BirdyChat

Instant-Messenger-Dienst From Wikipedia, the free encyclopedia

BirdyChat ist ein Instant-Messenger-Dienst, der sich an die berufliche Kommunikation richtet und im Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) betrieben wird. Das Unternehmen hat seinen Sitz in Lettland.

Schnelle Fakten Basisdaten ...
BirdyChat
Basisdaten
Hauptentwickler Rolands Mesters, Martins Spilners
Betriebssystem iOS, Android, Windows
Kategorie Instant Messaging
Lizenz proprietär
birdy.chat
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Im Januar 2026 wurde BirdyChat als erster europäischer Messenger-Dienst bekannt, der im Rahmen der Anforderungen des Digital Markets Act (DMA) der Europäischen Union eine Interoperabilität mit WhatsApp herstellte.[1][2]

Geschichte

BirdyChat wurde von Rolands Mesters und Martins Spilners gegründet.[3] Das Unternehmen startete zunächst unter dem Namen Fyello, bevor es in BirdyChat umbenannt wurde.[4] Im Dezember 2025 erhielt BirdyChat beim lettischen Startup-Jahrespreis den Titel „Newcomer of the Year“, und Gründer Mesters wurde als „Founder of the Year“ ausgezeichnet.[5] Die Nutzerzahlen sind zum gegenwärtigen Zeitpunkt gering: Im Google Play Store wurden weniger als 500 Downloads verzeichnet, im Apple App Store war die Resonanz vergleichbar niedrig.[6]

Funktionsumfang

BirdyChat ermöglicht die Kontaktaufnahme über geschäftliche E-Mail-Adressen anstelle von Telefonnummern. Ziel ist die Trennung von Arbeitskommunikation und privater Kommunikation.[7]

Zu den Funktionen gehören:

  • Direkte Chats auf Basis von E-Mail-Adressen ohne vorherige Übermittlung einer Telefonnummer
  • Gruppenräume für projektbezogene Kommunikation über Unternehmensgrenzen hinweg
  • Thread-Management mit der Möglichkeit, abgeschlossene Threads zu archivieren
  • Posteingangsorganisation mit „Erledigt“-Markierungen und Snooze-Funktion
  • Ende-zu-Ende-Verschlüsselung für alle Nachrichten einschließlich der WhatsApp-Interoperabilitätsfunktion
  • Interoperabilität mit WhatsApp im EWR (Eins-zu-Eins-Chats; Gruppenchats zum Zeitpunkt der Veröffentlichung noch nicht verfügbar)
  • Verfügbar auf iOS, Android und Windows[8]

Regulatorischer Kontext

Der Digital Markets Act (DMA) ist eine Verordnung der Europäischen Union, die im Mai 2023 in Kraft trat. Das Gesetz reguliert die Marktmacht großer digitaler Plattformen, sogenannter Gatekeeper, und soll fairen Wettbewerb fördern. Als Gatekeeper werden Unternehmen eingestuft, die einen Jahresumsatz von mindestens 7,5 Milliarden Euro oder einen Börsenwert von mindestens 75 Milliarden Euro aufweisen und monatlich mehr als 45 Millionen Nutzerinnen und Nutzer in der EU bedienen.[9]

Im Bereich der Messenger-Dienste ist Meta das einzige Unternehmen, das als Gatekeeper eingestuft wurde. Der DMA verpflichtet Meta, WhatsApp und den Facebook Messenger für Drittanbieter zu öffnen und Interoperabilität zu ermöglichen. Die Verpflichtung zur Öffnung betrifft ausschließlich den Gatekeeper Meta. Drittanbieter-Dienste sind ihrerseits nicht verpflichtet, die Interoperabilität zu implementieren.[10] Der europäische Messenger-Markt weist eine ausgeprägte Konzentration auf. Laut einer Erhebung der Bundesnetzagentur nutzen 93 Prozent der befragten deutschen Messenger-Nutzenden WhatsApp als primären Dienst. Der Facebook Messenger, ebenfalls ein Meta-Produkt, folgte mit 39 Prozent.[11]

Modellierungen der Bundesnetzagentur zeigten, dass eine verpflichtende Interoperabilität den WhatsApp-Marktanteil rechnerisch lediglich um rund 16 Prozentpunkte auf etwa 68 Prozent senken würde – der Dienst verbliebe damit weiterhin in einer dominanten Stellung.[12]

Interoperabilität mit WhatsApp

Im November 2025 gab Meta bekannt, dass BirdyChat und Haiket als erste Drittanbieter die Interoperabilität mit WhatsApp in der EU herstellen würden. Meta beschrieb das Vorhaben als Ergebnis von mehr als drei Jahren Zusammenarbeit mit europäischen Messenger-Diensten und der Europäischen Kommission.[13]

Die technische Umsetzung basiert auf der offiziellen Third-Party-Chats-Schnittstelle von WhatsApp, die im Rahmen des DMA entwickelt wurde. Alle über diese Schnittstelle ausgetauschten Nachrichten sind Ende-zu-Ende-verschlüsselt. Meta schreibt vor, dass angebundene Drittanbieter das gleiche Verschlüsselungsniveau wie WhatsApp – basierend auf dem Signal-Protokoll – oder ein vergleichbares Verfahren einsetzen müssen.[14]

Für WhatsApp-Nutzende im EWR ist die Funktion als Opt-In ausgestaltet: Wer Nachrichten von Drittanbieter-Diensten empfangen möchte, muss die Funktion in den Einstellungen aktivieren. Nachrichten können entweder in einem separaten Ordner oder im gemeinsamen Posteingang angezeigt werden, wobei die Herkunft aus einer externen App kenntlich gemacht wird. Die Funktion ist jederzeit deaktivierbar.[15] Im Januar 2026 kommunizierte BirdyChat, als erster Messenger in Europa die technische Verbindung zu WhatsApp hergestellt zu haben.[16]

Ablehnung der Interoperabilität

Während BirdyChat und Haiket die Anbindung an WhatsApp vornahmen, lehnen die datenschutzorientierten Messenger Signal und Threema eine Interoperabilität mit WhatsApp aus grundsätzlichen Erwägungen ab.

Signal-Präsidentin Meredith Whittaker erklärte, eine Zusammenarbeit mit WhatsApp würde eine Verschlechterung der Datenschutzstandards von Signal bedeuten. Andere Dienste ohne vergleichbare Datenschutzstandards würden Zugang zu großen Mengen Nutzerdaten erhalten.[17] Signal verschlüsselt nicht nur Nachrichteninhalte, sondern auch Metadaten wie Profilnamen, Kontaktlisten und Informationen darüber, wer wem Nachrichten sendet.[18]

Auch Threema sprach sich gegen eine Anbindung aus. Ein Unternehmenssprecher begründete dies damit, dass die Sicherheits- und Datenschutzstandards von Threema mit den Praktiken von WhatsApp nicht vereinbar seien.[19] Als weiteres technisches Problem wurde benannt, dass WhatsApp-Nutzende Telefonnummern als Identifikationsmerkmal verwenden, während Threema-Konten ohne Telefonnummernbindung angelegt werden können. Eine Interoperabilität würde Threema-Nutzende de-anonymisieren.[20]

Die Ablehnung durch Signal und Threema begrenzt die Reichweite der DMA-Verpflichtung im Bereich des Datenschutzes. Da nur Gatekeeper zur Öffnung verpflichtet sind, entsteht kein universelles, offenes Messaging-Ökosystem.[21]

Einzelnachweise

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