Bischofstaube
Art der Gattung Amerikanische Erdtauben (Geotrygon)
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Die Bischofstaube (Geotrygon violacea, Syn.: Columba violacea, Oreopeleia violacea) ist eine Vogelart aus der Familie der Tauben (Columbidae), die in Nicaragua, Costa Rica, Panama, Kolumbien, Ecuador, Venezuela, Guyana, Suriname, Brasilien, Peru, Bolivien, Paraguay und Argentinien vorkommt. Der Bestand wird von der IUCN als nicht gefährdet (Least Concern) eingeschätzt.
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Bischofstaube (Geotrygon violacea) | ||||||||||
| Systematik | ||||||||||
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| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||
| Geotrygon violacea | ||||||||||
| (Temminck, 1809) |
Merkmale
Die männliche Bischofstaube erreicht eine Körperlänge von 21,0 bis 23,5 cm und die weibliche von 21,0 bis 24,5 cm bei einem Gewicht von 93,0 bis 150,0 g. Der vordere Oberkopf des Männchens und der Kopfbereich ist weiß, wird am Oberkopf gräulich und schillert dann am Hinterhals und Mantel, also der Bereich zwischen Nacken und Schulterfedern, purpurfarben. Der Rest der Oberseite ist braun und von purpurnem Schimmer durchdrungen, welcher an Handschwingen, an den äußeren Armschwingen und Flügeldecken nicht vorhanden ist. Die Kehle und Brust sind weiß mit violettem Schimmer. Ein heller Wangenstreif verläuft bis unter das Auge. Die Flanken sind gelblich, der Bauch und die Unterschwanzdecken weiß. Der Unterflügel ist weiß mit schwarzen und kastanienbraunen Flecken. Die Iris ist orangebraun bzw. gelbbraun, der Schnabel und die Wachshaut karminrot und die Füße und Beine korallenrot. Das Weibchen wirkt matter gefärbt. Der violette Schimmer kommt nur am Hinterhals und oberen Rückenbereich vor. Das Gesicht und die Kehle sind hellgrau. Der Hals und die Brust sind bräunlich mit violettem Schimmer. Die Iris ist braun. Jungtiere ähneln den Weibchen, sind aber dunkler ohne Schimmern und mit gewellten zimtbraunen und matt rotbraunen Federn.[1]
Lautäußerungen
Der Ruf der Bischofstaube ist ein wiederholter, einzelner, eher hoher Gurrton, der ca. eine Sekunde dauert bei einer Tonhöhe von ca. 500 bis 600. Hz. Dieser kann leicht mit dem der viel häufiger vorkommenden Rotachseltaube (Leptotila rufaxilla) verwechselt werden, hat jedoch eine leichte Frequenzmodulation. Diese verleiht ihm einen weicheren, klagenden Charakter, im Gegensatz zu dem normalerweise dumpferen, flachen Ton der Schallschwingentauben.[1]
Fortpflanzung
In Kolumbien wurden vier Bischofstauben in Brutstimmung im Zeitraum von März bis Juni gefangen. Ein Jungtier wurde im Juli entdeckt, ein weiteres gestricheltes Jungtier spät im September. In Panama wurde ein Nest mit Eiern im Juli entdeckt. Aus Paraguay wurden erwachsene Vögel mit vergrößerten Gonaden im November untersucht. Dabei baut sie ein Nest aus Stöckchen in zwei bis drei Metern über dem Boden. Eines der untersuchten Nester enthielt zwei gelbbraun gefärbte Eier.[1]
Verhalten und Ernährung
Die Bischofstaube ernährt sich von Samen und herunter gefallenen Früchten und vermutlich kleineren Wirbellosen. Ihr Futter sucht sie am Boden.[1]
Verbreitung und Lebensraum

Die Bischofstaube ist häufig in dicht beschattetem Unterholz tropischer immergrüner Tieflandwälder, Sekundärwäldern und Kakaoplantagen in Höhenlagen bis zu einer Höhe von 1650 Meter anzutreffen. Im Gegensatz zu anderen verwandten Arten lebt sie eher in Bäumen und sitzt häufig im oberen Teil des Unterholzes.[1]
Unterarten
Es sind folgende Unterarten bekannt:[2]
- Geotrygon violacea albiventer (Lawrence, 1865)[3] ist von Nicaragua über das nördliche Kolumbien bis ins östliche Venezuela verbreitet. Die Unterart wirkt am Kopf, an der Brust und am Mantel bläulicher.[1]
- Geotrygon violacea violacea (Temminck, 1809)[4][A 1] kommt von Guyana, Suriname über das östliche Brasilien, das südöstliche Peru, das nördliche und östliche Bolivien, Paraguay und das nordöstliche Argentinien vor. Der Status in Ecuador und im nordöstlichen Perus ist unklar.
Migration
Über saisonale Zugbewegungen der Bischofstaube ist wenig bekannt. Sehr wenige Berichte aus Ost-, Zentral- und Südost-Peru, hauptsächlich aus der Trockenzeit von Mai bis Oktober, könnten auf Zugbewegungen hindeuten. Das Fehlen von Aufzeichnungen zwischen November und Ende Januar spiegelt wahrscheinlich eine geringere Erfassung während der Regenzeit wieder, aber möglicherweise finden auch saisonale Wanderungen statt, um regionale Spitzen in der Fruchtproduktion als Nahrungsquelle auszunutzen. Aus der Region Alta Floresta wird ähnliches Zugverhalten vermutet.[1]
Etymologie und Forschungsgeschichte

Die Erstbeschreibung der Bischofstaube erfolgte 1809 durch Coenraad Jacob Temminck unter dem wissenschaftlichen Namen Columba Violacea. Als Verbreitungsgebiet gab er vermutlich die Neue Welt an. Das Typusexemplar hatte er im Muséum national d’histoire naturelle gesehen.[4] 1847 führte Philip Henry Gosse die für die Wissenschaft neue Gattung Geotrygon für die Bergtaube (Geotrygon montana (Linnaeus, 1758)) und die Kurzschopftaube (Geotrygon versicolor (Lafresnaye, 1846), Syn. Geotrygon sylvatica Gosse, 1847) ein.[5] Dieser Begriff leitet sich von γεω, γη geō-, gē für Boden, Erde und τρυγων, τρυγονος trygōn, trygonos für Taube ab.[6] Der Artname violacea hat seinen Ursprung in lateinisch violaceus, viola ‚violettfarben, violett‘.[7] Albiventer ist ein Wortgebilde aus lateinisch albus ‚weiß‘ und lateinisch venter, ventris ‚Bauch‘.[8] Alfred Laubmann hatte für sein Werk Die Vögel von Paraguay keinen Balg zur Verfügung. In der Literatur betrachtete er Puerto Bertoni und Djaguarasapá durch Arnaldo de Winkelried Bertoni[9] und Sapucai[10] durch Charles Chubb als Nachweis für das Land. Laubmann ordnete die Art unter Oreopeleia violacea violacea ein.[11]
Literatur
- Luis Felipe Baptista, Pepper William Trail, Helen Mary Horblit, Christopher J. Sharpe, Peter F. D. Boesman, Ernest Francis John Garcia: Violaceous Quail-Dove in Birds of the World. Hrsg.: Josep del Hoyo, Andrew Elliott, Jordi Sargatal, David Andrew Christie, Eduardo de Juana. Cornell Lab of Ornithology, Ithaca, NY 2020, doi:10.2173/bow.viqdov1.01.
- Arnaldo de Winkelried Bertoni: Contribución para el conocimiento de las aves del Paraguay. In: Anales científicos paraguayos. Band 1, Nr. 3, 1904, S. 1–10.
- Charles Chubb: On the Birds of Paraguay. In: The Ibis (= 9. Band 4). Nr. 13, 1910, S. 53–78 (biodiversitylibrary.org).
- Edward Clive Dickinson, Normand David, Leslie K. Overstreet, Frank Dieter Steinheimer, Justin Jansen: Histoire naturelle des pigeons or Les pigeons: Coenraad Jacob Temminck versus Pauline Knip. In: Archives of natural history. Band 37, Nr. 2, 2010, ISSN 0260-9541, S. 203–220, doi:10.3366/anh.2010.0003.
- Philip Henry Gosse: The birds of Jamaica. J. Van Voorst, London 1847 (biodiversitylibrary.org).
- Alfred Laubmann: Die Vögel von Paraguay. Band 1. Strecker und Schröder, Stuttgart 1939, S. 142 (google.de).
- George Newbold Lawrence: Description of new species of Birds from the Isthmus of Panama. In: Proceedings of the Academy of Natural Sciences of Philadelphia. Band 17, 1865, S. 106–108 (biodiversitylibrary.org).
- René Ronsil: Madame Knip, née Pauline de Courcelles, et son oeuvre ornithologique. In: Journal of the Society for the Bibliography of Natural History. Band 3, 1957, ISSN 0037-9778, S. 207–220, doi:10.3366/jsbnh.1957.3.4.207.
- Coenraad Jacob Temminck, Pauline Knip geb. Rifer de Courcelles: Les pigeons. L'Imprimerie de Mame, Paris 1809 (biodiversitylibrary.org – Erschien zwischen 1808–1811 in 15 Lieferungen).
Weblinks
- Geotrygon violacea in der Roten Liste gefährdeter Arten der IUCN 2025.2. Eingestellt von: BirdLife International, 2019. Abgerufen am 25. Januar 2026.
- BirdLife International: Species Factsheet – Violaceous Quail-Dove (Geotrygon violacea)
- Bischofstaube (Geotrygon violacea) bei Avibase
- Geotrygon violacea im Integrated Taxonomic Information System (ITIS)
- Bischofstaube (Geotrygon violacea) auf eBird.org
- xeno-canto: Tonaufnahmen – Bischofstaube (Geotrygon violacea)
- Violaceous Quail Dove (Geotrygon violacea) in der Encyclopedia of Life. (englisch).
- Bischofstaube auf oiseaux.net (französisch)