Bronzefirnispapier
um 1680 von Jakob Enderlin in Augsburg erstmals hergestelltes Buntpapier
From Wikipedia, the free encyclopedia
Bronzefirnispapiere sind eine spezielle Form unter den Buntpapieren. Sie wurden erstmals nach 1680 von dem in Augsburg tätigen Formschneider Jakob Enderlin hergestellt, nachdem sich dieser von dem Textildrucker Jeremias Neuhofer getrennt hatte, und zeigten oftmals Motive in „goldglänzender barocker Pracht“. Einen frühesten datierten Beleg konnte Hageböck anhand einer Huldigungschrift nachweisen, die Herzog Johann Wilhelm von Sachsen-Jena anlässlich seines 14. Geburtstag am 28. März 1689 überreicht wurde.[1] Schon kurz nach ihrer Entwicklung setzte ein überregionaler Handel ein, da die Papiere insbesondere für Bucheinbände verwendet wurden.[2]

Staatsbibliothek Bamberg

Deutsches Buch- und Schriftmuseum
Bronzefirnispapiere wurden im Modeldruckverfahren mittels einer Druckform aus Hartholz unter Verwendung eines Bronzefirnisgemischs gedruckt.[3] 1708 gab Johann Gottfried Zeidler eine klare Abgrenzung zur Herstellung der Brokatpapiere: „Uber dieses hat man noch das schöne Goldpapier/ und sind desselben zweyerley Arten. Die erste Art wird mit Goldfirnis auff einen gefärbten Boden vermittelst in Holtz geschnitter Formen gedruckt/ also daß erstlich das Papier gefärbet/ hernach die Oerter/ wo die bunten Blumen hinnkommen sollen/ Durch Patronen illuminirt und endlich mit Golde abgedruckt, und wenn der Firniß trocken, das Papier über und über geglättet werde. Bey der andern Art gebrauchet man eine Meßinge Form/ worein die Blumen mit dem Grabstickel gegraben/ und das übrige hol ausgehauen/ von welcher die Figuren mit Blätleingolde auff gefärbt Papier abgedruckt werden.“[4]
Als Firnis konnte ein klarer Lack aus von in Alkohol gelöstem Schellack oder ein Firnis, der sich aus einer Mischung von Wasser und Gummi arabicum oder Hautleim zusammensetzte, verwendet werden.[5] Zum Teil wurden die Papiere vor dem Druck zweifarbig schabloniert, wobei dunkle Flächen bestimmte Motivbereiche des Firnisdrucks deutlich akzentuierten. Die erzielbare ästhetische Wirkung der mehrfarbigen Patronierung erläutert Matthias Hageböck so: „Durch den Wechsel von hellen und dunklen Farben wirken sie heiter und lebendig, während goldene Bronzefirnismuster auf einfarbigem Grund einen ernsten und feierlichen Charakter haben können. Dieser Eindruck wurde durch die dunkel abgetönten Farben Rot, Grün, Blau, Violett oder Schwarz erzeugt. Es war also möglich, für jeden Anlass Muster einen entsprechend gefärbten Papiergrund zu wählen.“[6]
Zu den wichtigen Verlegern von signierten Bronzefirnispapieren gehörten in Augsburg nach Jakob Enderlin neben Joseph Friedrich Leopold und dessen Sohn Johann Christoph Leopold vor allem Georg Christoph Stoy sowie Marquart Hirt. Als deren Motive werden „rapportierende Muster aus einfachen Formen wie Kreisen, Sternen und Quadraten […] oder Arabeskenornamente, Blüten, Ranken, Akanthus, häufig auf punktiertem Grund, teilweise zusätzlich mit Tieren, Jägern oder anderen figürlichen Darstellungen“ benannt.[7] Ingeborg Bähr verweist zudem auf gewisse Ähnlichkeiten der Bronzefirnispapiere mit Goldgrisaille-Rändern persischer Miniaturen des 16. Jahrhunderts und deren Dekor mit Arabesken, Blumen und Vögeln.[8]
Nach traditioneller Auffassung währte die Nachfrage nach Bronzefirnispapieren nur kurz, da bereits 1699 – ebenfalls in Augsburg – erstmals Brokatpapiere fabriziert wurden, die aufgrund größerer Beliebtheit die Bronzefirnispapiere schon in den ersten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts fast völlig vom Markt verdrängten.[2] Die frühe Ablösung der Bronzefirnispapiere wird auch mit der geringen Haltbarkeit des Bronzefirnisaufdrucks in Verbindung gebracht.[9] Allerdings werden in Italien noch in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts von den Brüdern Remondini mehrere Bronzefirnispapiere hergestellt.[10] Entsprechende Hinweise finden sich bereits 1961 bei Albert Haemmerle.[11] Zudem ließ sich beobachten, dass nicht selten dieselben Motive des Brokatpapiers vereinfacht im Bronzefirnispapier auftauchten, „was für ein- und dieselbe Werkstattzugehörigkeit spricht“.[12]
Inzwischen werden im Grafik- und Antiquariatshandel Buntpapierbogen, die bei Haemmerle noch unter Brokatpapier gelistet waren, als Bronzefirnispapiere angeboten.[13] Dies betrifft nicht zuletzt allerhand bilderbogenartige Drucke der Nürnberger Firma G. N. Renner & Abel aus dem 2. Viertel des 19. Jahrhunderts. Diese Bogen weißen aber nicht mehr diese besondere Glättung auf, die wesentlich zur Anmutung der Bronzefirnispapiere aus dem 1. Viertel des 18. Jahrhunderts beitrug.
Einbände mit Bronzefirnispapieren haben sich insbesondere in der Staatsbibliothek Bamberg erhalten.[2] Auch in der Buntpapiersammlung des Deutschen Buch- und Schriftmuseums der Deutschen Nationalbibliothek in Leipzig sind über 30 Bronzefirnispapiere nachgewiesen.[14]

Wie Haemmerle bemerkte, erlebte der Bronzefirnisdruck in der industriellen Erzeugung des 19. Jahrhunderts „eine Erneuerung auf einer veränderten technischen Grundlage.“[15] Jetzt befassten sich Lithografen mit dem Druck von Metall in Pulverform.[16]
Literatur
- Albert Haemmerle (Verf.), Olga Hirsch (Mitarb.): Buntpapier. Herkommen, Geschichte, Techniken, Beziehungen zur Kunst. Festschrift aus Anlass des 150jährigen Bestehens der Buntpapierfabrik AG Aschaffenburg, Verlag von Georg D. W. Callwey, München 1961, passim
- Matthias Hageböck: Bronzefirnispapier. In: Julia Rinck und Susanne Krause: Handbuch Buntpapier. Hauswedell, Stuttgart 2021, S. 98–110.
Weblinks
- buntpapiersammlungen.org Katalog Schönborn
- buntpapiersammlungen.org Katalog Wertheim
- buntpapiersammlungen.org Katalog Stift Heiligenkreuz
- Bronzefirnispapier. Arbeitskreis Buntpapier: Netzwerk Buntpapier - buntpapier.org
- Ansichten von außen – Bronzefirnispapiere der Staatsbibliothek Bamberg, Online-Vortrag über youtube von Matthias Hageböck Anfang 2024 als achter von insgesamt elf Vorträgen der Staatsbibliothek Bamberg