Bielefelder Notgeld
Notgeld der Stadtsparkasse Bielefeld zwischen 1917 und 1923
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Das Bielefelder Notgeld wurde zwischen 1917 und 1923 von der Stadtsparkasse Bielefeld in der ostwestfälischen Stadt Bielefeld ausgegeben. Die ersten Ausgaben von 1917 bis 1920 waren durch Bargeldmangel im und nach dem Ersten Weltkrieg bedingt. Unter Sammlern sind besonders die Stoffgeld-Ausgaben zur 700-Jahr-Feier der Stadt Bielefeld im Juli 1921 bekannt, die auf Leinen oder Seide gedruckt wurden. Während der Hochinflation in der zweiten Jahreshälfte 1923 wurden parallel konventionelle Papierscheine, daneben aber auch Drucke auf Leinen emittiert.
Da die Stadtsparkasse keine Notenbank im rechtlichen Sinne war, konnte sie keine Banknoten ausgeben, daher tragen die Notgeldscheine die Angabe „Platzanweisung“ oder Scheck.
Arnold Keller fasste 1958 alle nicht auf Papier gedruckten Geldscheine als „Notgeld der besonderen Art“ in einem Katalog zusammen. Darunter nimmt das Bielefelder Notgeld den umfangreichsten Teil ein.
Verkehrsausgaben 1917 bis 1920

Wegen der durch den Ersten Weltkrieg bedingten Metallknappheit trat in Bielefeld wie in hunderten anderen Städten und Gemeinden ein Mangel an Münzgeld auf. Die Stadtsparkasse Bielefeld reagierte darauf mit der Ausgabe kleinformatiger Geldscheine zu 10 und 25 Pfennig am 1. Juli 1917. Parallel dazu wurden auch achteckige Münzen aus Zink, Aluminium oder Messing ausgegeben.[1] Am 1. März 1918 erschien auch ein Schein zu 50 Pfennig, der auf der Bildseite einen Schmied und einen Soldaten zeigt, die die Wertziffern flankieren. Die Geldscheine wurden bis 1920 in mehreren Auflagen gedruckt. Ab 1919 wurden die Scheine zu 10 und 25 Pfennig, deren Motive die Karikatur einer Steckrübe mit einem Gesicht zeigen, in neuen Farben ausgegeben.
Im Herbst 1918 kam es wegen der sich abzeichnenden Kriegsniederlage Deutschlands bei Privatleuten zur Hortung von Bargeld. Hatte die Reichsregierung bisher die Ausgabe von lokalem Notgeld nur geduldet, bat sie nun Städte, Gemeinden und Großunternehmen um den Druck von Notgeld und garantierte einen 50%igen Ersatz beim Auftreten von Falschgeld. Die Bielefelder Stadtsparkasse gab daraufhin am 1. Dezember 1918 Scheine zu 1, 2 und 5 Mark aus, die am 1. Februar 1919 wieder eingezogen wurden.
Zu allen Verkehrsausgaben gibt es seltene Probeabzüge auf Leinen, bei denen Vorder- und Rückseite separat bedruckt und anschließend miteinander vernäht wurden. Diese gelangten nicht in den Zahlungsverkehr, sondern wurden direkt an Sammler verkauft.
Stoffgeld 1921/22


Anlässlich des 700-jährigen Stadtjubiläums am 15. Juli 1921 ließ der damalige Direktor der Stadtsparkasse Paul Hanke bei der Druckerei E. Gundlach in Bielefeld Stoffgeldscheine herstellen. Die Darstellungen auf dem Notgeld beziehen sich auf historische Ereignisse und Sagen der Stadt Bielefeld. Die Stoffgeldscheine tragen einen Hinweis auf den Deutschen Gebrauchsmusterschutz (D.G.M.) und wurden auf Leinen oder Seide gedruckt. Eine echte Notwendigkeit für die Notgeldausgabe bestand zu dieser Zeit nicht, da die Reichsbank den Bedarf an Banknoten decken konnte. Dennoch gibt es Scheine, die sich im Zahlungsverkehr befanden, die Mehrzahl der Scheine wurde allerdings nie eingelöst und verblieb in Sammlerhänden.
Folgende Wertstufen kamen am 15. Juli zur Ausgabe:
- 5 Mark
- 25 Mark mit Motiv zum Stadtjubiläum
- 25 Mark mit Motiv Jungbrunnen
- 100 Mark Motiv „Vertragsbruch der Alliierten“
Mit Ausnahme des Scheins zu 5 Mark existieren von allen Scheinen Varianten, die unterschiedliche Druckvermerke oder Farben aufweisen. Darüber hinaus gibt es einen 100-Mark-Schein, der gestickt wurde (sogenannter Wunderlich-Schein) und nicht in den Zahlungsverkehr gelangte. Dabei handelt es sich um nichtamtliche zeitgenössische Sonderanfertigungen.
Die Scheine zu 100 Mark wurden mit Metall-Litzen, Spitzen und farbigen Borten gesäumt. Diese sind so vielfältig, dass eine Katalogisierung nicht erfolgte. Besonders schöne und aufwendige Borten erzielen unter Sammlern Liebhaberpreise.
Anfang April 1922 wurden zusätzlich 25-Mark-Scheine mit dem Jungbrunnen-Motiv in neuen Farben ausgegeben. Außerdem kam ein 50-Mark-Schein hinzu, der das Motiv eines Paares unter einem Baum zeigt, dem ein Geldsack zugetragen wird.
Durch ein Reichsgesetz vom 17. Juli 1922 (RGBl. I, 693) wurde die weitere Ausgabe von Notgeld verboten. Allerdings begann im Juli 1922 ein Streik bei der Reichsbank, durch den erneut ein Bargeldmangel hervorgerufen wurde. Ab Oktober 1922 gab die Stadtsparkasse erneut Geldscheine zu 500 Mark heraus, denen im Dezember Scheine zu 1000, 5000 und 10.000 Mark folgten. Bei den Dezember-Ausgaben kamen Seide, Leinen und Jute als Material zur Verwendung; auch hier existieren aufwendige Brokat-, Klöppel- und Häkel-Borten. Parallel zu den Stoffgeldscheinen wurden diese Wertstufen auch auf Papier gedruckt, da ein echter Bargeldmangel herrschte.
Hochinflation
Während der Hochinflation von Juli bis Mitte November 1923 gab die Stadtsparkasse überwiegend Papiergeldscheine aus. Von allen Geldscheinen wurden aber auch Drucke auf Leinen hergestellt, die nur selten in den Zahlungsverkehr gelangten und bereits damals überwiegend von Sammlern gekauft wurden.
Der erste Geldschein zu 500 Mark erschien am 1. Juli 1923 und war eine Neuauflage des Scheins von Oktober 1922. Im August und September folgten in schneller Folge Geldscheine mit Wertangaben zu 1, 3, 5 und 10 Millionen Mark. Im Oktober stieg die Inflationsrate, so dass man alte Entwürfe wiederverwendete und die Wertangabe auf Millionen umstellte. Diese Scheine zu 50 und 250 Millionen tragen noch das Ausgabedatum 2. April 1922, obwohl die Scheine erst im Oktober 1923 entstanden.
Ab Oktober 1923 folgten Werte zu 1, 25, 50, 100 und 500 Milliarden Mark auf alten Designs und zum Teil mit den alten Ausgabedaten des ursprünglichen Scheins. Ende Oktober wurden noch Geldscheine zu 1 und 10 Billionen Mark notwendig.
Wertbeständiges Notgeld

Im November 1923 versuchte man vielerorts durch die Ausgabe von sogenanntem „wertbeständigem Notgeld“, das durch Gold, ausländische Währung (US-Dollar) oder Sachwerte wie Roggen gedeckt war, die Inflation in Deutschland einzudämmen.
Die Stadtsparkasse Bielefeld begann am 8. November 1923 mit der Ausgabe von derartigen Notgeldscheinen, die auf Goldpfennig beziehungsweise Goldmark und auf den entsprechenden Gegenwert in US-Dollar lauteten. Die Scheine mit den Werten zu 1, 5 und 10 Goldpfennig, 1,05 (¼ Dollar), 2,10 (½ Dollar) und 4,20 (1 Dollar) Goldmark sowie ½ und 1 Goldmark wurden sowohl als Papiernoten als auch auf Leinen gedruckt ausgegeben.
Gegen Ende November wurden dann noch spezielle ovale Scheine mit Rundzackenrand auf buntem Samt ausgegeben. Diese waren nur einseitig schwarz bedruckt und wurden mit einer Versandpappe in der gleichen Form ausgeliefert, um ein Knittern zu vermeiden. Die vier letzten Werte zu 10, 25, 50 und 100 Goldmark vom 15. Dezember 1923 hatten wieder ein rechteckiges Format und wurden sowohl auf farbigem Samt als auch auf Papier ausgegeben.
Ratsherren-Alben
Im Oktober 1926 stellte die Stadtsparkasse einige Dutzend sogenannter „Ratsherrn-Alben“ zusammen, die eine vollständige Sammlung aller Notgeldscheine (ohne Varianten) enthielt. Diese Alben waren mit samtenen Albendeckeln versehen, die aus dem Material der ovalen, wertbeständigen Notgeldscheine gefertigt wurden. Ratsherren und andere hochgestellte Persönlichkeiten erhielten diese Alben als Dank für die Kooperation zwischen der Stadt und der Sparkasse bei der Ausgabe von Notgeld.
Literatur
- Hans-Ludwig Grabowski: Deutsches Notgeld. Band 9: Notgeld der besonderen Art. Gietl Verlag, ISBN 3-924861-93-5, S. 16–142