S. 193–218 (zobodat.at [PDF]).
  • Helmuth Thurner: Die Fernbahn, eine neue Nord-Südlinie Deutschland-Italien – Ein Beitrag zur Volkswohlfahrt West-Tirols Lebensnerv. Selbstverlag Thurner, Innsbruck 1924.
  • Franz Gemeinböck, Markus Inderst: Mittenwaldbahn. Innsbruck – Garmisch-Partenkirchen – Reutte. Kiruba-Verlag, Mittelstetten 2012, ISBN 978-3-9812977-5-1.
Geschichte, Kultur
Periodika
  • Außerferner Nachrichten. Reutte.
  • Reihe Außerferner Schriften, RTW Verlag, Reutte.

Belege

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