Blätter für deutsche und internationale Politik

politische Fachzeitschrift From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Blätter für deutsche und internationale Politik (Abkürzung: „Blätter“) sind eine deutsche politische Fachzeitschrift, die seit 1956 erscheint.[2]

Schnelle Fakten
Blätter für deutsche und internationale Politik
Beschreibung Politische Fachzeitschrift
Verlag Blätter Verlagsgesellschaft mbH, Berlin
Erstausgabe 25. November 1956[1]
Erscheinungsweise monatlich
Verkaufte Auflage 13.000 Exemplare
(Blätter Mediadaten, Stand Januar 2026)
Verbreitete Auflage 13.200 Exemplare
(Blätter Mediadaten, Stand Januar 2026)
Chefredakteure Anne Britt Arps, Albrecht von Lucke, Annett Mängel, Tessa Penzel (Online), Steffen Vogel
Herausgeber Herausgeberkreis
Geschäftsführerin Annett Mängel
Weblink blaetter.de
ISSN (Print)
Schließen

Geschichte

Gründung und erste Jahre

Die Zeitschrift wurde im November 1956 aus dem Umfeld des neutralistischen Deutschen Klubs 1954 von Karl Graf von Westphalen, Hermann Etzel, Paul Neuhöffer und Manfred Pahl-Rugenstein gegründet.[3] Sie erschien in den beiden ersten Jahren, bis zu dessen Konkurs, im Kölner Verlag Dörr, danach im Pahl-Rugenstein Verlag. Aus den ersten Jahren stammt die Einschätzung des Theologen Karl Barth, der sie „eine Insel der Vernunft in einem Meer von Unsinn“ nannte – ein Zitat, auf das sich die Zeitschrift noch heute bezieht.

In den Blättern schrieben viele Autoren aus der Marburger Schule.[4] Im Zuge der Westdeutschen Studentenbewegung der 1960er Jahre entwickelte sich die Zeitschrift zum einflussreichen Medium der Linken in Westdeutschland. Der Bayernkurier bezeichnete sie als „Zentralorgan der APO“.[5] Mitte der 1980er Jahre hatte die Zeitschrift mehr als 15.000 Abonnenten.[6]

Im Rahmen der Westarbeit der DDR dienten die Blätter der Regierung der DDR als Medium zur Propagierung ihrer Politik in der Bundesrepublik. Die Redaktion war politisch und finanziell von der SED abhängig, die leitenden Redakteure stimmten auch die inhaltliche Gestaltung mit der SED ab.[7] Bis 1989 wurde die Zeitschrift von der SED über den Pahl-Rugenstein Verlag wesentlich mitfinanziert. Als dieser Ende 1989 in Konkurs ging, gelang der Zeitschrift – anders als anderen Publikationen des Verlages – mit immer noch fast 11.000 Abonnenten der Übergang in einen Eigenverlag.[8]

Nach dem Ende der DDR

Schon 1988 wurde eine „Blätter-Gesellschaft“ in der Rechtsform einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) gegründet, um die Zeitschrift von Verlagen unabhängig machen zu können.[9] Seit 1989 werden die „Blätter“ in eigener Regie von der Blätter-Verlagsgesellschaft herausgebracht, die ursprünglich von der Redaktion gegründet worden war. Träger ist heute die „Gesellschaft zur Förderung politisch-wissenschaftlicher Publizistik und demokratischer Initiativen e. V.“, die auch kurz als „Blätter-Gesellschaft“ (früher: „Blätter-Förderverein“) bezeichnet wird.[10]

In einer Erklärung von Intellektuellen, publiziert im Juni 1996 in der Zeit, heißt es: „Diese Zeitschrift steht für republikanisch-demokratische Grundsätze, für eine über bündnispolitische und ökonomische Bindungen hinausgehende Westorientierung des Landes wie für soziale Gerechtigkeit und nachhaltige Entwicklung.“[11]

Nach der Gründung der Zeitschrift im Jahr 1956 lag die Redaktion bei Karl D. Bredthauer und seit 2003 bei Albrecht von Lucke, der schon vorher als Korrespondent für die „Blätter“ tätig war. Im Jahr 2004 erfolgte der Umzug der Redaktion von Bonn nach Berlin.[12] Der Redaktion gehörten im März 2021 Anne Britt Arps, Daniel Leisegang, Albrecht von Lucke, Annett Mängel und Steffen Vogel an.[13]

Die Zeitschrift ist Kooperationspartner des Internetportals Eurozine und verleiht unregelmäßig den Demokratiepreis.

Inhalte

Der Schwerpunkt der Zeitschrift besteht traditionell aus den beiden Teilen „Kommentare und Berichte“ zu aktuellen innen- und außenpolitischen Themen sowie „Analysen und Alternativen“ mit längeren Aufsätzen. Wichtige politische Dokumente werden seit dem Jahrgang 2011 nicht mehr in der gedruckten Ausgabe, sondern nur noch auf der Website des Verlags publiziert.[14] Das gilt auch für die Kurzfassung des jährlichen Wirtschaftsgutachtens („Memorandum“) der Arbeitsgruppe Alternative Wirtschaftspolitik, die bis dahin jeweils in der Mai-Ausgabe der „Blätter“ dokumentiert worden war. Weiterhin zeichnet die Redaktion eine Chronik der politischen Ereignisse nach, die laufend fortgeschrieben wird; über Querverweise können längerfristige Entwicklungen verfolgt werden. Neuerdings gibt es auch Buchbesprechungen und besondere Debattenbeiträge. Auf der Website der Zeitschrift werden ausgewählte Beiträge im Volltext bereitgestellt.

Leserschaft

Die gedruckte Auflage betrug im Januar 2026 13.500 Exemplare. In die Verbreitung gingen 13.200 Exemplare, davon wurden 13.000 Exemplare verkauft.[15]

Einer Leserumfrage aus dem Jahr 2017 zufolge positioniert sich die Mehrheit der Leserschaft „im links-ökologischen politischen Spektrum“. Die Leser sind recht gleichmäßig über das Bundesgebiet verteilt. Rund 40 % arbeiten als Angestellte. Auch Rentner (20 %) und Studenten (14 %) bilden einen signifikanten Teil. Die Leserschaft ist gekennzeichnet von einem „vergleichsweise hohen Haushaltsnettoeinkommen“: 19 % stehen monatlich mehr als 5.000 Euro zur Verfügung, bei 31 % sind es zwischen 3.000 und 5.000 Euro und bei 22 % zwischen 2.000 und 3.000 Euro. 62 % der Leserschaft nutzen Tageszeitungen, um aktuelle Informationen zu beziehen. Zwei Drittel sind zudem „gesellschaftlich aktiv“, beispielsweise in Gewerkschaften oder Parteien.[16]

Herausgeber

Der Herausgeberkreis bestand im Mai 2026 aus[17][18][19]:

Weitere Informationen Jahr des Beitritts, Name ...
Jahr des Beitritts Name Land
1982Rudolf HickelDeutschland Deutschland
1986Rainer RillingDeutschland Deutschland
1990Claus LeggewieDeutschland Deutschland
1992Klaus NaumannDeutschland Deutschland
1997Dan DinerDeutschland Deutschland
1998Karen SchönwälderDeutschland Deutschland
1992Klaus NaumannDeutschland Deutschland
1997Dan DinerDeutschland Deutschland
2011Katajun AmirpurDeutschland Deutschland
2011Seyla BenhabibVereinigte Staaten Vereinigte Staaten
2011Peter BofingerDeutschland Deutschland
2011Ulrich BrandDeutschland Deutschland
2011Saskia SassenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten
2011Hans-Jürgen UrbanDeutschland Deutschland
2026Nicole DeitelhoffDeutschland Deutschland
2026Steffen MauDeutschland Deutschland
2026Meron MendelVereinigte Staaten Vereinigte Staaten
2026Oliver NachtweyDeutschland Deutschland
2026Friederike OttoDeutschland Deutschland
2026Lea YpiVereinigtes Konigreich Vereinigtes Königreich
2026Daniel ZiblattVereinigte Staaten Vereinigte Staaten
Schließen
Ehemalige und verstorbene Herausgeber
Weitere Informationen Jahr des Beitritts, Name ...
Jahr des Beitritts Name Land Verstorben Anmerkung
1997Jürgen HabermasDeutschland Deutschland14.03.2026
1997Micha BrumlikDeutschland Deutschland10.11.2025
1998Ingeborg MausDeutschland Deutschland14.12.2024
1998Detlef HenscheDeutschland Deutschland13.12.2023
1990Friedrich SchorlemmerDeutschland Deutschland09.09.2024
1970Gerhard StubyDeutschland Deutschland24.08.2020
1956Franz BeyerDeutschland Deutschland15.10.1968Gründungsmitglied
1956Reimar von BoninDeutschland Deutschland18.05.1976Gründungsmitglied
1956Joseph EmondsDeutschland Deutschland07.02.1975Gründungsmitglied
1956Hermann EtzelDeutschland Deutschland14.04.1978Gründungsmitglied
1956Johannes HessenDeutschland Deutschland28.08.1971Gründungsmitglied
1956Hans Joachim IwandDeutschland Deutschland02.05.1960Gründungsmitglied
1956Karl KlammtDeutschland Deutschland16.10.1987Gründungsmitglied
1956Hanfried LenzDeutschland Deutschland01.08.2013Gründungsmitglied
1956Manfred Pahl-RugensteinDeutschland Deutschland07.07.1990Gründungsmitglied
1956Franz RauhutDeutschland Deutschland01.03.1988Gründungsmitglied
1956Hermann RauschningDeutschland Deutschland08.02.1982Gründungsmitglied
1956Hans RheinfelderDeutschland Deutschland31.10.1971Gründungsmitglied
1956Franz Paul SchneiderDeutschland Deutschland23.06.1970Gründungsmitglied
1956Hermann StrathmannDeutschland Deutschland19.11.1966Gründungsmitglied
1956Leo WeismantelDeutschland Deutschland16.09.1964Gründungsmitglied
1956Johannes WeidenheimDeutschland Deutschland08.06.2002Gründungsmitglied
1956Karl von WestphalenDeutschland Deutschland18.10.1975Gründungsmitglied
1960erAnton NeuhäuslerDeutschland Deutschland15.01.1997
1960erHarold RaschDeutschland Deutschland1990
1960erViktor RennerDeutschland Deutschland21.04.1969
1960erHelmut RidderDeutschland Deutschland15.04.2007
1960erErnst WolfDeutschland Deutschland11.09.1971
1960erKnut NevermannDeutschland Deutschland24.04.2024
1960erFritz StraßmannDeutschland Deutschland22.04.1980
1998Norman BirnbaumVereinigte Staaten Vereinigte Staaten04.01.2019
Wilfried von BredowDeutschland Deutschland
Günter GausDeutschland Deutschland14.05.2004
1983Ute OsterkampDeutschland Deutschland
1975Jörg HuffschmidDeutschland Deutschland05.12.20009
Urs JaeggiSchweiz Schweiz13.02.2021
1989Walter JensDeutschland Deutschland09.06.2013Herausgeber bis 2011
Gerhard KadeDeutschland Deutschland04.12.1995
1982Walter KreckDeutschland Deutschland15.11.2002
1972Reinhard KühnlDeutschland Deutschland10.02.2014Herausgeber bis 2011
1977Jutta MenschikDeutschland Deutschland11.09.1971
1972Reinhard OpitzDeutschland Deutschland03.04.1986
1986Marie VeitDeutschland Deutschland14.02.2014
1977Helga Deppe-WolfingerDeutschland Deutschland
Schließen

Autoren (Auswahl)

Die Redaktion veröffentlichte eine Liste von zweihundert Autoren, die mit dem Hinweis endet, dass noch viele andere in den Blättern geschrieben haben.[20] Aus dieser Liste sind folgende Autoren ausgewählt, die das Spektrum politischer Positionen zeigen können:

Democracy Lecture

Von 2014 bis 2019 veranstaltete die Zeitschrift jährlich die Democracy Lecture. Es handelte sich um den Vortrag eines politischen Autors zu einer Neuerscheinung mit anschließender Diskussion. Eingeladen waren:

Siehe auch

Monografien

  • Blätter für deutsche und internationale Politik (Hrsg.): Der Sound des Sachzwangs. Der Globalisierungs-Reader. Verlag Edition Blätter, Berlin 2006, ISBN 978-3-98049-253-9.
  • Blätter für deutsche und internationale Politik (Hrsg.): Das Ende des Kasino-Kapitalismus? Globalisierung und Krise. Verlag Edition Blätter, Berlin 2009, ISBN 978-3-98049-255-3.
  • Blätter für deutsche und internationale Politik (Hrsg.): Exit. Mit Links aus der Krise. Verlag Edition Blätter, Berlin 2011, ISBN 978-3-98049-256-0.
  • Blätter für deutsche und internationale Politik (Hrsg.): Mehr geht nicht! Der Postwachstums-Reader. Verlag Edition Blätter, Berlin 2015, ISBN 978-3-98049-259-1.
  • Blätter für deutsche und internationale Politik (Hrsg.): Unsere letzte Chance. Der Reader zur Klimakrise. Blätter Verlagsgesellschaft, Berlin 2019, ISBN 978-3-98213-230-3.
  • Blätter für deutsche und internationale Politik (Hrsg.): Heiße neue Welt. Der Planet am Limit. Blätter Verlagsgesellschaft, Berlin 2023, ISBN 978-3-9821323-2-7.
  • Blätter für deutsche und internationale Politik (Hrsg.): Demokratie oder Faschismus. Was heute auf dem Spiel steht. Blätter Verlagsgesellschaft, Berlin 2024, ISBN 978-3-9821323-3-4.

Literatur

  • Redaktion: 50 Jahre „Blätter“. In: Blätter für deutsche und Internationale Politik. 11/2006. S. 1284–1286.
  • Archiv-DVD 1990–2017. Blätter Verlag, 2018.
  • Archiv 1956–2010 (2 DVD). Blätter Verlag, 2010.

Einzelnachweise

Related Articles

Wikiwand AI