Bildnis Prinz William Nii Nortey Dowuona
Ölgemälde von Gustav Klimt
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Das Bildnis von Prinz William Nii Nortey Dowuona ist ein 1897 entstandenes Ölgemälde von Gustav Klimt (1862–1918). Das als Profilansicht gestaltete Porträt zeigt den Anführer einer Gruppe von Darstellern der 1897 in Wien veranstalteten Völkerschau „Die afrikanische Goldküste“. Das Gemälde galt lange als verschollen und wurde 2025 erstmals wieder der Öffentlichkeit gezeigt.
| Prinz William Nii Nortey Dowuona |
|---|
| Gustav Klimt, 1897 |
| Öl auf Leinwand |
| 65,5 × 54 cm |
Motiv
Das Porträt zeigt Prinz William Nii Nortey Dowuona im Dreiviertelprofil leicht von oben gesehen, dessen nackter Oberkörper halb durch eine Toga bedeckt wird. Der Blick des Prinzen wirkt „nach innen gekehrt“.[1] Die Kunsthistorikerin Alexandra Matzner urteilt, es sei „kein entwürdigender Blick“ des Malers auf sein Modell; Klimt habe Dowuona mit „Sorgfalt und Hingabe“ porträtiert. Damit füge sich der Prinz in sein „frühes Porträtschaffen, das er im naturalistischen, nahezu fotorealistischen Stil hielt“.[2]
Während sein Kopf detailreich modelliert ist, wirken der raumlose, mit floralen Andeutungen verzierte „Hintergrund und Kleidung freier behandelt“.[1] Hierzu erklärt Klimt-Experte Alfred Weidinger: „Komposition und malerische Ausführung deuten auf Klimts Hinwendung zu dekorativen Elementen hin, die sein späteres Werk prägen sollten, und stehen in direktem Zusammenhang mit seinen wegweisenden Porträts der folgenden Jahre“.[3]
Entstehung

Als der 35-jährige Klimt das Gemälde 1897 anfertigte, hatte er sich in Wien als Künstler und Porträtmaler für das Kunsthistorische Museum Wien etabliert. Unter welchen Umständen Klimt und Prinz William Nii Nortey Dowuona zusammentrafen, ist bislang nicht genau überliefert.[2] Der aus Osu, einem Vorort Accras, der Hauptstadt Ghanas, stammende Prinz aus der Ethnie der Ga hielt sich 1897 als Darsteller der von Viktor Bamberger organisierten Völkerschau „Große ethnographische Ausstellung: Die afrikanische Goldküste“ in Wien auf, die dort vom 18. April bis zum 24. Oktober 1897 im Tiergarten am Schüttel am Rande des Praters stattfand. Die als „Eingeborenendorf“ inszenierte Völkerschau zeigte 120 Personen vornehmlich aus Ghana, ganz ähnlich der im Jahr zuvor ebenfalls von Viktor Bamberger veranstalteten Völkerschau „Aschanti-Dorf“, über die Peter Altenberg seine Projektskizzen Ashantee verfasste.[4.1]

William Nii Nortey Dowuona war vom regierenden Osu-Mantse zum Anführer der Gruppe ernannt worden[1] und wurde von Klimt als auch von Franz Matsch porträtiert.[5] Alfred Weidinger vermutet, dass es sich um zwei Auftragsarbeiten des Textilunternehmers Nikolaus Dumba[1] handelte – und weil Klimt sein Porträt nicht signierte und es in seinem Besitz blieb, der Auftraggeber das Gemälde von Matsch auswählte.[3]
Geschichte des Bildes und Provenienz
Das 1897 entstandene Gemälde blieb bis zu Klimts Tod in dessen Atelier und gelangte danach in die Sammlung der Familie Klein, die 1922 die Klimt-Villa im Wiener Gemeindebezirk Hietzing erworben hatte. 1928 wurde es als Leihgabe in der Klimt-Gedächtnisausstellung in der Wiener Secession ausgestellt und im dazugehörigen Katalog „Kopf eines Negers“ betitelt.[5] Als Leihgeberin wurde Ernestine Klein angegeben.[3] Nach der Flucht der Familie Klein 1938 ins Exil wurde das Gemälde vermutlich zwangsversteigert,[5] nachdem die Familie Klein den Diplomaten Fedor Vest gebeten hatte, den Hausstand zu retten. In diesem Zuge habe Vest das Gemälde vermutlich nach Budapest gebracht und sich nach dem Krieg geweigert, es der Familie zurückzugeben.[1]
In den Werkverzeichnissen tauchte das Gemälde lange nicht auf und spielte auch in der Klimt-Forschung keine Rolle. Erstmals wurde es 2012 im Verzeichnis der Klimt-Gemälde von Tobias Natter aufgeführt.[5] 2023 wurde das als verschollen geltende, stark verschmutzte Gemälde den Kunsthändlern Wienerroither und Kohlbacher zum Kauf angeboten und von Alfred Weidinger authentifiziert.[5] Es sollte bereits 2024 auf der internationalen Kunstmesse The European Fine Art Fair (TEFAF) in Maastricht ausgestellt werden, musste aber kurzfristig zurückgehalten werden. Nach einem Restitutionsvergleich mit den Erben der Familie Klein wurde es erstmals bei der TEFAF 2025 der Öffentlichkeit gezeigt und für 15 Mio. Euro zum Verkauf angeboten.[5] Im November 2025 kündigte Ungarn einen möglichen Rückführungsantrag des Gemäldes mit der Begründung an, es sei unrechtmäßig von Ungarn nach Österreich ausgeführt worden.[6] Zurzeit gilt die Eigentumszuordnung des Bildes noch als ungeklärt.[1]
Rezeption
2025 erschien ein 53-minütiger Dokumentarfilm Gustav Klimt – Ein Kunstkrimi unter der Regie von Judith Doppler und Rudolf Klingohr über die Geschichte des Gemäldes.[7]
Literatur
- Werner Michael Schwarz: Anthropologische Spektakel. Zur Schaustellung „exotischer“ Menschen, Wien 1870–1910. Turia und Kant, Wien 2001, ISBN 3-85132-285-1.
Weblinks
- Brian Boucher: A Rediscovered Gustav Klimt Portrait of an African Prince Is On Offer at TEFAF Maastricht. Online unter Artnet.com, ohne Datum, abgerufen am 25. April 2026.
- Olga Kronsteiner: Wiederentdeckung von Gustav Klimts 15-Millionen-Porträt eines afrikanischen Prinzen. Online unter DerStandard.at, 13. März 2025, abgerufen am 25. April 2026.
- Alexandra Matzner: Maastricht / Wien | TEFAF: Klimts Prinz aus Ghana aufgetaucht. Online unter: ArtinWords.de, 13. März 2025, abgerufen am 25. April 2026.
- Boris Pofalla: Der weite Weg des Prinzen. Online unter: Arte-Magazin.de, April 2026, abgerufen am 25. April 2026.