Bildnis Gerda

Gemälde von Ernst Ludwig Kirchner From Wikipedia, the free encyclopedia

Bildnis Gerda (alternativ: Porträt Gerda) ist ein Gemälde des deutschen expressionistischen Malers Ernst Ludwig Kirchner aus dem Jahr 1914. Es gehört seit 1953 zur Sammlung des Von der Heydt-Museums in Wuppertal.

Schnelle Fakten
Porträt Gerda
Bildnis Gerda
Ernst Ludwig Kirchner, 1914
Öl auf Leinwand
70× 57cm
Von der Heydt-Museum, Wuppertal
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Beschreibung

Kirchners Werk ist in Öl auf Leinwand ausgeführt und hat das Format 70 × 57 cm. Es hat die Inventarnummer G 0755 in der Sammlung Von der Heydt-Museum. Auf der Rückseite ist das Werk mit „E. L. Kirchner Kopf Gerda 1914“ bezeichnet.[1] Weiter befindet sich dort ein Nachlass-Stempel mit der Nummer Be/Ba 7.[1]

Das Werk zeigt ein Halbfigurenporträt einer jungen Frau, die im Großstadtstil der 1910er Jahre modisch gekleidet ist. Das Gesicht weist in der Zeichnung starke Konturen auf, mit einem betonten Mund, roten Lippen und schwarz geschminkten Augen. Ihre Kurzhaarfrisur ist als Ponyfrisur über der Stirn angedeutet. Bekleidet ist sie mit einem schwarzen Hut, an dem Blüten befestigt sind, und einer blauen, pelzbesetzten Jacke. Die Szene scheint eine Tanzveranstaltung darzustellen, denn im Hintergrund lässt sich schemenhaft ein tanzendes Paar erahnen. Durch pastos aufgetragene, stark leuchtende Farben und scharfe Kontraste erreicht Kirchner eine grelle Farbwirkung, die die Atmosphäre in einem Berliner Tanzlokal jener Jahre beschreibt.[2]

Entstehung und Einordnung

Ernst Ludwig Kirchner: Frauenkopf Gerda, 1914, New York City, Solomon R. Guggenheim Museum

Das Bildnis stellt die Berlinerin Gerda Schilling (1893–1923) dar.[2] Allgemein wird angenommen, dass Ernst Ludwig Kirchner zunächst Gerda Schilling im Winter 1911/12 kennenlernte, die zusammen mit Sidi Riha, Erich Heckels Partnerin, in einem Variété oder Tingeltangel als Tänzerin arbeitete.[3] Kirchner erinnerte sich 1925 in seinem Tagebuch: „Wir [Kirchner und Heckel] wollten nach Fehmarn zusammen und suchten nach einem Mädchen, das wir ausser der Sidi mitnehmen wollten. Ich fand eine kleine Tänzerin, die im selben Lokal wie Sidi auftrat. [...] Sie war nett, gut gebaut, nur sehr elend und traurig. Wir hatten Sympathie füreinander, und sie ging mit mir und lebte bis zur Abreise ganz gut mit mir.“[4] Über Gerda und Erna Schilling als Modelle schrieb er: „Die Gestaltung des Menschen wurde durch meine dritte Frau, eine Berlinerin, die von nun an mein Leben teilte, und deren Schwester stark beeinflusst. Die schönen architektonisch aufgebauten, strengformigen Körper dieser beiden Mädchen lösten die weichen sächsischen Körper ab. In Tausenden von Zeichnungen Graphiken und Bildern formten diese Körper mein Schönheitsempfinden zur Gestaltung der körperlich schönen Frau unserer Zeit.“[5]

Nach einer kurzen Romanze zwischen Gerda Schilling und Kirchner wurde deren Schwester Erna Schilling ab 1912 Kirchners Lebensgefährtin.[6][7] Die Schwestern standen Kirchner für zahlreiche Zeichnungen und Gemälde Modell, so etwa auch für das Werk Potsdamer Platz oder Zwei Frauen mit Waschbecken.[8] Weiterhin gestalteten beide Frauen Textilien, insbesondere Stickereien, die die Atelier- und Wohnräume des Künstlers schmückten.

Der Kontakt zwischen den beiden Schwestern verlor sich 1916. 1923 starb Gerda Schilling in der Landesirrenanstalt Neuruppin an den Spätfolgen einer Syphilis.[9]

Literatur

  • Gerd Presler: Gerda Schilling, in: Ernst Ludwig Kirchner, Seine Frauen, seine Modelle, seine Bilder, Prestel-Verlag, München 1998, S. 70–75.

Einzelnachweise

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