Blaudruckerei Koó

Blaudruckerei in der Ortschaft Steinberg in der Gemeinde Steinberg-Dörfl im Bezirk Oberpullendorf im Burgenland From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Blaudruckerei Koó steht in der Neugasse Nr. 14 in der Ortschaft Steinberg in der Gemeinde Steinberg-Dörfl im Bezirk Oberpullendorf im Burgenland.

Blaudruckerei Koó

Von den vielen Färbereien, die es im 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch gab, war die Färberei Koó in den 1990ern als einzige übriggeblieben, die Blaudruck noch herstellte und nur mit echtem Indigo färbte.[1]

Geschichte

Der Blaudruck-Betrieb wurde 1921 von Joseph Koó gegründet und beschäftigte in ihrer Blütezeit fünf Gesellen, die sich in den Arbeitsschritten Drucken – Färben – Waschen abwechselten. Dabei übten je zwei die Druck- und die Färbetätigkeit aus, und ein Geselle übernahm das Waschen. Mitte der 1930er-Jahre wurde die Druckerei mit Strom von einem benachbarten Mühlenbetrieb versorgt, sodass ab 1934 eine elektrisch betriebene Mangel in Betrieb ging.

Die Eheleute Elisabeth und Joseph Koó übernahmen den elterlichen Betrieb 1961. Zu dieser Zeit wurde die Küpenfärberei von Indigo auf Indanthron umgestellt, um der durch moderne Waschprozesse verursachten Ausbleichung entgegenzuwirken. Allerdings wurde einmal im Jahr der Indigo-Druck für kurze Zeit wieder aufgenommen, um der traditionellen Trachten-Kittelbedruckung der Frauen von Lutzmannsburg und Gols Rechnung zu tragen. Eine erneute Umstellung auf reinen Indigo-Druck erfolgte in den 1980er-Jahren, angeregt durch die Blaudruck-Künstlerin Maria Biljan-Bilger.

Der Betrieb wird aktuell (Stand März 2026) in dritter Generation seit 2008 von Joseph Koó und Miriam Schwack-Koó geführt.

Färberei und Druckerei

Handblaudruckmodel

Die Hauptfront bildet ein traufständisches Haus mit zwei hofseitigen Querhäusern, eines als Anbau in der traditionellen L-Form, das andere freistehend.

Das Gebäude ist ein Wohnhaus mit integrierter Färberei und Druckerei von Stoffen, bestehend aus dem Küpenraum zum Färben, dem Druckraum für den Walzendruck, einem großen Mangelraum und einem Druckraum mit den Modeln sowie einen Verkaufsraum. Die Mangel befindet sich noch immer in der Familienwerkstatt und erstreckt sich über die gesamte Länge des großen Nebengebäudes, als wären Wände und Dach um sie herum errichtet worden; ihre Ketten und Rollen reichen bis zu den Zahnrädern und Walzen im Dachstuhl.[2] Im Hof mit Garten befinden sich zum Schwemmen der gefärbten Stoffe ein großer Steintrog sowie Vorrichtungen zum Trocknen. Das Grundstück grenzt mit dem Hinterhaus an die Rabnitz, in der die Stoffe früher geschwemmt wurden.

Immaterielles Kulturerbe

Traditionelles Handwerk Handblaudruck

Der Burgenländische Indigo-Handblaudruck mit natürlichem Indigo aus der Pflanze Färberwaid (Isatis Tinctoria) oder der tropischen Indigopflanze (Indigofera tinctoria) wurde ab dem Jahr 2008 zum Österreichischen Immateriellen Kulturerbe erhoben[3] und im Jahr 2018 gemeinsam mit Deutschland, Tschechien, Ungarn und der Slowakei unter dem Stichwort Blaudruck in Europa als Traditionelles Handwerk in die Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen.[4][5][6][7][8]

Der europäische Blaudruck in Deutschland, Österreich, Tschechien, Ungarn und der Slowakei gehört seit 2019 zum Immateriellen Kulturerbe der Menschheit. Neben zwölf deutschen Blaudruckwerkstätten üben das Handwerk heute noch zwei österreichische Manufakturen, die Blaudruckerei Wagner in Oberösterreich und die Blaudruckerei Koó im Burgenland sowie 13 Betriebe in Ungarn, Tschechien und der Slowakei aus.

Ausstellungen

Filme

  • Iris Barbara Gräfe: Mitteleuropa, Burgenland - Herstellung von Blaudruck. Filmische Dokumentation der Arbeitsvorgänge in der Blaudruckerei Koó. Österreichisches Bundesinstitut für den Wissenschaftlichen Film (ÖWF), Wien 1986.
  • Video zum Arbeitsvorgang.[10]
  • Handwerk: Burgenlands letzte Blaudruckerei.[11]

Literatur

  • Peter M. Bauer: Indigo. Die Kunst des Blaudrucks. Mit einem Nachwort von Kurt Kaindl, Bild- und Textband, Bibliothek der Provinz, Weitra 1997, ISBN 978-3-85252-164-0, S. 17–24, 33–43, 49–106 und 108–109.
  • Joseph Koó (Hrsg.): 100 Jahre Blaudruckerei Koó. 100 Jahre Blau gemacht. Bildband, Eigenverlag, Steinberg-Dörfl 2022, 202 Seiten.[12]

Einzelnachweise

Related Articles

Wikiwand AI