Brinkbrunnen
historischer Ziehbrunnen der Renaissance in Kassels Altstadt, im heutigen Stadtteil Wesertor
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Der Brinkbrunnen war ein historischer Ziehbrunnen der Renaissance in Kassels Altstadt, im heutigen Stadtteil Wesertor. Der Brunnen bestand von 1567 bis 1896, als er als vermeintliches Verkehrshindernis abgetragen wurde. Sein Verlust ist ein Beispiel für das Scheitern der vorinstitutionellen Denkmalpflege in Kassel. An der Stelle des Brunnens befindet sich heute etwa das Wohngebäude Pferdemarkt 16.

Baubeschreibung
Der Brunnen stand vor der nördlichen Fassade des Eckhauses von Pferdemarkt und Graben. Der Brunnen bestand aus einem kreisförmigen, steinernen Kumpf (Brunnenmantel) mit einem darüber errichteten Aufbau aus drei toskanischen Säulen. Über den Kapitellen der Säulen setzten kräftig ausgebildete Kämpfersteine an, von denen drei viertelkreisförmige Bögen ausgingen, die sich über der Brunnenmitte in einem Winkel von 120 Grad trafen und dort ursprünglich das Rad des Ziehmechanismus hielten. Die Seitenflächen der Kämpfersteine waren mit rechteckigen Spiegeln und mittig gesetzten Rosetten verziert; auf einer Vorderseite befand sich das Kasseler Stadtwappen. Auf der Innenseite eines der Bögen war die Inschrift „IACOB BOLING V VLM“ und die Jahreszahl 1567 angebracht.
Geschichte

Namensgebend war der als Brink bezeichnete, verkehrsreiche und platzartig erweiterte Straßenknoten von Wildemannsgasse (Am Brink), Graben, Pferdemarkt, Kastelansgasse und Weißer Hof. Der Aufbau, eines vermutlich älteren Brunnenschachts, wurde durch den aus Ulm stammenden Steinmetz (Nikolaus) Jacob Bolling(er) gefertigt. Der Steinmetzmeister erhielt am 1. Mai 1570 seine Bestallung als Werkmeister und Diener durch Landgraf Wilhelm IV.[1] Er war an der Vollendung des Südturms der Kasseler Martinskirche und Arbeiten am Landgrafenschloss beteiligt. Ursprünglich als Ziehbrunnen errichtet, wurde zu unbekannter Zeit eine Kolbenpumpe am Brunnenrand installiert. Der Brunnen wurde trotz Protesten am 1. Oktober 1896 abgetragen, da er als Verkehrshindernis wahrgenommen wurde.
Kurz nach dem Abbruch des Brunnens gab es Bestrebungen, ihn wieder zu errichten. Seine Bauteile waren im Hof des städtischen Holzmagazins in der Weserstraße eingelagert worden. Diese Pläne scheiterten aufgrund fehlender Mittel der Stadt Kassel. Auf Anregung des Kasseler Verschönerungsvereins und mit Unterstützung des Vereins für Hessische Geschichte und Landeskunde sollte der Brunnen kurze Zeit später auf dem Platz am Steinweg neben dem Ottoneum aufgestellt werden. Dazu hatten bereits 1900 der Kasseler Regierungspräsident August von Trott zu Solz und der Vizebürgermeister Friedrich Carl Endemann ihre Zustimmung erklärt. Obwohl der Verschönerungsverein 5000 Mark bereitstellte, wurde der Plan nicht umgesetzt. Stattdessen wurde an der vorgesehenen Stelle 1906 der Papin-Brunnen errichtet.[2] Im Jahr 1912 wurde ein letzter Versuch unternommen, den Brunnen wieder zu errichten. Es war geplant, den Brunnen vor dem damals im Bau befindlichen neuen Landesmuseum von Theodor Fischer aufzustellen, doch der eingelagerte Brunnen war in der Zwischenzeit zerschlagen und die Trümmer als Packlage für Pflasterarbeiten verwendet worden.[3]
Literatur
- Wolfgang Hermsdorff: Ein Blick zurück aufs alte Kassel. Band 2. Dietrichs & Co, Kassel 1979, S. 90.
- Alois Holtmeyer: Die Bau- und Kunstdenkmäler im Regierungsbezirk Kassel. VI. Kreis Cassel-Stadt. 2. Teil. Dietrichs & Co, Selbstverlag der Landesverwaltung 1923, S. 789f. ().