Britische Unterhauswahl 1922
Wahl
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Die britische Unterhauswahl 1922 fand am 15. November 1922 statt, um die Abgeordneten für das Unterhaus (House of Commons) neu zu bestimmen.[2] Es war die erste Wahl, nachdem 26 der 32 irischen Grafschaften den Irischen Freistaat gegründet hatten. Die Conservative Party unter Andrew Bonar Law erhielt eine absolute Mehrheit der Sitze. Die Wahlbeteiligung betrug 73,0 % und lag damit 15,8 Prozentpunkte höher als bei der vorangegangenen Wahl 1918.
Vorgeschichte
Die seit 1916 amtierende Koalitionsregierung Lloyd George war im Oktober 1922 nach einem Aufstand der konservativen Hinterbänkler (Carlton Club-Treffen vom 19. Oktober 1922) zerfallen. Danach war der konservative Parteiführer Bonar Law mit der Regierungsbildung beauftragt worden. Bonar Law berief umgehend Neuwahlen ein, um eine Mehrheit für seine Partei zu erlangen.
Bei der Wahl standen sich vier Gruppierungen gegenüber: die Konservativen, die Liberal Party unter H. H. Asquith, die 1922 als Abspaltung von letzterer entstandene National Liberal Party unter der der Führung von Lloyd George (Georgian Liberals) und die Labour Party (Labourites). Der Wahlkampf wurde im Wesentlichen von den Konservativen, den Georgian Liberals und der Labour Party bestritten. Die Asquith-Liberalen standen eher im Hintergrund. Im Wahlkampf warben die Konservativen für eine Rückkehr zur Normalität nach dem Kriegsende und eine Politik, die sich auf das Empire bzw. Commonwealth konzentrierte, und sich aus ausländischen Konflikten, beispielsweise auf dem europäischen Kontinent, möglichst heraushielt. Hinsichtlich der Reparationszahlungen sprach sich Bonar Law für eine an den Realitäten orientierte, aber entschiedene Position gegenüber dem besiegten Deutschland aus. Die Labour Party setzte sich für eine stärkere Besteuerung der Wohlhabenden zur Abtragung der Kriegsschulden ein. Außenpolitisch trat sie für ein milderes Vorgehen gegenüber Deutschland aus. Sie befürwortete die Unabhängigkeit Ägyptens sowie eine Selbstverwaltung für Britisch-Indien. Sie sprach sich für den Anglo-Irischen Vertrag aus und unterstützte den Völkerbund. Die Positionen der National Liberal Party lagen zwischen diesen beiden Polen.[3]
- Parteiführer
Wahlsystem
Gewählt wurde nach dem Mehrheitswahl-System, eine Sperrklausel gab es nicht.
Wahlergebnis

| Partei | Stimmen | Sitze | ||||
|---|---|---|---|---|---|---|
| Anzahl | % | +/− | Anzahl | +/− | ||
| Conservative Party | 5.294.465 | 38,5 | +0,1 | 344 | -35 | |
| Labour Party | 4.076.665 | 29,7 | +8,9 | 142 | +85 | |
| Liberal Party[Anm 1] | 2.601.486 | 18,9 | +5,9 | 62 | +26 | |
| National Liberal Party | 1.355.366 | 9,9 | −2,7 | 53 | −74 | |
| Unabhängige Konservative | 116.861 | 0,9 | +0,5 | 3 | +2 | |
| Unabhängige | 114.697 | 0,8 | −0,2 | 3 | +1 | |
| Nationalist Party | 57.641 | 0,4 | −1,8 | 2 | −5 | |
| Communist Party of Great Britain | 30.684 | 0,2 | 1 | +2 | ||
| Agriculturalist | 21.510 | 0,2 | ±0,0 | 0 | ±0 | |
| Unabhängige Labour | 18.419 | 0,1 | −1,0 | 1 | −1 | |
| Constitutionalist | 16.662 | 0,1 | 1 | +1 | ||
| Scottish Prohibition Party | 16.289 | 0,1 | +0,1 | 1 | +1 | |
| Unabhängige Liberals | 13.197 | 0,1 | −0,1 | 1 | ±0 | |
| Unabhängige Republicans | 12.614 | 0,1 | 1 | ±0 | ||
| Unabhängige Unionists | 9.861 | 0,1 | 0 | |||
| Unabhängige Kommunisten | 4.027 | 0,0 | 0 | |||
| Anti-Parlamentarische Kommunisten | 470 | 0,0 | 0 | |||
| Gesamt | 13.748.300 | 100,0 | 615 | |||
| Quelle:[1] | ||||||
- einschließlich des Speakers of the House
Nach der Wahl
Andrew Bonar Law bildete nach der Wahl eine Regierung, die ausschließlich aus Konservativen bestand. Austen Chamberlain und seine Verbündeten innerhalb der Konservativen weigerten sich in das Kabinett einzutreten, da sie die Fortsetzung der Koalitionsregierung mit den Nationalliberalen forderten, die im Rahmen des Carlton-Club-Treffen zerbrach. Bonar Law trat bereits wenig später aus gesundheitlichen Gründen zurück, woraufhin Stanley Baldwin zum Premierminister ernannt und sein neues Kabinett gebildet wurde. Baldwin rief wenig später Neuwahlen aus um sich ein eigenes Mandat vom Volk für die Einführung von Schutzzöllen geben zu lassen. Die Liberalen konnten sich auch deshalb im Rahmen eines Wahlkampfes für Freihandel wiedervereinigen.