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Borsig (Unternehmen)

deutsches Unternehmen des Maschinenbaus From Wikipedia, the free encyclopedia

Borsig (Eigenschreibweise: BORSIG GmbH) ist ein deutsches Maschinenbau- und Prozesstechnologieunternehmen mit Sitz in Berlin. Das 1837 gegründete Unternehmen entwickelte sich im 19. Jahrhundert zu einem der bedeutendsten europäischen Hersteller von Dampflokomotiven und war zeitweise der größte Lokomotivlieferant Europas sowie der zweitgrößte weltweit. Heute entwickelt und fertigt Borsig spezialisierte Technologien für industrielle Prozessanwendungen, darunter Abwärmerückgewinnung und Prozesswärmetauscher, Verdichter für Prozessgase, membranbasierte Trenn- und Rückgewinnungssysteme, Industriearmaturen sowie Lösungen für Wasserstoff, Kohlenstoffdioxid und industrielle Dekarbonisierung.

Schnelle Fakten
Borsig GmbH
Logo
Rechtsform GmbH
Gründung 22. Juli 1837
Sitz Berlin, Deutschland
Leitung Jürgen Stegger, Martin Krummrey
Mitarbeiterzahl 574 (Stand: 2024)
Umsatz 188 Mio. € (Stand: 2024)
Branche Maschinen- und Anlagenbau
Website borsig.de
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Gründung und erster Lokomotivbau

Zeichnung der ersten Dampflokomotive von Borsig, 1840
Karl Eduard Biermann: Die Gießerei und die Werkstätten von Borsig am Oranienburger Tor, 1847. Das Gemälde stellt die Fabrik im Jahr 1837 dar.
Nachbau von 1912 der Beuth (Fabriknummer 24) im Deutschen Technikmuseum Berlin

August Borsig gründete nach seiner langjährigen Arbeit in der Eisengießerei von Franz Anton Egells am 22. Juli 1837 – dem Tag des ersten erfolgreichen Gusses – eine eigene Gießerei und Maschinenbau-Anstalt im Berliner Feuerland vor dem Oranienburger Tor, Chaussee-/Ecke Torstraße. Als Werkmeister[1] holte er 1837 Johann Friedrich Ludwig Wöhlert,[2] mit dem Borsig seit ihrer gemeinsamen Tätigkeit für Franz Anton Egells Neue Berliner Eisengießerei befreundet war. Wöhlert blieb bis 1841[3] und gründete darauf in unmittelbarer Nachbarschaft sein eigenes Unternehmen, die F. Wöhlert’sche Maschinenbau-Anstalt und Eisengiesserei.[2][4] In der Anfangszeit baute Borsig Dampfmaschinen für den eigenen Bedarf und andere Unternehmen, daneben Kunst- und Baugussteile. Für die Berlin-Potsdamer Eisenbahngesellschaft wurden 1839 erstmals Reparaturen an Dampflokomotiven ausgeführt.

Die erste eigene Lokomotive mit dem Namen Borsig und der Fabriknummer 1 baute das Werk 1840. Die Maschine hatte die Achsfolgebauart 2'A1, einen Innenrahmen und schrägliegende Außenzylinder. Am Bau war auch Wöhlert beteiligt, dieser behauptete später, deren eigentlicher Urheber gewesen zu sein, was Borsig bestritt.[1]

Borsig ließ die Lokomotive am 21. Juli zu einer Wettfahrt von Berlin nach Jüterbog (63 km) auf der Anhalter Bahn gegen eine von George Stephenson gebaute Lokomotive antreten. Die Borsig gewann das Rennen mit zehn Minuten Vorsprung. Damit zeigte sich, dass es den Deutschen trotz fehlender Erfahrung möglich war, Lokomotiven zu bauen, die mindestens so gut waren wie die britischen Fabrikate. Somit war es nicht mehr nötig, Lokomotiven samt Technikern zu importieren. Weitere sechs Lokomotiven dieses Typs gingen 1842 an die Berlin-Stettiner Eisenbahn und die Oberschlesische Eisenbahn. Bis 1843 bestellten preußische Bahnen 18 Dampflokomotiven, und auf der Allgemeinen Deutschen Gewerbe-Ausstellung 1844 stellte Borsig seine 26. Lokomotive aus.[5]

Ausbau der Fertigung

Karl Eduard Biermann: Die Borsigsche Maschinenbau-Anstalt, 1847
Lokomotive Borsig Nr. 5009, Baujahr 1901

Die Fabriknummer 14 des Unternehmens war die erste Lokomotive einer vergrößerten und verbesserten Bauart, von der in den Jahren 1843–1847 insgesamt 71 Stück gebaut wurden. Als Neuerung wies sie die von Borsig patentierte Schwingensteuerung mit veränderlicher Füllung auf. In dieser Bauform verließ 1846 auch die hundertste Lokomotive das Werk.

Im Jahr 1845 baute Borsig die erste Dampflokomotive mit gekuppelten Achsen, ab 1851 auch als Tenderlokomotive. Im gleichen Jahr erhielt das Unternehmen Auslandsaufträge von der Warschau-Wiener Eisenbahn und der Seeländischen Eisenbahn. Von 1845 bis 1847 wurden insgesamt 170 Lokomotiven gebaut.

Zur selben Zeit arbeitete Borsig an der Fontänenanlage in Sanssouci, für die er die Dampfpumpenanlage lieferte, an der Kuppel der Potsdamer Nikolaikirche und an der Kuppel des Königlichen Schlosses. Seine Firma vergrößerte sich in dieser Zeit massiv, weil in Deutschland zahlreiche neue Bahnstrecken gebaut wurden.

Zur Erweiterung der Fabrikanlagen an der Chausseestraße errichtete Borsig zwischen 1847 und 1849 auf einem Gelände zwischen der Elberfelder und der Stromstraße in Moabit ein Walzwerk und eine Kesselschmiede.

Borsig erwarb 1850 auch noch die Eisengießerei und Maschinenbauanstalt der Preußischen Seehandlungs-Societät in der Kirchstraße 6. Das Werksgelände reichte östlich der Kirchstraße von der Ecke Alt-Moabit bis zur Moabiter Brücke. Die drei Berliner Betriebe beschäftigten bereits 1800 Mitarbeiter und galten als Großunternehmen. Die Wirtschaftskrise von 1848 bis 1852 tangierte Borsig kaum.

Aufstieg zum weltweit zweitgrößten Lokomotivlieferanten

Lokomotive der KFNB von den Borsigwerken, Baujahr 1857
Preußische T 12 von Borsig, Baujahr 1921

1854 lieferte Borsig seine 500. Dampflokomotive aus. Kurz darauf starb August Borsig im Alter von 50 Jahren an einem Schlaganfall. Sein Sohn Albert Borsig übernahm die Leitung des Unternehmens und setzte dessen Expansion fort.[6]

Bereits 1858 wurde die tausendste Lokomotive fertiggestellt. Anlässlich der Auslieferung der Borussia fand am 21. August 1858 ein großes Fest statt, an dem unter anderem Alexander von Humboldt teilnahm.[7] Zu dieser Zeit beschäftigte Borsig rund 2800 Arbeiter.

Das Unternehmen expandierte auch geografisch. Ab den 1860er Jahren wurden Teile der Produktion nach Schlesien verlagert. 1872 war Borsig der größte Lokomotivhersteller Europas und nach den Baldwin Locomotive Works in den Vereinigten Staaten der zweitgrößte Lokomotivlieferant weltweit.

Für seine Beschäftigten richtete Borsig früh soziale Einrichtungen ein, darunter eine Kranken- und Sterbekasse sowie eine Sparkasse. Darüber hinaus bestanden unter anderem Unterrichts- und Speiseräume.

Neben klassischen Dampflokomotiven produzierte Borsig ab den 1870er Jahren auch Dampftriebwagen und weitere Schienenfahrzeuge. Die Lokomotiven wurden zunehmend in zahlreiche Länder exportiert und machten Borsig zu einem international bekannten Hersteller.

Nach dem Tod Albert Borsigs im Jahr 1878 wurde das Unternehmen zunächst von einem Kuratorium geführt. Seine Söhne Ernst, Arnold und Conrad übernahmen 1894 die Unternehmensleitung.[6]

1898 eröffnete Borsig ein neues Werk in Berlin-Tegel. Dort wurden neben Lokomotiven auch stationäre Dampfmaschinen, Kältemaschinen, Schiffsdampfmaschinen und weitere Maschinenbauerzeugnisse gefertigt. 1899 wurde zudem das Borsighaus in der Chausseestraße in Berlin-Mitte fertiggestellt.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts erweiterte Borsig sein Angebot um schmalspurige Werkbahn-, Druckluft- und Straßenbahnlokomotiven. 1902 verließ die 5000. Lokomotive das Werk.[8] 1918 folgte die 10.000. Lokomotive.[9]

Borsig exportierte Dampflokomotiven in zahlreiche Länder. Eine Ausnahme bildete das Vereinigte Königreich, wo deutsche Hersteller nur eine geringe Marktpräsenz erreichten. 1914 wurden zehn Lokomotiven der SECR-Klasse L an die South Eastern and Chatham Railway geliefert; sie waren die einzigen regelspurigen Dampflokomotiven deutscher Fertigung, die in Großbritannien im regulären Einsatz standen.[10]

1920–1945

Luftbild der Borsigwerke in Berlin-Tegel, 1931
Weltrekord-Lokomotive der Baureihe 05 von Borsig, Baujahr 1935

Unter Chefkonstrukteur August Meister entwickelte Borsig in den 1920er Jahren zahlreiche neue Lokomotivtypen. Ab 1922 war das Unternehmen maßgeblich an der Entwicklung der Einheitsdampflokomotiven für die Deutsche Reichsbahn beteiligt.[11]

1926 wurde Borsig in eine GmbH umgewandelt. Neben Lokomotiven produzierte das Unternehmen weiterhin verschiedene Maschinenbauerzeugnisse, zeitweise auch Traktoren.[12]

Die Weltwirtschaftskrise brachte Borsig 1930 in erhebliche wirtschaftliche Schwierigkeiten. 1931 wurde das Unternehmen mit Unterstützung der AEG stabilisiert. In den folgenden Jahren wurde der Lokomotivbau schrittweise vom Werk Berlin-Tegel nach Hennigsdorf verlagert, wo die Borsig Lokomotiv-Werke GmbH Hennigsdorf (BLW) entstanden.

Im Januar 1935 endete die Lokomotivproduktion in Berlin-Tegel. Die von Borsig entwickelte Schnellfahrlokomotive 05 001 wurde jedoch noch im selben Jahr auf dem Tegeler Werksgelände vorgestellt. Die Baureihe 05 gehörte zu den bekanntesten deutschen Schnellfahrlokomotiven dieser Zeit.

Die Industrieanlagen in Berlin-Tegel wurden anschließend von Rheinmetall übernommen. 1936 entstand die Rheinmetall-Borsig AG, wodurch Borsig Teil eines größeren Maschinenbau- und Rüstungskonzerns wurde. 1938 ging auch die Aktienmehrheit der Borsig Lokomotiv-Werke in Hennigsdorf an die Reichswerke Hermann Göring.

Während des Zweiten Weltkriegs war Borsig in die deutsche Rüstungsproduktion eingebunden und unter anderem an der Fertigung von Kriegslokomotiven der DR-Baureihe 52 beteiligt.[13]

Nachkriegszeit und Neuausrichtung

Schmieden einer Kolbenstange für einen Großkompressor bei der Borsig AG in Berlin-Tegel, 1954
Westhalle für schweren und mittleren Maschinenbau der Borsig AG in Berlin-Tegel, 1954

In der Nachkriegszeit entwickelten sich die ehemaligen Borsig-Standorte in Berlin-Tegel und Hennigsdorf getrennt voneinander. Das Werk in Hennigsdorf lag in der Sowjetischen Besatzungszone, wurde enteignet und teilweise demontiert. Nach dem Wiederaufbau nahm der Standort zunächst die Reparatur und später erneut die Fertigung von Lokomotiven auf.

In der DDR wurde das Werk schließlich als VEB Lokomotivbau Elektrotechnische Werke „Hans Beimler“ Hennigsdorf weitergeführt und entwickelte sich organisatorisch unabhängig von Borsig in West-Berlin. Bis 1954 waren unter dem Namen Borsig insgesamt rund 13.000 Lokomotiven gebaut worden.

Die Borsig AG wurde 1950 in West-Berlin als Tochtergesellschaft der Rheinmetall AG neu gegründet. Gleichzeitig verlagerte sich der Schwerpunkt des Unternehmens vom Lokomotivbau auf schweren Maschinen- und Apparatebau. Zum Produktionsprogramm gehörten unter anderem Dampferzeuger, Druckbehälter, Wärmetauscher und Anlagen für die chemische und petrochemische Industrie.

1956 wurde Borsig an die Salzgitter AG verkauft. In den folgenden Jahren entstanden mehrere Geschäftsfelder, die die spätere Ausrichtung des Unternehmens auf Prozesstechnologie prägten. 1960 begann Borsig mit der Fertigung von Turbokompressoren und Kugelhähnen. 1965 folgte die Produktion von Transfer-Line-Wärmetauschern für Ethylenanlagen, aus der sich das spätere Geschäft mit Spaltgaskühlern und Systemen zur Wärmerückgewinnung entwickelte.

1967 wurde das Unternehmen in Borsig GmbH umgewandelt. 1970 übernahm die Deutsche Babcock AG Borsig und integrierte das Unternehmen in die spätere Babcock-Borsig-Gruppe.

Entwicklung zur heutigen Borsig-Gruppe

Im Juli 2002 ging die Muttergesellschaft Babcock Borsig AG in Oberhausen in die Insolvenz. Obwohl selbst profitabel wirtschaftend, musste Borsig infolgedessen ebenso Insolvenz anmelden. Die finanziellen Verpflichtungen konnten jedoch weiter bedient werden, die Geschäftstätigkeit wurde für die nicht zum Babcock-Konzern gehörenden Aktivitäten weitergeführt. Im September 2002 wurde der Geschäftsbetrieb von dem Insolvenzverwalter auf die neue Borsig GmbH übertragen und diese mit einem Eigenkapital von 1,9 Millionen Euro ausgestattet. Die bisherige Borsig GmbH sollte in der Abwicklungsgesellschaft Borsig mbH bis Anfang 2004 abgewickelt worden sein.

Am 28. Mai 2003 wurde Borsig vom Management und dem Finanzinvestor capiton übernommen. Die neue Borsig GmbH beschäftigte 263 Mitarbeiter in Berlin und Gladbeck. Die neuen Eigentümer wollten Borsig weiterentwickeln. Die beiden Geschäftsbereiche Apparatebau und Industrieservice sollten in Berlin und Gladbeck ausgebaut werden und neue Bereiche akquiriert und weiterentwickelt werden.

Im Dezember 2004 kaufte Borsig das Kolbenverdichter- und Gebläsegeschäft des Maschinenbauers ZM Zwickauer Maschinenfabrik. Im September 2006 übernahm Borsig den Hamburger Kesselbauer DIM KWE.

Im März 2008 wurde die Borsig GmbH mit ihren Tochtergesellschaften für 350 Millionen Euro von der KNM Group Berhad aus Malaysia übernommen.[14] Im Februar 2025 vereinbarte KNM den Verkauf an den japanischen Industriekonzern NGK Insulators für 270 Millionen Euro.[15] Die Transaktion wurde allerdings nicht vollzogen; NGK zog sich im Januar 2026 aus der Vereinbarung zurück. Borsig befindet sich daher weiterhin mittelbar im Eigentum der KNM Group.

Aktuell gehören folgende operativ tätigen Unternehmen zur Borsig-Gruppe:

  • Borsig GmbH in Berlin-Tegel (Holding)
  • Borsig Membrane Technology GmbH in Gladbeck und Rheinfelden
  • Borsig Process Heat Exchanger GmbH in Berlin-Tegel und Gladbeck
  • Borsig Service GmbH in Berlin-Tegel, Gladbeck und Hamburg
  • Borsig ZM Compression GmbH in Meerane und Gladbeck
  • Borsig ValveTech GmbH in Gladbeck und Berlin-Tegel

Das Unternehmen ist international führender Anbieter von Prozesstechnologie und insbesondere auf die Entwicklung und Herstellung von Apparaten zur Kühlung von Gasen für die chemische und petrochemische Industrie spezialisiert. Das Produktportfolio umfasst Apparate und Wärmetauscher, Kompressoren, Armaturen, Membrantechnologie, Kraftwerksservice und Energieanlagenbau sowie Lösungen für Prozessgase, Wasserstoff und Carbon Capture.

Werksanlage Borsig

Nach den Betriebsstätten vor dem Oranienburger Tor und in Moabit begann Borsig im Herbst 1898 mit der Produktion im Werk Tegel bei Berlin. Die Architekten Konrad Reimer und Friedrich Körte schufen dort moderne und großzügige Werksanlagen, deren durch Zinnen betonte Giebelarchitektur in der Tradition des preußischen Industriebaus stand. Das Borsigtor wurde zum neuen Wahrzeichen der Firma Borsig.

Das ehemalige Werksgelände von Borsig in Berlin-Tegel ist noch ein Zeugnis der industriellen Geschichte dieses Gebiets. Das Borsigtor, die historische Kanonenhalle und der Borsigturm sind bedeutende Denkmäler. Sie spielen eine wichtige Rolle in der Geschichte der Firma Borsig und des Bezirks Reinickendorf.

Borsigtor

Das denkmalgeschützte Borsigtor in Berlin-Tegel wurde nach Plänen der Architekten Konrad Reimer und Friedrich Körte 1898 fertiggestellt Lage

Die Werkseinfahrt wurde im Jahr 1898 nach Plänen des Architekten Konrad Reimer errichtet. Das Tor ist ein beeindruckendes Beispiel für die märkische Backsteingotik und ähnelt einem prächtigen mittelalterlichen Stadttor. Zwei massive Rundtürme mit spitz zulaufenden Dächern und wehrhaften Zinnen über dem Torbogen sind charakteristische Merkmale dieser Bauweise und verleihen dem Tor sein imposantes Aussehen.

Historisierend sind auch die beiden Bronzefiguren in den Rundbogennischen neben der Toreinfahrt. Ein Schmied und ein Eisengießer in traditioneller Handwerkstracht symbolisieren die Tätigkeitsfelder des modernen Maschinenbaukonzerns.[16] Der Firmenname „A. BORSIG“ steht groß und deutlich auf dem Torbogen über der Werkseinfahrt und verzichtet dabei auf mittelalterliche Symbolik.

Im Laufe der Zeit entwickelte sich das Borsigtor zu einem markanten Erkennungszeichen des Firmensitzes. Heute steht es unter Denkmalschutz und erinnert an Berlins Vergangenheit als Industriezentrum. Wer heute durch das Borsigtor hindurchgeht, trifft nicht mehr auf eine Maschinenfabrik, sondern kann stattdessen andere spannende Entdeckungen machen. Das ehemalige Borsig-Gelände ist ein Beispiel für die innovative Nutzung eines alten Industriegebiets.

Kanonenhalle

Kanonenhalle Berlin Lage

Ein bedeutender Bestandteil des historischen Borsig-Geländes in Berlin-Tegel ist die Kanonenhalle. Während des Ersten Weltkriegs wurden die Borsigwerke zur „Heereslieferung“ herangezogen. Im Jahr 1916 wurde die Halle als Erweiterung des Fabrikgeländes errichtet und diente als Produktionsstätte für Geschossmaterial. Im Volksmund erhielt sie daher den Namen „Kanonenhalle“.

Das Gebäude erstreckt sich über eine Länge von 100 Metern und eine Breite von 25 Metern. Die Deckenkonstruktion, gefertigt aus massivem Holz, ist einsehbar. Ein für Industriehallen dieser Zeit typisches Fensterband zieht sich über mehr als die Hälfte der Dachlänge und versorgt die Halle großzügig mit Tageslicht. Die Gebäudehülle ruht auf einem Gerüst aus offenliegenden Stahlpfeilern, die der Halle ihren industriellen Charme verleihen. Über 60 Fenster erstrecken sich an den Seiten vom Boden bis zur Decke und sorgen für einen lichtdurchfluteten Innenraum.[17]

In der Nachkriegszeit wurde das Borsiggelände, das durch die Kriegseinwirkungen des Zweiten Weltkriegs stark zerstört worden war, teilweise wiederaufgebaut. Die Kanonenhalle gehört zu den wenigen Bauten, die größtenteils in ihrer ursprünglichen Form erhalten geblieben sind. In den 1990er Jahren fand eine bedeutsame Revitalisierung im Rahmen der Entwicklung des gesamten Geländes statt.[18]

Im Jahr 2008 erwarb die Engel & Partner Immobilienverwaltungs GbR die Kanonenhalle.[19] Die Investoren hatten das Ziel, die über 100 Jahre alte Halle zu revitalisieren und sie zu einer außergewöhnlichen und repräsentativen Geschäftsadresse mit historischem Charme zu machen. Dieses Projekt, das eine Kombination aus hochwertiger Sanierung und zeitloser, stilvoller Architektur darstellt, wurde im Jahr 2010 unter anderem mit dem Bauherrenpreis und vielen weiteren Auszeichnungen geehrt.[17]

Die Kanonenhalle steht als Teil der Gesamtanlage der Borsig-Werksanlage unter Denkmalschutz.[20] Sie ist ein eindrucksvolles Beispiel für die Ingenieurskunst und Architektur des frühen 20. Jahrhunderts und ein wichtiger Bestandteil des kulturellen Erbes der Berliner Industriegeschichte.

Borsigturm

Borsigturm, 2017
Der 1925 eröffnete Borsigturm, um 1925

Der Borsigturm (Lage) ist ein Hochhaus auf dem Firmengelände der Borsigwerke in Berlin-Tegel, das – je nach Definition – als erstes Hochhaus Berlins gilt.[21]

Die beengten Platzverhältnisse auf dem Werksgelände sollen den Anstoß zum Turmbau gegeben haben. Errichtet wurde das Gebäude in den Jahren 1922–1924 nach Plänen des Architekten Eugen Schmohl, der wenig später auch das Ullsteinhaus in Tempelhof baute. Der Turm ist 65 Meter hoch und steht auf einer Grundfläche von 20 m × 16 m. Er entstand als Stahlskelettbau, dessen Fassaden aus Backstein gemauert sind. Die Fassade wird durch vortretende Gesimsbänder strukturiert, die jeweils drei Etagen zusammenfassen. Neun der Etagen wurden als Büroräume der Verwaltung genutzt. In der zehnten und elften Etage war ein Wasserbehälter zur Versorgung des Werksgeländes installiert, der Borsigturm diente also anfänglich auch als Wasserturm. Das Gebäude wurde schnell zum Wahrzeichen der Borsigwerke.[21] Der Baustil ist dem Backsteinexpressionismus zuzuordnen.

Im Zweiten Weltkrieg wurde der Borsigturm bei alliierten Luftangriffen beschädigt, aber nicht zerstört. Die Büroräume waren ausgebrannt.[21]

In den 1970er und 1990er Jahren wurde der Turm renoviert und weiter als Bürogebäude genutzt. Das Innere war für Besucher bis 2009 nicht zugänglich. Seitdem sind erstmals drei Ebenen des Borsigturms als Veranstaltungsräume öffentlich nutzbar. Die zweigeschossige Lounge in der Turmspitze bietet auf 60 Metern Höhe einen Panoramablick über die Stadt. Der neuentstandene „Meistersaal“ im Erdgeschoss verbindet Industriearchitektur mit moderner technischer Ausstattung. Neben öffentlichen Veranstaltungen können die Räume auch für Privat- und Firmenveranstaltungen angemietet werden.

Der Borsigturm steht als Teil der Gesamtanlage Werksanlage Borsig unter Denkmalschutz.[22]

Bergmann-Borsig

Das Unternehmen Bergmann-Borsig stellte Kraftwerkskomponenten in der DDR her. Das Bergmann-Werk in Berlin-Wilhelmsruh war kein Bestandteil der Borsig-Gruppe. Den Namenszusatz Borsig erhielt das Werk nach seinem Wiederaufbau im Jahr 1949, weil zahlreiche Mitarbeiter des demontierten und beschlagnahmten Borsig-Werks in Berlin-Tegel am Wiederaufbau beteiligt waren.

Literatur

  • Robert Springer: A. Borsig’s Maschinenbau-Anstalt in Berlin. In: Die Gartenlaube. Heft 25, 1854, S. 288–290 (Volltext [Wikisource] – illustriert von Adolf Eltzner).
  • Bei dem Locomotivenkönig. In: Die Gartenlaube. Heft 35, 1867, S. 554–558 (Volltext [Wikisource] – illustriert von Adolf Eltzner).
  • Zum fünfundsiebzigsten Geburtstag der Firma A. Borsig. In: Zeitschrift für komprimierte und flüssige Gase., 14. Jg., Heft 12, September 1912, S. 191–193.
  • Fritz Pachtner: Deutscher Maschinenbau 1837–1937 im Spiegel des Werkes Borsig. Rheinmetall-Borsig A.G., Berlin 1937 (mit Entwürfen von Wilhelm Renfordt).
  • Kurt Pierson: Borsig, ein Name geht um die Welt. Die Geschichte des Hauses Borsig und seiner Lokomotiven. Rembrandt-Verlag, Berlin 1973, ISBN 3-7925-0204-6.
  • Wolfgang Messerschmidt: Taschenbuch Deutsche Lokomotivfabriken. Ihre Geschichte, ihre Lokomotiven, ihre Konstrukteure. 1. Auflage. Franckh’sche Verlagshandlung, Stuttgart 1977, ISBN 3-440-04462-9.
  • Dieter Vorsteher: Borsig. Eisengießerei und Maschinenbauanstalt zu Berlin. Siedler Verlag, Berlin 1983, ISBN 3-88680-101-2.
  • Walter Hefti: Dampf-Strassenbahnen. Birkhäuser Verlag, Basel 1984, ISBN 3-7643-1536-9.
  • Dietrich Kutschik: Lokomotiven von Borsig. Eine Darstellung der Lokomotivgeschichte der Firma A. Borsig und der Nachfolgefirmen. Transpress, Verlag für Verkehrswesen, Berlin 1985.
  • Dietrich Kutschik, Hans-Jürgen Wenzel, Matthias Koch: Borsig. Lokomotiven für die Welt. Eisenbahn-Kurier-Verlag, Freiburg (Breisgau) 1985, ISBN 3-88255-111-9.
  • Ulla Galm: August Borsig. Stapp, Berlin 1987, ISBN 3-87776-167-4.
  • Barbara Kasper, Lothar Schuster, Christof Watkinson: Arbeiten für den Krieg. Deutsche und Ausländer in der Rüstungsproduktion bei Rheinmetall-Borsig 1943–1945. VSA Verlag, Hamburg 1987.
  • Hans-Heinrich Müller: Wöhlert – ein Pionier des Maschinenbaus. In: Berlinische Monatsschrift (Luisenstädtischer Bildungsverein). Heft 3, 1996, ISSN 0944-5560, S. 16–19 (luise-berlin.de).
  • Horst Bosetzky: Der König vom Feuerland: August Borsigs Aufstieg in Berlin. Jaron Verlag, Berlin 2011, ISBN 978-3-89773-668-9.
  • Werner Lorenz, Roland May, Hubert Staroste, unter Mitwirkung von Ines Prokop: Ingenieurbauführer Berlin. Michael Imhof Verlag, Petersberg 2020, ISBN 978-3-7319-1029-9, S. 154–155, 220–221.
Commons: Borsig – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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