Britische Unterhauswahl 1841
Wahl
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Die Britische Unterhauswahl 1841 fand vom 29. Juni bis 22. Juli 1841 statt.[1] Sie endete mit Verlusten der bislang regierenden Whigs. Nach der Wahl kam Robert Peel als neuer Premierminister ins Amt und bildete eine Regierung der Konservativen.
Vorgeschichte



Innenpolitik
Seit dem 8. April 1835 war eine Whig-Regierung unter Lord Melbourne im Amt (zweite Regierung Melbourne). Die Regierung hatte von Anfang an einen schweren Stand. König William IV. stand ihr ablehnend gegenüber – nicht aus persönlicher Abneigung gegen Melbourne, den er respektierte, sondern aufgrund seines anhaltenden Grolls über die politische Niederlage von 1834/35. Damals hatte der König vergeblich versucht, eine Regierung gegen den Willen des Unterhauses durchzusetzen. Die folgende Installation der Regierung Melbourne sah er daher als eine persönliche Niederlage an. In der Folgezeit versuchte der König bzw. dessen Umgebung, durch zahlreiche Einsprüche und Änderungswünsche politische Maßnahmen der Regierung zu torpedieren oder abzuändern. Die Regierung musste viel Zeit und Energie in Verhandlungen mit dem Monarchen bzw. dessen Sekretären investieren, um ihn zu einer kooperativen Haltung zu bewegen. Erst der Tod König William IV. am 20. Juni 1837 und die nachfolgende Thronbesteigung Königin Victorias, die der Regierung Melbourne positiv gegenüberstand, brachte eine gewisse Erleichterung.[2][3]
Im Parlament sah sich Melbourne der konstanten Opposition der Tories, die das Oberhaus dominierten, gegenüber. Zusätzlich kam noch eine unerklärte Opposition aus den Reihen der Whigs um Lord Grey, den Amtsvorgänger Melbournes. 1834 hatte der damals 70-jährige Grey auf das Amt des Premierministers verzichtet und seinem Amtsnachfolger Melbourne zur Amtsübernahme gratuliert. Trotzdem zog sich Grey anschließend nicht aus der Politik zurück, sondern begann, wahrscheinlich aus Gefühlen der Kränkung heraus, gegen Melbourne zu intrigieren. Der Sohn Greys, Lord Howick, war als Secretary of the War Office (Kriegsminister) Mitglied in Melbournes Kabinett und geriet mit seinen Kabinettskollegen und mit dem Premierminister über verschiedene Angelegenheiten häufig in Streit, bis er letztlich im August 1839 vom Ministeramt zurücktrat.[2]
Die Regierung hatte im Unterhaus nach der Wahl 1835 eine Mehrheit von ungefähr 25 Abgeordneten. Nach der Wahl 1837 waren es weniger als 10 Abgeordnete und Melbourne musste zunehmend Rücksicht auf die irischen Abgeordneten unter Daniel O’Connell und die Radikalen nehmen. Seit spätestens 1838 wurde die Auseinandersetzung um die Corn Laws, d. h. die Einfuhrzölle für Getreide, zu einem wichtigen innenpolitischen Streitpunkt. Chartisten und die Anti-Corn Law League agitierten für die Aufhebung der Schutzzölle, die die britische Agrarwirtschaft vor ausländischer Konkurrenz schützten, aber dafür die Lebensmittelpreise für die Arbeiterschaft erhöhten. Premierminister Melbourne war ein Befürworter der Zölle und argumentierte dabei auch außenpolitisch. Großbritannien hätte nicht die napoleonische Blockade überstehen können, wenn es von ausländischen Nahrungsmittelimporten abhängig gewesen wäre. Die Whigs waren in der Frage der Corn Laws gespalten, allerdings war Melbourne gegen Ende seiner Regierungszeit mit seiner ablehnenden Haltung innerhalb des Kabinetts und der Whig-Fraktion zunehmend isoliert.[2] Auch in anderen Fragen zeigte er sich eher konservativ und lehnte beispielsweise die von den Radikalen geforderte Einführung einer geheimen Wahlprozedur ab.[4]
Außenpolitik
Außenpolitisch war Melbourne wenig an Kolonialfragen interessiert. Über den Nutzen von Kolonien im Allgemeinen war er sich so unsicher, dass er Königin Victoria davor warnte, kolonialen Unternehmungen ihre königliche Protektion zu gewähren. 1837–1838 kam es zu Aufständen in den beiden kanadischen Kolonien, die niedergeschlagen wurden, aber zu längeren Diskussionen im britischen Kabinett und der britischen Öffentlichkeit führten, wie mit den kanadischen Kolonien zu verfahren sei.[4]
Außenpolitisch hatten das Vereinigte Königreich und Frankreich nach der Julirevolution von 1830 in Europa weitgehend zusammengearbeitet. Dies betraf beispielsweise die Gründung des Königreichs Belgien 1830 und die Unterstützung der liberalen Kräfte im Ersten Karlistenkrieg in Spanien und im Miguelistenkrieg in Portugal. Im Sommer 1840 gerieten die beiden Länder jedoch an den Rand eines Krieges. Anlass war die Orientkrise mit der französischen Unterstützung Muhammad Ali Paschas, die britischen Interessen zuwiderlief. Die Krise konnte vor allem aufgrund der Diplomatie von Außenminister Lord Palmerston beigelegt werden, während sich der Premierminister weitgehend passiv verhielt.[4]
Ende der Regierung Melbourne
In den letzten beiden Jahren der Regierung Melbournes gewannen Beobachter den Eindruck, dass dem Premierminister die Kontrolle über die Regierungsgeschäfte entglitten war und die Minister weitgehend ihre eigenen Ziele verfolgten. In der Sitzungsperiode 1840/41 erlitt die Regierung im Unterhaus einige Abstimmungsniederlagen.[3]
Am 24. Mai 1841 kündigte der Führer der Konservativen, Robert Peel, ein Misstrauensvotum gegen die Regierung an.[5] Nach fünftägiger Debatte wurde am 4. Juni 1841 darüber abgestimmt. 312 Abgeordnete stimmten gegen die Regierung und 311 unterstützten sie.[6] Am 23. Juni 1841 wurde das Parlament per Proklamation aufgelöst.[7]
Wahlmodus
Gewählt wurden 658 Abgeordnete. Insgesamt stellten sich 916 Kandidaten zur Wahl, davon 337 ohne Gegenkandidaten. 460 Abgeordnete wurden in England, 103 in Irland, 53 in Schottland und 32 in Wales gewählt. Sechs Abgeordnete wurden durch Universitätsangehörige gewählt.[8] Die Wahlkreisgrenzen waren zuletzt im Jahr 1832 geändert worden.[9]
Die Wahl war derart stark von korrupten Praktiken, wie Stimmenkauf, geprägt, dass das neu gewählte Parlament von Einigen als Bribery Parliament bezeichnet wurde.[10]
Ergebnisse
Gesamtergebnis
Die Wahl endete mit deutlichen Stimmen- und Mandatsgewinnen der Konservativen. Lediglich Schottland stimmte gegen den Trend ab. Allerdings konnten auch hier die Konservativen geringe Mandatsgewinne erzielen. In Irland wurden erstmals eine signifikante Zahl von Repealern, d. h. Gegnern der staatlichen Union von Großbritannien und Irland, ins Parlament gewählt.[8] Die Zahl der Wahlberechtigten lag bei etwa 1.106.514. Das Wählerregister war zuletzt 12 Monate zuvor aktualisiert worden. Die Wahlbeteiligung lag bei ungefähr 58,9 %.[11]

367 Konservative
271 Whigs
20 Irische Repealer
Speaker

1 Whig
2 Whigs
4 Whigs
1 Konservativer
2 Konservative
1 Irischer Unabhängiger
2 Irische Unabhängige
Gebiet ohne Vertretung im Parlament (Isle of Man)
| Partei | Kandidaten | Stimmen | Sitze | |||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Gesamt | ohne Gegen- kandidat |
Anzahl | % | +/− | Anzahl | +/− | ||
| Conservative Party | 498 | 212 | 306.314 | 50,9 % | +2,6 % | 367 | +53 | |
| Whigs | 388 | 113 | 273.902 | 46,9 % | −4,8 % | 271 | −73 | |
| Chartisten | 8 | 0 | 692 | 0,1 % | +0,1 % | 0 | – | |
| Irische Unabhängige | 22 | 12 | 12.537 | 2,1 % | +2,1 % | 20 | +20 | |
| Gesamt | 916 | 337 | 593.445 | 100,0 % | – | 658 | – | |
Landesteile und Universitäten
| Partei | Kandidaten | Stimmen | Sitze | |||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Gesamt | ohne Gegen- kandidat |
Anzahl | % | +/− | Anzahl | +/− | ||
| England | ||||||||
| Conservative Party | 374 | 147 | 272.755 | 53,1 % | +4,2 % | 277 | +38 | |
| Whigs | 277 | 62 | 236.813 | 46,8 % | −4,3 % | 187 | −38 | |
| Chartisten | 4 | 0 | 307 | 0,1 % | +0,1 % | 0 | ±0 | |
| Gesamt | 655 | 209 | 509.875 | 100,0 % | – | 464 | – | |
| Wales | ||||||||
| Conservative Party | 24 | 16 | 4.102 | 53,2 % | +0,4 % | 21 | +2 | |
| Whigs | 16 | 8 | 3.605 | 46,8 % | −0,4 % | 11 | −2 | |
| Chartisten | 1 | 0 | 0 | 0,0 % | ±0,0 % | 0 | ±0 | |
| Gesamt | 41 | 24 | 7.707 | 100,0 % | – | 32 | – | |
| Schottland | ||||||||
| Whigs | 40 | 13 | 16.356 | 60,8 % | +6,8 % | 31 | −2 | |
| Conservative Party | 35 | 16 | 9.793 | 38,3 % | −7,7 % | 22 | +2 | |
| Chartisten | 3 | 0 | 385 | 0,9 % | +0,9 % | 0 | ±0 | |
| Gesamt | 78 | 29 | 26.534 | 100,0 % | – | 53 | – | |
| Irland | ||||||||
| Conservative Party | 59 | 27 | 19.664 | 40,1 % | −1,4 % | 41 | +11 | |
| Whigs | 55 | 30 | 17.128 | 35,1 % | −23,4 % | 42 | −31 | |
| Irische Unabhängige | 22 | 12 | 12.537 | 24,8 % | +24,8 % | 20 | +20 | |
| Gesamt | 136 | 69 | 49.329 | 100,0 % | – | 103 | – | |
| Universitäten | ||||||||
| Conservative Party | 6 | 6 | – | – | – | 6 | – | |
| Gesamt | 6 | 6 | – | – | – | 6 | – | |
Nach der Wahl
Das neu gewählte Parlament trat am 19. August 1841 zusammen.[12] Am 30. August 1841 erklärte das Kabinett Melbourne seinen Rücktritt und Robert Peel wurde Melbournes Nachfolger im Amt des Premierministers.