Billy Sunday

US-amerikanischer Sportler und Massenprediger From Wikipedia, the free encyclopedia

Billy Sunday, mit bürgerlichem Namen William Ashley Sunday (* 19. November 1862 bei Ames, Iowa; † 6. November 1935 in Chicago, Illinois[1]), war ein US-amerikanischer Sportler und presbyterianischer Massenprediger. In den 1880er Jahren wurde er zum bekanntesten und einflussreichsten amerikanischen Evangelisten; sein Einfluss hielt bis in die ersten zwei Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts an.

Billy Sunday

Leben und Wirken

Billy Sunday wurde in der Nähe von Ames, Iowa geboren. Sein Vater, William Ashley Sunday Senior (1839–1862), war Soldat im Amerikanischen Bürgerkrieg. Er starb an einer Lungenentzündung fünf Wochen nach Billy Sundays Geburt. Er hatte namentlich zwei Geschwister, Albert Monroe (1858–1900) und Howard Edwin (1861–1938), und zwei Halbgeschwister, Leroy Chester Heizer (1869–1944) und Bert E. Stowell (1876–1907). Als Sunday zehn Jahre alt war, schickte seine Mutter Mary Jane Cory Stowell (1840–1916)[2] ihn in ein Waisenhaus für Soldatenkinder in Glenwood, Iowa. Dort lernte er geordnete Verhältnisse kennen und während der Schule taten sich seine außergewöhnlichen sportlichen Fähigkeiten auf, die ihn 1883 zu den Chicago White Stockings, etwas später zu den Pittsburgh Pirates, 1890 zu den Philadelphia Athletics und in die Baseball-Nationalmannschaft brachten. 1885 gab es ein spektakuläres Rennen zwischen Sunday und Arlie Latham, dem damals schnellsten Läufer in der amerikanischen Leichtathletik-Rangliste. Sunday gewann diesen Hundertmeterlauf.

Sundays charismatische Persönlichkeit und seine Haltung machten ihn beliebt bei seinen Anhängern Fans. 1886 bekehrte er sich beim Hören von alten Gospellieder zum christlichen Glauben und besuchte danach die Jefferson Park Presbyterian Church regelmäßig. Er engagierte sich bald darauf für die Pacific Garden Mission in Chicago; 1891 wurde er Mitarbeiter beim YMCA. Ein wichtiges Vorbild war ihm der Evangelist Dwight Lyman Moody.

Sunday inszenierte ab 1896 evangelikale Massenspektakel und verlangte sogar Eintrittsgelder dafür. Die erste fand im ländlichen Garner in Iowa statt. Mit Hilfe neuer Kommunikationsformen, Lautsprechern und Verstärkern erreichte er im Laufe seiner 30 Jahre als Wanderprediger bei über 300 Erweckungsversammlungen 100 Millionen Menschen, wobei sich etwa 300.000 für den christlichen Glauben entschieden haben. Am Schluss seiner Veranstaltungen rief er jeweils zur Umkehr zu Jesus Christus auf. Homer Rodeheaver begleitete ihn als Chorleiter, und seine Frau Helen Amelia Thompson half ihm bei der Organisation und verbesserte auch seinen Wortschatz und seine Formulierungen. 1903 wurde Sunday als presbyterianischer Geistlicher ordiniert, und er erhielt ein Training beim gelehrten Pastor und Evangelisten John Wilbur Chapman.[3]

Sein Predigen war nicht besonders gelehrt, jedoch einfach verständlich und massentauglich. Er mietete für seine Wanderpredigten sogar ein Zirkuszelt, später ließ er lange vor seinem Eintreffen große Zelte aufstellen und von den Gemeinden größere Predigtsäle bauen; teilweise wurden sie später als Kinos benützt. Am 12. November 1916 predigte er vor 55.000 Zuhörern in einem temporären Gotteshaus, das an der Huntington Avenue in Boston errichtet wurde; wobei noch 15.000 Eintrittswillige abgewiesen werden mussten.[4]

Er zählte zu seiner Zeit zu den reichsten Amerikanern, er war auf diese Tatsache stolz und blieb dennoch in seinem Lebensstil unauffällig. Von Sinclair Lewis und Mark Twain wurde er karikiert, etwa im Roman Elmer Gantry. Er war Abstinenzler und setzte sich vehement für die Prohibition und gegen Kinderarbeit ein.

Sundays Popularität schwand erst nach dem Ersten Weltkrieg, als neue Medien aufkamen.[5] Historiker haben den Erfolg von Sundays Wirken im Allgemeinen auf die Einfachheit seiner Botschaft, die Sicherheit, die er durch die Bekräftigung traditioneller Sitten und Moralvorstellungen vermittelte, die ausgeklügelte Durchführung seiner Auftritte und seine spektakuläre Showmanship zurückgeführt.[6]

Sunday starb am 6. November 1935 an einem Herzschlag, und er wurde auf dem Forest Home Cemetery in Forest Park, einem Vorort von Chicago, begraben. Seine Grabstelle befindet sich in der Sektion 32, Lot 106. Auf seinem Grabstein steht nebst seinem Namen die Bibelstelle I Have Fought A Good Fight. I Have Finished My Course. I Have Kept the Faith. (deutsch: Ich habe den guten Kampf gekämpft. Ich habe meinen Lauf beendet. Ich habe Glauben gehalten. 2 Tim 4,7 EU)[7][8]

In Winona Lake in Indiana, wo Sunday seit 1911 sein Hauptquartier hatte, gibt es The Billy Sunday Home Museum und ein Besucherzentrum.[9]

Familie

Sunday traf Helen Amelia Thompson (1868–1957), genannt Ma, 1876 in Chicago und heiratete sie 1888. Sie hatten zusammen vier Kinder, Helen Edith Sunday Haines (1890–1932), George Marquis (1892–1933), William Ashley Junior (1901–1938) und Paul Thompson (1907–1944).[10] Nach der Geburt des jüngsten Sohnes 1907 bereitete sie oft seine Veranstaltungen vor und reiste mit Sunday zusammen durchs Land. Nach Sundays Tod 1935 reiste sie weiter durch die USA, um Spenden für andere christliche Werke zu sammeln.[11]

Schriften (Auswahl)

  • The Sawdust Trail: Billy Sunday in His Own Words, Serie in the Ladies’ Home Journal 1932/1933; University of Iowa Press, Iowa City 2005.
  • John R. Rice: The Best of Billy Sunday; 17 Burning Sermons from the Most Spectacular Evangelist the World Has Ever Known, Sword of the Lord Publishers, 1965.
  • Billy Sunday's Most Powerful Sermons, CreateSpace Independent Publishing Platform, 2018, ISBN 978-1-98506-532-1.

Literatur

  • Friedhelm Ackva u. a. (Hrsg.): Geschichte des Pietismus, Vandenhoeck & Ruprecht, ISBN 978-3-525-55347-3, 1995.
  • Robert A. Allen: Billy Sunday: Home Run to Heaven, Ed. Louise H. Rock, Mott Media, 1985.
  • Frederick W. Betts: Billy Sunday: The Man and Method, Murray Press, Boston 1916.
  • Elijah P. Brown: The Real Billy Sunday, Fleming H. Revell, New York 1914; Wentworth Press, 2016, ISBN 978-1-37421-550-4.
  • Roger Bruns: Preacher: Billy Sunday and Big-Time American Evangelism. New York: W.W. Norton, ISBN 0-252-07075-5, 1992.
  • Elaine Cunningham: Billy Sunday: Runner for the Lord, Beka Book, 1995.
  • Lyle W. Dorsett: Billy Sunday and the Redemption of Urban America, Eerdmans, Grand Rapids 1991.
  • William T. Ellis: Billy Sunday, The Man and His Message With his own words which have won thousands for Christ, L. T. Mayers, 1914; John C. Winston, Philadelphia 1936; Loki's Publishing, 2019, ISBN 978-1-63600-645-1.
  • Theodore Frankenberg: The Spectacular Career of Rev. Billy Sunday, the Famous Baseball Evangelist, 1913; neuer Untertitel: His Tabernacles and Sawdust Trails, F. J. Heer Printing, Columbus 1917.
  • William G. McLoughlin: Billy Sunday Was His Real Name, University of Chicago Press, Chicago 1955.
  • William G. McLoughlin: Modern Revivalism: Charles Grandison Finney to Billy Graham, Ronald Press, New York 1959.
  • Robert F. Martin: Hero of the Heartland: Billy Sunday and the Transformation of American Society, 1862-1935, Indiana University Press, Bloomington 2002.
  • Rachael M. Phillips: Billy Sunday: Evangelist on the Sawdust Trail, Heroes of the Faith, Barbour Publishing Inc, 2001, ISBN 978-1-58660-137-9.
  • Rachael M. Phillips: Billy Sunday: Major League Evangelist, Heroes of the Faith, Barbour Publishing Inc, 2005, ISBN 978-1-59310-626-3.
  • Homer Rodeheaver: Twenty Years with Billy Sunday, Cokesbury Press, Nashville 1936.
Commons: Billy Sunday – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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